Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ikea-tradfri-im-test-drahtlos-und-sicher-auf-schwedisch-1707-128803.html    Veröffentlicht: 12.07.2017 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/128803

Ikea Trådfri im Test

Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch

Ikeas eigenes Beleuchtungssystem Trådfri ist einfach einzurichten und kann ohne Internetverbindung verwendet werden. Das macht es zu einem sehr sicheren Smart-Home-System - das optionale Gateway dient nur Komfortfunktionen. Wer trotzdem basteln möchte, kann dies dank Home Assistant dennoch tun.

Mit Trådfri hat Ikea seit kurzem ein eigenes Smart-Home-System vorgestellt, das sich aktuell ausschließlich auf Beleuchtungsmittel konzentriert. In der Tradition eingängiger Produktnamen ist "Trådfri" schlicht schwedisch für "drahtlos". Das Trådfri-System bietet Käufern verschiedene Leuchten, Lichtpaneele, beleuchtete Türen und Fernbedienungen.

Das System ist komplett lokal betreibbar, ohne es an eine Zentrale mit Internetzugang anzuschließen. Damit lässt sich Trådfri abgeschottet von irgendwelchen Servern nutzen, was das System sehr sicher macht. Für die optionale Nutzung der Smartphone-App ist zwar ein Gateway mit lokaler Netzwerkanbindung nötig; dies bietet aber im Grunde nur Komfortfunktionen, eine Fernsteuerung des Systems ist damit nicht nötig.

Wir haben Trådfri mit einer einfarbig warmweißen Leuchte und einer Leuchte mit verschiedenen weißen Lichtstimmungen ausprobiert. Die Einrichtung des Systems ist sehr einfach, dank der nicht zwingend nötigen App ist Trådfri auch für technisch unerfahrene Nutzer einfach zu installieren. Mit der Handhabung einer der Fernbedienungen sind wir im Test allerdings nicht warm geworden.

Komponenten einzeln und in Sets erhältlich

Ikea verkauft die Trådfri-Leuchten in Sets sowie einzeln. Die Sets sind insofern praktisch, da sie bereits einen einfachen Dimmschalter beinhalten. Hiervon gibt es zwei verschiedene Modelle: Einen einfachen, magnetisch arbeitenden Drehschalter sowie eine Fernbedienung, die noch zusätzliche Bedienungsoptionen ermöglicht. Beide Schalter werden gleich eingerichtet und können bis zu zehn Trådfri-Geräte gleichzeitig steuern.

Die Installation der Leuchten ist einfach: Wir müssen die Leuchtmittel zunächst in eine passende Lampe schrauben und einschalten. Danach halten wir unseren Dimmschalter beziehungsweise die Fernbedienung in einem Abstand von 2 cm an die Leuchte und drücken den Pairing-Knopf am Schalter beziehungsweise der Fernbedienung.

Einfache Installation ohne Smartphone oder Computer

Während des Pairings blinkt das Trådfri-Leuchtelement mehrfach auf; leuchtet das Licht wieder konstant, ist die Einrichtung abgeschlossen. Von nun an können wir die mit dem Schalter verbundene Leuchte steuern. Wollen wir weitere Leuchtmittel hinzufügen, wiederholen wir einfach diesen Verbindungsschritt mit demselben Schalter oder einem neuen - je nachdem, ob wir die Leuchten gemeinsam über einen Schalter oder getrennt über mehrere bedienen wollen.

Alle Trådfri-Leuchten, die mit einem Schalter oder einer Fernbedienung verbunden sind, werden gleichzeitig gesteuert. Unterschiedliche Dimmlevel bei verschiedenen Lampen sind daher mit nur einem Schalter oder einer Fernbedienung nicht möglich. Entweder wir schalten alle Lampen gleichzeitig ein und dimmen sie gleichzeitig oder wir müssen mehrere Schalter und Fernbedienungen verwenden. Entsprechend ist als Benutzungsszenario denkbar, eine Beleuchtungssituation auf einen Schalter zu legen, beispielsweise die Grundbeleuchtung für einen Raum, die aus mehreren Leuchten besteht. Wer mehrere Leuchten unabhängig voneinander zentral steuern möchte, muss die App und das Gateway verwenden.

Dimmschalter kann nur dimmen

Der Dimmschalter ermöglicht es uns lediglich, die Lampen ein- und auszuschalten und zu dimmen; wollen wir bei einer Leuchte mit verschiedenen Weißtönen die Farbtemperatur ändern, benötigen wir die Fernbedienung. Diese hat neben dem Einschalter und zwei Dimmschaltflächen auch zwei Knöpfe, um die drei programmierten Lichtfarben durchzuschalten. Zur Verfügung stehen ein kaltes Weiß, ein normales Warmweiß und ein sehr warmer, orangener Farbton. Dieser soll Kerzenbeleuchtung ähneln, wirkt auf uns allerdings schon fast zu rötlich.

Die Fernbedienung funktioniert sehr gut, auch in einiger Entfernung zur verknüpften Leuchte können wir diese damit zuverlässig bedienen. Die schnelle Umschaltung zwischen den Lichtsituationen bei den Leuchten mit mehr als einer Lichtfarbe ist praktisch, wenngleich wir das Leuchtmittel meistens nur auf der normalen, warmweißen Einstellung haben. Der kalte Weißton ist uns zu harsch, der sehr warme Farbton zu orange.

Dimmschalter funktioniert nicht immer zuverlässig

Der drehbare Dimmschalter hingegen gefällt uns nicht gut, da er nicht zuverlässig funktioniert: Eigentlich sollen Nutzer mit einer schnellen Bewegung im Uhrzeigersinn die mit dem Drehschalter verknüpften Lampen einschalten und mit einer ebenso schnellen Bewegung entgegen dem Uhrzeigersinn wieder ausschalten können. Langsame Bewegungen hingegen dimmen die Leuchten. In der Praxis funktioniert das äußerst unzuverlässig: Mitunter drehen wir sekundenlang am Schalter, ohne dass die Leuchten reagieren. Dabei ist es egal, ob wir langsam dimmen oder schnell einschalten wollen.

Der Schalter besteht aus zwei Teilen, einer Basis und einem Oberteil, das die Elektronik sowie die Batterie enthält und auf die Basis gesetzt wird. Beide Teile werden magnetisch zusammengehalten, die Übertragung der Drehbewegungen erfolgt ebenso magnetisch - zumindest theoretisch. Mal funktioniert der Schalter, meistens jedoch nicht. Das macht die Bedienung zu einer nervigen Angelegenheit, die uns bereits nach kurzer Zeit die Lust an Trådfri verdirbt. Glücklicherweise gibt es noch den Funkschalter, der absolut zuverlässig funktioniert und der sich ebenfalls mit den reinweißen Leuchten verwenden lässt.

Trådfri-App nur mit Gateway nutzbar

Die für Android und iOS verfügbare Trådfri-App ist nur nutzbar, wenn wir unserem Beleuchtungssystem das Gateway hinzufügen. Dieses ist einzeln oder als Set mit zwei Leuchten und der Fernbedienung erhältlich. Die Zentrale ermöglicht es uns, unser Trådfri-System über die App zu steuern, sofern wir uns im selben lokalen Netzwerk wie das Gateway befinden. Außerhalb der Reichweite des Netzwerkes können wir die Lampen nicht über die App bedienen - anders als etwa bei Philips Hue-System.

Das Gateway bietet also keinen Fernzugriff an, benötigt aber eine Ethernetverbindung zum heimischen Router. Die Einrichtung der Zentrale ist unproblematisch und gut erklärt - im Grunde müssen wir das Gerät nur einstöpseln und können anschließend über die App unser bestehendes Trådfri-System erkennen lassen.

App dient der Übersicht und Gruppierungsfunktionen

Die App bietet uns eine optische Übersicht der im heimischen System betriebenen Leuchten sowie den damit verbundenen Fernbedienungen und Dimmschaltern. So können wir einfach erkennen, welcher Schalter welche Leuchte steuert. Über virtuelle Slider können wir die Lampen in der App einschalten und dimmen sowie bei mehrfarbigen Leuchten die Lichtfarbe ändern.

Über die App lassen sich die Leuchtelemente auch neu gruppieren oder von einer Gruppe in eine andere verschieben. Das geht allein mit dem Schalter oder der Fernbedienung nicht. Des Weiteren können wir über die App Zeitschaltungen aktivieren - auch das geht ohne die Anwendung nicht. Zuletzt ermöglicht es uns die App noch, neue Lichtstimmungen zu erstellen. Mit der Fernbedienung können wir nur die drei voreingestellten verwenden.

Praktisch ist die Trådfri-App auch wegen der Anzeige der verbleibenden Batterielaufzeit der verwendeten Schalter und Fernbedienungen. Ohne die Anwendung erfahren wir von einer zu schwachen Batterie ansonsten erst, wenn der Schalter nicht mehr funktioniert. Die mitgelieferte Batterie des Dimmschalters soll Ikea zufolge übrigens zwei Jahre halten - bei uns wird schon nach zwei Monaten eine fast leere Knopfzelle angezeigt.

Zigbee als Verbindungsstandard

Als Übertragungstechnologie verwendet Ikea für Trådfri Zigbee. Aktuell ist das System aber noch nicht mit anderen Zigbee-Leuchten wie etwa Philips Hue-Lampen kompatibel. Ebenso lässt sich Trådfri momentan offiziell nur über die Ikea-eigenen Schalter und die App steuern; das soll sich Ikea zufolge noch im Sommer 2017 ändern. Dann soll die Integration von Amazon Alexa, Google Home und Apple Homekit erfolgen.

Entsprechend würden sich die Leuchten dann auch mit Sprachbefehlen bedienen lassen - eine Funktion, die andere Hersteller wie Philips oder TP-Link mit ihren smarten Geräten bereits anbieten. Im Alltag ist die Sprachbedienung smarter Gegenstände praktisch, da der Griff zum Smartphone oder Schalter entfällt. Zum Zeitpunkt dieses Tests ist die Sprachunterstützung von Trådfri noch nicht verfügbar gewesen.

Sicherheit, wie sie sein sollte

Wie erwähnt benötigt das Trådfri-System anders als andere Smart-Home-Systeme keinerlei Anbindung an das Internet oder Cloud-Dienste. Das macht das System nicht nur langfristig unabhängig von einem Anbieter, sondern schützt die Nutzer auch vor mittlerweile typischen Internet-of-Things-Angriffen, deren Wirksamkeit mit Mirai eindrucksvoll demonstriert worden ist.

Ein theoretischer Angriffspunkt entsteht zwar bei der Verwendung von Gateway und App, der Sicherheitsforscher und Google-Angestellte Matthew Garrett beschreibt in seinem Blog die eingesetzte Kombination aus Hardware und Software jedoch als "überraschend kompetent" und die Sicherheit des Systems als "so gut wie ideal".

Threadx als Betriebssystem

So nutzt die verwendete IoT-Plattform im Unterschied zu anderen Systemen kein Android oder verrücktes Bastel-Linux, wie die ehemalige Canonical-Chefin Jane Silber diese Systeme nannte, sondern das vergleichsweise sehr kleine Echtzeit-System Threadx, was die Angriffsfläche enorm verkleinert. Darüber hinaus laufen laut Garrett keine TCP-Dienste, und das Gateway reagiert nur über zwei UDP-Ports auf Anfragen. Garrett beschreibt das als "angenehm minimalistisch".

Auf den UDP-Ports läuft ein Coap-Server für die Kommunikation mit der App, die per DTLS abgesichert ist. Der Schlüssel dafür steht auf der Unterseite des Gerätes und lässt sich als QR-Code mit der App scannen. Angreifer bräuchten zur Übernahme der Kommunikation also physischen Zugriff auf das Gateway oder ausnutzbare Fehler in dem Coap- oder DTLS-Server. Das Gerät reagiert offenbar aber erst nach einer Authentifizierung auf weitere Eingaben, was potenzielle Risiken extrem abmildere, so Garrett.

Einziger Kritikpunkt: Updates werden unverschlüsselt heruntergeladen

Neben programmierbaren Timern, die Nutzer einstellen können, läuft auf dem Gateway sonst nur ein MDNS-Responder, der für das Auffinden des Gerätes im lokalen Netzwerk von der App benötigt wird. Einziger Kritikpunkt von Garrett ist, dass das Gateway eventuelle Firmware-Updates unverschlüsselt herunterlädt. Die Firmware-Updates sind zwar signiert, die unverifizierten Download-Objekte werden allerdings von dem Gerät geparst, so dass auch hier ein theoretische Angriffsvektor zur Übernahme des Gateways entsteht.

Dazu müssten Angreifer aber das DNS des heimischen Netzes verändert haben, was viel größere Probleme mit sich bringt als die Übernahme des Gateways und der Leuchten selbst. Darüber hinaus nutzt Ikea zum Verteilen der Firmware das Cloudfront-CDN von Amazons Webservices, das HTTPS unterstützt, so dass Ikea hier auch leicht nachbessern kann.



Bastelbereit dank Home Assistant

Bastler können dank des Projekts Home Assistant anstelle der App auch einen eigenen Minirechner wie etwa den Raspberry Pi zum Steuern der Leuchten über das Gateway verwenden. Dafür ist die Bibliothek Pytradfri entstanden, die im Prinzip die gleichen Aufgaben übernimmt wie die App.

Eine grafische Oberfläche dafür stellt das Home-Assistant-Projekt als Webapp bereit, die über einen Browser auf dem Desktop oder Smartphone bedient werden kann. Etwas umständlicher als mit der Ikea-App muss hier zur Authentifizierung mit dem Gateway der Schlüssel von Hand eingeben werden, danach ist Home Assistant aber eine gute Alternative zur App.

Die Trådfri-Leuchten lassen sich dann ein- und ausschalten, dimmen und auch die Lichtfarbe lässt sich wechseln. Ebenso kann man die Zeitspanne einstellen, während der die Leuchte eingeschaltet sein soll. Die von der App unterstützte Gruppierung der Leuchten steht auch in Home Assistant bereit.

Verknüpfung mit Sensoren denkbar

Darüber hinaus können dank Home Assistant weitere Automatisierungen in Verbindung mit anderen Smarthome-Geräten vorgenommen werden, die das Open-Source-Projekt ebenfalls unterstützt. Denkbar wäre etwa eine automatische Dimmung entsprechend dem Sonnenlicht, falls ein Sensor hierfür vorhanden ist.

Ungeduldige können sich mit Home Assistant außerdem selbst eine Sprachsteuerung bauen, die Anbindung zu den Smart-Home-Dienste von Apple, Amazon und Google vornehmen oder auch per VPN eine externe Steuerung über das Internet einrichten.

Verfügbarkeit und Fazit

Trådfri ist in verschiedenen Elementen und Sets erhältlich. Das Dimmer-Set besteht aus einer Leuchte mit einfacher Lichtfarbe sowie dem Dimmschalter und kostet im Onlineshop des Möbelhauses 18 Euro. Für 25 Euro bekommen Käufer eine Leuchte, die in der Lichtfarbe anpassbar ist sowie die bessere Fernbedienung.

Das Gateway-Set besteht aus zwei Leuchten mit Farbanpassung, der Fernbedienung sowie dem Gateway und kostet 75 Euro. Außerdem gibt es für 25 Euro noch ein Set bestehend aus einer weißen Leuchte und einem Bewegungsmelder.

Die Bausteine von Trådfri gibt es auch einzeln. So kostet eine einzelne Leuchte ohne Farbtemperaturanpassung 10 Euro, die Fernbedienung 15 Euro, das Gateway 25 Euro.

Fazit

Ikeas Trådfri-System gefällt uns sehr gut. Anders als die Beleuchtungssysteme anderer Hersteller - wie beispielsweise Philips Hue-Lampen - lässt sich Trådfri komplett ohne Internetanbindung verwenden. Dadurch lässt sich das System zwar nicht aus der Ferne steuern, wirklich vermisst haben wir diese Funktion allerdings nicht.

Die Einrichtung von Trådfri ist einfach und auch ohne nennenswerte technische Kenntnisse möglich. Dass hierfür keine App nötig ist, finden wir vorteilhaft: Die zu koppelnde Lampe und Fernbedienung werden einfach aneinander gehalten, nach wenigen Sekunden ist Trådfri einsatzbereit.

Die Fernbedienung gefällt uns besser als der Dimmschalter, der mitunter nicht zuverlässig funktioniert. Zudem ermöglicht die Fernbedienung auch die Steuerung der Lichtfarbe, was mit dem Dimmschalter nicht funktioniert.

Die App ist für bestimmte Komfortfunktionen hilfreich, auch zum Verwalten des Trådfri-Systems ist sie praktisch. Wer allerdings nur ein paar Lampen einschalten will und wem die drei voreingestellten Lichtfarben ausreichen, braucht die Anwendung und das dafür notwendige Gateway allerdings nicht.

Mit Home Assistant lassen sich dem Trådfri-System einige Funktionen hinzufügen. Dafür ist das Gateway nötig - unserer Meinung nach eher eine lohnenswerte Anschaffung als nur für die Nutzung mit der App.

Ikea hat angekündigt, dass sein Trådfri-System künftig auch durch Alexa, Siri und Google Home steuerbar sein soll. Dies würde den Nutzerkomfort erhöhen, allerdings etwas vom Sicherheitsaspekt nehmen. Nutzen müssen Anwender diese Möglichkeit natürlich nicht.

Insgesamt ist Trådfri ein einfaches, aber zuverlässiges Beleuchtungssystem. Sollte Ikea den Dimmschalter noch etwas verbessern, wäre das 18-Euro-Set uneingeschränkt von uns zu empfehlen. Aktuell würden wir allerdings eher zum 25-Euro-Set mit der besseren Fernbedienung raten.  (tk)


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