Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/core-i7-7280x-und-core-i7-7800x-im-test-intels-8c-und-6c-konter-verpufft-1707-128772.html    Veröffentlicht: 07.07.2017 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/128772

Core i7-7820X und Core i7-7800X im Test

Intels 8C- und 6C-Konter verpufft

Der Core i7-7820X mit acht und der Core i7-7800X mit sechs Kernen sind sehr schnelle Prozessoren mit hohem Takt. Die zwei Skylake-X-Chips müssen sich aber an den günstigeren Ryzen-CPUs von AMD messen lassen, und da gibt es bessere Angebote.

AMDs Ryzen-Prozessoren haben einen großen Einfluss auf Intels Produkt- und Preisgestaltung: Die neue Core-X-Generation liefert verglichen mit den Vorgängern eine höhere Leistung bei geringeren Kosten. Das hat es bei einer HEDT-Plattform (Highend Desktop) von Intel lange nicht mehr gegeben. Während das derzeitige zehnkernige Topmodell Core i9-7900X mit gut 1.000 Euro nur wenige Käufer anspricht, sind der Core i7-7820X und der Core i7-7800X attraktiver: Der Octacore kostet 600 Euro, der Hexacore 400 Euro. Wir haben uns beide angeschaut und mit Intels Broadwell- sowie AMDs Ryzen-CPUs verglichen. Die Core X stammen von Caseking, sind also Retail-Ware.

Der Core i7-7820X und der Core i7-7800X werden intern als Skylake-X bezeichnet und basieren auf der Skylake-SP-Technik, die Intel für die kommenden Xeon-Prozessoren entwickelt. Die Architektur unterscheidet sich deutlich von älteren Skylake-Chips wie dem Core i7-6700K. Zu den Änderungen zählen ein Mesh-Interconnect statt ein Ringbus, eine überarbeitete Cache-Topologie und die Unterstützung von AVX-512. Unsere Messungen mit Sisoft Sandra und y-Cruncher zeigen, dass Intel die beiden i7 entgegen anders lautender Berichte nicht um die zweite AVX-Pipeline beschnitten hat. Sie erreichen im Rahmen ihrer CPU-Kerne und Taktraten die zu erwartenden Resultate.

Was verglichen mit dem Core i9-7900X aber fehlt, sind einige PCIe-Gen3-Lanes. Statt 44 schaltet Intel einzig 28 Bahnen frei. Die Auswirkungen sind vergleichsweise gering, etwa dass nur eine statt zwei Grafikkarten mit voller x16-Geschwindigkeit angebunden werden. Wer mehrere NVMe-PCIe-SSDs im System verbauen will, hat die Möglichkeit, per drittem PEG-Slot ein gestecktes x4-Modell direkt mit der CPU zu verbinden. Die M.2-Anschlüsse für SSD-Kärtchen hängen bei den von uns geprüften Boards am X299-Chipsatz.

Bei den Speicherkanälen gibt es - anders als bei Kaby Lake X wie dem 7740X - keine Einschränkungen. Beide Core i7 unterstützen auf einem Sockel-LGA-2066-Mainboard bis zu vier Channels und bei den meisten Platinen zwei Module per Kanal für bis zu 128 GByte Arbeitsspeicher. Der Core i7-7820X unterstützt DDR4-2667, den Core i7-7800X begrenzt Intel auf DDR4-2400. Das hat Auswirkungen auf Packprogramme wie 7-Zip, die zwei Skylake-X-Prozessoren verkraften allerdings Overclocking auf DDR4-3600 oder höher.

Ebenfalls wichtig ist der Turbo v3, der einen oder zwei Kerne besonders hoch taktet. Dem Core i7-7820X ermöglicht Intel bis zu 4,5 GHz und dem Core i7-7800X bis zu 4 GHz. Das wirkt sich auf nicht parallelisierte Anwendungen und ältere Spiele aus, wie unsere Messwerte auf der nächsten Seite zeigen.

Ryzen macht es Intel schwer

Um die Leistung der beiden Skylake-X einzuordnen, setzen wir ein Asus Prime X299 Deluxe (BIOS 0501) auf ein Asus X99-AII (BIOS 1701) und ein MSI X370 Xpower Gaming Titanium (BIOS 7A31v17 mit Agesa 1006). Hinzu kommen 16 GByte DDR4-Speicher mit den jeweiligen Herstellerspezifikationen und eine Geforce GTX 1080 Ti als Founder's Edition. Für Skylake-X und Broadwell-E nutzen wir 4x 4 GByte DDR4-2400/-2667 (Single Rank) und für AMDs Ryzen wegen Dualchannel 2x 8 GByte DDR4-2400 (Dual Rank).

Wie erwartet setzen sich der Core i7-7820X und der Core i7-7800X meistens, aber nicht immer von ihren jeweiligen Vorgängern messbar ab. Das ist vor allem den kräftig gestiegenen Turbofrequenzen zu verdanken, da die Leistung pro Takt (IPC) teils unter Broadwell-E liegt. Bei kaum oder mäßig parallelisierten Workloads hält der Core i7-7820X durch seine bis zu 4,5 GHz mit dem Core i9-7900X mit. Der mit bis zu 4 GHz laufende Core i7-7800X fällt oft deutlich ab und liegt in etwa gleichauf mit dem Ryzen 7 1800X.

Der AMD-Chip hat in Anwendungen leichte Vorteile, in aktuellen Spielen hat der Skylake-X-Hexacore einen geringen Vorsprung. Selbst bei Software mit AVX2- oder AVX-512-Unterstützung reicht die Leistung des Core i7-7800X nicht aus, um den Zen-Achtkerner zu überholen. In Games mangelt es beiden Prozessoren derzeit an entsprechenden Architektur-Anpassungen, wir sehen allerdings mittelfristig den Ryzen 7 1800X durch mehr Cores besser aufgestellt.

Zumindest in den von uns getesteten Spielen sorgt die höhere Kernzahl nicht für gleichmäßigere Frametimes oder weniger Ruckler, bis dergleichen eintritt, dürfte noch einige Zeit vergehen. Wer eine alte Plattform mit etwa einem Phenom II oder einen Core i5 der Sandy-Bridge-Generation nutzt, erhält mit einem der Core i7 oder dem Ryzen 7 1800X zumeist deutlich mehr Leistung, teils halbiert sich die Berechnungszeit oder die Bildrate verdoppelt sich.

Bei so hohen Taktraten wie die beiden Skylake-X sie anlegen, steigt eines an: die benötigte Energie. Die zwei Chips nehmen unter Last mehr Leistung auf als ihre Vorgänger, wenngleich immer die Relation zur Performance berücksichtigt werden muss. Denn bei der Effizienz sieht es ziemlich gut aus.

Angemessene Leistungsaufnahme

Die X299-Plattform von Skylake-X ist aufgrund ihrer Ausstattung wenig sparsam, was neben dem aufwendigen Board-Layout an den vielen Controllern und dem Quadchannel-Interface liegt. Selbst wenn diese und die RGB-Lichteffekte abgeschaltet sind, benötigen Hauptplatinen wie unser Asus Prime X299 Deluxe zusammen mit einem Core X noch um die 60 Watt im Leerlauf. AMDs AM4- oder Intels LGA-1151-Plattform nehmen weniger Leistung auf.

Bei Teillast, wenn also nur ein Kern rechnet, ist das Delta von etwa 30 Watt bei AMD und Intel identisch. Der Core i7-7820X benötigt allerdings 10 Watt mehr als der Core i7-6900K, was vermutlich an der hohen CPU-Spannung für die 4,5 GHz durch den Turbo v3 liegt. Die Leistung ist dafür auch klar besser.

Die 140 Watt werden nicht überschritten

Wenn alle Kerne arbeiten und dabei noch AVX2 eingesetzt wird, steigt der Energiebedarf der beiden Core X verglichen mit den Broadwell-E-Vorgängern deutlich an. Im Falle des Core i7-7820X sehen wir eine Differenz von 20 bis 40 Watt, das Delta zum Leerlauf beträgt bis zu 140 Watt. Zumindest unser Asus-Board riegelt den Chip also bei seiner nominellen TDP ab. Gleiches gilt für den Core i7-7800X, der ohnehin ein paar Watt weniger benötigt.

Beide Prozessoren sind somit teils effizienter als AMDs Ryzen-Modelle, da die Rechengeschwindigkeit deutlich höher ausfällt. Da die zwei Core X obendrein sparsamer sind als das Topmodell Core i7-7900X, erreichen sie niedrigere Temperaturen. Wir messen 73 und 71 statt 79 Grad Celsius bei gleicher Drehzahl unter Blender-Last mit unserem Noctua NH-U14S. Somit bleibt wortwörtlich mehr Luft für eine leisere oder günstigere Kühlung.

Für Linux-Nutzer und Overclocker haben wir uns angesehen, wie gut sich die Core X pro Takt gegen ihre Vorgänger und AMDs Ryzen schlagen.

IPC unter Linux überzeugt

Bereits beim Test des Core i9-7900X haben wir gesehen, dass Intels neue Highend-Plattform eine sehr gute Linux-Unterstützung aufweist und Anwendungen auf den neuen Chips auch unter Linux wie erwartet gut skalieren. Um herauszufinden, wie gut die neue Architektur ist, haben wir uns die IPC-Leistung angesehen.

Dazu verwenden wir die gleichen Benchmarks wie bei dem Topmodell und nutzen die gleiche Hardware wie bei den Benchmarks unter Windows, einzig der Takt bleibt bei den getesteten CPUs auf fixe 3,6 GHz beschränkt. Hier zeigen sich nicht nur die Unterschiede zwischen Broadwell-E und Skylake-X, sondern auch jene zu Ryzen. Zunächst zeigt sich dabei, dass die Skylake-X in Blender bei gleichem Takt nur minimal besser abschneiden als ihre 6- und 8-Kern-Konkurrenz von AMD. Das ist überraschend, da die Intel-Chips doppelt so viele AVX-Instruktionen pro Takt abarbeiten können sollten wie die AMD-CPUs, und Blender stark auf Vektor-Optimierungen setzt.

Beim Encoding mit x265 und beim Kompilieren von Qt5 sind die Skylake-X der Konkurrenz aber bei gleichem Takt überlegen. Ein möglicher Grund dafür sind die bei Ryzen genutzte CPU-Topologie aus zwei CCX (Core Complex) und die damit verbundene langsamere Kommunikation zwischen den Kernen, die vom RAM-Takt abhängt. Ein Vorteil für die Skylake-X könnte auch die Unterstützung für Quadchannel-RAM sein.

Mit Blick auf eine Kaufentscheidung interessant ist, dass der Ryzen-Achtkerner 1800X den sechskernigen Core i7-7800X bei gleichem Takt deutlich schlägt. Vor allem für sehr gute Multithreading-Anwendungen ist das wichtig, da Intel den höheren Takt nicht auf allen Kernen dauerhaft halten kann.

Und damit weiter zum Fazit.

Verfügbarkeit und Fazit

Intel verkauft den achtkernigen Core i7-7820X für 600 Euro, der sechskernige Core i7-7800X ist für etwas weniger als 400 Euro erhältlich. Beide Prozessoren werden ohne einen CPU-Kühler ausgeliefert, ein Sockel-LGA-2066-kompatibles Modell muss zusätzlich erworben werden. Zum Vergleich: Der Core i7-6900K, ebenfalls ein Octacore, kostete zur Einführung im Frühling 2016 rund 1.100 Euro und der Core i7-6850K, ein Hexacore, etwa 620 Euro.

Fazit

Der Core i7-7820X und auch der Core i7-7800X überzeugen verglichen mit der bisherigen Broadwell-E-Generation: Die Rechenleistung ist in den meisten Fällen messbar höher, egal ob Single- oder Multithreading. Beide Prozessoren erkaufen sich den Vorsprung durch eine gestiegene Leistungsaufnahme, was sich durch die bessere Performance jedoch relativiert. Etwas ärgerlich sind die nur 28 statt 44 Lanes der zwei CPUs, hier bot zumindest der Core i7-6900K mehr.

Angesichts der Preise für die Skylake-X, zu denen sich noch die Kosten von mindestens 200 Euro für ein Mainboard und einen starken CPU-Kühler addieren, fällt eine Empfehlung schwer. AMDs Ryzen 7 1800X schiebt sich zwischen den 7820X und den 7800X, kostet aber nur 450 Euro, und Hauptplatinen gibt es schon für unter 100 Euro. Der kaum langsamere Ryzen 7 1700X für 350 Euro macht das noch einmal deutlicher. Dafür gibt es einzig 20 PCIe-Gen3-Bahnen.

Wer 28 Lanes benötigt und die (fast) beste Leistung wünscht, kann dennoch zum Core i7-7820X greifen. Denn dank acht Kernen und bis zu 4,5 GHz zeigt er - für einen deutlichen Aufpreis wohlgemerkt - eine exzellente Leistung in allen Bereichen. Der auf 4 GHz gedrosselte Core i7-7800X mit sechs Cores hingegen ist durch die genannten Ryzen-7-Alternativen von AMD praktisch obsolet.  (ms)


Verwandte Artikel:
Xeon W: Apple passt Intel-CPUs für iMac Pro an   
(26.12.2017, https://glm.io/131853 )
Eni HPC4: Italienischer Supercomputer weltweit einer der schnellsten   
(20.01.2018, https://glm.io/132270 )
SuperMUC-NG: Münchner Supercomputer wird einer der schnellsten weltweit   
(18.12.2017, https://glm.io/131729 )
Kaufberatung (2018): Die richtige CPU und Grafikkarte   
(18.12.2017, https://glm.io/131711 )
Prozessor: Intel plant Core i9 für Notebooks   
(28.11.2017, https://glm.io/131362 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/