Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/deutsche-telekom-wir-haben-bei-giganetzen-keine-fuehrende-position-1707-128739.html    Veröffentlicht: 04.07.2017 17:25    Kurz-URL: https://glm.io/128739

Deutsche Telekom

"Wir haben bei Giganetzen keine führende Position"

Die Deutsche Telekom spricht für den Glasfaserausbau von Koinvestmodellen oder einer Netzbetreibergesellschaft. Ein M-net-Topmanager nannte beim Buglas-Sommerfest Vectoring "Beschiss".

Der Deutsche-Telekom-Manager Jürgen Lück hat zugegeben, dass der Konzern bei Glasfasernetzen keine starke Position hat. Lück sagte beim Sommerfest des Branchenverbandes Buglas am 4. Juli 2017 in Norderstedt: "Bei Giganetzen hat die Telekom nicht unbedingt eine führende Position und fokussiert sich auf Kooperationen." Lück sprach für das Team von Johannes Pruchnow, dem neuen Vorstandsbeauftragten für Breitbandkooperation des Konzerns.

Man sei heute in der Lage, professionell auf Augenhöhe verhandeln zu können, betonte Lück. Er fügte hinzu: "Für uns sind neben dem eigenen Ausbau Kooperationen für die Giganetze ein extrem wichtiges Thema. Wir richten den Blick nach vorn beim Glasfaserausbau." Angedacht seien "Joint Ventures, ein Koinvestmodell oder eine Netzbetreibergesellschaft."

Netcologne-Chef Timo von Lepel forderte: "Wir sollten uns einigen, wo wir die Netze ausbauen. Wir haben wenig Lust FTTB-Netze zu bauen, wenn dann die Deutsche Telekom mit Super Vectoring einsteigt."

Telekom: Wir konnten FTTH nicht verkaufen

Der technische Geschäftsführer bei M-net, der Diplomingenieur für Elektrotechnik, Michael Fränkle, sagte: "Vectoring ist nichts anderes als Beschiss." Telekom-Manager Lück erklärte daraufhin, der Grund, warum die Telekom auf Vectoring gesetzt habe, sei gewesen, dass viele Menschen in hoher Ausbaugeschwindigkeit Bandbreite bekommen sollten. Mit FTTH habe der Konzern in der Zeit von 2011 bis 2013 die Erfahrung gemacht, dass der Markt die Bandbreiten noch nicht nachfordert. Zudem sei es sehr schwierig gewesen, Genehmigungen für den Ausbau zu erhalten. "Es gab viele interessierte Endkunden, die wir dann nicht anschließen konnten." Auch sei die Telekom wegen der Regulierung "vielleicht etwas zurückhaltend mit Investitionen in das FTTH- Netz".

Fränkle betonte, dass er hoffe, dass die Telekom es mit Kooperationen ernst meine. Wenn so Last auf das Netz käme, das würde den Glasfaserausbau in Deutschland wirklich voranbringen.

Der Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss) ist der kleinste der Telekommunikationsverbände Deutschlands, viele Stadtnetzbetreiber der Stadtwerke sind dort organisiert.

Telekom-Sprecher Philipp Blank erklärte Golem.de: "Jürgen Lücks Aussage war nicht, dass die Telekom bei Giganetzen keine führende Position hat, sondern keine marktbeherrschende Stellung. Das ist ein erheblicher Unterschied. Und die Aussage erfolgte in dem Kontext, dass Kabelnetzbetreiber durchaus eine dominante Stellung in ihren Gebieten haben und nicht reguliert sind. Zudem ist unsere Ausbaustrategie, dass wir neben dem Eigenausbau und dem geförderten Ausbau auch auf Kooperationen setzen. Wir fokussieren uns aber nicht nur auf Kooperationen."

Golem.de bleibt bei seiner Darstellung.  (asa)


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