Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/petya-die-ransomware-ist-ein-zerstoerungstrojaner-1706-128653.html    Veröffentlicht: 29.06.2017 11:55    Kurz-URL: https://glm.io/128653

Petya

Die Ransomware ist ein Zerstörungstrojaner

Unternehmen, die Opfer der aktuellen Malware-Kampagne geworden sind, haben wohl wenig Aussicht, ihre Dateien wiederherstellen zu können. Verschiedene Sicherheitsfirmen gehen davon aus, dass es sich nicht um eine Ransomware handelt, sondern um einen Wiper.

Der von vielen Sicherheitsfirmen zunächst als Petya bezeichnete Trojaner, der in den vergangenen Tagen Unternehmen weltweit infiziert hat, verfügt offenbar nicht über die Möglichkeit, die verschlüsselten Dateien wiederherzustellen. Nach Angaben von Sicherheitsforschern hat er eher Ähnlichkeiten mit dem Disk-Wiper Shamoon.

Einer Analyse von Matt Suiche zufolge soll das Petya-ähnliche Verhalten vor allem zur Ablenkung dienen. Die Motive der Angreifer unterschieden sich von denen krimineller Gangs, es ginge vor allem darum, zu zerstören - und nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen. Auch die Sicherheitsfirma Kaspersky kommt zu einem ähnlichen Schluss.

Einige offensichtliche Unterschiede zu gewinnorientierter Ransomware fallen, wie bei Wanna Cry, schnell auf. So gibt es keine individualisierten Bitcoin-Wallets, was eine automatische Zuordnung gezahlter Beträge erschwert. Auch die Kommunikation über ein einzelnes E-Mail-Konto, was erwartbar schnell geschlossen wurde, deutet nicht darauf hin, dass die Angreifer primär Geld verdienen wollen.

Master File Table und Master Boot Record werden überschrieben

Die Malware verschlüsselt nach einem Neustart des Rechners sowohl den Master File Table als auch den Master Boot Record der Festplatte. Einige Sektoren der Bereich werden verschlüsselt, bei anderen wird ein neuer Bootloader aufgespielt. Die alten Informationen werden der Analyse zufolge nicht gesichert und können daher auch nicht wiederhergestellt werden.

Außerdem würden Angreifer eine Installations-ID benötigen, um den richtigen Schlüssel zur Freigabe der Daten herauszugeben. Diese ID muss eindeutige Informationen über den verschlüsselten Rechner enthalten. Der Analyse von Kaspersky zufolge wird die auf dem Bildschirm der Opfer angezeigte ID aber zufällig generiert und lässt daher keine eindeutige Identifikation zu.

Die Sicherheitsforscher gehen daher davon aus, dass es sich nicht um eine kriminelle Bande handelt, sondern um einen staatlichen Akteur, der wichtige Infrastruktur zerstören will. Die Malware wurde mit Hilfe eines Fehlers im Update-Mechanismus der Software M.E.Doc verteilt, eine Buchhaltungs- und Steuersoftware, die fast alle ukrainischen Unternehmen und solche, die mit der Regierung Geschäfte tätigen, installiert haben.  (hg)


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