Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/assistenzsysteme-kaengurus-verwirren-volvos-1706-128621.html    Veröffentlicht: 28.06.2017 08:37    Kurz-URL: https://glm.io/128621

Assistenzsysteme

Kängurus verwirren Volvos

Volvo bietet ein System zur Erkennung großer Tiere an, die auf der Fahrbahn stehen, was gut funktioniert. Außer in Australien. Kängurus bringen die automatische Erkennung durcheinander.

Auf dem Weg zum fahrerlosen Auto müssen noch viele Hindernisse umschifft werden. Wie der schwedische Autohersteller Volvo erfahren musste, streikt sein Assistenzsystem zum Erkennen großer Tiere auf der Straße bei Kängurus. Volvo verkauft seine Fahrzeuge S90 und XC90 optional mit dem sogenannten Large Animal Detection System. Dieses System soll auf der Fahrbahn stehende Hirsche, Elche und Karibus erkennen, den Fahrer vor einer oft lebensgefährlichen Kollision warnen und falls erforderlich auch eine Notbremsung einleiten. Aber bei Kängurus, die sich über die Straße bewegen, bekommt das System Probleme.

Dem australischen Sender ABC erklärte der technische Leiter von Volvo, David Pickett, das Problem: "Wenn das Känguru springt, sieht es so aus, als sei es weiter entfernt, doch wenn es landet, erscheint es viel näher." So wird die Notbremsung eventuell nicht ausgelöst, wenn der Rechner das Tier und seine Entfernung nicht richtig einschätzen kann.

Die Bewegungsweise ist nicht das einzige Problem bei der Erkennung der Tiere. Ein Känguru verändert seinen Umriss auch stark, wenn es auf der Straße sitzt, steht oder hüpft.

Das Thema werde die Einführung von autonomen Autos in Australien nicht verzögern, müsse aber vor der Einführung gelöst werden, sagt Pickett. Laut ABC hat die National Roads and Motorists' Association in Australien mitgeteilt, dass jedes Jahr mehr als 16.000 Kollisionen mit Kängurus registriert werden.

Neben den Beuteltieren stehen die Entwickler autonomer Autos in Australien noch vor einem anderen Problem. Die extrem langen Road Trains gibt es so nur in Australien. Die Lastwagenkombinationen dürfen auf öffentlichen Straßen maximal 53,50 Meter lang sein, auf nichtöffentlichen Straßen gibt es keine Längenbeschränkung. Auch sie müssen für autonome Fahrfunktionen erkannt und beim Überholen berücksichtigt werden. Zudem gibt es in Australien viele Straßen und Wege ohne Straßenmarkierungen, was beim Spurhalten für den Rechner, der sich daran orientieren will, problematisch ist.  (ad)


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