Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fritz-labor-version-avm-baut-mesh-wlan-in-seine-router-und-repeater-ein-1706-128601.html    Veröffentlicht: 27.06.2017 10:27    Kurz-URL: https://glm.io/128601

Fritz-Labor-Version

AVM baut Mesh-WLAN in seine Router und Repeater ein

Mit einer Labor-Version bietet der Berliner Routerhersteller AVM einen Ausblick auf die kommende Mesh-WLAN-Fähigkeit seiner Fritzboxen als auch bei einem Repeater und einem Powerline-Adapter. Damit sind komplexere Setups möglich. Der Ansatz ist vielversprechend, da die Kosten gering sind.

AVM hat zum Marktstart von Googles Wifi seine eigene erste Mesh-Version für einige bestehende Produkte veröffentlicht. Es handelt sich jedoch erst einmal nur um eine Labor-Version, die dafür aber nicht nur Mesh-ähnliche Leistungen bieten soll, wie das noch zur Cebit 2017 das Motto war. Stattdessen wird ein richtiges Mesh-WLAN versprochen mit einer individuellen Wegefindung der Daten. Eine Grafik von AVM zeigt beispielsweise eine kreisförmige Datenverbindung zwischen einer Fritzbox, einem Repeater und einem Powerline-Adapter an. Es kann also ein Funkweg gestört werden, ohne die eigentliche Datenverteilung im Heim oder Büro zu stören.

Unterstützt werden mit der Labor-Version zunächst laut Beschreibung die Fritzboxen 7490, 7580 und 7590 sowie der Repeater 1750E und der Powerline-Adapter 1240E. Diese Geräte der Oberklasse von AVM werden dann zu Mesh-WLAN-Access-Points. Jedes einzelne Gerät muss mit der neuen Labor-Version bespielt werden, die eine Beta-Versionen ist. Es ist also Vorsicht geboten. Zudem müssen laut AVM zuerst Fritzboxen aktualisiert werden. Erst danach sollen die anderen Geräte aktualisiert werden.

Mesh-WLAN zu geringen Preisen

Der Ansatz von AVM, seine bestehende Infrastruktur auf Mesh-Fähigkeit zu erweitern ist interessant. Vor allem für Besitzer der Hardware kommen deutlich weniger Kosten zustande. Während normale Mesh-Systeme im Dreierpack deutlich über 300 Euro kosten können, muss der Besitzer einer Fritzbox nur noch die vergleichsweise günstigen Repeater oder Powerline-Adapter nachkaufen. Das ist in der Regel mit 70 Euro je Einheit möglich.

Der Nachbau der Mesh-Fähigkeit dürfte für AVM einen recht großen Aufwand bedeuten, da sich das Unternehmen nicht auf eine fertige Plattform beziehen kann, wie das die Konkurrenz tut. Dafür dürfte die Leistungsfähigkeit allerdings nicht so hoch sein. Qualcomms Mesh-Plattform arbeitet beispielsweise meist mit drei Funkeinheiten. Eine wird für die Kommunikation zwischen den Mesh-Einheiten genutzt. AVM hat die Möglichkeit nicht, sondern muss die vorhandenen Funkeinheiten verwenden. Das geschieht der Beschreibung nach aber dynamisch und mit Funktionen, die den Mesh-Systemen entsprechen. Zudem hat es den Anschein, dass eine Powerline-Verbindung ebenfalls genutzt werden kann. Mesh-WLAN mit alternativem Backhaul-Kanal bietet erst Qualcomms zweite Plattform, die Eero in Kürze veröffentlicht.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte AVMs eigenhändig gebaute Lösung bei sehr großen Installationen Nachteile haben. Allerdings lässt sich das aufgrund des Beta-Status noch nicht abschließend einschätzen. Qualcomms Mesh-Plattform ist hingegen für den Einsatz von Dutzenden Mesh-WLAN-Access-Points vorgesehen. Allerdings zu einem hohen Preis, der aber immer noch deutlich günstiger ist, als eine richtige Controller-basierte WLAN-Installation.

Weitere Informationen zu Mesh-WLAN finden sich in unserem Test zu Googles Mesh-Wifi-Plattform sowie unserem Praxisartikel zur den Mesh-WLAN-Systemen von Linksys (Velop), Netgear (Orbi) und Ubiquiti (Amplifi).  (ase)


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