Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/anki-cozmo-ausprobiert-niedlicher-programmieren-lernen-und-spielen-1706-128571.html    Veröffentlicht: 26.06.2017 17:00    Kurz-URL: https://glm.io/128571

Anki Cozmo ausprobiert

Niedlicher Programmieren lernen und spielen

Ankis neues Produkt hat mit den martialischen Rennautos der Firma nicht viel gemeinsam. Der niedliche Roboter Cozmo fährt zwar auch ein wenig herum, will mit seinen Benutzern aber erstmal nur spielen. Auch programmieren lässt er sich.

Ein ehemaliger Pixar-Angestellter und ein Team von Trickfilmanimateuren haben Cozmo designt - und das sieht man. Neugierig schaut uns der kleine Roboter während einer Präsentation von Anki an. Über eine Smartphone-App tippen wir unsere Namen ein, und Cozmo begrüßt uns über seinen eingebauten Lautsprecher. Das tut er auch später, wenn er uns über seine eingebaute Kamera wiedererkennt. Zunächst fordert er uns aber zu einem kleinen Spiel auf.

Wir schieben langsam einen kleinen Kubus in seine Richtung und ziehen ihn schnell weg, bevor ihn Cozmo zu fassen bekommt. Jedenfalls versuchen wir das - Cozmo kann sehr schnell sein. Gewinnt er, freut er sich überdeutlich, verliert er, drückt er seinen Frust optisch wie akustisch ebenso übertrieben aus. Anders als ein Tamagochi soll Cozmo im Laufe der Zeit ein emotionales Eigenleben entwickeln.

Nutzer beeinflusst Charakterentwicklung

Die künstliche Intelligenz des Roboters sei besonders wichtig, betont Hanns Tappeiner, einer der Anki-Gründer. Cozmo reagiert auf Benutzerinteraktionen - oder deren Fehlen - nicht nach einem fest vorgegebenen Schema. Die Reaktionen variieren abhängig vom entwicklungsfähigen Charakter des Roboters, dieser hängt wiederum von der Interaktion mit den Benutzern ab.

Damit Cozmos emotionale Reaktionen und Ausbrüche möglichst lebensecht wirken, hat Anki auf das Wissen und Fähigkeiten von Pixar-Designern zurückgegriffen, die auch für den Film Wall-E verantwortlich waren. Mit Hilfe von Maya entwarfen sie nicht nur die Augenanimationen, sondern auch die mechanischen Ausdrucksmöglichkeiten, insbesondere der Gabelstapler-Arme.

Langeweile mag Cozmo nicht

Cozmo versucht, während des Gesprächs unsere Aufmerksamkeit zu erheischen. Er fordert uns anfangs immer wieder zum Spielen auf. Als wir nicht darauf eingehen, beschäftigt er sich mit sich selbst. Er schiebt und stapelt seine Kuben - und mag es nicht immer, wenn wir ihn dabei stören. Beschäftigen wir uns zu lange nicht mit ihm, geht er in einen Schlafmodus. Mit einer Akkuladung soll er ununterbrochen ein bis zwei Stunden durchhalten. In seiner Ladestation benötigt er nur 10 bis 12 Minuten, um wieder vollständig aufgeladen zu werden.

Die drei Kuben, die zu Cozmo gehören, erinnern optisch an Companion Cubes aus dem Spiel Portal. Es sind keine einfachen Plastik-Accessoires, sie dienen Cozmo als grafische Referenzpunkte während seiner Erkundungsfahrten. So erkennt er stets seine relative Position auf dem Schreibtisch.

Der Roboter wird erst mit dem Smartphone intelligent

Wollen wir wieder mit Cozmo spielen, müssen wir nicht darauf warten, bis er Lust dazu hat. Wir können ihn auch per zugehöriger Smartphone-App (iOS und Android) dazu auffordern. Die App nimmt eine zentrale Funktion in Cozmos Leben ein. Denn über sie läuft ein Großteil der eigentlichen Verarbeitungslogik wie zum Beispiel die Auswertung des Kamerabildes, um Gesichter, aber auch Katzen und Hunde zu erkennen.

Wem die Interaktivität von Cozmo zu viel wird, der kann ihn mittlerweile auch wie einen klassischen Roboter per SDK steuern und hat dabei ebenfalls Zugriff auf fortgeschrittene Funktionen wie die Gesichtserkennung. Parallel zur Cozmo-Einführung in Deutschland wird auch für Programmiereinsteiger die neue Code-Lab-Funktion in der Cozmo-App freigeschaltet. Sie basiert auf dem grafischen Programmeditor Scratch. Programmiert wird per Drag-and-Drop.

Preis und Verfügbarkeit

Cozmo erscheint in Deutschland im September 2017, der empfohlene Preis beträgt 230 Euro. Vorbestellungen auf der Webseite von Anki sind bereits möglich. Fazit

Ob sich der Spielroboter Cozmo von Anki wirklich intelligent verhält, werden wir erst nach einem längeren Test entscheiden können. Auch, ob man lange an ihm Spaß hat, müssen wir noch herausfinden - und das ist bei einem Preis von 230 Euro relevant. Unterhalten hat er uns beim Ausprobieren aber gut mit seinen dramatischen Auftritten und emotionalen Ausbrüchen beim Spielen, Cozmo kommt uns gelegentlich wie eine eigensinnige Katze vor, nicht wie ein Roboter. Anki legt hier die Messlatte für zukünftiges Roboterspielzeug sehr hoch.  (am)


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