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Deutschland-Chef der Telekom

Bis 2018 flächendeckend Vectoring in Nordrhein-Westfalen

Die Telekom ist unter Druck, weil das bevölkerungsreichste Bundesland sich eindeutig auf Glasfaser festgelegt hat. Sie warnt vor den Kosten von Glasfaser und will schneller Vectoring ausbauen, um FTTH zu verhindern.

In Nordrhein-Westfalen werden wohl bis Ende des Jahres 2018 95 Prozent der Haushalte einen Vectoring-Anschluss von mindestens 50 MBit/s haben. Dies sagte der Deutschland-Chef der Deutschen Telekom, Niek Jan Van Damme, der Rheinischen Post. Er gehe davon aus, das Ziel zu erreichen. Derzeit liege der Konzern bei 82 Prozent.

Van Damme reagiert damit auf den Plan, dass Nordrhein-Westfalen bis zum Jahr 2026 flächendeckend an Glasfasernetze angeschlossen sein soll. Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) hatte am 23. Januar 2017 mit Vertretern von Telekommunikationsbetreibern und Branchen- und kommunalen Spitzenverbänden das Aktionsbündnis Gigabit gegründet. Im Koalitionsvertrag von CDU und FDP für 2017 bis 2022 für Nordrhein-Westfalen legt sich die neue Regierung sogar eindeutig auf den Glasfaserausbau fest. "Bei allen öffentlichen Fördermaßnahmen und entsprechenden Ausschreibungen verfolgen wir einen 'Glasfaser first'-Ansatz", hatte das Landeswirtschaftsministerium erklärt. Ein "Masterplan für das Gigabit-Ziel" sei damit festgelegt worden. Gigabit-Geschwindigkeiten sind aber mit Vectoring der Telekom nicht möglich. Bisher sind VDSL/2-Vectoring-Datenraten von 50 bis 100 MBit/s erreichbar.

Vectoring der Telekom gegen FTTH

Diese Ziele sind eine Bedrohung für den Vectoring-Kurs der Telekom. Daher warnte Van Damme die neue Landesregierung vor einem zu ehrgeizigen Zeitplan beim Ausbau von Glasfaser direkt ans Haus: "Die Unternehmen werden viel Geld investieren müssen und das wird nicht von heute auf morgen umsetzbar sein. Bedenken Sie allein die Zeit für die Planung, die Genehmigungsverfahren und dann noch die Zeit, um zu bauen. Aus anderen Bereichen wissen wir ja inzwischen, dass die Baukapazitäten durchaus begrenzt sind. " Aber im Ziel sei man sich angeblich einig, "die Zukunftstechnologie ist Glasfaser".

Aber die Telekom baut nur selten Glasfaser bis zum Endnutzer, das wird bislang den Stadtnetzbetreibern überlassen. FTTH-Netzwerke amortisieren sich nach rund 25 Jahren, was nicht ins Geschäftsmodell der börsennotierten Telekom passt. Die Telekom hat sich aus dem direkten Glasfaserausbau bis auf einige wenige Projekte zurückgezogen. Bruno Jacobfeuerborn, Technikchef der Deutschen Telekom, sagte im April 2016, das Kerngeschäft sei "FTTC und Vectoring, also der Glasfaserausbau bis zu den grauen Kästen am Straßenrand sowie mit FTTH in Neubaugebieten." VDSL wird von der Telekom in aller Regel über Glasfaser versorgte Multifunktionsgehäuse (MFG) realisiert.

Angaben zur Anzahl seiner Fiber-To-The-Home-Anschlüsse macht der Netzbetreiber ausdrücklich nicht, Vectoring wird beschönigend als Glasfaser bezeichnet.  (asa)


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