Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/onlinehaendler-streik-bei-zalando-mit-hoher-beteiligung-1706-128382.html    Veröffentlicht: 14.06.2017 19:58    Kurz-URL: https://glm.io/128382

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Streik bei Zalando mit hoher Beteiligung

Die Spätschicht bei dem Modeversender Zalando ist am Mittwoch im Streik. Laut Angaben von Arbeitern sei durch den Ausstand Chaos in dem Lager ausgebrochen.

Beschäftigte bei Zalando Brieselang im Havelland sind heute in den Streik getreten. Das gab die Gewerkschaft Verdi am 14. Juni 2017 bekannt. Verdi hat die Spätschicht ab 14:45 Uhr zum Streik aufgerufen.

Das Versandhandelsunternehmen Zalando zahlt laut Angaben von Verdi den Arbeitern im Lager 10,12 Euro pro Stunde. Im Vergleich zum Branchentarifvertrag erhielten die Zalando-Beschäftigten damit deutliche geringere Löhne, zwei Tage weniger Urlaub, nur ein Drittel der Urlaubs- und Weihnachtszuwendung sowie deutlich geringere Zuschläge für Nacht- oder Feiertagsarbeit. Verdi fordert eine Bezahlung der Beschäftigen nach dem Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels, mit Vergütungen von mindestens 11,71 Euro pro Stunde und damit monatlich 1.932 Euro. Bezogen auf ein Jahr geht es in der niedrigsten Entgeltgruppe um rund 3.500 Euro mehr Lohn.

Indirekte Drohung mit Standortschließung

Zalando bezeichnet sich als Logistik-Unternehmen und lehnt die Forderungen ab. Verdi gefährde die Zukunft des kleinen Standortes Brieselang, sagte eine Unternehmenssprecherin Golem.de auf Anfrage, was indirekt die Androhung einer Standortschließung bedeutet. Ein vorgelegter "Zukunftstarifvertrag von Zalando" sichere hingegen den Standort bis mindestens Ende 2019. Dieser sei aber von der Gewerkschaft abgelehnt worden.

Gewerkschaftssekretär Markus Hoffmann-Achenbach sagte Golem.de: "Wir sind mit dem Streik sehr zufrieden. Es haben sich 200 Arbeiter an dem Ausstand beteiligt. Viele haben sich spontan angeschlossen." Unbefristete hätten sich teilweise nicht getraut mitzumachen. Wenn von 1.250 Beschäftigten nur 720 unbefristet beschäftigt sind, sei die Beteiligung von 200 in nur einer Schicht "hervorragend". Im Lager sei Chaos ausgebrochen, weil Zalando nicht mit dem Streik klargekommen sei, berichteten Arbeiter laut Hoffmann-Achenbach. Die Verhandlungen laufen am 7. Juli weiter.

Das 2008 gegründete Unternehmen Zalando hat bundesweit rund 12.000 Beschäftigte, davon circa 5.500 in der Region Berlin-Brandenburg.  (asa)


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