Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mario-odyssey-angespielt-die-feindliche-uebernahme-mit-dem-schnauz-1706-128372.html    Veröffentlicht: 14.06.2017 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/128372

Mario Odyssey angespielt

Die feindliche Übernahme mit dem Schnauz

Keine Leben, keine Pilze, keine Sterne - und trotzdem vermittelt die spielbare Demo von Super Mario Odyssey ein richtig gutes Mario-Gefühl. Wir haben Ausflüge ins Sandkönigreich und nach New Donk City unternommen.

Es ist ein gelungener, galanter Sprung von der Spitze des höchsten Wolkenkratzers von New Donk City, der New-York-ähnlichen Stadt aus Super Mario Odyssey, der unser Spielspaß-Barometer letztlich an den Anschlag bringt. Als wir in Nintendos kommendem Jump'n Run nach präziser Klettereinlage von ganz oben den kompletten Level betrachten, erspähen wir den geheimen Pool auf dem Dach des Nachbargebäudes. Ohne groß nachzudenken, springen wir dem kühlen Nass mit einem Rückwärtssalto entgegen, lassen uns dann mit einer Mützenattacke etwas weiter nach vorne tragen und hechten zu guter Letzt gerade so mit einem dritten, finalen Verlängerungssprung ins Wasser, wo wir einen versteckten Mond finden - pure Plattformer-Freude.

Dass uns komplexe Manöver wie diese in der spielbaren Demoversion von Super Mario Odyssey auf der Spielemesse E3 nahezu auf Anhieb gelingen, liegt an der geläufigen Steuerung. Die Funktionen Springen, Angreifen und Ducken liegen auf den bekannten Knöpfen, alternativ können aber auch Bewegungen genutzt werden wie in Super Mario Galaxy von der Wii. Das Timing für die Sprungkombinationen wie den dreifachen Salto, Rückwärtssalto, den Hechtsprung oder die Popo-Attacke verleiht dem Spiel ein vertrautes Gefühl. Die Steuerung fühlt sich sehr direkt und präzise an.

Statt Sternen wie bei Mario Galaxy, Mario 64 oder Sonnen wie bei Mario Sunshine sammelt Nintendos Klempner in Mario Odyssey, wie schon erwähnt, sichelförmige grüne Monde. Nach dem Aufklauben und der dazugehörigen Belohnungsanimation geht es aber nicht zurück ins Hauptmenü oder eine Oberwelt. Stattdessen geht es an der gleichen Stelle direkt weiter. Nintendo legt den Fokus für Odyssey stark auf den Aspekt der Erkundung und die würde durch den regelmäßigen Neuanfang der Level nur behindert.

Die zweite große Neuerung krempelt den Hüpf-Alltag noch drastischer um: Mario kann mit seiner lebendigen Mütze in Odyssey Feinde übernehmen.

Weder Pilz noch Feuerblume dafür als T-Rex

Wie einen Boomerang schleudert Super Mario seine Mütze auf Knopfdruck vor sich und zerstört damit nicht nur die Levelarchitektur, sondern kann auch ausgewählte Gegner übernehmen. Nach der Übernahme ziert den jeweiligen Gegner Marios ikonischer Schnauzbart.

In der spielbaren Demo können wir uns in die Kanonenkugel Bullet-Bill verwandeln und über Abhänge gleiten oder Steine zerstören. Als Steinwesen mit Sonnenbrille sehen wir Geheimgänge oder gleiten als Elektrokugel durch Stromleitungen. Im Gameplay-Trailer ist zu sehen, dass Mario auch Koopas, Frösche oder einen riesigen Tyrannosaurus Rex übernehmen kann. Der sieht mit dem Schnauz besonders ulkig aus.

In Odyssey kommt Mario nur durch diese Übernahmen an neue Fähigkeiten. Den klassischen Pilz oder die Feuerblume findet er nicht mehr. Insgesamt dürften die zahlreichen Eigenschaften der Gegner aber für mehr Komplexität und Abwechslung sorgen.

Zwei unterschiedliche Welten

Die auf der E3 spielbare Demo besteht aus zwei komplett gegensätzlichen Welten. Das Sandkönigreich spielt sich so ähnlich wie eine klassische Welt aus Mario 64. Wir erkunden weitläufige und flache Dünen, eine auf dem Kopf stehende Pyramide und sammeln dies und das.

Nett: Als kleine Auflockerung müssen wir an zwei Stellen eine Art klassischen, kurzen 2D-Level absolvieren. Wie in Zelda A Link between Worlds verwandelt sich Mario kurzzeitig in eine platte 8-Bit-Figur, die in der Wand den Ausgang sucht.

Völlig anders geht es dagegen im anfangs angesprochenen Stadt-Königreich und in New Donk City zu.

Dank Schnellreisefunktion zu vielen Geheimnissen



Die Erkundung von New Donk City gestaltet sich äußerst ungewohnt und vor allem vertikal. Mario klettert an Straßenlaternen, stößt sich besonders hoch von Autos ab und findet hinter jeder noch so kleinen Ecke und Gasse Geheimnisse. Mario kann in die Kanalisation oder - wie zu Beginn beschrieben - auf die Spitze des dem Empire State Building nachempfundenen Gebäudes klettern.

Als Hauptmission sollen wir eigentlich vier Musiker für die Gouverneurin suchen. Da die Stadt aber derart vollgepackt mit kleinen Missionen ist, finden wir stattdessen erst vier versteckte Monde, bevor wir uns wieder auf die Musikersuche machen.

Teleportation, Technik und tolle Anzüge

Die Rückkehr an einen bereits besuchten Ort gelingt dabei angenehm leicht. Nach dem Durchlaufen eines Checkpoints kann sich Mario über die einblendbare Karte, die sehr schick wie ein Stadtprospekt mit Sehenswürdigkeiten designed ist, durch die Schnellreisefunktion fix zu jedem Checkpoint teleportieren.

Einkaufsbummel

Entweder über Minispiele oder Shops ergattern wir in New Donk City auch alternative Outfits für Mario, die er meist in seinen über 30 Jahren im Videospielbusiness schon einmal getragen hat, zum Beispiel in Mario's Picross oder Yoshi's Cookie.

Doch wie im echten Leben muss auch Mario für den Zwirn mit Münzen bezahlen. Die Entwickler wollten den Goldmünzen mehr spielerischen Wert geben, weswegen Spieler bei einem Ableben des Helden nun Münzen statt Leben verlieren. Neben den klassischen Goldmünzen gibt es in jedem Königreich noch eine zweite lilafarbene Währung zum Sammeln.

Ein bisschen pixelig

Technisch ist uns nur das starke Kantenflimmern in New Donk City negativ aufgefallen. Wir vermuten, dass Nintendo entweder wie in Zelda: Breath of the Wild eine dynamisch skalierende Auflösung einsetzt oder in manchen Welten auf Kantenglättung verzichtet, um die Bildrate stabil zu halten.

Flüssig lief Mario Odyssey nämlich schon jetzt jederzeit, was auch die äußerst direkte und präzise Steuerung erklärt. Ansonsten ist das Spiel seit Super Mario 3D World auf der Wii U optisch ein kleiner Schritt vorwärts. Die Welten wirken jetzt wieder größer und die Sichtweite ist durch die manuell regulierbare Kamera weiter.

Super Mario Odyssey soll am 27. Oktober 2017 für die Nintendo Switch erscheinen. Die Demoversion hat uns sehr gut gefallen. Mario Odyssey scheint nicht nur ein äußerst kreativer Mario-Plattformer zu werden: Der Fokus auf Erkundung gibt dem Spiel eine neue Leichtigkeit, während die feindliche Übernahme mit der Mütze mehr Komplexität, Fähigkeiten und Abwechslung ins Spiel bringt. Wir sind sehr zuversichtlich, dass Nintendo nach Link auch Mario einen ganz großen Auftritt auf der Nintendo Switch spendiert.  (mw)


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