Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/internet-anbieter-umgehen-wegfall-der-eu-roaming-gebuehren-1706-128230.html    Veröffentlicht: 06.06.2017 15:55    Kurz-URL: https://glm.io/128230

Internet

Anbieter umgehen Wegfall der EU-Roaming-Gebühren

Wer hoffte, in der EU ab Mitte dieses Monats immer freies Datenroaming nutzen zu können, der wird enttäuscht. Auch bestimmte Flatrates gelten nicht in der EU.

Nach jahrelangen Verhandlungen fallen ab dem 15. Juni 2017 die Roaming-Gebühren in der EU weg. Doch die Mobilfunkanbieter versuchen dies bereits wieder zu umgehen, wie Computer Bild und Verbraucherschützer berichten. Computer-Bild-Redakteur Christian Just schreibt: "Für den Verbraucher lauern neue Fallen. Denn für die Provider fallen durch diese Regelung wichtige Einnahmequellen weg. Einige Anbieter haben deshalb seit kurzem Tarife im Portfolio, die die Auslandsnutzung beschränken oder komplett ausschließen."

Auch manche netzinternen Flatrates gelten den Angaben zufolge im Ausland nicht. Verbraucher sollten daher vor Vertragsabschluss im Kleingedruckten unbedingt auf die Auslandskonditionen achten.

Just sagte Golem.de: "Mit den Deutschland Sim-National-Tarifen ist das Handy außerhalb Deutschlands nicht nutzbar. Beim Callya-Smartphone-Special etwa gibt Vodafone an: 'Mit Flat für nationale Standard-Gespräche und SMS ins deutsche Vodafone-Mobilfunknetz, gilt nicht im EU-Ausland.' Die Freiminuten und die Datenpakete aber gelten im EU-Ausland."

Obergrenze für die Internetnutzung

Während Flatrates für Telefonate und SMS auch im EU-Ausland gelten, können Anbieter eine Obergrenze für die Internetnutzung festlegen - Fair-Use-Policy nennt sich diese Regelung. Überschreiten die Kunden diese Grenze, dürfen Anbieter Aufschläge erheben. Der Provider muss die Grenze allerdings vorab mitteilen und einen Hinweis senden, wenn das erlaubte Datenvolumen erreicht wird. Die weitere Internetnutzung kostet dann maximal 7,70 Euro je GByte plus Mehrwertsteuer, insgesamt also knapp 9 Euro.

"Beim Surfen im Internet ist jedoch weiterhin Vorsicht geboten", sagte Cläre Pillath von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Der Grundsatz 'Roam like at home' gelte nur eingeschränkt für die Internetnutzung. Beim Surfen im Netz könne es eine Datenvolumengrenze geben, bis zu der die Datennutzung ohne Roaming-Aufschläge möglich sei. Wie hoch diese Volumengrenze sei, müsse im Einzelfall geprüft werden. "Urlauber sollten deshalb vor ihrer Reise im Vertrag die genauen Konditionen nachlesen und gegebenenfalls beim Anbieter nachfragen", empfiehlt Pillath. Auch beim Abschluss eines neuen Vertrags lohne es sich, genau hinzuschauen - manche Anbieter hätten Tarife, bei denen eine Nutzung im Ausland völlig ausgeschlossen sei.

Den Wegfall der Roaming-Aufschläge innerhalb der EU sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen regelt eine neue EU-Verordnung.  (asa)


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