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Always Connected PC

Windows 10 on ARM soll Intels x86-Ultrabooks übertreffen

50 Prozent mehr Akkulaufzeit, integriertes Gigabit-LTE-Modem, leisere Kühlung, günstiger: Microsoft und Qualcomm versprechen viel, wenn es um Notebooks mit Windows 10 on ARM geht. Die erste Demo mit einem Snapdragon 835 gefiel uns.

Microsoft und Qualcomm haben auf der IT-Messe Computex 2017 die Idee des Always Connected PC vorgestellt. Dahinter verbergen sich den beiden Partnern zufolge dünne und leichte Convertibles mit ARM- statt x86-Chips und einer fast vollwertigen Version von Windows 10. Wir konnten uns vorab einen Prototyp anschauen und davon überzeugen, dass Windows 10 on ARM auf einem Snapdragon 835 funktioniert. Einige Einschränkungen gibt es aber.

Die Idee erinnert an Microsofts Windows RT und frühe Surface-Geräte. Das Betriebssystem ist gefloppt, die Tablets mit optionaler Tastatur hingegen haben sich durchgesetzt. Windows 10 on ARM soll das besser machen: Es läuft zwar nur auf Qualcomms Snapdragon 835, statt jedoch auf Store-Apps limitiert zu sein, laufen prinzipiell alle Win32-Anwendungen. Das gilt für viele Anwendungen wie Office oder Photoshop genauso wie für ältere Spiele, native 64-Bit-Software funktioniert unter Windows 10 on ARM aber trotz 64-Bit-Betriebssystem nicht.

Vor Ort demonstrierte Qualcomm einen Prototyp mit 7-Zip sowie Office und es wurde ein 4K-Video abgespielt. Bei dem Gerät handelte es sich allerdings um einen kleinen Entwickler-PC mit externem Display statt um ein Notebook oder gar Convertible. Dennoch vermittelte die Präsentationen einen guten Eindruck, wie flüssig sich Windows 10 on ARM auf dem Snapdragon 835 bedienen lässt. Schwächere Chips wie der Snapdragon 660 oder SoCs anderer Hersteller wird Microsoft vorerst nicht unterstützen. Die Leistung soll Intels Y-Plattform ähneln, wie sie etwa in Dells XPS 13 (9365) Convertible steckt.

Der Taskmanager erkennt derzeit zwar die acht Kerne des Snapdragon 835, liest aber einzig den Takt der Little-Clusters aus (bis zu 1,9 GHz). Bis zur Veröffentlichung soll sich das noch ändern. Das Hardware-Design steht bereits fest: Der Snapdragon 835 wird mit 4 oder 8 GByte LPDDR4X-Arbeitsspeicher kombiniert, als Festspeicher wird schneller UFS (Universal Flash Store) verwendet. Der ist wie bei Apples Macbook auf der Platine verlötet und daher anders als bei Ultrabooks mit M.2-SSD nicht austauschbar.

Großen Wert legen Microsoft und Qualcomm auf das integrierte Gigabit-LTE-Modem und die Unterstützung von eSIMs. Einen SIM-Schacht gibt es aber in der Regel trotzdem mit einer eUICC-SIM-Karte, die eSIM-Fähigkeiten besitzt. Der Grund liegt darin, dass Qualcomm nicht davon ausgeht, dass bis zur Verfügbarkeit der Systeme alle Netzbetreiber auf eSIM vorbereitet sind.

Mobiles und somit ständig verfügbares Internet gibt es bei x86-basierten Convertibles mit Windows 10 sehr selten. Und wenn eines verbaut ist, dann stammt das Modem auch hier oft von Qualcomm und findet sich vor allem in teuren Business-Geräten. Wer dennoch ins Internet will, benötigt WLAN oder muss ein Smartphone für Tethering oder als Hotspot verwenden.

Da im Snapdragon 835 ohnehin ein LTE-Baseband mit im SoC steckt, nimmt das Modem auf dem Mainboard keinen Platz weg. Verglichen mit x86-Platinen sollen die Snadragon-Boards deutlich kompakter sein, wenngleich die im modemlosen Macbook 12 ähnlich schlank ausfällt. Dadurch werden die Geräte dünner und leichter oder es können größere Akkus verbaut werden. Generell sei die Laufzeit eines Always Connected PC um bis zu 50 Prozent höher als bei vergleichbaren x86-Modellen. Qualcomm zufolge ist die Differenz im Standy, beim Schauen lokaler Videos und beim Webbrowing besonders groß. Im Bereich (Connected) Standby geht Qualcomm von Wochen aus, trotz Mobilfunkverbindung.

Qualcomm zufolge wird für die Always Connected PCs eine spezielle Version des Snapdragon 835 eingesetzt. Er unterscheidet sich durch sein Binning und eine angepasste Firmware von seinem Smartphone-Pendant. Die moderne 10-nm-Fertigung und die weiteren technischen Eigenschaften seien aber identisch. Neben der kleineren Platine würde auch die Kühlung kompakter ausfallen als bei 15-Watt-Chips von Intel, die dürften jedoch auch mehr Leistung liefern. Qualcomm sieht vor, dass Windows-10-Snapdragon-835-Geräte ohne Lüfter auskommen. Bei Intels Y-Plattform ist das ebenfalls möglich.

Erste Systeme mit Windows 10 on ARM samt Snapdragon 835 kommen von Asus, HP und Lenovo. Qualcomm geht von Preisen im Bereich von 400 bis 700 US-Dollar vor Steuern aus, wobei den Partnern keine Vorgaben gemacht werden. Auch teure Modelle sind gestattet, sofern sie bestimmte Ausstattungsmerkmale aufweisen. Darunter fallen offenbar eine Cortana oder Windows Hello, damit gewisse Funktionen von Windows 10 genutzt werden.

Ankündigungen oder vielleicht gar die Veröffentlichung eines Always Connected PC sollen noch 2017 erfolgen. Ausgeliefert werden die Geräte mit dem vermutlich Ende Herbst erscheinenden Fall Creators Update für Windows 10.  (ms)


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