Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/displayweek-2017-die-display-welt-wird-rund-und-durchsichtig-1705-128053.html    Veröffentlicht: 29.05.2017 11:58    Kurz-URL: https://glm.io/128053

Displayweek 2017

Die Display-Welt wird rund und durchsichtig

Bisher waren geformte Displays Einzelanwendungen, doch mittlerweile beherrschen zahlreiche Hersteller sogar das dynamische Verbiegen. Neue Anwendungsfelder dürften bald auf dem Markt sichtbar werden.

Displays lassen sich überall verbauen. Auf der Displayweek 2017 zeigten Hersteller und Forscher vor allem einen Trend: flexible Displays. Diese Panels sind zum Teil derartig beweglich, dass sie Millionen Biegevorgänge ohne Schaden überstehen sollen. Durch die neuen Techniken werden nicht nur Displays in allen Formen und an allen Orten möglich, sondern auch bieg- und klappbare Panels.

Die potenziellen Anwendungsszenarien sind sehr verschieden. Beim starren Einsatz wird das Material für die Anbringung in eine Form gebracht, die es dann beibehält. Das lässt sich durchaus mit dem Aufbringen von Stoff vergleichen. Hersteller und Designer müssen dadurch nicht mehr dedizierte Displaybereiche für den Einbau von viereckigen Panels vorsehen. Das Armaturenbrett eines Autos könnte etwa überall ein Display bekommen und das Konzept eines festgelegten Displayareals aufgegeben werden. Zudem sind die unterschiedlichsten Formen möglich, da es den Panel-Herstellern zunehmend gelingt, die Treiberelektronik zu verstecken. Doch das ist schon fast langweilig im Vergleich zu einem anderen Einsatzzweck.

Dynamisch formbare Displays

Weil die Smartphone-Displays immer größer werden, sind im Mobilfunkbereich zahlreiche Telefondesigns mittlerweile verschwunden, darunter das praktische Clamshell-Telefon. Doch die Verbiegbarkeit der Displays ist mittlerweile so gut, dass sich damit wieder Klapp-Smartphones herstellen lassen, die Kunden dennoch die gewünschten großen Anzeigeflächen bieten und sich gut bedienen lassen. Der Displayhersteller AUO zeigte beispielsweise schon ein Machbarkeitskonzept für einen verbiegbaren Touchscreen, der einfach wie ein Nintendo DS zusammengeklappt wird. Die Machbarkeitsstudie zeigte zwar nur seitliches Scrollen, doch das lag wohl weniger am Display als daran, dass AUO kein Smartphone-Hersteller ist.

Der Hersteller war sich so sicher, dass er das aktive Display im Messebereich dauerhaft und automatisiert auf- und zuklappte. Auf Nachfrage durfte man sogar vorsichtig mit dem Touchscreen spielen.

Bei BOE gab es neben den ersten funktionierenden QLED-Displays auch eine solche Demo, allerdings war das Ergebnis nicht so schön. Man sah im Vergleich zur AUO-Machbarkeitsstudie deutlicher die Stellen, an denen das Display verbogen wurde. Gezeigt wurde zudem ein Tablet, das sich so umklappen ließ, dass das Panel hinten und vorne aktiv ist. Das wurde allerdings nicht live demonstriert. Außerdem war im geraden Zustand auch hier deutlich die Knicklinie zu erkennen. BOE hat also noch ein wenig Arbeit vor sich.

Samsung trieb das Ganze sogar noch weiter.

Dehnbare Displays sind möglich

Dem südkoreanischen Unternehmen Samsung ist die Entwicklung eines dehnbaren Displays gelungen, das wir uns aus Zeitgründen leider nicht anschauen konnten. Die Technik dürfte Designer noch mehr freuen, da hierdurch die Verbindung mit anderen dehnbaren Materialien möglich wäre.

An Flexibilität arbeiten auch die Abnehmer schon lange, wie etwa auf der letztjährigen Lenovo Tech World zu sehen war. Dort wurde noch ein früher Prototyp eines Geräts gezeigt, das sich um den Arm legen lässt. Auch Samsung hat derartige Pläne. Solche Konzepte können nicht mehr weit von der Produktreife sein.

Unterschiedliche Displayformen beherrscht auch Japan Display. Der Hersteller zeigte aber nur starre Konzepte statt ansprechender Ideen. Japan Display arbeitet auch an der Verbesserung alter Technik. Local Dimming, also das Abdunkeln der Hintergrundbeleuchtung für bessere Schwarzwerte, soll verstärkt in Smartphone- und Tablet-Panels zum Einsatz kommen. Die Ergebnisse sahen recht gut aus, obwohl etwa bei einem Tablet nur neun, zudem vertikal ausgerichtete Zonen zum Einsatz kommen.

Digital Signage profitiert von aktuellen Entwicklungen

Interessanter war ein Outdoor-Display von Japan Display, das paradoxerweise sowohl ein katastrophal schlechtes Bild bot als auch ein phänomenal gutes Bild. Eigentlich inakzeptabel war das Display im Abendbetrieb: Eine am Rand positionierte Hintergrundbeleuchtung beleuchtete kläglich das Videobild des schnell schaltenden Panels. Wenn allerdings die Tageslichtlampen auf das Panel scheinen, ist die Farbdarstellung erstaunlich gut, da das Sonnenlicht effektiv genutzt werden kann.

Das dürfte vor allem bei der Digital-Signage-Industrie Interesse wecken. Bei strahlendem Sonnenschein haben alte Anzeigesysteme wie die klackernden Fallblattanzeiger immer noch enorme Vorteile bei Haltbarkeit und Sichtbarkeit, mit klassischer Displaytechnik braucht es schlicht zu viel Energie, um gegen die Sonne anzustrahlen. Nur die Wartungskosten sind unangenehm hoch. Vielleicht gibt es sogar irgendwann einmal Freilichtkinos mit der neuen Technik. Denn dort wird an der Ablösung der klassischen Projektion gearbeitet.

LG Display zeigte in diesen Richtungen noch wenig, wobei auch der Großflächen-OLED-Display-Hersteller einen Fokus auf Flexibilität legt. Sei es ein Wandfernseher, der tatsächlich nur auf der Wand angebracht wird, oder das Panel als Lautsprechermembran, es gibt viele Einsatzmöglichkeiten. Letzteres verwendet Sony, LG Display demonstrierte es ohne Sony-Logo auf der Displayweek.

Ein Fokus liegt zudem auf transparenter OLED-Technik. Der von der Elektronikmesse CES bekannte durchsichtige OLED-Fernseher wurde abermals gezeigt. Anwendungsbeispiele wären etwa Schaufenster, bei denen Informationen eingeblendet werden, ohne die echten Objekte zu verdecken. LG Display dürfte einige Vorteile haben, denn auch auf der Displayweek war es der einzige Hersteller, der OLED-Displays in vernünftiger Größe demonstrieren konnte. Zwar sind auch einige Konkurrenten in der Lage, OLED-Displays anzubieten, diese kommen aber nicht in den Bereich von Fernsehern.

Displays im Spiegel

LG will die Technik aber auch in Fahrzeuge integrieren. Statt der klassischen Head-up-Displays per Spiegelung oder Helm soll es einfach ein transparentes Statusdisplay geben. Auch im Rückspiegel sollen OLEDs verbaut werden, die etwa eine Uhrzeit oder auch ein Kamerabild einblenden können. Das sieht bereits sehr gut aus.

In Zukunft werden Displays also in sehr viel mehr Anwendungsbereichen eingesetzt - vor allem mit OLED-Technik, die bei kleinen Displays teils sogar günstiger sind als LC-Displays. Starre Vorgaben durch viereckige, unbedingt blickdichte Panels fallen weg, was zu interessanten neuen Produkten führen könnte.  (ase)


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