Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sphero-lightning-mcqueen-erst-macht-es-brummbrumm-dann-verdreht-es-die-augen-1705-128015.html    Veröffentlicht: 25.05.2017 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/128015

Sphero Lightning McQueen

Erst macht es Brummbrumm, dann verdreht es die Augen

Das neue Spielzeug von Sphero ist keine Kugel, sondern hat vier Räder und einen Mund. Ob mit dem neuen Fahrzeug des Herstellers Rennfeeling und Filmatmosphäre aufkommt, konnten wir vorab ausprobieren.

Im September 2017 erscheint der dritte Film der Cars-Reihe von Pixar in Deutschland. Sphero bringt deshalb ein neues Spielzeug auf den Markt, den Hauptdarsteller der Filme: den Rennwagen Lightning McQueen. Es ist nicht einfach nur ein ferngesteuertes Auto, sondern soll die Persönlichkeit des Leinwandhelden auch ins Kinderzimmer bringen. Bekannt wurde der Hersteller mit seinem BB-8-Roboter aus Star Wars, der nach einem Test bei uns gemischte Gefühle hinterließ. Wir haben einige Rennrunden mit einer Vorabversion des Autos unternommen, um herauszufinden, ob es ein guter Zeitvertreib ist.

Nur Heck-, kein Filmspoiler

Um es vorwegzunehmen, das Spielerlebnis mit dem Rennwagen ist vollkommen filmspoilerfrei und erfordert auch keine Kenntnisse des Films. Wer allerdings keinen der Filme kennt, dürfte mit dem Charakter des Wagens ein wenig fremdeln - Lightning McQueen ist stets übermotiviert und zuweilen leicht überheblich. Der Niedlichkeitsfaktor hält sich deshalb zum Beispiel im Vergleich mit BB-8 in Grenzen. Damit stellt sich Sphero durchaus gegen den Branchentrend bei Spielzeugrobotern.

Die Filmfigur wird real

Die Persönlichkeit des Rennwagen zeigt sich deutlich während des Spielens und auch außerhalb. Regelmäßig spricht uns Lightning McQueen an und reagiert gelegentlich darauf, wenn wir ihn sanft oder auch unsanft bewegen. Dann rollen seine Augen auf dem Frontscheiben-Display, und seine virtuelle Stirn senkt sich. Dazu beschwert er sich auch akustisch, nicht mit Phantasiegebrabbel, sondern einer klaren Sprachausgabe mit Zitatfetzen, die zum Teil auch aus den Filmen stammen könnten. Dabei bewegen sich auch seine Lippen an der Front, und er wackelt auf seinen auch vertikal beweglichen Vorderreifen.

Die Lebendigkeit des Rennwagens ist äußerst bemerkenswert - er bewegt sich auch, wenn er nicht fährt. Das macht ihn durchaus zu einem netten Prokrastinationsobjekt, selbst wenn er nur auf dem Schreibtisch steht. Laut dem Hersteller überwachten und beteiligten sich Pixar-Designer an den Animationen und Bewegungen für das Fahrzeug.

Unter und auf der Plastikhaube des Rennwagens steckt dafür einiges an Technik. Diverse Servomotoren sind für die Mimik und Gestik des Wagens verantwortlich. Per Lage- und Beschleunigungssensor reagiert der Wagen auf Kollisionen und simples Herumschütteln. Durch Sensorflächen auf der Karosserie erkennt der Rennwagen, wenn wir ihn berühren.

Einfache Steuerung per Smartphone

Gelenkt wird der Wagen per Smartphone. Die erforderliche App soll für iOS und Android erscheinen, wir konnten die iOS-App ausprobieren. Die Verbindung zwischen Smartphone und Rennwagen erfolgt per Bluetooth. Die notwendige Kopplung nimmt die App selbständig beim Start vor.

Die Steuerung des Rennwagens in der App ist denkbar einfach. Mit einem einzelnen virtuellen runden Steuerkreuz wird gelenkt und Gas gegeben. Zum Rückwärtsfahren müssen wir parallel einen Button gedrückt halten. Per Turbo-Button können wir stärker beschleunigen. Dabei fährt der Wagen trotzdem stets eher gemächlich, und so gelingt es uns auch, im eher kleinen Büro unsere Runden zu drehen. Angst um die Wohnzimmereinrichtung muss also niemand haben.

Echtes Rennfeeling kommt dabei natürlich eher wenig auf, und auch Stunts sind kaum möglich. Dank der einzeln angesteuerten Räder neigt sich die Karosserie bei Kurvenfahrten tatsächlich, zumindest optisch werden brachiale Fliehkräfte simuliert. Daneben quasselt Lightning McQueen ständig während der Fahrt und motiviert uns, weiterzufahren.



App bietet mehr als nur Fahrvergnügen

Neben der reinen Fahrfunktion enthält die App auch einen rudimentären Programmiermodus - der allerdings nicht an die Programmierbarkeit der bisherigen (Kugel-)Roboter von Sphero herankommt. Eher entspricht der Modus einem simplen Makro-Editor, um auf Knopfdruck ein bestimmtes Verhalten abzuspielen.

Wenig Grips, aber einen flotten Finger benötigen wir für ein Minispiel. Der reale Rennwagen spielt dabei zwar keine Rolle, gibt aber akustische Hinweise. Das Spiel ist simpel, aber ein praktisches Mittel, um einen Teil der ca. 30 bis 40 Minuten zu überbrücken, bis der Akku des Fahrzeugs wieder aufgeladen ist.

Weitere Elemente der App sind ein Renn- und ein Kinomodus. In Letzterem können wir zusammen mit Lightning McQueen den originalen Cars-Film schauen, der Rennwagen kommentiert dabei seine Lieblingsszenen. Zumindest in der Theorie - ausprobieren konnten wir diese Elemente in der Alpha-Version der App noch nicht.

Leider verzichtet Sphero auf einen Mehrspielermodus. Das gilt sowohl für das Minispiel in der App als auch potenziell denkbare Rennspiele mit mehreren Lightning McQueen's. Eine Konkurrenz für Anki Overdrive oder die Carrera-Bahn ist der Rennwagen nicht.

Preis und Verfügbarkeit

Der Spero Lightning McQueen ist in Deutschland ab dem 15. Juni 2017 erhältlich. Die Preisempfehlung liegt bei 350 Euro.

Bei unserem Test sprach das Auto noch Englisch, auch die Smartphone-App ist noch nicht lokalisiert. Zum Verkaufsstart in Deutschland sollen aber alle Inhalte auf Deutsch vorliegen.

Fazit

Ein Spielzeug mit Persönlichkeit, damit warben in den letzten Jahrzehnten eher Puppenhersteller. Um so erstaunlicher, dass es ausgerechnet einem Rennwagen gelingt, dem Versprechen erstaunlich nahe zu kommen. Die physische Imitation des Filmcharakters Lightning McQueen ist Sphero erstaunlich gut gelungen - die dazu erforderliche Elektronik schlägt sich aber leider deutlich im Preis nieder.

Als reines ferngesteuertes Fahrzeug ist der Rennwagen einsteigerfreundlich, die weiteren Inhalte der Alpha-Version der App sind nette Ergänzungen. Uns fehlt allerdings noch ein wenig die aktive Interaktion zwischen App und Fahrzeug, zum Beispiel, Aktionen in der App mit Hilfe der Auto-Sensorik auszulösen. Zuweilen erinnert uns Lightning McQueen deshalb eher an einen fahrbaren Bluetooth-Lautsprecher. Allerdings hatten wir auch noch keinen Zugriff auf alle Inhalte. Wir sind gespannt, was Sphero hier noch liefern wird.

 (am)


Verwandte Artikel:
Star-Wars-Roboter: Spheros R2-D2 blinkt und piept auf zwei oder drei Beinen   
(05.09.2017, https://glm.io/129871 )
Cars 3 und Coco in HDR: Die ersten Pixar-Filme kommen als Ultra-HD-Blu-ray   
(18.01.2018, https://glm.io/132236 )
Wreck-It Ralph 2: Videospielebösewicht macht das Internet unsicher   
(02.03.2018, https://glm.io/133097 )
Bilderkennung: Roboter löst Rubik's Cube in 380 Millisekunden   
(08.03.2018, https://glm.io/133228 )
Modulare Smartphones: Lenovo kann Moto-Mods-Versprechen nicht halten   
(11.03.2018, https://glm.io/133266 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/