Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/qd-lcd-mit-led-blu-forscher-kritisieren-samsungs-qled-marketing-1705-127995.html    Veröffentlicht: 24.05.2017 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/127995

QD-LCD mit LED-BLU

Forscher kritisieren Samsungs QLED-Marketing

QLED-Fernseher können eine mächtige Konkurrenz für Geräte mit OLED-Panels werden. Doch dass Samsung seine neue TV-Generation QD-LCDs als QLED vermarktet, gefällt einigen Forschern gar nicht.

Für seine "QLED-TVs" hat Samsung ein weiteres Mal einen aus technischer Sicht schlechten, verwirrenden Namen gewählt. Das haben diverse Forscher auf der Konferenz Displayweek in Los Angeles konstatiert. Denn die Technik, bei der Quantum-Dot-LEDs für die Bilddarstellung sorgen und damit sowohl besonders gute Schwarzwerte als auch eine im Vergleich zur OLED sauberere Darstellung von Rot, Grün und Blau bieten, ist noch nicht ganz fertig.

Blaue QLEDs sind noch ein Problem

Neben guten Farben soll die Technik niedrige Preise ermöglichen. Die Kosten sollen insgesamt geringer sein, da Filter, Diffuser und Polarisierung nicht notwendig sind, was die Leistungsaufnahme und die Komplexität der Konstruktion reduziert. Die Displays sind dünn, leicht und auch für transparente Anwendungen nutzbar. QLEDs können gedruckt werden, was überschüssiges Material reduzieren soll.

Für den Durchbruch der QLED-Technik fehlt jedoch noch eine Farbe: Blau. Die blauen QLEDs haben eine geringe Lebenszeit, womit etwa der Hersteller TCL erhebliche Probleme hat. Sie halten laut TCL nur 25 Stunden Betrieb bei 1.000 Candela pro Quadratmeter durch, da sie sehr viel mehr Energie benötigen als andere QLEDs. Rot und Grün hingegen sind nahe der Kommerzialisierung und halten in Prototypen 2.000 bis 3.000 Stunden. Insgesamt steigt die Haltbarkeitsdauer, wenn die Helligkeit reduziert wird. Möglich wären vermutlich heute schon einfarbige QLED-Anwendungen. So etwas gab es in der Vergangenheit schon. 2005 bestückte Sony etwa seine Walkmen-Serie mit einfarbigen OLED-Displays, die in vielen Fällen heute noch funktionieren.

Samsungs sogenannte QLED-Geräte müssten eigentlich "QD-LCD mit LED-BLU" genannt werden, wie es einer der Forscher auf einer Folie präsentierte - Quantum Dot Liquid Crystal Display mit Light Emitting Diode Backlight Unit. Auch andere Teilnehmer der Displayweek äußerten Kritik an der aktuellen Benutzung des Begriffs QLED durch Samsung. Das klingt freilich nicht so gut wie QLED, das zudem fast genauso aussieht wie OLED.

An den Samsung-Fernsehern selbst gibt es nicht viel auszusetzen, wie wir beim Anschauen erster Modelle erkannten: Die Bildqualität ist gut, die Schwarzwerte aber nicht so gut wie bei der OLED-Technik. Auch die Forscher hatten lobende Worte für die Interimstechnik übrig.

Wenn die echten QLEDs kommen

Das QLED-Marketing von Samsung wird spätestens dann zu einem Problem, wenn die echten QLED-Displays auf den Markt kommen, an denen zahlreiche Hersteller arbeiten. Bei ihnen sind auch vernünftige Schwarzwerte zu erwarten. Dann werden Samsung mit seinen kleinen OLED-Panels und LG mit seinen großen Panels mächtige Konkurrenz durch die QLED-Hersteller bekommen.

TCL hat dieses Jahr schon erste 5-Zoll-Prototypen fertiggestellt. Das Ziel ist es, bis zum Jahr 2019 Prototypen mit 31 Zoll herzustellen und vielleicht schon im Jahr darauf mit der Massenproduktion zu starten. Dieser Zeitrahmen deckt sich mit anderen Prognosen auf der Displayweek: Echte QLED-Displays sind nicht mehr weit entfernt und werden in zwei bis fünf Jahren auf den Markt kommen.

Da die QLED-Technik einige Jahre jünger ist als die OLED-Technik, die dieses Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert, gibt es noch viel aufzuholen. OLED hat kürzlich bereits die Haltbarkeiten erreicht, die den Einsatz für Digital Signage eingeschränkt ermöglichen. Momentan fehlt es vor allem an Forschung. Zu OLED gibt es über 50.000 Publikationen von Forschern. QLED liegt knapp vor dem Erreichen von 9.000 Publikationen.  (ase)


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