Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sofortbildkameras-im-test-was-den-digitalkameras-fehlt-1705-127664.html    Veröffentlicht: 08.05.2017 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/127664

Sofortbildkameras im Test

Was den Digitalkameras fehlt

In Zeiten von Smartphone-Kameras sind Sofortbildkameras eher ein Statement als eine Notwendigkeit. Golem.de hat mit zwei neuen, teureren Kameras und mit einem Klassiker aus den 1970er Jahren Spaß gehabt - dabei aber für das Filmmaterial tief in die Tasche greifen müssen.

Klack, plopp, surr - das Geräusch einer klassischen Sofortbildkamera wie der SX-70 von Polaroid ist einzigartig. Vor einiger Zeit war es zudem noch ziemlich einzigartig, sich ein soeben geschossenes Foto direkt anschauen zu können. Was heute mit preiswerten Digitalkameras und Smartphone-Kameras normal ist, war noch vor 30 Jahren eher die Ausnahme.

Spätestens, seitdem Digitalkameras immer günstiger wurden, hat das Sofortbildsystem stark an Bedeutung verloren. Der Erfinder des Sofortbildfilms und ehemalige Marktführer Polaroid hat im Jahr 2008 die Produktion von Kameras und Filmmaterial eingestellt, in den Jahren zuvor wurde das Angebot schon stark gestrafft. Der Zauber und die Einzigartigkeit, die einem Instant-Foto inne waren, sind irgendwie abhandengekommen.

Drei verschiedene Kameras, zwei verschiedene Filmsysteme

Golem.de hat drei Sofortbildkameras mit unterschiedlicher Filmtechnologie ausprobiert. Wir haben eine Polaroid-Vorgeschichte und in der Vergangenheit alle Filme genutzt, die Polaroid im Angebot hatte - bei unserem wollen wir die Frage beantworten, für welche Nutzer sich die heutigen Kameras und Filme eignen, und warum es auch in Digitalkamerazeiten immer noch Spaß macht, Sofortbilder zu machen. Eines sei vorneweg gesagt: Für Filme müssen Nutzer heutzutage teilweise sehr tief in die Tasche greifen.

Ganz tot war das Sofortbild nie - dank Fujifilm, das seit den 1990er Jahren durchgängig den Instax-Film und dazu passende Kameras herstellt. Zudem hat nach dem Produktionsende von Polaroid das Impossible Project die Maschinen übernommen, seit 2010 produziert das Unternehmen neue Polaroid-Filme für das SX-70- und das Polaroid-600-System. Polaroid selbst ist mit dem Tochterunternehmen ZINK Imaging und dessen tintenlosem Fotopapier wieder auf dem Sofortbildmarkt aktiv.

Wir haben uns für insgesamt drei Testkameras entschieden, von denen zwei neu im Handel erhältlich sind: Der Lomo Instant Automat und die Polaroid Snap Touch können einfach im Onlinehandel gekauft werden. Das dritte Gerät ist eine Polaroid SX-70 aus den späten 1970er oder frühen 1980er Jahren; diese Kamera ist unter anderem auf Ebay erhältlich.

Die Kameras verwenden unterschiedliches Filmmaterial: In den Lomo Instant Automat kommen Fujifilms Instax-Filme, die Polaroid Snap Touch arbeitet mit ZINK-Papier, die SX-70 verwendet den für sie gedachten SX-70-Film, der vom Impossible-Projekt in einer Farbvariante und in Schwarz-Weiß hergestellt wird. Die SX-70 gibt es entsprechend auch als Refurbished-Version auf der Homepage des Impossible Projects, allerdings zu einem unserer Meinung nach zu hohen Preis.

Wenige Aufnahmen bis zum Filmwechsel

Die Filmkapazität der drei Kameras ist ähnlich. Mit dem Lomo Instant Automat können wir ebenso wie mit der Polaroid Snap Touch zehn Aufnahmen machen; ein Film für die SX-70 fasst acht Bilder. Die Snap Touch ist aber in der Grundfunktion anders als die beiden anderen Kameras: Sie ist eine 13-Megapixel-Digitalkamera mit angeschlossenem Drucker, während die anderen Kameras Fotos auf Film aufnehmen. Das Bild wird bei ihnen nirgendwo gespeichert, es kann nicht im Nachhinein exportiert und als Datei gesichert werden. Das Foto wird geschossen und direkt entwickelt, eine Kopie des Motivs existiert nicht.

Machen wir mit der SX-70 oder dem Instant Automat ein Bild, wird es nach der Aufnahme ausgeworfen. Das ist bei Polaroids Snap Touch nicht der Fall: Hier wird das Bild im internen Speicher oder einer Speicherkarte abgelegt und kann später ausgedruckt werden - oder auch nicht. Die Kamera ermöglicht es also, anders als die beiden anderen Modelle, auch mal ein Foto zu verwerfen. Die Bildqualität der digitalen Dateien entspricht bei der Snap Touch denen einer vergleichbaren 13-Megapixel-Smartphone-Kamera.

Snap Touch mit Touch-Display

Die Einstellungen bei der Snap Touch nehmen wir über ein Touch-Display vor, das die Rückseite ausfüllt. Neben generellen Settings bezüglich der Display-Helligkeit, der Sprache, Bluetooth-Verbindungen und anderen Optionen gibt es auch aufnahmebezogene Einstellungen. So können wir einen HDR-Modus auswählen oder einen Bildmodus wählen, der mehrere Motive in ein Foto packt. Auch Videos kann die Snap Touch aufnehmen, die Qualität liegt bei maximal 1080p. Die Kamera hat allerdings keinen Bildstabilisator, genutzt haben wir sie nicht.

Den Drucker der Snap Touch können wir per Bluetooth auch von anderen Geräten aus ansteuern, beispielsweise von einem anderen Smartphone. Das erweitert das Nutzungsspektrum, da wir nicht allein auf die 13-Megapixel-Kamera der Polaroid-Kamera angewiesen sind. Die Druckqualität lässt sich bezüglich der Farben und der Helligkeit einstellen; wir haben die Helligkeit etwas erhöht, da uns die gedruckten Bilder verglichen mit den digitalen Dateien zu dunkel waren.

Fünf Filter, die alle nicht nach Sofortbildern aussehen

Mit der Snap Touch aufgenommene Bilder können wir vor dem Druck bearbeiten. Polaroid hat der Kamera fünf Filter gegeben, die bei einem Bild beispielsweise die Sättigung erhöhen können oder das Foto in Schwarz-Weiß umwandeln. Zudem können wir einen Rahmen ergänzen, mit dem das ausgedruckte Foto dann wie ein Instax-Bild aussieht - allerdings geht dieser auf Kosten des eigentlichen Bildes, da er einfach über die Aufnahme gelegt wird.

Leider gibt es keinen Filter, der ein Foto wie ein echtes Instantbild aussehen lässt - dieser Look fehlt der Snap Touch komplett. Entsprechend sehen die mit der Kamera gemachten Fotos auch nicht wie klassische Sofortbilder aus, sondern wie Digitalkamerafotos, die mit einem Mobile-Printer ausgedruckt wurden. Das ist nicht notwendigerweise schlecht, wer allerdings klassische Sofortbilder erwartet, wird mit der Snap Touch nicht glücklich.

Druckqualität der Snap Touch ist gut

Die Ausdrucke sind qualitativ besser, als wir es im Vorfeld gedacht hätten. Die Schärfe ist bei Fotos in dieser Größe absolut ausreichend, einen besonders großen Dynamikumfang haben die Drucke allerdings nicht. Außenaufnahmen bei Sonnenschein gefallen uns am besten, in schattigen Situationen saufen die Schatten schnell ab. In Innenräumen oder generell bei schlechtem Licht macht sich dieser Umstand besonders negativ bemerkbar.

Das ZINK-Papier der Polaroid Snap Touch braucht weder Entwicklungszeit noch muss es trocknen. Das Papier ist - anders als die Filme unserer beiden anderen Testteilnehmer - nicht lichtempfindlich und wird einfach in ein Fach auf der Rückseite der Kamera eingelegt. Wir können das Fach jederzeit wieder öffnen, ohne dass das Fotopapier unbrauchbar wird. Der Druck eines Fotos benötigt ungefähr 20 Sekunden, wir können uns aussuchen, welche Bilder wir drucken wollen. Wer auch bei der Snap Touch ein echtes Instant-Kamera-Gefühl haben möchte, kann in den Einstellungen aktivieren, dass jedes Bild sofort gedruckt wird.

ZINK-Papier mit leichten Farbverschiebungen

Von den Farben her liegt das ZINK-Papier tendenziell immer etwas daneben. Mal können wir einen Cyanstich erkennen, mal einen Blaustich, mal einen Magentastich - perfekt ist die Farbwiedergabe nie. Das alles bewegt sich aber noch im Rahmen, insgesamt sind wir mit den Ausdrucken zufrieden, wenngleich sie nicht aussehen wie wir es von Sofortbildern gewohnt sind.

Wer Fotos mit klassischem Instant-Look haben möchte, ist bei der Lomo-Kamera und der SX-70 besser aufgehoben. Den beiden Kameras fehlen jegliche digitale Spielereien, sie sind klassische Sofortbildkameras: Nach der Aufnahme kommt ein Foto an der Seite beziehungsweise an der Front heraus, das langsam entwickelt wird und anschließend fertig ist. Eine Nachbearbeitung im klassischen Sinne ist nicht möglich, wenngleich es beim sowohl bei der Lomo als auch bei der SX-70 verwendeten Integralfilm kreative Möglichkeiten gibt.

Den Integralfilm dürften auch diejenigen Nutzer kennen, die bisher nichts mit Sofortbildfilm zu tun hatten: Wenn in den 1980er und 1990er Jahren Sofortbilder in Filmen vorkamen, war es meist der Integralfilm von Polaroid mit dem markanten weißen Rahmen. Polaroid hatte den Film mit der ersten SX-70 im Jahr 1973 vorgestellt; anders als die vorher verwendeten Trennbildfilme mussten Nutzer das Foto nicht mehr von der Entwicklungsschicht trennen. Stattdessen ist der Bildträger geschlossen; die Entwicklung findet hinter einer Schutzschicht statt, die nach der Entwicklung klar wird. Damit wird der Bildinhalt sichtbar, das Foto ist fertig.

Polaroid SX-70 - klassischer geht Sofortbild nicht

Die SC-70 ist von allen drei getesteten Kameras die am einfachsten zu bedienende beziehungsweise die mit den wenigsten Einstellungsmöglichkeiten, wie man es nimmt. Sie ist eine faltbare Spiegelreflexkamera, ein Umstand, der das Gerät zum einen recht einzigartig macht, zum anderen für qualitativ sehr gute Fotos sorgt.

Der Faltmechanismus sorgt dafür, dass die SX-70 im zusammengeklappten Zustand nur 3 cm dick ist. Dafür ist sie mit über 20 cm auch für eine Kamera ziemlich lang. Mit 830 Gramm ist die Kamera zudem ziemlich schwer - der Lomo Instant Automat wiegt im Vergleich 380 Gramm, die Polaroid Snap Touch 256 Gramm. Zum Auseinanderklappen müssen wir bei unserem Modell beherzt zugreifen; der Balgen ist aus Gummi und wie der Rest der Kamera ziemlich unverwüstlich.

Die SX-70 selbst hat keine Batterie und keinen Akku, die Stromversorgung befindet sich in den Filmkartuschen und wird mit jedem neuen Film gewechselt. Wer die leeren Kartuschen wirklich umweltgerecht entsorgen will, sollte die Batterie heraustrennen. Die Filme werden vorne in die Kamera eingeschoben, nachdem das Deckblatt ausgeworfen wurde, können wir loslegen.

Wenig Einstellungsmöglichkeiten und lange Entwicklungszeit

Unsere SX-70 hat ist das Sonar-Onestep-Modell mit Autofokus, der bei leichtem Druck auf den Auslöser aktiviert wird und zuverlässig auf mittig platzierte Objekte scharfstellt. Wahlweise kann der Fokus auch manuell eingestellt werden. An weiteren Bedienungselementen gibt es ansonsten nur noch einen Regler für die Helligkeitskorrektur - Mehrfachbelichtungen oder andere Experimente sind mit der SX-70 nicht ohne weiteres möglich.

Das fertige Foto kommt vorne an der Kamera heraus, ein direkter Lichteinfall sollte zu diesem Zeitpunkt minimiert werden. Beim SX-70-Film des Impossible Project liegt die Entwicklungszeit zwischen 20 und 30 Minuten. Das liegt an der Entwicklungschemie, die mit der Neuproduktion der Filme komplett neu zusammengestellt werden musste und von der Entwicklungsgeschwindigkeit schlicht nicht an die alte Emulsion herankommt.

Unbedingt vermeiden sollten es Nutzer, das ausgeworfene Foto während der Entwicklung zu schütteln. Dies war nur bei den früheren Polaroid-Trennfilmen notwendig, da das Foto nach der Trennung von der Chemieschicht feucht war. Die Integralfilme sind trocken, das Schütteln bringt nichts, im Gegenteil hat es einen negativen Effekt: Durch den entstehenden Druck kann es an den Rändern des Filmes zu einer Verdrängung der Schutzschicht kommen. Dann fällt Licht auf die Entwicklungsschicht, was zu ausgefransten, weißen Rändern führt.

Tolle Farben mit weicher Bilddarstellung

Die Bilddarstellung der SX-70 auf dem Impossible-Project-Film ist recht weich, an sich aber scharf. Die Farben sind bei einem frischen Film pastellartig und haben einen Stich ins Magenta und Cyan. Ein Jahr alte Filme hingegen haben einen merklichen Gelb- beziehungsweise Orangestich. Am realistischsten sind die Farben, wenn wir Blitzaufnahmen anfertigen. Dies ist allerdings bei der SX-70 ohne Zubehör nicht ganz trivial, da die Kamera einen alten Anschluss für Blitzleisten besitzt. Im Onlineshop des Impossible Project gibt es einen passenden Blitz, wir haben eine Blitzleiste aus den 1970er Jahren verwendet.

Die Farbwiedergabe ist in jedem Fall nicht realistisch, was aber - anders als zu den Zeiten, als Polaroid den Film noch herstellte - nicht zwingend der Anspruch des Impossible-Project-Films ist. Den Machern geht es eher um einen künstlerischen Look der Bilder. Das gelingt dem Farbfilm sehr gut, zusammen mit der Haptik der SX-70 entsteht hier eine ziemlich einzigartige Nutzererfahrung. Von der Belichtung, der Detailqualität und der Schärfe her steht die SX-70 weit vor den beiden anderen Kameras in unserem Test - an die Farben müssen sich Nutzer aber gewöhnen.

Lomo Instant Automat mit viel Zubehör

Die dritte Kamera in unserem Test ist wie die SX-70 eine analoge Filmkamera: Der Lomo Instant Automat wird vom österreichischen Unternehmen Lomographische Gesellschaft vertrieben, die unter dem Namen Lomography seit den 1990er Jahren zunächst Kameras aus sowjetischer Produktion vertrieben hat, seit einiger Zeit aber in China fertigen lässt. Mit dem traditionsreichen sowjetischen Kamerahersteller Lomo hat das Unternehmen heutzutage nicht mehr viel zu tun.

Der Instant Automat besteht komplett aus Kunststoff, die Verarbeitung ist aber gut. Unser Modell "South Beach" ist Beige mit roten Kunstlederaufsätzen und einem insgesamt durchaus charmanten Retrolook. Die Kamera hat ein fest montiertes Objektiv, das mit Aufsätzen erweitert werden kann. Praktischerweise sind diese Aufsätze im Lieferumfang enthalten: Der Instant Automat kommt mit einer Weitwinkellinse, einem Fisheye, einer Nachtaufnahmelinse und dem Splitzer, einem Aufsatz, der bestimmte Teile des Bildes verdeckt und so abgegrenzte Mehrfachaufnahmen in einem Bild ermöglicht.

Clevere Schutzkappe mit Fernsteuerung

Die Schutzkappe der Kamera ist gleichzeitig ein Fernauslöser, mit dem auch der Timer gestartet werden kann. Dank des reichhaltigen Zubehörs bietet der Instant Automat von all unseren Testgeräten die vielfältigsten Möglichkeiten, was die Bildgestaltung betrifft.

Die Kamera selbst bietet einige Einstellungsmöglichkeiten. Auf der Rückseite befindet sich eine Leiste mit vier Knöpfen, die den Blitz ein- und ausschalten, die Mehrfachbelichtung aktivieren, die Belichtung wahlweise nach unten oder oben korrigieren oder zwischen Automatik- und Langzeitbelichtungsmodus (Bulb) umschalten. Der Instant Automat hat einen Sucher, der allerdings stets nur das Bild des Standardobjektivs anzeigt. Verwenden wir einen der Aufsätze, müssen wir schätzen, was auf dem Bild letztlich zu sehen sein wird.

Filmkassette mit kleinen Abzügen

Wie die SX-70 wird in den Instant Automat eine Filmkassette eingelegt. Diese ist allerdings kleiner: Während die Bilder bei der SX-70 79 x 76,5 mm messen, sind es bei der Lomo-Kamera nur 61,9 x 46 mm. Die Bilder der Polaroid Snap Touch messen 76,1 x 49,7 mm. Der Bildträger ist wie bei der SX-70 größer, da im Rand die Entwicklungschemie eingebaut ist. Vom Entwicklungsprinzip arbeiten die Instax-Filme nach dem gleichen Prinzip wie der Film von Impossible Project.

Da Instax-Filme keine eingebaute Batterie haben, benötigt der Instant Automat eine eigene Stromversorgung. Zwei CR2-Zellen sind dafür nötig. Dafür können die leeren Filmkassetten problemlos entsorgt werden.

Um eine einfache Aufnahme mit dem Instant Automat zu machen, müssen wir lediglich die geschätzte Entfernung des Zielobjektes am Objektiv einstellen (die Kamera hat als einzige in unserem Testfeld keinen Autofokus) und den Auslöser drücken. Das Bild kommt anschließend an der linken Seite aus der Kamera - Vorsicht mit Fingern, die eventuell den Bildauswurf blockieren könnten. Die Entwicklung ist innerhalb von zwei bis drei Minuten abgeschlossen, dann halten wir unser fertiges Bild in der Hand.

Stark vignettierte Bilder

Die Abbildungsqualität des Instant Automat ist in unserem Test die schlechteste: Die Bilder haben eine sehr starke Vignette, die für unseren Geschmack etwas zu stark ist. Grund dafür dürfte das Objektiv mit Kunststoffgläsern sein, die abseits der Bildmitte zu Unschärfe und farblichen Verzerrungen führen. Derartige Abbildungsschwächen gehören bei Kameras der Lomografischen Gesellschaft zum Konzept, was Nutzer vor dem Kauf wissen sollten. Von der Schärfe und der Abbildungsqualität her kann die Lomo-Kamera nicht mit der SX-70 mithalten.

Dafür bietet der Instant Automat wie bereits erwähnt viele Optionen, mehr als ein normales Bild zu machen. Wir finden besonders den Splitzer interessant: Hiermit können wir bei einer Mehrfachaufnahme nur bestimmte Teile des Objektives freilassen, um verschiedene Bereiche eines einzigen Fotos mit unterschiedlichen Motiven zu füllen. Dadurch ergeben sich tolle kreative Möglichkeiten.

Die Weitwinkelvorsatzlinse finden wir ebenfalls nützlich, das Fisheye hingegen eher weniger. Da die Instax-Bilder an sich schon sehr klein sind und das Fisheye-Objektiv ein rundes Bild erstellt, ist das Motiv auf dem fertigen Foto tatsächlich winzig. Der Durchmesser des Motivs ist nicht einmal 40 mm groß, was uns schlicht zu klein ist.

Das Zubehör macht den Unterschied

Insgesamt punktet Lomos Instant Automat klar durch das Zubehör und die damit verbundenen kreativen Möglichkeiten. Zwar können wir auch bei der Snap Touch mehrere Motive auf ein Foto legen, das sieht aber zum einen nicht so gut aus wie bei der Lomo, zum anderen sind es beim Instant Automat mehr mögliche Motive. Auch der Selbstauslöser im Objektivdeckel ist eine clevere Sache.

Die langfristig größten Kosten bei Sofortbildkameras sind nicht die Anschaffungskosten der Kameras selbst, sondern die Filmkosten. Wer sich für diesen Teil der Fotografie interessiert, muss damit rechnen, für wenige Aufnahmen verhältnismäßig viel Geld zu bezahlen. Am günstigsten schneidet hierbei das ZINK-Papier der Snap Touch ab: Für 50 Fotos zahlen wir zwischen 25 und 30 Euro, was pro Foto zwischen 50 und 60 Cent ist.

Etwas teurer sind die Instax-Mini-Farbfilme von Fujifilm: Hier zahlen wir für zwei Filmpacks, also 20 Aufnahmen, um die 16 Euro. Das sind umgerechnet 80 Cent pro Aufnahme. Deutlich tiefer ins Portemonnaie müssen Nutzer einer SX-70 greifen: Der Farbfilm des Impossible Project kostet 20 Euro für acht Aufnahmen - das sind 2,50 Euro pro Aufnahme. Eine Schnappschusskamera ist die SX-70 dadurch eher nicht, es sei denn, das nötige Kleingeld ist vorhanden.

Verfügbarkeit und Fazit

Polaroids Snap Touch ist in Weiß für 170 Euro im Onlinehandel erhältlich. Der Lomo Instant Automat kostet im Onlineshop von Lomo.com 200 Euro. Kürzlich hat der Hersteller mit dem Magellan-Modell auch eine Version mit Glaslinsen vorgestellt, die die gleichen Funktionen bietet und 190 Euro kostet. Im Lieferumfang sind aber nur die Nahaufnahmelinse, der Splitzer und der Objektivdeckel enthalten, der Fisheye- und der Weitwinkelaufsatz fehlen.

Die SX-70 gibt es in verschiedenen Versionen und Zuständen bei Ebay zu kaufen. Die Autofokus-Version erzielt Preise zwischen 30 und 70 Euro, besonders gut erhaltene Modelle können über 100 Euro kosten. Im Onlineshop des Impossible Project gibt es die SX-70 als Refurbished-Modell zu kaufen, den Preis von 370 Euro halten wir aber für aberwitzig hoch.

Fazit

Wer beim Erscheinen der ersten brauchbaren und bezahlbaren Digitalkameras dachte, Sofortbildfotografie sei dem Untergang geweiht, hat sich geirrt: Auch im Jahr 2017 gibt es neue Kameras und neue Filme zu kaufen. Auch heute besitzen Sofortbildkameras eine Faszination, die über Fragen der Bildqualität hinausgeht. Zuzusehen, wie ein Foto entsteht, das durch die Farben und die Bildwiedergabe einen ganz eigenen Charme hat und das es nur ein Mal gibt, hat auch in Zeiten preiswerter und guter Digitalkameras und Smartphonekameras etwas Schönes.

Der Lomo Instant Automat sowie die SX-70 sind sowohl von der Bildästhetik als auch von den Bearbeitungsmöglichkeiten komplett andere Geräte als die Snap Touch von Polaroid, die zudem aufgrund der möglichen zahlreichen Ausdrucke des gleichen Motivs nicht ganz in die Stimmung einer "echten" Sofortbildkamera passt. Die unterschiedlichen Systeme haben aber ihre eigenen Vorteile und Nachteile.

Die Snap Touch hat mit Abstand das günstigste Filmmaterial, zudem können wir entscheiden, welches Foto wir drucken wollen und welches lieber nicht. Außerdem lässt sich der Drucker der Kamera auch mit Smartphones ansteuern. Wer allerdings Fotos haben möchte, die auch nach Sofortbildern aussehen, wird mit der Polaroid-Digitalkamera nicht glücklich. Die SX-70 und der Lomo Instant Automat können den klassischen Instant-Bildeindruck viel besser abbilden. Die SX-70 mit dem Impossible-Project-Farbfilm erzeugt pastellige Farben, die wir sehr schätzen.

Die Instax-Mini-Filme sind bezüglich der Farben realistischer, die Fotos haben einen weitaus härteren Kontrast und natürlichere Farben. Allerdings sind die Abzüge auch viel kleiner, dafür aber auch weitaus günstiger. Der Instant Automat bietet zudem eine ganze Reihe von tollen Funktionen, die zu kreativen Spielereien einladen. Damit bietet das Gerät mehr als viele andere Kameras, die Instax-Filme verwenden. Der Preis ist für ein System mit Kunststofflinsen allerdings auch nicht gerade günstig.

So teuer das Verbrauchsmaterial für Polaroids SX-70 ist: Die Kamera gibt es günstig bei Ebay, sie ist für uns die beste Kamera im Test. Wer den Charme von Sofortbildern erleben und gleichzeitig eine sehr ungewöhnliche Kamera benutzen möchte, dem sei zu Polaroids Klassiker geraten. Der Instant Automat bietet zwar viel Zubehör, die Qualität ist uns - trotz Lomo-Hype - aber insgesamt etwas zu schlecht.

Die Polaroid Snap Touch hingegen eignet sich für Nutzer, die einfach ihre Schnappschüsse unterwegs ausdrucken wollen und dabei keinen Wert auf Nostalgie legen. Die Bilder sehen am ehesten aus wie die Realität, zudem ist das Verbrauchsmaterial am günstigsten - ein echtes Sofortbild-Feeling kommt aber nicht auf.  (tk)


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