Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mesh-und-bridge-systeme-in-der-praxis-mehr-access-points-mehr-spass-1706-127636.html    Veröffentlicht: 12.06.2017 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/127636

Mesh- und Bridge-Systeme in der Praxis

Mehr WLAN-Access-Points, mehr Spaß

Eine neue Generation von WLAN-Mesh- und -Bridgesystemen ist verfügbar. Wir haben uns die Systeme von Devolo (Gigagate), Linksys (Velop), Netgear (Orbi) und Ubiquiti (Amplifi) mehrere Wochen in der Praxis angeschaut. Zur Erhöhung der Reichweite hat uns vor allem der Neuling der Branche begeistert, trotz Einschränkungen.

Wenn es um den Aufbau eines Heim-WLANs geht, ist spätestens seit der Einführung der 5-GHz-Technik (802.11a/n/ac) mit Reichweitenproblemen zu rechnen. Das ist der Preis für die höheren Geschwindigkeiten. Lösungen gibt es viele, sie haben jedoch alle ihre Schwächen. Setzt man etwa einfach zwei Access Points mit identischer SSID-Konfiguration und unterschiedlichen Kanälen auf, ist ein Kabel nötig, das Roaming wird dem Client überlassen. Verwendet man Repeater-Systeme, die kein Kabel brauchen, gibt es dafür Bandbreitenprobleme. Vollwertige WLAN-Controller, welche die Clients unter Kontrolle haben, erreichen vernünftiges WLAN-Roaming, kosten aber leicht einen vierstelligen Euro-Betrag. Die neuen Mesh- und Bridge-Systeme sollen als leicht aufzusetzendes Paket einige Vorteile der Einzellösungen bringen - mit möglichst wenigen Nachteilen.

Bei den hier im Praxistext befindlichen Systemen werden mehrere Access Points drahtlos auf einem dedizierten Kanal verbunden. Dabei gibt es Mesh-Systeme, die per Daisy Chaining mehrere APs miteinander verbinden, sternförmige Systeme und Bridge-Systeme. Es gibt daher nur entfernungsbedingte Bandbreitennachteile. Diese Kombination gab es bisher nicht zu einem bezahlbaren Preis. Wir haben uns vier Systeme angeschaut, die teils sehr unterschiedliche Ansätze haben.

Devolos Gigagate vs. Linksys' Velop vs. Netgears Orbi vs. Ubiquitis Amlifi

Devolo Gigagate ergänzt einen vorhandenen WLAN-Router und ist als Bridge-System sehr günstig. Hier wird von der Basis ein WLAN aufgebaut, das der Satellit nutzt und dort mit einer eigenen WLAN-SSID weitergibt. Die anderen Geräte sind zugleich Router: Linksys' Velop-System arbeitet mit kleinen autarken Einheiten im Daisy-Chain-Mesh. Sprich jeder Access Point kann mit jedem anderen kommunizieren. Fällt einer aus, sucht sich das Signal von der Routereinheit bis zum Client einfach einen neuen Weg. Es gibt auf Wunsch also eine interessante WLAN-Redundanz, die wir aber nicht getestet haben. Sie ist eher eine Option für kleine Büros.

Das gilt auch für Netgears voluminöses Orbi-System, allerdings erst mit einem demnächst anstehenden Update. Derzeit arbeitet das System noch sternförmig, jeder Satellit braucht also eine Verbindung zur Routerbasis. Besonders spannend ist Ubiquiti Amplifi, das vieles anders macht als die Konkurrenz. Auch dieses ist ein sternförmiges Mesh-System. Die sternförmigen Systeme haben den Nachteil, dass die Reichweite nur einmal vergrößert werden kann. Das Velop-System müsste hingegen über mehrere Dutzend Einheiten verlängert werden können. Qualcomm sagte uns dazu, dass vor allem die Latenz leidet, nicht aber die Bandbreite, sofern nicht Clients unterwegs welche abzweigen.

Für unseren Test haben wir eine Wohnung in einem Mietshaus ausgewählt, deren zwei Etagen nachträglich durch eine Treppe verbunden wurden - eine anspruchsvolle Umgebung für WLAN. Mit bisherigen Routerlösungen haben die Bewohner es nicht geschafft, mit einem Router im unten gelegenen Wohnzimmer auch die obere Etage abzudecken, weder im 5- noch im 2,4-GHz-Band. Ein Großteil der oberen Etage hat keinen Empfang, selbst mit Notebooks mit außergewöhnlich guten Antennen. Deswegen ist in die obere Etage ein Kabel gelegt worden.

Unsere Mesh- oder Bridge-Systeme sollten eine WLAN-Abdeckung auch in der oberen Etage ermöglichen, schließlich sind sie stationär, und Beamforming sollte sein Übriges tun. Die gute Nachricht vorneweg: Tatsächlich gelang allen Testkandidaten die Verbindung nach oben, mit allen Mesh-Systemen konnten WLAN-Verbindungen aufgebaut werden, die zuvor nicht möglich waren - manchmal allerdings nur auf dem 2,4-GHz-Band, mit entsprechenden Einschränkungen im Durchsatz.

Durchsatztests sind nicht übertragbar

Für unseren Test haben wir uns vor allem auf die Zuverlässigkeit und Bedienbarkeit in der Praxis konzentriert, die Bandbreite bestimmt der Anwender durch die Aufstellung der Geräte. Durchsatztests haben wir nicht durchgeführt, da die Ergebnisse kaum auf andere Wohnungen übertragbar wären. Allerdings können wir etwa die qualifizierte Vermutung anstellen, dass ein System nicht für anspruchsvolle Umgebungen ideal ist, das nur auf dem 2,4-GHz-Band eine Verbindung aufbaut. Auf der anderen Seite ist eine langsame Verbindung immer noch besser als gar keine, wenn der Signalweg zum Beispiel durch eine plötzlich geschlossene Tür blockiert wird.

Bezüglich der Durchsatzgeschwindigkeit ist zudem zu bedenken, dass diese immer ein Kompromiss ist. Will der Anwender einen weiten Bereich abdecken, wird der Abstand zwischen den WLAN-Einheiten höher, was eine Reduzierung der Bandbreite bedeutet. Stehen die Einheiten näher zusammen, hat der Anwender zwar Bandbreite, aber nicht überall Empfang. Manchmal sind den Geräten zudem Grenzen gesetzt, die durch deren Form bestimmt werden.

Betonen möchten wir auch, dass die Systeme nie parallel im Betrieb waren. Die Gefahr einer Störung wäre zu groß gewesen. Damit liegen zwischen den ersten und den letzten Einsätzen jeweils einige Wochen Abstand. Im Detail hat so ein langer Test gewisse Nachteile, da wir nicht ausschließen können, dass sich in der Praxis in der Nachbarschaft durch konkurrierende WLAN-Systeme Störungen ergaben. Unsere Systeme liefen aber weitestgehend störungsfrei, wie etwa unser erster Testkandidat von Ubiquiti.

Der Neuling: Ubiquitis Amplifi ist angenehm einzurichten und zu bedienen

Den Anfang in unserem Test macht ein Neuling der Branche. Zumindest im Endkundengeschäft ist Ubiquiti so gut wie unbekannt. Netzwerker kennen das Unternehmen durch die preislichen Angriffe auf traditionelle Netzwerkhersteller wie Cisco. Mittlerweile hat die Firma durch ihren Versuch, Unternehmenshardware sehr günstig anzubieten, viele Fans bekommen, auch wenn die Funktionen der Netzwerkprodukte nicht an die der großen Angebote von Cisco, Ruckus oder Aruba herankommen.

Im Endkundengeschäft bietet Ubiquiti mit Amplifi etwas an, das sowohl für das Unternehmen als auch für den Kunden neu ist. Das Design ist schlicht und unterscheidet sich sehr von dem, was traditionelle Netzwerkhersteller anbieten. Trotzdem dürfte sich der Netzwerkkenner angesprochen fühlen. Wir hielten das Potenzial schon früh für so groß, dass wir uns das System lange vor dem deutschen Marktstart in Los Angeles anschauten.

Mittlerweile ist es hierzulande käuflich zu erwerben. Die Basiseinheit ist ein Router, der einen Touchscreen hat. Das ist im Endkundengeschäft ungewöhnlich. Von Mikrotik gibt es auch Router mit Display, doch die sind Profiequipment und nur mit gehobenen Netzwerkkenntnissen zu konfigurieren. Amplifi hingegen richtet sich insbesondere an Anfänger. Das merkt man schon beim Aufbau. Das Display gibt Hinweise für die Konfiguration und vor allem Fehlermeldungen. Das meiste wird aber über die App und ein Basis-Webinterface gemacht, dazu später mehr.

Besonders spannend sind die sogenannten Mesh Points, also die Einheiten, die sich mit der Touchscreen-Basis verbinden. Was uns besonders gefällt: Ubiquiti verzichtet hier auf Netzteile und Kabel. Die Mesh Points werden einfach in die Steckdose gesteckt. Die Kopplung mit der Basis stellt kein Konfigurationsproblem dar. Hier hat Ubiquiti viel nachgedacht.

Lokalisierung per App

Die einzelnen Geräte lassen sich anpingen. Wer einen bestimmten Mesh Point sucht, bekommt einen Piepton zu hören, und die LEDs blinken, die auch die Verbindungsstärke anzeigen. Sehr vorbildlich. Auch die Basis kann blinken und piepsen. Das tut sie sogar bei Konfigurationsänderungen, was hilfreich ist, da wir dadurch erfahren, dass unsere Änderung gerade übernommen wird. Das Piepsen lässt sich abschalten. Selbiges gilt für die LEDs der Basis unten und das Display. Die Leuchtintensität ist bei beidem unabhängig einstellbar, und es gibt einen Nachtmodus zur kompletten Abschaltung.

Die Konfiguration geschieht größtenteils mit der App. Nur für die Internetverbindung gibt es ein optionales Webinterface, so dass bei Problemen wenigstens etwas konfiguriert werden kann. Entgegen den ersten Verlautbarungen von Ubiquiti geschieht die Konfiguration per App nicht per Bluetooth, sondern über das WLAN, und das ist sehr angenehm. Die Oberfläche ist intuitiv und aufgeräumt. Trotzdem gelingt es Ubiquiti, Informationen in der App abzubilden, die auch den Netzwerker interessieren. Die Zuordnung der Clients zu den Mesh Points oder der Basis ist sichtbar, Probleme beim Backhaul lassen sich erkennen, und das Pausieren der Clients ist eine nette Familienfunktion, falls jemand mal unerwartet viele Daten herunterlädt und damit die Leitung dichtmacht oder einfach nicht schlafen will. Das Gruppieren von Geräten ist ebenfalls möglich, um Familienmitglieder gezielt uhrzeitbasiert auszuschließen.

Gut gefällt uns auch der Gast-WLAN-Modus. Dieser lässt sich nämlich begrenzt aktivieren. Ein Klick, und für die nächsten zwei Stunden ist beispielsweise ein Gast-WLAN für den Besuch da. Es gab anfangs aber auch kleinere Probleme mit der Einstellung.

Amplifi hatte Probleme mit leeren Passwörtern

Fehler haben wir allerdings auch entdeckt. PPPoE-Verbindungen ohne Passwörter verstand Ubiquiti anfangs nicht: Bei unserem O2-Zugang erfolgt der Zugriff auf das Netzwerk des Dienstleisters nur mit einem Nutzernamen, daher gelang es Amplifi nicht, eine Verbindung aufzubauen. Vermutlich kommt nur, wer ein wenig verspielt ist und Erfahrung mit dem Experimentieren hat, darauf, sich einfach ein Passwort auszudenken. Ubiquiti kennt den Fehler aber mittlerweile. Er dürfte schon behoben sein, wir konnten das allerdings nicht mehr verifizieren - die Changelogs von Ubiquiti sind etwas spärlich.

In der Praxis funktionierte Amplifi ziemlich gut. Allerdings hatten wir im oberen Bereich der Wohnung Probleme. Der Backhaul-Kanal musste auf 2,4 GHz zurückfallen - ein Nachteil des Steckdosensystems, denn die Steckdose war funktechnisch nicht gut positioniert. Überraschenderweise funktionierte die Verbindung zwischen Mesh Point und Basis in der Praxis sehr gut. Der andere Mesh Point, der in der unteren Etage verblieb, hatte keine Probleme. Etwas enttäuscht waren wir jedoch davon, dass sich die Mesh Points nur mit der Basis verbinden. In Reihe positionieren lassen sie sich nicht, um die Reichweite noch mehr zu erhöhen. Die Basis muss also an zentraler Stelle aufgestellt werden. Ein wichtiger Punkt, dessen man sich vorher bewusst sein muss. Wer denkt, Mesh-Netzwerke seien beliebig erweiterbar, irrt leider, und das Marketing der Hersteller macht das nicht deutlich.

Die abnehmbare Antenne ist bisher nur ein Gimmick; dass man sie geringfügig ausrichten kann, hilft nicht. Immerhin: Wer mit dem Staubsauger einen Mesh Point rammt, zerstört ihn nicht direkt, die Antenne fällt nur ab.

Das Alleinstellungsmerkmal ist das Display

Das Display ist sehr praktisch. Darüber bekommt der Anwender beispielsweise die Information, dass es ein Firmwareupdate gibt. Das kann dann jeder im Haushalt anstoßen, denn dafür muss nur auf das Display gedrückt werden - sehr nützlich, um ein System aktuell zu halten. Man kann sich aber darüber streiten, ob eine derartige Aktion wirklich von jedem ausgeführt werden sollte.

Die Informationsbildschirme sind ebenfalls vorteilhaft, mit einem Tipp klickt man sich durch die Netzwerkverbindungen und die IP-Konfiguration, sieht die Anzahl der WLAN-Clients und allgemeinen Netzwerkclients, kann sich das genutzte Datenvolumen anzeigen lassen und sieht, ob gerade der Upload oder Download blockiert ist - und das alles ohne App. Wen es stört, der kann das Display auch deaktivieren oder eine Uhr anzeigen lassen. Die kleine Box wird dann kaum ein Besucher als Router identifizieren können.

Insgesamt gefiel uns Ubiquitis Amplifi wegen seiner leichten Bedienung, die trotzdem viele Detailansichten ermöglicht, und dem unauffälligen Design sehr gut. Nachteile liegen bei der Reichweite, die geringer war als bei anderen Systemen. Bei unserem nächsten Testsystem ist das etwas anders.

Der Klassiker: Netgears Orbi hat ein vollständiges Webinterface

Netgears Orbi ist das mit Abstand größte Produkt in unserer Testreihe. Die beiden Einheiten, der Router und der Satellit, sind mit 23 cm Höhe extrem groß. Im Wohnzimmer wirken sie störend. Dafür haben aber beide Geräte viele Anschlüsse. Wir haben sowohl oben als auch unten zwei gut ausgestattete Switches, die per WLAN miteinander verbunden werden. Die Verbindung (Backhaul) geschieht über den Standard 802.11ac mit einer Geschwindigkeit von 1,733 GBit/s brutto. Ein weiteres Radio in jeder Einheit verteilt auf einem anderen 5-GHz-Kanal die Daten mit 867 MBit/s. 2,4 GHz gibt es natürlich auch - mit 400 MBit/s.

Laut Netgear entspricht Letzteres dem WLAN-Standard, was allerdings nicht der Fall ist, da die Modulationsdichte zu hoch ist. Die hohe Modulationsdichte muss ein WLAN-Client nicht unterstützen. Vermarktet wird das Ganze als AC3000-System, suggeriert also eine Bandbreite von 3.000 MBit/s, was wie üblich geschummelt ist. Dem Anwender stehen maximal 867 MBit/s je Einheit zur Verfügung. Das muss nicht sein, da es schnellere WLAN-Access-Points gibt, die ein geringeres AC-Rating haben.

Durch die große Zahl an Gigabit-Ethernet-Ports sind Anwender bei der Aufstellung angenehm flexibel. Es lassen sich in unserer Wohnung potenziell zwei größere Kabelinfrastrukturen aufbauen, die drahtlos miteinander verbunden sind. Die hohe Backhaul-Datenrate dürfte genug Reserven haben - aber das hängt natürlich von der Aufstellung ab und davon, was in der Wohnung gemacht wird.

Einheiten sind vorgekoppelt

Besonders angenehm ist die Einrichtung. Die beiden Einheiten sind nämlich schon miteinander verbunden. Einzig der Bootprozess dauert uns manchmal zu lange. Die Konfiguration geschieht einfach im Browser. Während die Mesh-Konkurrenz überwiegend auf Apps umsteigt, zeigt sich bei Netgear die Herkunft des Unternehmens aus dem klassischen Netzwerksegment. Die Konfigurationsseite ist webbasiert und erinnert uns sehr an die alten Switches und Router, auch wenn das Design modernisiert wurde. Wer Netgear-Equipment kennt, der fühlt sich gleich heimisch. Wir sehen das als einen schönen Vorteil, auch wenn wir einer App-Bedienung nicht abgeneigt sind.

Die Konfiguration nervte anfangs

Als wir mit dem Test begannen, war Netgears Orbi-Interface leider sehr langsam. Verzögerungen waren beim Betrachten von Unterseiten normal. Zum Glück änderte sich das einige Monate später. Die Version 1.9 ist angenehm schnell, und längere Konfigurationen gehen dadurch einfach von der Hand. Firmwareupdates werden zudem schnell und einfach installiert. Eine Warnung gibt es beim Besuch des Webinterfaces.

Störend ist, dass es nicht möglich ist, die Zuordnung der Clients zu sehen. Zwar lassen sich einzelne Clients umbenennen, was bei einer großen Familie praktisch ist, aber ob sie mit der Basis verbunden sind oder mit dem Satelliten, lässt sich nicht herausfinden. Das finden wir schade, da sich so die Roaming-Effizienz und eventuelle Probleme mit Teilen der Wohnung schlecht herausfinden lassen. Dafür bietet der erweiterte Modus aber erstaunlich viele Informationen.

Das soll sich sogar noch bessern. Auf Nachfrage sagte uns Netgear, dass im Juni-/Juli-Update die Clientzuteilung nachgereicht wird. Gleichzeitig sollen die Systeme dann auch per Daisy Chaining verbunden werden können, was die Reichweite einer Installation in der Theorie deutlich erhöhen soll. Bisher muss der Satellit mit der Basis verbunden sein. Mit dem Update kann sich ein Satellit auch mit einem anderen Satelliten verbinden. Wer will, kann sogar redundante Funkwege konstruieren. Netgear ist offensichtlich nicht fertig geworden mit dem System und hat sich erst einmal auf eine Sternkonfiguration konzentriert.

Dieser klassische Ansatz gefällt uns insgesamt sehr gut. Dazu kommt, dass das System weitgehend problemlos arbeitet. Nur bei einigen Clients gab es Probleme. Zwei Android-Telefone wollten das WLAN einfach nicht erkennen: das Moto E und das Archos 50C. Mit dem Update auf die Version 1.9 gelang es dann aber wenigstens dem Moto E, das WLAN zu finden. Für uns ist das Verhalten nicht nachvollziehbar, insbesondere bei dem WLAN-Fuhrpark, den wir im Einsatz hatten. Auch Netgear kann sich das Problem nicht erklären. Der Rest des Gerätefuhrparks, den wir teilweise aus der Redaktion für Tests ins Netz gebracht haben, hatte keine Probleme.

Abseits dessen zeigte sich Orbi in der Praxis als fehlerfrei und leistungsfähig. Es ist ein gutes System, dessen riesige Boxen aber nicht für jeden etwas sind. Diese haben aber offensichtlich den Vorteil einer guten Verbindung. Vermutlich ließen sich damit interessante Kombinationen aufbauen, etwa das Verbinden zweier Wohnungen über eine Straße hinweg oder sogar die kostengünstige Ausstattung einer Lagerhalle samt Redundanzen. Das müsste auch mit dem nächsten Testkandidaten funktionieren, wenn uns die Konfiguration nicht so übermäßig belasten würde.

Der Bezwinger: Ohne App und Betrügereien geht es bei Linksys' Velop nicht

Das wohl aufwendigste Setup stellt Linksys' Velop-System dar. Es besteht aus drei Turmboxen, die kleiner als die Orbi-Systeme sind. Die Geräte sind alle drei identisch. Welches als Router fungiert, ist egal. Alle Geräte haben jeweils zwei Gigabit-Ethernet-Ports.

1+1=3

Wie gehabt vermarktet Linksys das System und seine Geschwindigkeit über AC-Nummern. Doch dieses Mal wird der Hersteller extrem frech. Verkauft wird unsere Dreierbox als AC6600, was suggeriert, dass das System Geschwindigkeiten von 6,6 GBit/s erreicht. Als wir auf die Packung schauten, mussten wir erst einmal überlegen, wie diese Nummer zustande kommt. Schließlich gibt es schon AC7200er-Router, hier werden 2,4, 5 und 60 GHz addiert. Doch Linksys beherrscht das 60-GHz-Band nicht. Für Velop wird die Bandbreite einer jeden einzelnen Einheit zusammengezählt. Sprich, ein einzelner Turm ist ein AC2200-System. Linksys suggeriert, dass das System mit jeder Mesh-Einheit schneller wird. Da wir drei AC2200-Systeme haben, werden daraus 6.600 MBit/s. Das ist mitnichten der Fall, da dem Client deutlich weniger zur Verfügung steht. Auch diese 2.200 MBit/s sind nicht erreichbar.

Es wundert uns daher kaum, dass AC2200 je Einheit auch nicht zu erreichen ist. Effektiv können die Endgeräte auf einem Band maximal 867 MBit/s als Bruttodatenrate bekommen (2x2, 802.11ac). Das rundet Linksys auf 900 MBit/s auf und verdoppelt den Wert, weil eine Funkeinheit für den Backhaul zwischen den Einheiten genutzt wird. Abschließend werden noch die proprietären 400 MBit/s auf dem 2,4-GHz-Band addiert. Linksys zeigt wieder einmal, dass man den Geschwindigkeitsangaben des Herstellers fürs WLAN grundsätzlich nicht vertrauen sollte. Wir stufen das als Betrug am Kunden und unfairen Wettbewerb ein.

Lange Einrichtung bei Linksys und Account-Zwang

Beim Einrichtungsprozess unterscheidet sich Linksys' System deutlich von der Konkurrenz, vor allem bei der Dauer. Eine geschlagene Dreiviertelstunde brauchten wir für das gesamte Prozedere, und das liegt nicht nur an der ungewöhnlichen Art des Setups. Die Einheiten melden sich zwar im Netzwerk an, haben aber keine Weboberfläche. Nicht einmal eine Grundoberfläche wie beim Amplifi-System existiert. Die Kenntnis der IP-Adresse ist also ziemlich sinnlos, und damit hat ausgerechnet der technisch Versierte erst einmal Probleme und muss in die Anleitung schauen.

Für das gesamte Setup und die Verwaltung braucht es zwingend eine App, die es für Android oder iOS gibt. Zudem funktioniert der Zugang nicht traditionell über das WLAN, sondern über Bluetooth. Auf Nachfrage erklärte uns Linksys, dass Bluetooth und Bluetooth Low Energy verwendet würden. Wir haben da unsere Zweifel und vermuten einen reinen Bluetooth-Betrieb zur Kopplung. Wir sehen jedenfalls keinen Sinn in einer LE-Kopplung.

Die App baut über Bluetooth eine Verbindung zu der Einheit auf und führt die Einrichtung durch. Das erfolgt nicht gerade transparent, Nutzer wundern sich deswegen, warum sie ohne WLAN-Verbindung das System konfigurieren. Die WLAN-Verbindung folgt nämlich erst später.

Der App-Zwang ist aber nicht der einzige. Als wir mit den Tests anfingen, brauchte es zusätzlich einen Linksys-Account. Die dort hinterlegte E-Mail-Adresse wurde dann auch noch für Umfragen verwendet, ohne dass wir dem explizit zugestimmt hatten. Das muss nicht sein. Der Account lässt sich immerhin ohne Internetverbindung einrichten. Aber Nutzer haben damit automatisch Remote-Zugriff auf das Velop-System. Das wurde später zu einer Option; bei einem Versuch, eine Konfiguration zu reparieren, konnten wir uns auch auf dem Gerät direkt anmelden. Bei der Grundeinrichtung hatten wir zudem Probleme mit der Internetverbindung. Linksys probiert da nämlich irgendwelche Automatiken aus. Erst wenn alles fehlschlägt, darf man einen PPPoE-Zugang einrichten. Dieser bereits erhebliche Aufwand ist aber sogar das ideale Szenario. Ein kleiner Fehler, und schon geht das Ganze noch mal los, wie wir feststellten.

Die Setup-Verbindung darf bei Velop nicht verloren gehen

Sobald der erste Node eingerichtet ist und das WLAN aufgespannt wurde, können die weiteren Nodes hinzugefügt werden. Das dauert leider ebenfalls lange. Zum einen müssen die Nodes erst einmal booten, was ein paar Minuten dauern kann, und zum anderen werden auch die anderen Nodes per Bluetooth konfiguriert. Da wir einen der Nodes an einer schwer zugänglichen Stelle unterhalb der Treppe aufstellten, mussten wir uns samt Smartphone danebenlegen, damit die Bluetooth-Verbindung stabil blieb. Bricht sie nämlich ab, muss der Node zurückgesetzt werden und der Spaß geht von vorne los. Einfach nur das Smartphone neben die Box zu legen, ist keine Option. Geht dieses in den Stromsparmodus, bricht der Setup-Versuch nämlich zusammen. Auch dann muss ein Reset der Box durchgeführt, aufs Booten gewartet und ein erneuter Versuch unternommen werden. Linksys warnt Nutzer nicht vor potenziellen Problemen.

Nerviger kann eine Einrichtung nicht sein

Ein Abbruch bei der Konfiguration ist immer damit verbunden, dass die Box unbrauchbar wird. Sie muss auf den Werkszustand gebracht werden, neu booten, und dann geht das Spiel von vorne los. Linksys verkauft das als besonders anwenderfreundliche Bedienung. Wir sehen es als die bis dato schlimmste Art und Weise, ein WLAN-System einzurichten.

Immerhin sorgt das Bluetooth-Setup dafür, dass die gesamte Konfiguration übertragen wird und der Node ohne weiteres Zutun in den Verbund integriert wird. Da gefällt uns die Automatik von Ubiquiti oder Netgear aber besser. Mitunter wird sogar ein Firmwareupdate zwingend notwendig. Dann sitzt der Anwender auf jeder Box noch einmal ein paar Minuten. Mit ein wenig Netzwerktraining lassen sich selbst controllerbasierte Profi-WLAN-Systeme mit Hardware-Roaming schneller einrichten als das Velop-System.

Eine Überraschung gab es dann, als wir das System von der Testwohnung in die Redaktion überführten. Die PPPoE-Einstellung blockierte den Betrieb, und wir kamen nicht direkt an das System. Zwar schafften wir es, per Bluetooth auf eine Velop-Einheit zu kommen. Doch es ist nur dann möglich, das System in den Bridge Mode zu bringen, wenn man ein Firmwareupdate durchführt. Das wiederum ließ sich aber nicht herunterladen, weil die Netzwerkverbindung nicht stand.

Linksys ist auch nicht auf die Idee gekommen, das Update in der App vorzuhalten. Wir mussten Velop also resetten. Interessanterweise funktionierte der Bridge Mode dann ohne Firmwareupdate, zumindest für das Update. Dieses musste aber nach dem Reset trotzdem durchgeführt werden. Das war uns dann irgendwann zu viel des Guten, da der Test in der Wohnung an sich erfolgreich war. Wir haben in der Redaktion nur eine weitere Kontrolle der Oberfläche vorgenommen und dafür eine Grundkonfiguration eingestellt.

Wie Netgear war auch Linksys nicht ganz fertig, was uns zunächst nicht aufgefallen ist. Wir gingen davon aus, dass ein Bridge Mode eine Selbstverständlichkeit bei WLAN-Access-Points dieser Preiskategorie ist, was uns dann aber erst bei der Überführung ins Büro zur Nachkontrolle auffiel.

Gutes, übersichtliches Interface

Ist die Arbeit erst einmal abgeschlossen, belohnt uns Linksys mit einer aufgeräumten Oberfläche, die viele Einstellungsmöglichkeiten bietet und mit ihren netten Statistiken auch versierten Netzwerknutzern gefällt. Die einzelnen Einheiten lassen sich anwählen, der Internetzugang ist schnell umgestellt, und auch die angeschlossenen Geräte sind gut im Blick. Praktisch ist die Device Priorization, mit der einzelne Geräte Vorzug im Netzwerk erhalten. Ansonsten sind die zu erwartenden Funktionen vorhanden. Geräte in der Familie können kontrolliert werden, es gibt einen Speedtest und Ähnliches.

In der Praxis funktionierte Velop in der Testwohnung sehr gut. Glücklicherweise muss so eine Einrichtung nur einmal vorgenommen werden. Verbindungsabbrüche gab es nicht. Der Backhaul-Kanal blieb bei 5 GHz. Laut Linksys beherrscht das System auch den Fallback auf das 2,4-GHz-Band. Linksys behauptete in seiner letzten Pressemitteilung zum Firmwareupdate, dass kein anderer Hersteller dynamisch das Band wechseln könne. Das stimmt aber nicht. Abseits der fragwürdigen Informationspolitik des Unternehmens ist Velop ein gutes Mesh-System - sobald es einmal in Betrieb ist.

Nicht ganz so kompliziert ist Devolos Angebot, das allerdings auch kein Mesh-System ist und damit eine Außenseiterrolle einnimmt.

Der Routinglose: Devolos Gigagate braucht einen Router

Devolos Gigagate ist mit Abstand die günstigste Lösung. Sie kann allerdings auch nicht besonders viel. Das System benötigt einen Router, an den die Basiseinheit angeschlossen wird. Diese wiederum funkt zum Satelliten auf dem 5-GHz-Band mit einer Geschwindigkeit von maximal 2 GBit/s - laut Herstellerwerbung. Das stimmt aber nicht. Devolo nutzt 1.733 MBit/s für die Verbindung, was allerdings erst im Datenblatt ersichtlich wird. Das System wird als Bridge und nicht Mesh-System eingestuft. Mit einer Base können bis zu acht Satelliten versorgt werden. Laut Hersteller geschieht das im Peer-to-Peer-Verfahren. Die Antennen werden bei Bedarf nicht zwischen den Satelliten aufgeteilt.

Die hohe Geschwindigkeit der Datenübertragung zum Satelliten wird laut Devolo über vier simultane 5-GHz-Verbindungen erzeugt. Damit ist aber 4x4-WLAN auf der Basis von 802.11ac gemeint. Vor allem auf kurzen Distanzen dürften Geschwindigkeiten erreicht werden, die Gigabit-LAN überschreiten. Nur bringt die hohe Geschwindigkeit fast nichts. Der Satellit hat nämlich nur eine Gigabit-Ethernet-LAN-Schnittstelle. Der Rest der Anschlüsse bietet nur Fast Ethernet mit 100 MBit/s, und die Weiterverteilung per WLAN geschieht auf dem 2,4-GHz-Band (802.11b/g/n).

Mehr als 300 MBit/s sind da nicht zu erwarten, zumal der Unterschied zwischen Brutto- und Nettodatenraten bei dem alten Standard deutlicher als bei neuen Standards ist. Damit eignet sich das System nicht für den Aufbau einer zweiten Infrastruktur in der oberen Etage der Testwohnung. Es muss dafür ein weiterer Switch aufgebaut werden. Einen Fast-Ethernet-Switch und nur 2,4-GHz-WLAN zu verbauen, finden wir eine arg kostengetriebene Entscheidung.

Zudem ist das Netzwerk, das die Base aufmacht, nicht für Endgeräte nutzbar. Es ist wirklich nur ein dedizierter Kanal zum Satelliten. Damit unterscheidet sich Gigagate deutlich vom Rest der Testkandidaten, die alle auch mit der Basiseinheit ein Client-WLAN anbieten. Devolo geht davon aus, dass es einen existierenden WLAN-Router gibt, der an der Base ein WLAN öffnet. Damit bietet sich leider nur clientbasiertes WLAN-Roaming an, da es keinen Controller gibt wie bei den anderen Systemen.

Das ganze System wirkt etwas zusammengeschustert, das merkten wir auch an der Konfiguration.

Die Gigagate-Einrichtung ist etwas umständlich

Leider verwirrt das Gigagate-System Anwender an einigen Stellen. Etwas lästig ist, dass die Basisstation und der Satellit unterschiedliche Firmwaredownloads haben. Zudem sind nicht einmal die Versionsnummern synchron. Während die Base mit Version 1.0.4 betrieben wird, wird der Satellit mit der Version 1.0.5 ausgestattet. Dazu kommt, dass jede Einheit separat konfiguriert werden muss. Die Base hat eine eigene Konfigurationsseite, die fast genauso aussieht wie die des Satelliten - nur in der oberen Ecke ist der Name der Einheit zu sehen. Wir würden uns unterschiedliche Farbschemata wünschen, um Base und Satellit zu unterscheiden, da wir die beiden Einheiten bei der Bedienung gelegentlich verwechselt haben. Man kommt aber durchaus damit zurecht.

Beim Firmwareupdate blinkt insbesondere der Satellit so hektisch, dass wir erst dachten, es gäbe einen Schaden. Das ist aber normal. Die Firmwareversionen müssen zudem zueinanderpassen. Base 1.0.4 funktioniert beispielsweise nicht mit Satellite 1.0.3. Bei uns hat der Satellit dadurch zunächst das WLAN kaputtkonfiguriert. Erst die Kombination 1.0.4 (Base) mit 1.0.5 (Satellite) lief zuverlässig. Eine Warnung in der Base, dass der Satellit nicht kompatibel ist, fehlt.

Das Devolo-Cockpit ist nutzlos

Devolo hat zusätzlich noch einen Desktop-Client, das sogenannte Cockpit. Doch dieses Stück Software ist völlig nutzlos. So werden die Gigagate-Einheiten als DLAN- und nicht als WLAN-Produkte eingestuft. Der einzige Sinn ist es, darüber auf die Webkonfiguration zu kommen. Und das Webinterface der Einheiten ist nicht gerade aufgeräumt. Für das Konfigurieren der SSID braucht es bei der Base etwa die Konfigurationsseite. Beim Satelliten ist es die Monitorseite. Wer zudem von der Hauptseite auf die Bridge-Konfiguration klickt und dann abbricht, landet nicht etwa auf der Hauptseite, sondern auf der Bridge-Unterseite. Obendrein funktioniert der Zurück-Knopf nicht mit Safari. Das sind teilweise Anfängerfehler im Webdesign, die es so eigentlich nicht mehr geben sollte. Immerhin hat Devolo angekündigt, dass das Cockpit bald in neuer Version erscheint.

Positiv anzumerken ist, dass Devolo direkt die ausgehandelte Geschwindigkeit anzeigt, die zwischen der Base und dem Satelliten besteht, in unserem Fall zwischen 500 und 600 MBit/s. Da das Signal nur per 2,4 GHz weiterverteilt wird, war das ausreichend, und es gäbe Reserven für Netzwerkverkehr auf den Ethernet-Schnittstellen.

Wir hatten dann im praktischen Betrieb kleine Probleme. Ab und an meldete sich das System mit einer hektisch blinkenden roten Lampe. Das deutet aber nicht auf einen Verbindungsabbruch hin, sondern auf Probleme im Signalweg. Diese traten aber meist nur minutenweise auf, danach funktionierte alles wieder für mehrere Stunden. Unsere Testwohnung war für das Gigagate offenbar ein Grenzfall. In der Praxis waren die Auswirkungen aber für die Nutzer nicht erkennbar. Devolos Gigagate ist damit vor allem aufgrund des Preises eine gute Lösung für ein sehr spezielles Szenario.

Verfügbarkeit und Fazit der Mesh-Systeme

Die Mesh-Systeme sind grundsätzliche eine teure Angelegenheit. Am teuersten ist Linksys' Velop. Das von uns getestete Dreierpaket kostet stolze 500 Euro, fast so viel wie controllerbasierte Ubiquiti-Unifi-Systeme. Immerhin gibt es gleich drei Einheiten im Paket. Das Zweierpaket kostet rund 370 Euro im Handel. Sehr viel günstiger ist Devolos Gigagate. Das Startset kostet gerade einmal 200 Euro. Dazwischen liegen Netgears Orbi und Ubiquitis Amplifi, die rund 400 beziehungsweise 300 Euro kosten. Alle Systeme lassen sich durch zusätzliche Einheiten erweitern.

Fazit

Mit allen Systemen kann günstig mehr WLAN-Reichweite erreicht werden. Es kommt aber auf das Budget an, was erreicht werden kann. Die teuren Systeme bieten einen Komfort, der bislang WLAN-Controller-Systemen für Unternehmen vorbehalten war. Roaming zwischen den Zellen ist kein Problem, da das WLAN-System bestimmt, mit welchem Access Point sich der Client verbinden soll

Die Mesh-Bridge-Systeme an sich funktionieren alle recht gut und lösen das Problem mangelnder Reichweite bei hoher Zuverlässigkeit. In unserer grenzwertigen Zweietagenwohnung hatten aber zumindest zwei der Systeme leichte Probleme. Eine bessere Positionierung glich das aber aus. Keine Probleme mit Verbindungen zwischen den Einheiten hatten das Velop- und das Orbi-System. Bei Devolo gab es öfter Warnungen vor schlechten Verbindungen, die in der Praxis aber nicht auffielen. Und Ubiquitis Amplifi ermöglicht leider kein Hüpfen der Daten zwischen den Mesh-Points, so dass der obere Mesh-Point auf 2,4 GHz zurückfallen musste.

Rein von der Funktion und Einrichtung her begeisterte uns trotzdem vor allem Ubiquitis Amplifi. In einer kleineren Wohnung ist das System vorzuziehen. Die Einrichtung ist extrem schnell durchgeführt, die Mesh-Points brauchen keine Netzteile, und der Router kann dank USB-Stromversorgung flexibel aufgebaut werden, auch wenn Ubiquiti das nicht empfiehlt. Ein Traum ist zudem der Upgrade-Prozess. Ein paar Tipps auf den Touchscreen und das Problem ist erledigt. Die Statistiken zeigen auch Nicht-Technikern wichtige Informationen, die an den Familien-Admin weitergeleitet werden. Und der Familien-Admin erfreut sich an sehr vielen Informationen, die trotz der aufgeräumten App-Oberfläche verfügbar sind. Kurzum: Amplifi ist eine von Grund auf neu erdachte Lösung und kann als Vorbild für alle dienen.

Traditioneller sind da die Systeme von Devolo und Netgear. Devolos Weboberfläche tut leider nur so, als wäre sie modern. Sie ist nicht gerade intuitiv. Zudem gibt es trotz des alten Ansatzes kaum weiterführende Informationen. Die fehlende Routerfunktion mag aber ausschlaggebend sein, denn dadurch ist das Gigagate-System äußerst günstig. Wer ohnehin einen Zwangsrouter nutzen muss, findet hier eine günstige Lösung. Dann lohnen sich die Mesh-Systeme nämlich oft nicht.

Gut gefallen hat uns auch Netgears Orbi, auch wenn erst die Firmwareversion 1.9 die Benutzung erleichterte. Davor nervte uns das langsame Webinterface. Auch hier gibt es viele Informationen, und der besonders leistungsfähige Backhaul-Kanal sollte Orbi auch in Grenzsituationen schnell arbeiten lassen. Tatsächlich war das bei uns auch der Fall. Dass die Boxen so groß sind, hat funktechnisch offenbar Vorteile. Das System ist aber noch nicht fertig. Für größere Installationen kommt in den nächsten Monaten noch ein großes Update und bringt Daisy Chaining.

Technisch funktioniert auch Linksys' Velop-System sehr gut. Die Einrichtung ist aber so nervig, dass wir nicht noch einmal Lust hätten, das System aufzusetzen, was uns so tatsächlich noch nicht passiert ist. Es braucht schon viel technisches Verständnis und Geduld für einige unverständliche Entscheidungen seitens Linksys. Der hohe Preis schreckt zusätzlich ab, auch wenn es app- und funktechnisch den höchsten Reifegrad hat.

Schlecht ist keines der Systeme. Anwender sollten sich aber zuvor genau Gedanken machen, was sie brauchen und ob ihre Wohnung entsprechende Aufstellplätze für die Hardware hat.  (ase)


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