Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nintendo-switch-test-trio-mit-sega-und-stil-zum-ziel-1705-127612.html    Veröffentlicht: 03.05.2017 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/127612

Nintendo Switch Test-Trio

Mit Sega und Stil zum Ziel

Gibt es neben Mario Kart 8 Deluxe und Zelda Breath of the Wild noch andere gute Spiele für die Nintendo Switch? Wir finden: Ja! Getestet haben wir Puyo Puyo Tetris, Wonder Boy: The Dragon's Trap und Fast RMX.

Die meisten Stunden an Nintendos Hybridkonsole Switch haben Spieler in den vergangenen zwei Monaten mit Breath of the Wild (zum Test) verbracht. Mario Kart 8 Deluxe (zum Test) lockt gekonnt auf die wilden Pisten des Nintendo-Universums. Im Schatten dieser beiden großen Spiele sind aber auch andere attraktive Spiele für die Nintendo Switch erschienen. Wir stellen die drei vor, mit denen wir am meisten Spaß hatten: Puyo Puyo Tetris, Wonder Boy: The Dragon's Trap und Fast RMX.

Knobel-Überraschungsbündel: Puyo Puyo Tetris

In Puyo Puyo Tetris können Spieler entweder Puyo Puyo, Tetris oder beides zusammen spielen. Die Knobelspiele ähneln sich ausreichend, um auch abwechselnd, gegeneinander und miteinander erstaunlich viel Sinn zu ergeben. Immerhin geht es bei beiden Titeln primär darum, Blöcke auf- und danach strategisch effizient wieder abzubauen.

Erstaunt waren wir über die kurzweilige Solokampagne, die sogar eine kleine verrückte Handlung hat, in der Tetrominos und die bekannten skurrilen Charaktere von Puyo Puyo aufeinandertreffen. Der Lektionsmodus bietet sich an, um sich mit den Spielregeln und besonderen Kniffen vertraut zu machen. Das zentrale Element von Puyo Puyo Tetris ist aber der Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler online oder an einer Konsole.

Der verrückteste Modus dürfte das kombinierte Spielen von Puyo Puyo und Tetris auf einem Spielfeld sein - genannt Fusion. In zufälliger Reihenfolge erscheinen Puyos und Tetrominos. Es müssen also beide Spiele gleichzeitig gespielt werden. Die Tetrominos überschreiben allerdings durch ein schnelles Herabsetzen die Puyos und landen auf dem nächsten Tetromino. Zu Beginn ist das etwas überwältigend, entwickelt sich aber mit der Zeit immer mehr zu einem komplett eigenständigen Spiel, das neue Herangehensweisen und Strategien erfordert - toll!

Puyo Puyo Tetris ist für Nintendo Switch und Playstation 4 erhältlich und von der USK ab 0 Jahren freigegeben. Das Spiel kostet 40 Euro.

Fazit

Die Aufmachung von Puyo Puyo Tetris ist knuffig, die Musik einladend und beide Spielserien wurden für sich und kombiniert gekonnt umgesetzt. Die variantenreichen Modi machen mit ein paar Freunden oder online sehr viel Spaß. Die Steuerung ist intuitiv und direkt. Wer denkt, dass das bei einem dermaßen ausgereiften Spielprinzip ein Kinderspiel ist, sollte mal ein paar Tetris-Varianten von Ubisoft oder anderen Drittherstellern ausprobieren: Die fühlen sich nicht richtig an. Das Original auf dem Game Boy ist nicht umsonst legendär. Glücklicherweise haben die Entwickler vom Sonic Team hier aber alles richtig gemacht. Wer auch nur einen Funken Spaß an einem dieser beiden Knobelklassiker hat oder noch keinen besitzt, sollte unbedingt zuschlagen.

Liebevollste Neuauflage: Wonder Boy The Dragon's Trap

Fast genau so alt wie Tetris (1984) ist Wonder Boy. The Dragon's Trap kam 1989 für das Sega Master System heraus und war bereits der dritte Serienteil. Portierungen für den Game Gear, PC Engine und Turbo Grafx 16 sollten folgen. Bei Wonder Boy auf der Nintendo Switch handelt es sich um ein Remake dieses Klassikers, das mit extrem viel Liebe im Detail neu programmiert wurde.

Wonder Boy wandert zu Beginn des Abenteuers in die Gruft des Mecha-Drachens, um ihn zur Strecke zu bringen. Mit dem finalen Schwertstreich zieht er allerdings einen alten Fluch auf sich, der ihn in einen Echsen-Menschen verwandelt. Im Verlauf des Abenteuers geht es darum, neue Fähigkeiten zu sammeln, weitere Drachen zu töten, präzise Sprünge zu landen und zu guter Letzt natürlich den Fluch wieder zu lösen.

Schönes 16:9 statt 4:3

Normalerweise hätten wir gemeckert, wenn die Entwickler erst versprechen, ihr Spiel auch in der Originalfassung mitzuliefern und dann aber doch am Code herumbasteln. Im Fall von Wonder Boy auf der Switch drücken wir aber gerne ein Auge zu. Auf Knopfdruck können Spieler jederzeit zwischen dem pixeligen 8-Bit-Retrolook und der neu gezeichneten hochaufgelösten Variante wechseln. Beide Fassungen werden dabei in 16:9 dargestellt. Die Retrofassung zeigt somit etwas mehr von der Spielwelt links und rechts vom Hauptcharakter.

Erst im direkten Vergleich mit der Originalfassung auf der Originalhardware zeigt sich auch, dass Wonder Boy damals ganz schön ruckelig lief, was wir gar nicht so in der Erinnerung hatten. Die Bildrate war nicht stabil, das Remake aber läuft jetzt stets mit 60 Bildern pro Sekunde. Dadurch ist auch die Steuerung direkter. In den Optionen lassen sich noch weitere Nostalgie-Effekte einschalten, zum Beispiel Scanlines oder gefilterte und ungefilterte Soundeffekte und verschiedene Varianten des Soundtracks. Alle Optionen lassen sich auch mit dem neuen Look mischen. Schön, dass die Entwickler dem Spieler die Wahl lassen.

Wonder Boy: The Dragon's Trap ist digital über den eShop auf der Nintendo Switch erhältlich, von der USK ab 6 Jahren freigegeben und kostet 20 Euro. Versionen für Xbox One und Playstation 4 sind ebenfalls erhältlich. Nettes Detail: Wer noch sein Spielstand-Passwort vom Originalspiel besitzt, kann es auch im Remake verwenden.

Fazit

Das Wonder Boy Remake ist für Retro-Fans eine kleine Offenbarung. Die Entwickler beweisen viel Liebe zum Detail. In den Optionen lässt sich das Spiel in allen wichtigen Nuancen an den eigenen Geschmack anpassen. Das Spiel an sich läuft dabei so flüssig wie noch nie und der neue Grafikstil passt ebenfalls sehr gut. Auch abseits der technischen Rahmenbedingungen macht Wonder Boy Spaß. Wer Lust auf ein simples, klassisches Action-Adventure hat, findet hier eine unterstützungswürdige Investition.

Fast RMX, der Wipeout und F-Zero-Snack

Spieler haben lange kein neues F-Zero mehr bekommen. Auch das letzte (neue) Wipeout kommt in die Jahre. Dass das ein inakzeptabler Zustand ist, fanden auch die angestellten Entwickler des deutschen Studios Shi.nen (Iridion, Nanostray) und sorgten bereits für die Wii U mit Fast Racing Neo für einen gelungenen Ersatz.

Die Portierung des Arcade-Rennspiels auf die Switch trägt den Namen Fast RMX und ist sehr gut geworden. Fast RMX war ein Starttitel der Konsole im März. Seitdem sind zwei Patches erschienen, die Bildrate und Grafik optimiert sowie Zeitrennen und Online-Freundeslisten integriert haben. In der aktuellen Version läuft das Spiel stabil mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde, auch im Splitscreen.

Mit 10 Cups, 30 Kursen und 15 unterschiedlichen Gleitern bietet Fast RMX einen stattlichen Umfang, wenn man bedenkt, dass es sich um ein günstiges Indie-Spiel handelt. Spieler können auf Knopfdruck die Phase des eigenen Gleiters zwischen Orange und Blau wechseln. Der spielerische Kniff besteht darin, Turbokugeln und kolorierte Streckenabschnitte stets nur mit der identischen Farbphase anzufahren. Gelingt dies nicht, sind zeitraubende Abstürze das Resultat.

Rasantes Farbenspiel

Wird der Turbo manuell aktiviert, können Gegner erfolgreich von der Strecke geschubst werden. Diese Technik muss genau wie der Einsatz der Luftbremsen für enge Kurven für die späteren Schwierigkeitsgrade gemeistert werden. Bereits ab der zweiten von drei Stufen wird Fast RMX sehr anspruchsvoll und erfordert wegen der extrem hohen Geschwindigkeiten gutes Reaktionsvermögen. Es ist fast einfacher, online gegen andere menschliche Gegner Erfolge einzufahren als regelmäßig in den Cups vorn zu landen.

Fast RMX kostet 20 Euro, hat keine Altersbeschränkung und ist für die Nintendo Switch über den E-Shop erhältlich.

Fazit

In puncto Geschwindigkeit und grafischer Finesse fährt Shinens Indie-Arcade-Racer Fast RMX aktuell sogar auf die Pole Position im Genre. Einzig beim Streckendesign heben sich Wipeout auf der PS3 und vor allem F-Zero GX auf dem Gamecube noch gekonnt ab. Wir empfehlen Fast RMX vor allem Spielern, die Lust auf rasante Onlinerennen haben. Die geringe Komplexität der Streckenführung macht der finale Turboschub, vorbei an einem menschlichen Gegner kurz vor der Ziellinie meistens wieder wett.  (mw)


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