Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/electronic-arts-alle-unsere-studios-haben-vr-programmiermoeglichkeiten-1704-127554.html    Veröffentlicht: 28.04.2017 11:21    Kurz-URL: https://glm.io/127554

Electronic Arts

"Alle unsere Studios haben VR-Programmiermöglichkeiten"

VR für alle Entwickler, die Bedeutung des E-Sports und firmeninterne Battlefield-1-Gefechte: Golem.de hat am Rande der Quo Vadis 17 mit Jens Kosche gesprochen, dem Geschäftsführer von Electronic Arts Deutschland.

Seit Mitte 2014 ist Jens Kosche der Geschäftsführer von Electronic Arts (EA) Deutschland, Österreich und der Schweiz, zuvor hat er lange den Vertrieb der Firma in diesen Gebieten verantwortet. Golem.de hat mit ihm am Rande der Quo Vadis 17 in Berlin über die Branche gesprochen.

Golem.de: Was haben Sie zuletzt gespielt?

Jens Kosche: Gestern Abend haben wir in der Firma mal wieder Battlefield 1 gespielt. Wir haben uns da eine Art Wettkampfareal aufgebaut, mit fünf Playstation 4 Pro, Computermonitoren und Präzisionscontrollern. Fünf ist ein Squad, wir haben einen Teamleiter und der sagt dann, wo es langgeht. Leider haben wir verloren (lacht).

Dabei haben wir einen Vertriebsmitarbeiter, der sogar auf internationalem Niveau spielt. Den haben wir als zart besaiteten Rollenspieler eingestellt, und jetzt hat er sich eben in diese Richtung entwickelt.

Golem.de: Wie kommt es eigentlich, dass EA derzeit so viele Big-Budget-Produktionen hat? Eigentlich heißt es doch in der Branche oft, dass Publisher vor allem mit Free-to-Play Geld verdienen könnten - aber da gibt es von Ihrer Firma derzeit gar nicht so viel?

Kosche: In der westlichen Welt, also Europa und den USA, stimmt das. Da sehen Sie vor allem unsere großen Blockbuster. In Asien ist das ganz anders, wo man vor allem online spielt und wo es keinen Markt für unsere Vollpreisspiele gibt, da haben wir tatsächlich einen großen Markt für Free-to-Play.

Wir versuchen, für die Regionen passende Geschäftsmodelle zu finden. In Asien gibt es unser Fifa Online, für das man sich zusätzliche Stadien und Mannschaften einkauft. In Europa sind wir mit der Konsolen-PC-Version, Fifa und dem Fifa-Ultimate-Team-Modus besonders erfolgreich. Die Märkte sind eben so verschieden, dass wir die Spiele völlig unterschiedlich machen müssen.

Golem.de: Stoßen Sie mit den Blockbustern hierzulande an Grenzen, was die Aufnahmefähigkeit des Marktes angeht? Man hört ab und zu, dass derzeit bei EA noch einige sehr große Titel entstehen ...

Kosche: Nein, bisher nicht. Wir sehen ja, dass sehr viele Games im AAA-Bereich rausgebracht werden und wie viele davon sehr erfolgreich sind. Der Markt ist riesig.

Golem.de: Wie schätzen Sie die Möglichkeiten von Virtual Reality ein?

Kosche: Wir als großer Publisher haben alle unsere Studios sowohl mit VR-Geräten als auch -Programmiermöglichkeiten ausgestattet. Wir schauen uns das sehr genau an. Wir müssen nicht die Ersten sein, aber wenn wir etwas machen, dann richtig.

Beispielsweise haben wir für Star Wars Battlefront eine Erweiterung veröffentlicht, in der man selbst im X-Wing durch das All fliegen kann. Mit unseren Lizenzen können wir solche Erlebnisse schaffen. Das ist vielleicht ein Markt, der nicht so schnell wächst, wie sich das der ein oder andere erhofft hat - aber er wird kontinuierlich wachsen.

Mass Effect und Frauenfußball

Golem.de: Ubisoft hat gerade angekündigt, hier in Berlin ein großes neues Blue-Byte-Entwicklerstudio zu eröffnen. Wann macht EA so etwas Ähnliches?

Kosche: Es ist ja nicht so, dass wir hier nichts produzieren würden. Wir haben in Köln ein Team, das einen wesentlichen Teil von Fifa mitentwickelt, dort ist das gesamte Datenbank- und Lizenzteam angesiedelt, das hauptsächlich für Fifa Ultimate Team arbeitet. Und wir haben eine neue Gruppe aufgebaut, die für die Videos produziert, die wir etwa auf Youtube veröffentlichen.

Das ist natürlich kein einzelnes großes Game, aber es ist ein Zeichen, dass Deutschland auch für uns ein wichtiger Entwicklerstandort ist. Außerdem haben wir in Deutschland 30 Leute, die sich ebenfalls für EA weltweit um Lokalisierung der Spiele kümmern. Die übersetzen nicht selbst, aber betreuen das quasi als Projektmanager für rund 30 Sprachen. Gerade für unsere Bioware-Spiele ist das ein sehr großer Aufwand.

Golem.de: Wo wir gerade über Bioware sprechen: Haben Sie sich geärgert, als zum Start vor Mass Effect Andromeda in Teilen der Community vor allem über ein paar merkwürdige Gesichtsanimationen gestritten wurde?

Kosche: Ich würde mir das anders wünschen, aber ich sehe so etwas auch als Zeichen dafür, dass unsere Produkte für viele Emotionen sorgen. Viel schlimmer fand ich die Diskussionen, als wir in Fifa die Frauenmannschaften integriert hatten. Aber bei aller Distanz zu dem Aufschrei damals: Auch hier gilt, dass wenn ich mich für etwas besonders interessiere, dass ich dann auch meine Meinung kundtun möchte. Und bei Andromeda merken wir, dass die Nachfrage enorm stark ist, trotz der negativen Kommentare.

Golem.de: EA setzt beim Vertrieb stark auf digitale Kanäle, etwa über Origin. Was glaube Sie, wann Media Markt und Konsorten ihre Spieleabteilungen schließen?

Kosche: Wir haben unseren Sitz ja in Köln, und wenn wir mit unseren Kollegen aus den USA in einen besonders großen Elektromarkt hier vor Ort gehen, dann können die gar nicht glauben, dass so etwas hier noch existiert. Die Menschen im deutschsprachigen Raum fassen gerne Boxed-Versionen an, deshalb wird es diese Medien hier viel länger physikalisch geben als woanders.

Golem.de: Wäre es Ihnen anders lieber, wegen der Margen?

Kosche: Mir ist wichtig, dass der Kunde das Spiel so bekommen kann, wie er es haben möchte. Ob es ein digitales oder ein verpacktes Produkt ist, ist uns zweitrangig. Außerdem hat der Handel ja auch Funktionen wie Werbung und Bekanntmachen. Die Titel nur auf dem Bildschirm zu sehen, ist unter einem bestimmten Blickwinkel ja weniger emotional, als wenn es groß in einem Regal steht.

Golem.de: Wie schätzen Sie eigentlich die Bedeutung von E-Sport für die Zukunft ein, etwa was Fifa angeht?

Kosche: Das ist für uns ein Riesenthema. Wir glauben, dass die Übertragung eines E-Sports-Bundesligaspiels bald ebenso wichtig sein könnte wie das reale Bundesligaspiel - und das mit allem, was dabei ist. Das wird ein sehr großer Markt.

Außerdem bedeutet E-Sport eine weitere Vergrößerung der Community, und eine noch weitere Emotionalisierung. E-Sport ist im Grund ja auch nur so etwas wie die Spitze des Eisbergs, neben den Profis gibt es auch viele Amateure, und für alle wollen wir mehr und mehr die Infrastruktur bereitstellen und sie unterstützen.  (ps)


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