Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/komplett-pc-corsair-one-pro-im-test-kompakt-kraeftig-kuehl-1705-127542.html    Veröffentlicht: 11.05.2017 09:13    Kurz-URL: https://glm.io/127542

Komplett-PC Corsair One Pro im Test

Kompakt, kräftig, kühl

Ein schnelles Fertigsystem mit Mac-Pro-Optik, doppelter Wasserkühlung und dezenter Beleuchtung: Der Corsair One Pro ist ziemlich einzigartig - und die Idee wurde obendrein gut umgesetzt. Einzig die SSD und noch ein Bauteil enttäuschen.

Einen Satz haben wir in den vergangenen Wochen seitens der Kollegen häufig gehört: "Der ist aber schick." Gemeint war damit der One Pro, der erste Komplett-PC des für Speicherlösungen bekannten Herstellers Corsair. Das System unterscheidet sich deutlich von den meisten anderen Rechnern, sowohl beim Aussehen als auch bei der Kühlung der Komponenten. Die Idee, ein zylindrisches Gehäuse mit einem Lüfter im Deckel auszustatten, ist zwar nicht neu, wohl aber, zwei Radiatoren für eine doppelte Wasserkühlung zu verbauen. Der One Pro misst 380 x 200 x 176 mm und fällt mit einem Volumen von 12 Litern vergleichsweise kompakt aus. Das mattschwarze Aluminiumgehäuse ist sehr gut verarbeitet, alle Kanten sind sauber entgratet und die Spaltmaße gleichmäßig. Vom grundsätzlichen Aufbau her ähnelt der One Pro einem Apple Mac Pro oder einem MSI Vortex. Die beiden Systeme setzen jedoch auf Grafikeinheiten in teils proprietärer Modulbauweise, der Corsair-Rechner hingegen nutzt ein Desktop-Modell. Theoretisch sind alle Komponenten austauschbar, wenngleich mit recht hohem Aufwand.

Weil sich der One Pro an Spieler richtet, gibt es an der Front neben einer USB-3.0-Typ-A-Buchse auch einen HDMI-2.0-Ausgang. Zusammen eignen sich beide Ports dafür, ein VR-Headset wie das Oculus Rift anzuschließen. Auf der Rückseite reicht das Angebot von zweimal USB 3.0 (Typ A) und zweimal USB 3.1 Gen2 (Typ A/C) über Klinkenaudio und Gigabit-Ethernet bis hin zu seriellem PS/2. Die Grafikkarte weist zwei Displayports 1.4 und einen HDMI 2.0 auf, der interne DVI-Anschluss wurde nicht nach außen durchgeschleift.

Nach dem ersten Einschalten des Corsair-Rechners waren wir überrascht, wie leise das System trotz seiner Maße arbeitet. Das gilt allerdings nur, wenn der One Pro links vom Nutzer steht - sobald er sich rechts befindet, wird er hörbar. Ein Blick ins Innere zeigt, dass das nicht hätte sein müssen.

Radiator links, Radiator rechts

Im Deckel des Rechners sitzt ein 140-mm-Lüfter, der sich mit einem Knopfdruck entfernen lässt. Vier Schrauben später können wir die beiden Türen nach außen klappen und die Hardware in Augenschein nehmen. Corsair setzt auf eine 2-Kammer-Kühlung mit jeweils einer Wasserkühlung samt hochkant montiertem Radiator. Deren Belüftung erfolgt indirekt über den Propeller im Deckel, was aufgrund der engmaschigen Lamellen durchaus Nachteile hat.

Die rechte Kammer enthält das Netzteil sowie das Mainboard samt Prozessor. Corsair verbaut sein eigenes Netzteil SF400, ein SFX-Modell mit 400 Watt, das 80+ Gold zertifiziert ist. Es zählt zu den besten Netzteilen in diesem kleinen Formfaktor; der Lüfter fällt mit 92 mm dennoch groß aus. Die Mini-ITX-Hauptplatine stammt von MSI und erinnert an das Z270I Gaming Pro Carbon AC. Folgerichtig gibt es einen Intel-8265-NIC für Bluetooth 4.2 und 2x2 ac-WLAN. Auf der Platine sitzt ein Core i7-7700K mit 16 GByte DDR4-2400.

In der linken Kammer steckt eine per Riser-Band angeschlossene Corsair Hydro GFX Geforce GTX 1080, die praktisch einer MSI Geforce GTX 1080 Sea Hawk entspricht - auch hier wird die Zusammenarbeit ersichtlich. Die Wasserkühlung erfolgt einzig bei der GPU, der Videospeicher und die Spannungswandler werden von einer Metallplatte und einem Radiallüfter auf Temperatur gehalten. Angesichts der Konstruktion erschließt sich, warum das System lauter ist, wenn es rechts vom Nutzer steht: Es gibt eine Lärmquelle mehr.

Die SSD ist ein Einsteiger-Drive

Etwas fragwürdig erscheint uns die Wahl des Speichermediums: Je nach Modell des One Pro montiert Corsair eine 2,5-Zoll-Festplatte mit bis zu 2 TByte. Bei der immer vorhandenen SSD handelt es sich um Varianten mit 240, 480 oder 960 GByte. Statt aber eine Force MP500 mit PCIe Gen3 x4 in den rückseitigen M.2-Slot des Mainboards zu stecken, wird eine Force LE verbaut. Diese 2,5-Zoll-SSD nutzt TLC-Flash-Speicher sowie eine Sata-6-GBit/s-Anbindung und ist relativ langsam. Zumindest eine schnellere Neutron XTi wäre schön gewesen.

Zwar macht das im Alltag kaum einen Unterschied, angesichts des Preises des Corsair One Pro und der anderen Komponenten hatten wir aber schlicht keine Einsteiger-SSD erwartet. Im Betrieb stört die Force LE nicht, der echte Schwachpunkt des Systems ist die Grafikkartenkühlung.

Spannungswandler-Lüfter stört

Corsair liefert das System mit vorinstalliertem Windows 10 Home x64 und einigen wenigen Tools aus, echte Bloatware fehlt. Im Corsair Link können wir die Cyan-Beleuchtung ein- oder ausschalten oder den Atemeffekt justieren; RGB-Licht gibt es nicht. Die Software liest auch die Drehzahlen und Temperaturen aus, die Beschreibung ist aber irreführend.

Die 4.300 Umdrehungen pro Minute beim Mainboard stehen für die beiden Pumpen, deren Werte addiert werden. Der GPU Cooler wiederum stellt den Wert des Deckellüfters dar, der der Geforce GTX 1080 symbolisiert den des VRM-Propellers. Schon die ersten Tester kritisierten diese Fehler, aber auch sechs Wochen später hat Corsair das Link-Tool nicht aktualisiert. Alle Messwerte lassen sich übrigens grafisch darstellen, die Drehzahlen per Software aber nicht ändern. Auch andere Tools verweigern die Zusammenarbeit.

Im Leerlauf benötigt der Corsair One Pro geringe 36 Watt. Die beiden Pumpen sind aus der Nähe in einem stillen Raum leicht hörbar, der Lüfter im Deckel und der des Netzteils dagegen nicht. Umso ärgerlicher finden wir die VRM-Kühlung der Grafikkarte, denn mit 1.100 Umdrehungen pro Minute ist sie klar auszumachen. Während bei den meisten Custom-Designs die Lüfter im Leerlauf stillstehen, scheitert Corsair an einer Silent-Umsetzung.

Wird nur die CPU belastet, ändert sich an der Lautstärke praktisch nichts, obwohl der Deckellüfter von 400 auf 950 Umdrehungen die Minute beschleunigt. Der Core i7-7700K wird nach 30 Minuten mit Blender allerdings 81 Grad Celsius warm. Das ist viel, aber unbedenklich. Der Core i7-7700K läuft übrigens auf allen Kernen mit 4,5 GHz - Corsair hat ihn leicht übertaktet.

Wieso keine Fullcover-WaKü?

Nach einer halben Stunde 3D-Last (Gears of War 4 in UHD) steigt die Leistungsaufnahme auf 235 Watt, der Deckellüfter dreht so schnell wie gehabt. Die VRM-Kühlung aber rotiert mit 1.550 Umdrehungen pro Minute und das ist dann laut, statt nur hörbar. Spieler sollten ein Headset nutzen! Der Radiallüfter muss die steigende Temperatur der Wandler bewältigen und saugt auch noch die warme Luft des sich aufheizenden Radiators an. Sinnvoller wäre ein teurer Fullcover-Wasserkühler für die Grafikkarte gewesen.

Deren GPU bleibt mit 59 Grad Celsius dafür sehr kühl, weshalb die 1.607 MHz Chiptakt reine Theorie sind. Wir messen im Mittel rund 1.850 MHz, weshalb die Corsair Hydro GFX auch im One Pro zu den schnelleren Geforce GTX 1080 gehört. Die Leistung des Systems genügt daher flüssigen 4K-Ansprüchen bei maximalen Details in den allermeisten aktuellen Spielen.

Verfügbarkeit und Fazit

Corsair verkauft den One Pro in drei Konfigurationen: Die günstigere Variante mit wassergekühlter Geforce GTX 1080, Core i7-7700K, 16 GByte RAM, einer 480 GByte fassenden SSD und einer 2 TByte großen Festplatte kostet 2.500 Euro (2.200 US-Dollar). Das von uns getestete Modell ohne HDD aber mit 960-GByte-SSD ist für 2.300 US-Dollar exklusiv über den Online-Shop erhältlich. Eine Variante mit 480 GByte sowie 2 TByte und einer Geforce GTX 1080 Ti soll für 2.600 US-Dollar verfügbar sein. Der One mit luftgekühlter Geforce GTX 1070 sowie 240 GByte SSD und 1 TByte HDD kostet 2.000 Euro. Andere zylindrische Rechner wie MSIs Vortex sind bei gleicher Ausstattung 500 Euro teurer.

Fazit

Der One Pro ist optisch wie technisch ein gelungener Komplett-PC, der jedoch Potenzial für Verbesserungen aufweist. Das kompakte, zylindrische System finden wir dank mattschwarzem Aluminiumgehäuse und dezenter, optionaler Beleuchtung ansprechend gestaltet. Verarbeitung und Anschlüsse geben keinen Anlass zur Kritik, gleiches gilt für die Drahtlosverbindungen.

Bei der Hardware-Ausstattung haben wir dank Geforce GTX 1080 und Core i7-7700K wenig zu bemängeln. Eine PCIe-NVMe-SSD hätte es statt eines Sata-6-GBit/s-Modells aber schon sein dürften, zumal Corsair ein solches im Angebot hat und auf der Rückseite des Mainboards dafür Platz wäre. Im Alltag der meisten Nutzer dürfte allerdings kaum ein Unterschied spürbar sein.

Verglichen mit regulären Desktop-Systemen ist der One Pro lauter, wenngleich leiser als erwartet. Im Leerlauf sind die beiden Pumpen der Wasserkühlung und der Lüfter auf den Spannungswandlern der Grafikkarte zumindest hörbar. Unter 3D-Last wird der VRM-Propeller dann aber recht laut, was Corsair mit einem Fullcover-Wasserkühler leicht hätte vermeiden können.  (ms)


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