Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spectrum-next-voll-kompatible-neuauflage-des-zx-spectrum-ist-finanziert-1704-127479.html    Veröffentlicht: 25.04.2017 14:51    Kurz-URL: https://glm.io/127479

Spectrum Next

Voll kompatible Neuauflage des ZX Spectrum ist finanziert

Nur wenige Tage hat es gebraucht, bis die Crowdfunding-Kampagne des Spectrum Next finanziert war: Die Neuauflage des 8-Bit-Klassikers soll nicht nur mit einem Z80-Chip, zahlreichen Video-Outputs und einem SD-Karten-Slot kommen, sondern auch Originalspiele per Kassetten-Player verarbeiten können.

Per Crowdfunding versucht der Entwickler Henrique Olifiers und ein Team aus weiteren Entwicklern momentan, eine Neuauflage von Sinclairs Heimcomputer ZX Spectrum zu realisieren. Das Spectrum Next genannte Gerät sieht äußerlich wie eine Mischung aus dem originalen ZX Spectrum und dem Sinclair QL aus und kommt sowohl mit Komponenten des ursprünglichen Computers als auch mit neuer Hardware.

Bei Kickstarter suchen die Macher jetzt Unterstützer, um das Projekt zu realisieren. Dabei geht es hauptsächlich um die Fertigung des Gerätes, eine finale Version der Platine ist bereits vorhanden. Entsprechend sind sich die Entwickler auch sicher, das Projekt realisieren zu können - anders als frühere Spectrum-Projekte.

Die Basis des Spectrum Next ist ein Z80-Chip mit einer Taktrate von 3,5 und 7 MHz. Der Computer hat 512 KByte RAM, der intern auf 1,5 MByte und extern auf 2,5 MByte vergrößert werden kann. Anders als der ursprüngliche ZX Spectrum hat der Computer keinen RF-Ausgang, sondern bietet mit HDMI, RGB und VGA gleich drei Möglichkeiten an, das Signal auf einen Monitor zu bekommen.

Kompatibel mit alter Hardware und Spielekassetten

Die Macher des Spectrum Next betonen, dass das Gerät voll kompatibel mit der Hard- und Software des ursprünglichen ZX Spectrum sei. Das bedeutet, dass sowohl Spiele-Images über den eingebauten SD-Kartenleser gespielt als auch Originalkassetten über einen Kassettenspieler geladen werden können. Entsprechend stehen eine Line-In- und eine Line-Out-Buchse zur Verfügung. Zudem soll es auch beim Spectrum Next den ursprünglichen Expansion-Port und einen Anschluss für einen Joystick geben.

Nutzer sollen die Prozessorgeschwindigkeit durch einen angeschlossenen Raspberry Pi Zero auf 1 GHz erhöhen können. Weiterhin können optional ein WLAN-Modul und ein interner Lautsprecher angeschlossen werden. Eingebaut ist ein Klinkenanschluss mit Stereosound.

Softwarebasis ist unklar

Unklar ist, mit welcher Software der Spectrum Next laufen soll. Die Macher schreiben lediglich, dass nach der Veröffentlichung die Firmware und die Baupläne komplett als Open Source veröffentlicht werden sollen.

Die Tastatur des Spectrum Next soll der aktuellen Planung nach Butterfly-Tasten haben, äußerlich ähnelt sie der des Sinclair QL. Das geplante Gehäuse orientiert sich an der klassischen Gestaltung früherer Spectrum-Computer und wurde von Rick Dickinson entworfen, der am ZX80, ZX81, ZX Spectrum, ZX Spectrum Plus und an dem Sinclair QL mitgearbeitet hat. Für die Videomodi und die Sprites ist Jim Bagley verantwortlich, ein Spieleentwickler, der unter anderem auch für die alten Sinclair-Computer programmiert hat.

Spectrum-Fans haben schlechte Erfahrungen mit Crowdfunding gemacht

Das Spectrum-Next-Projekt ist am 23. April 2017 bei Kickstarter online gegangen und hat bereits zwei Tage später das erhoffte Finanzierungsziel von 250.000 britischen Pfund überschritten. Bei Erscheinen dieses Artikels liegt die erreichte Summe bei über 293.000 Pfund, das Projekt gilt also als realisiert. Das Projekt läuft noch bis Ende Mai 2017.

Für einen Beitrag von 99 Pfund sollen Unterstützer die fertige Platine bekommen, die unter anderem in das Gehäuse eines ursprünglichen ZX Spectrum eingebaut werden kann. Wer das Projekt mit 175 Pfund unterstützt, soll den Spectrum Next im Gehäuse bekommen.

Obwohl die Kampagne finanziert ist, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass Unterstützer letztlich auch ein fertiges Produkt bekommen. Auch nach der Finanzierung kann die Produktion immer noch scheitern, in den meisten Fällen ist das investierte Geld dann weg. Besonders Fans der alten Sinclair-Computer sollten diesbezüglich misstrauisch sein: Mit dem Sinclair ZX Spectrum Vega+ ist im Jahr 2016 bereits ein Sinclair-Retro-Projekt nach erfolgreicher Finanzierung gescheitert.  (tk)


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