Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/creators-update-game-mode-macht-spiele-runder-und-windows-10-ruckeliger-1704-127400.html    Veröffentlicht: 21.04.2017 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/127400

Creators Update

Game Mode macht Spiele runder und Windows 10 ruckelig

Der Spielmodus von Windows 10 ist zweischneidig: Er kann zwar Aussetzer bei Hintergrundlast verringern, wirkt aber noch unausgereift. Denn der Game Mode klappt nicht überall und nach dem Beenden stottert das Betriebssystem vor sich hin.

Mit dem Creators Update, also der Aktualisierung von Windows 10 auf Version 1703, hat Microsoft den Game Mode integriert. Der heißt zu deutsch Spielmodus und das beschreibt es gut: Wer ihn einschaltet, erhält eine etwas bessere Leistung. Allerdings leidet der Spielmodus noch unter Unzulänglichkeiten, der Geschwindigkeitsschub fällt marginal aus und es braucht recht viel Hintergrundlast, damit die Verbesserungen spürbar sind.

Wir haben den Spielmodus auf zwei Systemen ausprobiert: auf einem Thinkpad X1 Carbon X1 v5 mit Skylake-Dualcore (6200U) samt integrierter Intel-Grafik und auf einem Desktop-Rechner mit einer Radeon RX 480 sowie einem Ryzen 5 1600X mit sechs Kernen. Eingeschaltet wird der Game Mode entweder unter Einstellungen, Spielen und dann via Spielmodus oder indem während des Spielens per Windowstaste+G die sogenannte Spieleleiste geöffnet wird. Das ist wenig intuitiv, zumal die vorinstallierte Xbox-App zwar einige Titel auflistet - aber natürlich ohne Option, den Spielmodus zu aktivieren.

Generell hat der Game Mode so seine Tücken. Wir konnten ihn auf dem Ultrabook bei Defense Grid und Titan Quest nur im Fenster einschalten, um danach wieder auf Vollbild zu wechseln. Auf dem Desktop-System stolperten wir über das gleiche Problem, der Spielmodus scheint etwas störrisch in Bezug auf manche Titel. Mit anderen Spielen wie Battlefield 1 oder Gears of War 4 hingegen klappt alles auf Anhieb. Letzterer Shooter läuft übrigens unter der Universal Windows Platform und soll daher besser mit dem Game Mode zusammenarbeiten als reguläre Win32-Spiele, da in der geschlossenen UWP-Umgebung genau klar ist, welche Prozesse ablaufen.

Der Spielmodus verschafft der Ausführungsdatei eine sehr hohe Priorität und stuft Hintergrundprozesse stärker zurück als sonst. Obendrein wird die CPU-Zeit inklusive der Kernzuordnung besser auf die Threads des Spiels fokussiert. Gleiches gilt für die Rechenzeit der GPU und bestimmte Speicherbereiche, die freigehalten werden. Die Idee dahinter ist, ein flüssigeres Spielgefühl zu garantieren, statt stumpf die durchschnittliche Bildrate zu steigern.

Praktisch klappt das ziemlich gut, wenn ausreichend Hintergrundprogramme laufen - danach hat Windows 10 aber ein Weilchen heftig Schluckauf.

Hilft viel bei viel Last

Auf einem sauberen Windows 10 ohne jegliche Zusatzprogramme macht der Spielmodus keinen Unterschied, es braucht für eine messbare Differenz schon ein bisschen Hintergrundlast. Im Falle des Thinkpads waren das Messenger wie Hipchat und Skype, unser sich automatisch aktualisierendes Tool für Artikelvorschläge im Firefox-Browser, ein Tab mit 720p-Musikvideos via Youtube und Thunderbird, das Emails und den News-Feed empfängt. Das alles belegt ein bisschen Speicher und sorgt für eine durchschnittliche CPU-Auslastung von sieben Prozent, die regelmäßig auf bis zu 18 Prozent ansteigt.

Das Thinkpad erreicht mit Hintergrundlast in Defense Grid eine Bildrate von 51 fps und ein 99th Percentile von 30,4 ms. Der Game Mode verbessert die Bildrate leicht auf 55 fps und verringert das 99th Percentile auf 26,6 ms. Dafür stottert das Youtube-Video im Hintergrund gelegentlich. Exportieren wir im Hintergrund noch Raw-Fotos, sinkt die Bildrate auf 49 fps und das 99th Percentile bricht auf 36,5 ms ein. Ein Blick in Log-Dateien von OCAT bestätigt unser Gefühl: Defense Grid ruckelt immer wieder heftig. Mit eingeschaltetem Game Mode sind es 50 fps bei einem 99th Percentile von 31,6 ms und das Stottern ist seltener, wenngleich Rihanna im Browser weiterhin fröhlich vor sich hin ruckelt.

Beim Desktop-System beeinflusst die gleiche Hintergrundlast inklusive Foto-Export das von uns genutzte Gears of War 4 durchnittlich wenig, es ruckelt aber immer wieder. Durch gewolltes Übertreiben - wir lassen Blender rendern - zeigt sich ein großer Unterschied: Die Bildrate fällt von 46 auf 43 fps und das 99th Percentile kracht von 32,8 auf 65,1 ms. Im Spiel äußert sich das in einem heftigen Stottern, was der Game Mode spürbar verringert. Das Render-Projekt benötigt wenig überraschend aber viel länger, bis es abgeschlossen ist.

Grundlegend klappt der Game Mode von Windows 10 wie erwartet - zumindest bis wir das Spiel beenden. Dann dauerte es auf beiden Systemen einige Minuten, bis das Betriebssystem wieder umschaltet. Währenddessen stottern Fensteranimationen, Thunderbird lässt sich kaum bedienen und Rihanna mit "This Is What You Came For" - nun ja, die ruckelt wie gehabt.

Gut Ding will Weile haben

Uns gefällt zumindest die Idee des Spielmodus von Windows 10, und dass er prinzipiell gut funktioniert. Der praktische Nutzen ist jedoch eingeschränkt, da Nutzer auch vor dem Gaming schlicht alle Hintergrundlasten abschalten können - das hat den gleichen Effekt. Obendrein nervt es, den Spielmodus umständlich aktivieren zu müssen und das temporäre Geruckel danach. In Zukunft sollte Microsoft beides verbessern, auch eine integrierte Whitelist für etwa Spotify oder den integrierten Windows Defender wäre denkbar.  (ms)


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