Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/transport-der-gueterzug-der-zukunft-ist-ein-schneller-roboter-1704-127306.html    Veröffentlicht: 13.04.2017 13:14    Kurz-URL: https://glm.io/127306

Transport

Der Güterzug der Zukunft ist ein schneller Roboter

Automatisiert, schnell und effizient: Der Güterzug der Zukunft soll mit den heutigen langsamen und lauten Ungetümen nicht mehr viel zu tun haben. Forscher des DLR stellen sich vor, dass Waren künftig von effizienten Roboterhochgeschwindigkeitszügen transportiert werden.

Immer mehr Güter werden transportiert - nicht zuletzt durch den Onlinehandel. Der Güterverkehr soll sich bis zum Jahr 2050 vervierfachen. Aber wie sollen die Güter zum Kunden kommen? Geht es nach Joachim Winter, dann auf der Schiene: Der Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat mit seinem Team ein Konzept für den Güterzug der Zukunft entwickelt.

NGT Cargo nennen die Forscher den Zug - NGT steht für das Projekt Next Generation Train. Mit dem Güterzug von heute hat der nicht viel Ähnlichkeit: Er ähnelt eher den schnittigen Hochgeschwindigkeitszügen, etwa dem ICE, dem TGV oder dem Shinkansen. Tatsächlich wird der NGT Cargo auch aus Triebköpfen und Einzelwagen zusammengestellt. Diese sind geschlossen und aerodynamisch verkleidet. Zwischen den Güterwagen gibt es keine Lücken mehr. Das soll den Fahrwiderstand verringern.

Der Güterzugwagen kann selbst fahren

Allerdings macht der Zug das selbst: Der NGT Cargo soll automatisiert fahren und sich auch automatisiert und nach Bedarf selbst zusammenstellen. Dafür haben die Wagen einen eigenen Antrieb mit Elektromotor und Akku, in dem beim Bremsen rekuperierte Energie gespeichert wird. So können sich die Wagen selbst rangieren und brauchen dafür nicht einmal eine Oberleitung. In speziell dafür ausgestatteten Terminals können die Wagen sogar automatisiert be- oder entladen werden.

Hat sich ein Zug zusammengefunden, macht er sich auf den Weg zu seinem Ziel. Unterwegs kann er sich virtuell mit anderen Triebwagenzügen zusammenstellen. Das können andere Güterzüge, aber auch ein Hochgeschwindigkeitspersonenzug, der NGT HST, sein. Die Züge formieren sich dabei zu einer Einheit, ohne sich tatsächlich zu koppeln. So sollen die Streckenkapazitäten besser ausgenutzt werden.

Der Güterzug ist schnell

Außerdem kann das Fahren im Konvoi energieeffizienter sein. Zumal bei den Geschwindigkeiten: Die Güterzüge sollen auf bestehenden Strecken 160 bis 200 km/h schnell fahren. Auf eigens dafür ausgelegten Strecken könnten sie sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h erreichen. Aufgrund ihrer Form sollen sie dabei dennoch leiser sein als heutige Güterzüge.

Am Zielbahnhof angekommen, trennt sich der Zug wieder auf. Die Einzelwagen können dann bei Bedarf selbstständig zum Kunden fahren, wo er dann entladen wird. Dafür ist jeder Wagen mit einem Computer sowie weiterer Technik ausgestattet. Das ermöglicht auch, den Wagen zu orten, so dass der Kunde immer weiß, wo sich seine Fracht befindet und wann er sie in Empfang nehmen kann.

Rangieren ist aufwendig und teuer

Vor allem durch den Wegfall des Rangierens soll der NGT Cargo effizienter sein als der heutige Güterverkehr auf der Schiene: "Ganzzüge, die nicht rangiert werden und mit ganz vielen Wagen eine große, einheitliche Frachtmenge von Punkt A nach Punkt B bringen, beherrschen aktuell den Güterverkehr", sagt Winter. Dabei ist vor allem das Zusammenstellen der Züge aufwendig: Es benötigt Planung, mehrere Tage Vorlauf und viele manuelle Kupplungsvorgänge. Entsprechend machen das Zusammenstellen und Trennen von Zügen 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten eines Transports aus.

Bis tatsächlich solche Triebwagengüterzüge auf der Schiene fahren, dürften allerdings noch Jahrzehnte vergehen. Es handele sich um ein grundlegendes Konzept, das jetzt weiter ausgearbeitet werde, sagt das DLR. Zudem sind die Bahnstrecken noch nicht für einen automatisierten Zugverkehr vorbereitet.

Ziel des DLR-Projekts NGT ist es, Konzepte für einen attraktiven Zug der Zukunft zu erarbeiten. Dabei geht es darum, Züge sicherer, leiser und effizienter zu machen, den Komfort für Passagiere zu steigern, Fahrtzeiten zu verkürzen und schließlich darum, die Lebenszykluskosten des rollenden Materials zu senken.  (wp)


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