Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fire-tv-stick-2-im-test-der-stick-macht-den-normalen-fire-tv-fast-ueberfluessig-1704-127263.html    Veröffentlicht: 17.04.2017 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/127263

Fire TV Stick 2 im Test

Der Stick macht den normalen Fire TV (fast) überflüssig

Amazon motzt den Fire TV Stick auf. Der Fire TV Stick 2 bietet eine deutlich höhere Geschwindigkeit als der Vorgänger. Außerdem glänzt er mit einer sehr umfassenden Sprachbedienung via Alexa. Die wenigsten werden noch einen normalen Fire TV benötigen.

Der Fire Stick 2 ist ein Knaller. Die erste Generation des Fire TV Stick bot bereits alle wesentlichen Funktionen eines Streaminggeräts. Allerdings musste sich der Käufer damit abfinden, dass die Navigation durch die Menüs etwas träger als bei der Fire-TV-Box war. In Anbetracht des günstigen Preises hatten das viele akzeptiert. Diese Einschränkungen sind mit dem Fire TV Stick 2 vorbei. Die höhere Geschwindigkeit hat vor allem mit der neuen Fire-TV-Oberfläche zu tun.

Die ersten Fire TV Sticks hatten noch keine Fernbedienung mit Sprachsuche, als sie im Frühjahr 2015 in Deutschland auf den Markt kamen. Nutzer konnten die Sprachsuche bei Bedarf aber über die Fire-TV-App auf dem Smartphone verwenden. Danach kam im Herbst 2015 eine leicht überarbeitete Version des Fire TV Stick - diesmal gleich mit einer Sprachfernbedienung.

Bequeme Einrichtung

Der neue Fire TV Stick lässt sich sehr leicht einrichten. Stick an einen freien HDMI-Steckplatz stöpseln, WLAN-Kennwort eingeben und bei Bedarf die Zugangsdaten für das Amazon-Konto. Dann müssen je nach Bedarf noch die Zugangsdaten für Netflix, Maxdome oder ähnliche Dienste eingegeben werden, und schon kann es losgehen. Die Fernbedienung agiert über WLAN mit dem Fire TV Stick, so dass kein Sichtkontakt zum Stick erforderlich ist.

Die Fernbedienung hat alle wichtigen Knöpfe zur Steuerung. Es gibt einen Play-Pause-Knopf, Spultasten, einen Home-Button, einen Zurück-Knopf und einen Menü-Button sowie einen Fünf-Wege-Navigator. Wir vermissten nur Tasten zur Lautstärkeregelug. Ganz oben prangt die Taste zur Aktivierung des Mikrofons. Mit dem Mikrofon kann neuerdings Amazons digitaler Assistent Alexa genutzt werden. Ein Echo-Lautsprecher ist dafür nicht erforderlich. Wer Alexa bisher noch nicht verwendet hat, sollte unbedingt die Alexa-App installieren, um den Dienst zu konfigurieren.

Alexa bringt mehr Komfort

Seit einiger Zeit integriert Netflix eigene Inhalte in die Fire-TV-Oberfläche, und das wirkt sich auch auf die Alexa-Fähigkeiten aus. Wie auch bisher werden über die Sprachsuche Titel aus dem Netflix-Katalog gefunden. Vorausgesetzt, der Nutzer hat ein aktives Netflix-Konto und dies auf dem Fire TV Stick entsprechend eingerichtet. Wenn dann eine Serie oder ein Film im Netflix-Abo, aber nicht im Prime-Abo enthalten ist, wird prominent der Netflix-Inhalt in den Suchergebnissen angezeigt.

Wenn wir sagen "Spiele Narcos ab", findet Alexa die Netflix-Serie, startet aber nicht sofort mit der Wiedergabe. Das gilt auch für alle Prime-Video-Inhalte. Suchtreffer werden nur gelistet, aber erst nach einem weiteren Knopfdruck startet die Wiedergabe. Hier sollte Amazon bald nachbessern und für eine einheitliche Bedienung sorgen. Schließlich wird bei der Musikwiedergabe sofort der gewünschte Song abgespielt.

Die Suche nach Titeln funktioniert schon länger mit den Fire-TV-Geräten, aber auch weiterhin werden nur wenige Apps unterstützt. So werden keine Inhalte aus Youtube oder den Mediatheken gefunden. Immerhin kann die Sprachsuche mit einem Klick der Fernbedienung an Youtube übergeben werden, das bietet das Gerät leider nicht für die Mediatheken an.

Der Zugriff auf Alexa ermöglicht neue Möglichkeiten. Anders als bei den Echo-Lautsprechern reagiert die Fire-TV-Version von Alexa nur, nachdem der Mikrofonknopf auf der Fernbedienung betätigt wird. Daher ist das Signalwort Alexa nicht erforderlich, es muss nur noch die gewünschte Anweisung gesprochen werden.

Mit Alexa stehen weitere Möglichkeiten zur Steuerung des Fire TV Stick bereit.

Mit Alexa im Film umherspringen

Innerhalb von Serien kann bequem zur nächsten Episode gesprungen werden. Auch das Vor- oder Zurückspulen ist in Filmen oder Serien möglich. Wenn wir sagen "Springe 2 Minuten vor", wird das erledigt. Generell gilt bei Alexa derzeit noch: Hält sich der Nutzer nicht an die von Alexa erwartete Befehlsfolge, gibt es Probleme.

Filme und Serien mit X-Ray-Informationen sind automatisch in Szenen unterteilt. Das Anspringen bestimmter Szenen mit der Sprache ist leider nicht möglich. Mittels Szenensprung kann bequem der Vorspann von Serien oder Filmen mit der Fernbedienung übersprungen werden. Amazon bietet keine Möglichkeit, einen Vorspann direkt ohne die Hilfe von X-Ray zu überspringen.

Prinzipiell kann die Wiedergabe mit "Pause" unterbrochen und mit "Fortsetzen" weitergeführt werden. Da wir dazu aber ohnehin zur Fernbedienung greifen müssen, geht es schneller, den Pausen-Knopf auf der Fernbedienung zu drücken. Schade, dass weiterhin keine Bedienung des Fire-TV-Geräts mittels Echo möglich ist. Dann könnte einfach in den Raum gerufen werden: "Alexa, Pause" und die Wiedergabe wäre unterbrochen. Man würde sich den Griff zur Fernbedienung sparen. Die Wiedergabesteuerung von Alexa steht derzeit nur zur Verfügung, wenn Material über Amazons Videostreamingdienst angeschaut wird.

Die smarte Lampe mit dem Fire TV Stick bedienen

Die meisten Funktionen der Alexa-fähigen Echo-Lautsprecher stehen auch auf den Fire-TV-Geräten zur Verfügung. Nicht unterstützt werden Timer und Wecker - das erscheint uns nur logisch. Denn sobald der Fernseher oder die angeschlossene Anlage ausgeschaltet ist, würde der Nutzer einen Alarm nicht mehr bemerken. Die Fire-TV-Geräte haben nämlich keinen eigenen Lautsprecher.

Mit der Fire-TV-Fernbedienung können demnach auch Smart-Home-Komponenten gesteuert werden, wie etwa das Hue-Lampensystem von Philips. Auf Zuruf können mittels "dimme Licht im Wohnzimmer an" die betreffenden Lampen in der Helligkeit verringert werden, um kein störendes Licht beim Fernsehschauen zu haben.

Alexa zeigt Infotafeln an

Zudem können sich Nutzer einen Wetterbericht, Sportergebnisse oder Nachrichten ansagen lassen. Im Unterschied zu den Echo-Geräten gibt es auf dem Fire TV Stick auch Infotafeln, die das Ganze visuell darstellen. Die Karten sind leider nicht interaktiv, es ist also nicht möglich, auf der Wettertafel zu einem anderen Tag zu springen, um weitere Informationen zu erhalten. Diese Infotafeln gibt es bei den Alexa-Skills, die ebenfalls für die Fire-TV-Sticks angeboten werden.

Skills sind so etwas wie Apps für Alexa, mit denen der Funktionsumfang erweitert werden kann. Vor kurzem kam etwa ein Lieferando-Skill dazu, um mittels Alexa bequem Essen bestellen zu können. Für das Skill kann der Nutzer festlegen, welches Gericht er üblicherweise bei welchem Restaurant bestellen möchte. Damit soll die Nutzung vereinfacht werden, indem der Nutzer nur "Sushi bestellen" sagt und dann das betreffende Gericht bei dem vorausgewählten Restaurant bestellt wird.

Für die Fire-TV-Geräte gibt es die meisten wichtigen Streamingdienste wie Netflix und Maxdome sowie die Mediatheken der großen deutschen Fernsehsender und verschiedene Fernseh-Streaming-Apps. Der Anbieter Sky ist nach wie vor nicht auf den Fire-TV-Geräten vertreten, was besonders schade ist. Mittels Sideloading lassen sich weiterhin Apps jenseits des Fire-TV-App-Shops installieren, die dann auch bequem über die Fire-TV-Startseite geöffnet werden können.

Amazon will Alexa bald auch für alte Fire-TV-Geräte bereitstellen.

Alte Fire-TV-Geräte erhalten Alexa

Der neue Fire TV Stick nutzt einen Quadcore-Prozessor 8127D von Mediatek, der mit einer Taktrate von 1,3 GHz läuft. Unverändert hat auch der neue Stick 1 GByte Arbeitsspeicher und 8 GByte Flash-Speicher. Der vergleichsweise geringe Arbeitsspeicher fällt nicht negativ auf, Apps werden nicht sofort aus dem Speicher geschmissen, so dass Apps bei wiederholtem Aufruf schneller gestartet sind.

Als weitere Neuerung unterstützt der neue Fire TV Stick Dual-Band-WLAN samt ac-Standard, der beim Vorgängermodell noch fehlte. Damit der Stick auch dann angeschlossen werden kann, wenn der Platz an den HDMI-Buchsen des Fernsehers knapp ist, gibt es eine Verlängerung, die am Anschluss schmaler ist. Mit der Verlängerung soll sich bei Bedarf auch der WLAN-Empfang verbessern. Außerdem gibt es jetzt Bluetooth 4.1 statt 3.0. All das macht den neuen Stick minimal länger und dicker, aber vor allem breiter als das alte Modell: Mit Maßen von 86 x 30 x 12,6 mm legt der Stick in der Breite um 5 mm zu.

Die maximale Auflösung ist unverändert bei 1080p, 4K-Wiedergabe bleibt somit dem Fire TV der zweiten Generation vorbehalten. Der Fire TV Stick hat keinen Steckplatz für Speicherkarten oder USB-Sticks; wer darauf Wert legt, muss zum Fire TV greifen. Außerdem ist dem normalen Fire TV ein Ethernet-Anschluss vorbehalten. Wir hatten mit dem Fire TV Stick keine Probleme und benötigten ihn daher nicht. Allerdings erlaubt es der Fire TV Stick, Tastatur, Maus oder Kopfhörer über Bluetooth anzubinden, so dass Zubehör damit genutzt werden kann. Ein Ausschalter fehlt - das ist bei den anderen Fire-TV-Geräten nicht anders.

Der Fire TV Stick 2 ist das erste Fire-TV-Gerät in Deutschland, das gleich mit Alexa-Fähigkeit ausgeliefert wird. Amazon will alle bisherigen Fire-TV-Geräte ebenfalls mit Alexa versorgen, einen Zeitplan dafür nannte der Hersteller auf Nachfrage von Golem.de nicht. Wenige Tage nach Erscheinen des Tests begann Amazon damit, die neue Fire-TV-Oberfläche samt Alexa-Unterstützung zu verteilen. Die Alexa-Fähigkeit setzt immer eine Fernbedienung mit Mikrofon voraus. Der Fire TV Stick der ersten Generation hatte noch keine Fernbedienung mit Mikrofon, alle anderen Fire-TV-Geräte haben schon länger eine Sprachsuche integriert. Alternativ kann die Fire-TV-App auf dem Smartphone verwendet werden, um so Alexa auch ohne Mikrofon-Fernbedienung verwenden zu können.

Neue Fire-TV-Oberfläche

Der Fire TV Stick 2 erscheint gleich mit der neuen Fire-TV-Oberfläche, die moderner geworden ist, aber keine eigenen Akzente mehr zu setzen weiß. Der Fire-TV-Startbildschirm orientiert sich stark an der Netflix-App, die nicht gerade für ihre gute Übersichtlichkeit bekannt ist. Die neue Oberfläche reagiert schnell und zügig - hier profitiert der neue Stick von einem leistungsfähigeren Prozessor. Aber auch der alte Fire TV Stick reagiert mit der neuen Oberfläche deutlich schneller und zügiger als bisher.

Die neue Oberfläche ist weniger übersichtlich, weil Filme und Serien alle mit einem Querformatcover angezeigt werden. Zuvor waren alle Filme im Hochformat, Serien hatten ein Querformatcover. Mit einem Blick war erkennbar, ob es sich bei einem Inhalt um einen Film oder eine Serie handelt.

Auch mit der neuen Oberfläche fehlen weiterhin die an sich nützlichen Prime-Banderolen. Nach eigener Aussage arbeitet Amazon derzeit an einem Ersatz für die Prime-Banderole. Wann diese kommen wird, ist nicht bekannt. Auf Smartphones, Tablets und im Browser werden die Prime-Banderolen weiterhin angezeigt, aber eben nicht auf den Fire-TV-Geräten.

Vor allem im Zusammenspiel mit der Sprachsuche ist das ein lästiges Ärgernis. Dem Nutzer werden so immer wieder Filme und Serien vorgesetzt, bei denen er nicht sieht, ob diese im Prime-Abo enthalten sind oder nicht. Erst in den Details der Suchergebnisse erfährt das der Anwender. Damit fällt es schwerer, sich in den Inhalten zu orientieren.



Verfügbarkeit und Fazit

Der Fire TV Stick 2 kostet 40 Euro und wird ab dem 20. April 2017 ausgeliefert. Er soll auch bei Media Markt und Saturn zu bekommen sein. Die meisten Amazon-Kunden bekommen den Stick einen Tag später geliefert, verspricht Amazon. Amazon will den Fire TV Stick 2 auch über Prime Now anbieten, sobald er dort verfügbar ist. Dann wird der Stick innerhalb von zwei Stunden nach der Bestellung ausgeliefert, Kunden erhalten ihn also noch am 20. April 2017. Vorbestellt werden kann der Stick bei Prime Now nicht. Der spezielle Lieferdienst Prime Now ist derzeit in Teilen Berlins und in München verfügbar. Seit Mitte März 2017 ist nicht mehr zwingend die Prime-Now-App erforderlich, der Shop steht auch regulär im Browser zur Verfügung.

Fazit

Der Fire TV Stick 2 ist deutlich leistungsfähiger als das Vorgängermodell, lästige Hänger und Wartesekunden bei der Bedienung gehören damit der Vergangenheit an. Das hat aber auch mit der neuen Oberfläche zu tun, die zügiger reagiert, so dass Besitzer eines alten Fire TV Stick ebenfalls in den Genuss gefühlter höherer Geschwindigkeit kommen. Mit einem Preis von 40 Euro setzt Amazon hier dennoch neue Maßstäbe - die Integration von Alexa ist ein weiterer Pluspunkt. In diesen beiden Kategorien gibt es am neuen Fire TV Stick nichts auszusetzen.

Die Fire-TV-Boxen bieten zwar zusätzlich eine USB-Buchse und einen Steckplatz für Speicherkarten, für den Einsatz als Streaming-Gerät ist beides nicht erforderlich. Bei schlechter WLAN-Anbindung kann der Ethernet-Anschluss helfen. Die 4K-Auflösung der Fire-TV-Boxen dürfte für die meisten Nutzer verzichtbar sein. Wer bereits einen 4K-Fernseher besitzt, hat meist auch die nötigen Smart-TV-Komponenten, um nicht auf ein Fire-TV-Gerät angewiesen zu sein.

Weniger zufrieden sind wir generell mit der aktuellen Fire-TV-Oberfläche, die vor allem durch den Wegfall der Prime-Banderolen an Übersichtlichkeit eingebüßt hat. Immerhin will Amazon das Problem mit der Markierung der Prime-Inhalte lösen, hier sollte der Anbieter schleunigst aktiv werden.

Es ist schade, dass sich die Fire-TV-Geräte noch immer nicht mit einem Echo-Lautsprecher bedienen lassen. Es wäre schön, wenn sich die Wiedergabe auf einem Fire-TV-Gerät mit einem einfachen Ruf in den Raum unterbrechen ließe.

Nachtrag vom 20. April 2017

Amazon bietet die neue Oberfläche und die Alexa-Unterstützung auch für die alten Fire-TV-Geräte. Auf einem Fire TV Stick reagiert die neue Oberfläche sehr zügig und es kommt deutlich seltener zu Hängern oder Wartesekunden als mit der alten Oberfläche. Der Artikel wurde an einigen Stellen aktualisiert, um auf die neue Entwicklung einzugehen.  (ip)


Verwandte Artikel:
Fire TV Stick 2 mit Alexa im Hands on: Amazons attraktiver Einstieg in die Streaming-Welt   
(21.02.2017, https://glm.io/126279 )
Streaming: Amazon bringt Alexa auch auf ältere Fire-TV-Geräte   
(19.04.2017, https://glm.io/127379 )
Amazon: Fire TV erhält neuartigen Startbildschirm   
(29.09.2016, https://glm.io/123518 )
Fire OS 5.2.4.0 im Test: Amazon vernetflixt die Fire-TV-Oberfläche   
(24.01.2017, https://glm.io/125743 )
Musikstreaming: Amazons Alexa streamt Musik von Deezer   
(06.03.2018, https://glm.io/133158 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/