Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ram-overclocking-getestet-ryzen-profitiert-von-ddr4-3200-und-dual-rank-1704-127262.html    Veröffentlicht: 12.04.2017 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/127262

RAM-Overclocking getestet

Ryzen profitiert von DDR4-3200 und Dual Rank

Wer einen von AMDs Ryzen-Prozessoren kauft, sollte sich schnellen DDR4-Speicher mit in den Warenkorb legen. Die CPUs laufen schon mit günstigem Speicher ziemlich flott - der Trick heißt Dual Rank. Mit hochtaktenden Modulen bei niedrigen Latenzen gibt es noch ein paar Prozent obendrauf, das kostet aber.

Wir haben mittlerweile fünf Ryzen-Prozessoren von AMD getestet: Den 1800X, den 1700X, den 1700, den 1600X und den 1500X. Bei allen haben wir die von AMD spezifizierte Speichergeschwindigkeit eingestellt, die ist aber vergleichsweise konservativ. Uns hat daher interessiert, wie stark die Leistung in welchen Anwendungen und Spielen ansteigt, wenn der RAM-Takt bei den Ryzen-Chips deutlich gesteigert wird und wie die CPUs auf niedrige Speicherlatenzen sowie eine oder zwei Bänke (Ranks) reagieren.

Dazu ein wenig Hintergrundinformation: Bei der Zen-Mikroarchitektur gibt es mehrere Taktdomänen, davon eine für den internen Speichercontroller und das Infinity Fabric. Das verbindet unter anderem die beiden Quadcore-Cluster (CCX) auf dem Chip. Da auch die Hexacores wie der 1600X und die Quadcores wie der 1500X immer aus zwei teildeaktivierten Clustern bestehen, beschleunigt ein höherer RAM-Takt auch das Infinity Fabric. Der Datendurchsatz zwischen den zwei CCX steigt und die Latenz bei der Kommunikation sinkt.

Aktuelle AM4-Mainboards unterstützen maximal DDR4-3200, höhere Multis haben wir bisher bei keiner Platine gesehen. Für mehr Takt muss der Baseclock (BCLK) ausgehend von 100 MHz gesteigert werden, was nur wenige Boards wie Asus' Crosshair VI Hero aufgrund eines externen Taktgebers unterstützen. Ab 105 MHz schaltet die Platine die PCIe-Slots aber in den 2.0- und ab 145 MHz in den 1.1-Modus. Das begrenzt die Geschwindigkeit der verbauten Grafikkarte oder die von SSDs und ist daher nur bedingt empfehlenswert.

Im Markt verfügbar sind DDR4-Module, die intern als Single- oder als Dual-Rank-Variante aufgebaut sind. Letztere erreichen durch Bank-Interleaving bei gleichem Takt und gleichen Latenzen eine höhere Leistung, was insbesondere für die Ryzen-CPUs gilt: Wir messen einen mittleren Geschwindigkeitszuwachs von +7,7 Prozent bei DDR4-2667. AMD gibt offiziell nur DDR4-2400 als Dual Rank frei, was selbst bei gleichen Latenzen schneller ist als DDR4-2667 mit Single Rank. Zwei 8-GByte-Sticks kosten derzeit rund 115 Euro.

Von außen ist nicht erkennbar, ob ein RAM-Modul einen SR- oder einen DR-Aufbau nutzt. Zumindest bei den uns vorliegenden Sticks war die Angabe der Onlinehändler korrekt, zur Überprüfung eignen sich Tools wie AIDA64 oder CPU-Z. Mehr als DDR4-2400 ist Glückssache und fällt unter Overclocking. Da DDR4-2400 als Dual Rank verglichen mit DDR4-2667 als Single Rank die schnellere Option darstellt, sollten Käufer dies im Hinterkopf behalten.

Wer Arbeitsspeicher mit hohen Frequenzen und niedrigen Latenzen für maximale Leistung bevorzugt, für den haben die RAM-Hersteller passende Module: Dazu gehören die Flare X von G.Skill mit B-Dies von Samsung, die wir hier verwendet haben. Sie sind mit DDR4-3200 bei CL14-14-14-34-1T bei 1,35 Volt spezifiziert und starteten mit dem Ryzen 5 1600X anstandslos. Ausgehend von DDR4-2667 CL16 SR liefern sie +10,8 Prozent mehr Leistung. Dafür kosten 16 GByte mit rund 210 Euro aber fast doppelt so viel wie DDR4-2667.

Fazit

AMDs Ryzen-CPU profitieren stark von Dual-Rank-Speicher und skalieren auch mit hohem Takt plus niedrigen Latenzen. Aus Preis-Leistungs-Sicht ist günstiger DDR4-2400-DR die beste Wahl, für die letzten paar Prozent Geschwindigkeit muss es teurer DDR4-3200-SR-Speicher sein. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass unsere Messwerte im CPU-Limit entstanden: In der Praxis bremst oft die Grafikkarte, der Leistungszuwachs durch RAM-OC verringert sich daher abgesehen von CPU-limitierten Szenen. In Anwendungen wie Rendering oder Transcoding bringt schnellerer Speicher übrigens nichts.  (ms)


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