Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/panasonic-next-smartphone-synchronisation-mit-dem-flugzeug-ife-1704-127137.html    Veröffentlicht: 05.04.2017 07:40    Kurz-URL: https://glm.io/127137

Panasonic Next

Smartphone-Synchronisation mit dem Flugzeug-IFE

Panasonic Avionics hat auf der Aircraft Interiors Expo in Hamburg seine nächste Unterhaltungsplattform (IFE) für Flugzeuge vorgestellt. Next erlaubt dank SDKs und offenen APIs mehr Flexibilität bis hin zur Erkennung des Fluggastes und Übernahme von Einstellungen.

Next heißt Panasonic Aviations nächstes Inflight Entertainment System (IFE), das vom Unternehmen auch gerne als IFEC abkürzt und so die "Communication" mit integriert. Tatsächlich sind die die IFE-Systeme von Panasonic, von denen wir eines per Zufall ausprobieren konnten, sehr modular. Next soll dabei wieder auf ein Android-System aufbauen.

Panasonic will das System vor allem so aufbauen, dass Fluggesellschaften es besser an ihre Bedürfnisse anpassen können. Neue, dokumentierte APIs und ein Software Development Kit gehören etwa dazu. Next soll ohne große Probleme damit in die Apps der Fluggesellschaften integriert werden können und auch der Datenaustausch ist vorgesehen. Zugänglichkeitsseinstellungen des eigenen Smartphones lassen sich etwa mit dem IFE synchronisieren.

Das System erkennt den Vielflieger

Auch Informationen, die Vielflieger bei der Fluggesellschaft ohnehin speichern, kann das IFE auswerten. Die Personalisierung soll selbst auf Sensorenebene funktionieren. Hat der Anwender etwa Wearables, die den Körper vermessen, könnten die für eine Erkennung von Dehydrierung notwendigen Informationen dem IFE übertragen werden und das Kabinenpersonal somit Hinweise bekommen, dass vielleicht etwas Wasser verteilt werden sollte. Das ist allerdings aus Sicht der Privatsphäre kritisch zu sehen.

Zur künftig besseren Flexibilität trägt eine Möglichkeit zur Veränderung der Gesamtinstallation bei: So kann der Flugzeugbesitzer etwa IFE-Clients aus dem System nehmen und dafür bessere Systeme samt einer Business-Klasse verbauen, wenn diese zuvor nicht existiert hat. Zudem stellt das System fest, ob ein Film lange nicht mehr geschaut wurde und es dann durch einen neuen Film ersetzen, um die Attraktivität des IFE zu erhöhen. Auch für die Wartung des Flugzeugs selbst ist das System vorgesehen. Möglicherweise auszutauschende Teile können noch während des Fluges angefordert werden, was die Zeit am Boden minimieren dürfte.

Manche Next-Komponenten werden selten verbaut

Natürlich werden nicht alle Optionen in jedem Flugzeug zu finden sein. Eine Breitband-Anbindung ist nicht zwingend vorgesehen. Dasselbe gilt auch für 4K-Bildschirme, mit denen eine nicht genannte Fluggesellschaft bereits in Verbindung mit Next plant. Auch HD Audio soll unterstützt werden, was bei der Lautstärke in einem Flugzeug aus unserer Sicht sinnlos wäre. Mitunter ist aber auch denkbar, dass nicht einmal Bildschirme verbaut werden, sondern der Fluggast sich seinen eigenen Bildschirm mitbringt. Dann übernimmt das WLAN-System von Next die Verteilung.

Zu erwarten ist, dass bei Next hohe Datenraten anfallen werden, da die Inhalte zu potenziell besseren Bildschirmen auch höher aufgelöst sein müssen. Verbaut wird laut Panasonic deswegen ein 10GbE-Backbone, damit die einzelnen Clients versorgt werden können. Die Verteilung von 4K-Inhalten per WLAN oder gar über die Internetverbindung dürfte vorerst ausgeschlossen sein. Bei gutem Encoding reicht schon daheim ADSL nicht aus. Da wird es mit typischen Bandbreiten im Flugzeug-WLAN mit Hunderten von Passagieren schwierig.



Erst ab dem Jahr 2020 wird das System in der trägen Luftfahrtbranche zum Einsatz kommen. Als erster Flugzeugtyp ist seitens Panasonic die Ausstattung der noch nicht fertig entwickelten Boeing 777X geplant. Laut Panasonic gibt es bereits Gerpräche über den Einsatz in weiteren Großraumflugzeugen von Boeing und auch Airbus. Denkbar wären etwa der Dreamliner (B787) oder der Airbus A350XWB.

Im weiteren Verlauf ist der Einsatz in eigentlich typischen Mittelstreckenflugzeugdesigns (Narrowbody) geplant. Für konkrete Ankündigungen ist es aber anscheinend noch zu früh. Fluginteressierte sollten sich allerdings nicht zu früh freuen. Solche Systeme werden zumindest in Europa kaum in diesen Flugzeugtypen eingesetzt. Eine Ausnahme dürften Langstreckenvarianten werden. Ein gewisses Potenzial sieht Panasonic etwa beim Airbus A321LR, wie uns Panasonic in Hamburg sagte. Der zur Neo-Familie gehörende Flieger wird vermutlich Boeings 757 als Narrowbody-Langstrecken-Jet folgen. Ansonsten wird das Next-IFE in den kleineren Flugzeugen nur in einigen wenigen Märkten eingesetzt, so Panasonic.  (ase)


Verwandte Artikel:
Air Berlin: WLAN auch auf der Kurz- und Mittelstrecke   
(27.04.2016, https://glm.io/120578 )
Inflight Entertainment ausprobiert: Wir fliegen auf Panasonics Android-System   
(11.11.2015, https://glm.io/116494 )
Ka-, Ku- und EAN/S-Band: Das schnelle Flugzeug-Internet wird Realität   
(03.05.2017, https://glm.io/127309 )
Boardconnect Portable: Ein Access Point reicht für ein Flugzeug   
(05.04.2017, https://glm.io/127135 )
Kontron ACE Flight 4608: Kompakter Highend-Server für die Luft   
(26.10.2016, https://glm.io/124060 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/