Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/streaming-weiter-streit-um-werbung-auf-youtube-1704-127119.html    Veröffentlicht: 04.04.2017 11:39    Kurz-URL: https://glm.io/127119

Streaming

Weiter Streit um Werbung auf Youtube

Reklame für Markenprodukte vor rassistischen Videos: Firmen wie Coca-Cola und Ford hatten deshalb einen Werbestopp bei Youtube angekündigt. Nun will das Videoportal seine Filterregeln verbessert haben. Trotzdem gibt es Zoff in der Szene - im Mittelpunkt steht derzeit der Streamer Ethan Klein.

Das Geschäft mit Werbung auf Youtube ist längst ein Milliardenmarkt, entsprechend erbittert wird der Kampf um das Geld in der Streamingszene inzwischen geführt. Nach Berichten, dass die Spots von Konzernen wie Johnson & Johnson, Coca-Cola, Ford und Starbucks wegen mangelhafter Filterung auch vor rassistischen Videos oder Terror- und Hassbotschaften gelaufen sind, gibt Youtube selbst aber nun Entwarnung.

Das Unternehmen habe seine algorithmische Filterung innerhalb kürzester Zeit so weit verbessert, dass es nun kaum noch zu ungewollten Platzierungen von problematischen Werbeclips komme. Laut einem Bericht von Recode.com hat ein Manager von Youtube gesagt, dass die Systeme beim Entdecken von problematischen Inhalten nun fünfmal bessere Ergebnisse als vor ein paar Tagen finden würden.

Markenartikler werben weiter

Außerdem arbeite Youtube nun mit externen Firmen wie Double Verify und Comscore zusammen, um etwa Hassbotschafen mit möglichst großer Sicherheit zu erkennen. Laut einer Meldung der New York Times habe Johnson & Johnson seine Werbeaktivitäten auf Youtube inzwischen wieder aufgenommen, andere Firmen hätten sie nie wirklich ausgesetzt.

In der Szene der Youtube brodelt es aber weiter. Viele Youtuber beklagen schon seit Monaten, dass sie immer weniger Werbung durch das Videoportal zugeteilt bekommen und ihr Einkommen deshalb stark rückläufig sei. Die Szene diskutiert derzeit, ob sie möglicherweise ins Visier der sogenannten Massenmedien geraten sei - teils haben die Vorwürfe den Charakter von Verschwörungstheorien.

<#youtube id="L71Uel98sJQ"> Für besonders viel Wirbel hat der Youtuber Ethan Klein gesorgt. Der hat immerhin rund 3,7 Millionen Abonnenten und eigentlich einen guten Ruf - er hat unter anderem das Geschäft rund um die Waffenskins für Counter-Strike mitaufgedeckt. Nun hatte Klein das Wall Street Journal beschuldigt, mit einer gezielten Falschmeldung die Youtuber in Misskredit gebracht zu haben.

Ein Redakteur der Zeitung hatte laut Klein einen Screenshot veröffentlicht, auf dem ein zumindest rassistisch anmutendes Video mit eingeblendeter Werbung gezeigt wurde. Klein wiederum hatte das überprüft und festgestellt, dass vor diesem Video schon länger keine Reklame mehr gezeigt wurde, was in der Szene verständlicherweise für Empörung gesorgt hatte.

Später - und nach einer offiziellen Erklärung des Wall Street Journals, das seine Berichterstattung verteidigte - kam dann allerdings heraus, dass ein anderer Kanal das gleiche Video tatsächlich mit eingebetteter Werbung online hatte und die Darstellung der Zeitung somit korrekt war. Ethan Klein hat sein Video mit den Anschuldigungen laut Kotaku.com inzwischen offline gestellt und eine Richtigstellung veröffentlicht, in der er aber weiterhin nicht ganz einverstanden ist mit der Berichterstattung der Medien.

In Foren und Kommentaren, auch unter den Videos von Klein, gehen die Diskussionen über den vermeintlichen Rufmord der Streamer durch die Massenmedien (in Nordamerika Main Stream Media, kurz MSM) allerdings weiter. Schließlich hat die Szene tatsächlich mit Einkommensverlusten zu kämpfen, einige Youtuber berichten von Rückgängen um bis zu 90 Prozent.

Übrigens gibt es dafür vermutlich noch andere Ursachen: Zum einen hatte es wohl gelegentlich schlicht technische Probleme bei Youtube mit der Ausspielung von Werbung gegeben. Dazu kommen wohl auch veränderte Algorithmen bei der Erstellung von Empfehlungen, die nun statt Streamern eher etwas massenmarkttauglichere Inhalte bevorzugen - was das Videoportal allerdings bislang nicht bestätigt hat.

Auch die Streamer hierzulande bekommen derzeit ungewohnt viel Gegenwind, allerdings eher durch die Landesmedienanstalten. So müssen die Betreiber von Pietsmiet TV bei den Behörden wohl für viel Geld eine offizielle Sendelizenz beantragen. Noch stärker unter Druck ist der Hamburger Flying Uwe, dem die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein den Vorwurf der Schleichwerbung gemacht und mit einem Bußgeld von 500.000 Euro gedroht hat - auch für die Stars der Szene ist das längst kein Kleingeld mehr.  (ps)


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