Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/cryptowars-kein-geheimer-ort-fuer-terroristen-1703-126961.html    Veröffentlicht: 27.03.2017 18:08    Kurz-URL: https://glm.io/126961

Crypto Wars

"Kein geheimer Ort für Terroristen"

Die britische Innenministerin fordert staatlichen Zugriff auf Whatsapp-Chats. Verschlüsselte Dienste dürften Terroristen keinen Schutz bieten. Die derzeitige Situation sei "inakzeptabel".

Und täglich grüßt das Murmeltier: In einem Interview mit der BBC hat die britische Innenministerin Amber Rudd am Wochenende gefordert, Whatsapp und andere Unternehmen, die verschlüsselte Kommunikationsdienste anbieten, müssten staatlichen Behörden Zugriff auf die Inhalte verschaffen. "Wir müssen sicherstellen, dass Unternehmen wie Whatsapp, und es gibt noch viele andere, Terroristen keinen geheimen Ort bieten, in dem sie miteinander kommunizieren können", sagte Rudd der BBC.

Der neuerliche Vorstoß folgt Berichten, denen zufolge der Brite Khalid Masood, der am 22. März 2017 vor dem Parlamentsgebäude in London vier Menschen tötete, wenige Minuten zuvor über Whatsapp kommuniziert hatte.

Erhebliche Kritik von Experten

Mit ihrem Vorschlag zog sich Innenministerin Rudd Kritik und Häme von IT-Sicherheitsexperten zu. Während einige ihr empört vorwarfen, sie verstünde nicht, wie Verschlüsselung funktioniert, schrieb Arstechnica-Journalist Sebastian Anthony, Rudd solle lieber Autos verbieten, das sei effektiver als der Angriff auf Verschlüsselung.

This is fucking stupid. https://t.co/n9pFGmEJWn

— Zack Whittaker (@zackwhittaker) March 26, 2017


Opposition lehnt Hintertüren ab

Auch britische Oppositionspolitiker kritisierten die Forderung nach einer Hintertür in Whatsapp umgehend. Sicherheitsdiensten Zugriff auf verschlüsselte Whatsapp-Nachrichten zu geben, sei "weder angemessen noch eine effektive Antwort" auf die Tat, sagte der liberale Politiker Brian Paddick dem Guardian. "Die Terroristen wollen unsere Freiheit zerstören und unsere demokratische Gesellschaft unterminieren. Drakonische Gesetze und Einschränkungen unserer Freiheiten spielen ihnen nur in die Hände." Auch der Chef der britischen Linken, Jeremy Corbyn, lehnte den Vorschlag ab.

Die Ministerin führt dagegen an, früher hätten die Strafverfolgungsbehörden mit richterlicher Genehmigung auch Briefumschläge aufdampfen und Telefongespräche abhören können.

Rudd will Whatsapp überzeugen

Wenn möglich, würde Rudd eine neue gesetzliche Regelung demnach gerne vermeiden. Stattdessen will sie auf die freiwillige Kooperation mit den betroffenen Unternehmen setzen. "Diese Leute haben auch Familien, haben auch Kinder", sagte sie. "Sie sollten auf unserer Seite sein und ich werde versuchen, diesen Streit mit Argumenten zu gewinnen." Dass ihr das gelingt, scheint eher fraglich.

Die Forderung nach staatlichen Hintertüren für Verschlüsselung ist fast so alt wie die digitale Verschlüsselung selbst. Nach den ersten sogenannten Crypto Wars der 1990er Jahre hielten sich ähnliche Ideen unter Innenpolitikern hartnäckig. Bereits frühere britische Regierungsmitglieder wie etwa der ehemalige Premierminister David Cameron hatten vehement Hintertüren in Verschlüsselungssoftwares für die Regierung gefordert.  (jaw)


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