Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/breitbandmessung-nutzer-erhalten-meist-nicht-versprochene-datenrate-1703-126956.html    Veröffentlicht: 27.03.2017 16:04    Kurz-URL: https://glm.io/126956

Breitbandmessung

Nutzer erhalten meist nicht versprochene Datenrate

Nicht mal ein Viertel der Nutzer erhält im Festnetz die vertraglich versprochene maximale Datenrate. Die Ergebnisse der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur zeigen, dass die Kunden systematisch belogen werden.

Nutzer bekommen weiterhin nicht die beworbene Datenrate. Das ergab der Bericht zur Breitbandmessung der Bundesnetzagentur, der am 27. März 2017 veröffentlicht wurde. "Über alle Bandbreitenklassen und Anbieter hinweg erreichen Kunden oft nicht die maximale Geschwindigkeit, die ihnen in Aussicht gestellt wurde", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Im Festnetz bekommen nur 4 bis rund 25 Prozent der Endkunden 100 Prozent der vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate. Der niedrigste Wert wurde bei 8 bis unter 18 MBit/s erreicht, wo überwiegend ADSL-Anschlüsse genutzt werden.

Im Tagesverlauf fiel besonders im Bereich 200 bis unter 500 MBit/s die Leistung in der abendlichen Peak-Zeit stark ab. Diese Bandbreitenklasse wird von TV-Kabelnetzbetreibern angeboten.

Bei mobilen Anschlüssen war das Ergebnis noch schlechter. Im Festnetz betrug der Anteil von Endkunden, der mindestens die Hälfte der maximalen Übertragungsrate erreichte, knapp über 70 Prozent. Bei mobilen Anschlüssen waren es lediglich unter 30 Prozent der Nutzer.

Strafzahlungen gefordert

Die Grünen-Sprecherin für Digitale Infrastruktur Tabea Rößner sagte Golem.de: "Wenn nicht mal ein Viertel der Nutzer die vertraglich versprochene maximale Bandbreite erhält, dann grenzt das an einen systematischen Kundenbetrug. Die Politik muss die Unternehmen endlich in die Pflicht nehmen, denn es kann nicht sein, dass hohe Bandbreiten versprochen werden, aber nie ankommen." Sie fordere deshalb Mindestbandbreiten sowie Bußgelder und Schadensersatzzahlungen, wenn Unternehmen nicht liefern. Wenn die Telekommunikationsunternehmen nicht eine hohe Mindestqualität der von ihnen versprochenen Maximalbandbreiten liefern können, müssten sie zahlen.

Der Bericht umfasst den Zeitraum vom 25. September 2015 bis zum 25. September 2016. Für stationäre Breitbandanschlüsse wurden laut Bundesnetzagentur 106.159 und für mobile Breitbandanschlüsse 53.651 valide Messungen berücksichtigt.  (asa)


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