Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/amd-ryzen-7-1700x-und-1700-im-test-acht-kerne-fuer-350-euro-sind-verlockend-1704-126931.html    Veröffentlicht: 04.04.2017 12:06    Kurz-URL: https://glm.io/126931

AMD Ryzen 7 1700X und 1700 im Test

Acht Kerne für 350 Euro sind verlockend

Wer bisher acht CPU-Kerne kaufen wollte, musste mindestens 1.100 (Intel) oder 500 Euro (AMD) dafür bezahlen. Mit dem R7 1700X und dem R7 1700 gibt es die viel günstiger. Uns gefällt gerade das kleinere Modell, es bekommt aber bald Konkurrenz.

Parallel zum neuen Ryzen 7 1800X hat AMD noch zwei Achtkernprozessoren mit Zen-Architektur vorgestellt: Den Ryzen 7 1700X und den Ryzen 7 1700. Beide Modelle kosten weniger, takten aber auch niedriger - wir wollten wissen, wie sich das auf die Geschwindigkeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis auswirkt. Gerade der Vergleich mit ähnlich teuren Intel-Chips ist spannend, da zumindest einer nur vier Kerne mit SMT, aber höhere Frequenzen aufweist und somit je nach Software deutlich andere Werte erreicht.

Technisch unterscheiden sich der R7 1700X und der R7 1700 nicht vom R7 1800X, da die Basis die gleiche ist: Die drei Prozessoren weisen acht Zen-Kerne auf, die in zwei Quadcore-Clustern mit je acht MByte L3-Cache organisiert sind. Auch der Speichercontroller für DDR4-2400 Dual-Rank oder DDR4-2667 Single-Rank auf zwei Kanälen gehört mit zur Ausstattung. Einzige Differenzierung des R7 1700X und des R7 1700 sind die niedrigeren Taktraten, die beim kleineren Chip mit einer geringeren TDP einhergehen. Die ist zwar nicht gleichbedeutend mit der realen Leistungsaufnahme, aber auch die sinkt deutlich.

Seit dem Test des R7 1800X hat das von uns verwendete MSI-Board mehrere BIOS-Updates erhalten, die Leistung hat sich dadurch beispielsweise in F1 2016 verbessert. Hinzu kam der Patch für Ashes of the Singarity, dessen optimierter Code nun schneller läuft, und Updates für Civilization 6 und für Lightroom, die aber auch bei Intel-Chips für eine Beschleunigung sorgen. Wir nutzen abgesehen von Ashes aber die älteren Versionen, da uns anders als bei AMD bei Intel nicht mehr alle Prozessoren für einen Nachtest zur Verfügung stehen.

An der grundlegenden Aussage zu Ryzen ändert die aktualisierte Software nichts - sie bestätigt vielmehr unsere bisherige Sichtweise: AMDs Zen, die Architektur von Ryzen, benötigt Anpassungen seitens der Entwickler, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Ob es sich dabei um behobene Fehler im Code oder explizite Optimierungen handelt, ist schlussendlich egal. Zudem dürften die Chips durch den anhaltenden Trend zu Multithreading im Spielesegment mittelfristig besser dastehen, denn viele Titel nutzen noch ältere Compiler.

Mit aktueller Software schneiden die beiden Ryzen-Achtkerner allerdings relativ betrachtet auch nicht schlecht ab, wie unsere Messwerte zeigen.

R7 1700 knackt i7-7700K

Unser Testsystem für die Ryzen besteht weiterhin aus dem MSI X370 Xpower Gaming Titanium (UEFI v130) mit zwei 8-GByte-Single-Rank-Speichermodulen, die im DDR4-2667-CL16-Betrieb laufen. Damit treten der R7 1700X und der R7 1700 gegen Prozessoren aus verschiedenen Preisklassen an: Ihre ähnlich teuren Intel-Pendants sind der Core i7-6800K mit acht Kernen, bei uns repräsentiert durch den 6850K, und der Core i7-7700K mit vier Kernen.

In Anwendungen hält der R7 1700X sehr gut mit dem 6850K mit und kann ihn in einigen Bereichen, etwa bei Blender und bei Video-Transcoding ohne AVX, überholen. Allerdings liegt er beim Packen mit 7-Zip zurück, was aber im Alltag nicht sonderlich tragisch sein dürfte. Abwechslungsreicher fällt das Duell des R7 1700 gegen den 7700K aus, da der Intel-Chip nur halb so viele Threads verarbeiten kann, die aber mit einer höheren IPC und mehr Takt.

Bei wenig parallelisierter Software wie Adobes Lightroom und dem kostenlosen Faststone Image Viewer hat der R7 1700 das Nachsehen, die Leistung liegt dennoch hoch und sehr weit über bisherigen AMD-Prozessoren wie dem FX-8350. Bei kleinen Render-Projekten in Blender oder Transcoding mit AVX2 ist der 7700K dem R7 1700 ebenbürtig, bei massivem Multithreading wie der BMW27-Szene in Blender setzt sich der Ryzen-Chip ab.

Wenden wir uns Spielen zu, haben die beiden Intel-CPUs im Mittel einen messbaren Vorteil. Bei den meisten Titeln erreichen aber auch die Ryzen-Modelle mehr als flüssige Bildraten von 60 fps oder höher. Zu den Ausnahmen gehören Massenschlachten in Ashes of the Singularity und Watch Dogs 2 mit zusätzlichen Details bei der Distanzdarstellung - hier schneiden der 6850K und der 7700K besser ab. In Dishonored 2 und in F1 2016 schlagen sich die zwei Ryzen 7 dafür besonders gut, beide Titel fordern CPUs jedoch wenig.

Hinsichtlich der Leistungsaufnahme gibt es keine Überraschungen: Im Leerlauf benötigen die beiden neuen AMD-Chips so viel Energie wie der R7 1800X. Bei Last auf einem Kern geben sich alle drei wenig und zeigen sich ziemlich effizient. Mit Rendering auf allen Threads nimmt der R7 1700X etwas weniger Leistung auf als der R7 1800X, der R7 1700 ist 30 Watt sparsamer als das Topmodell.

Die OC-Möglichkeiten von Ryzen schauen wir uns einzeln an. Als Richtwert sei aber gesagt, dass die uns bisher vorliegenden Chips auf allen Kernen mindestens 3,9 GHz und DDR4-3200 schaffen. Und damit auf zum Fazit.

Verfügbarkeit und Fazit

Im Handel sind unterschiedliche Versionen des Ryzen 7 1700X und des Ryzen 7 1700 erhältlich: Die Boxed-Variante des R7 1700X (YD170XBCAEWOF) kostet rund 400 Euro, die Variante mit einem Wraith-Max-Kühler etwa 30 Euro mehr. Den R7 1700 gibt es boxed für 350 Euro - und zwar durchweg mit dem Wraith Spire genannten CPU-Kühler. Von Tray-Versionen raten wir ab.

Fazit

Während sich der Ryzen 7 1800X mit einem Preis von rund 530 Euro in erster Linie an Nutzer richtet, die nominell das schnellste (AMD-)Modell möchten, sprechen der 1700X und vor allem der 1700 eine andere Käufergruppe an. Beide weisen ebenfalls acht Zen-Kerne und damit eine sehr hohe Anwendungsleistung auf. Wer viel kompiliert, rendert oder transcodiert, erhält mehr Geschwindigkeit als bei Intel: Der 1700X liefert eine höhere Leistung als der Core i7-6800K (420 Euro) und der 1700 überholt den Core i7-7700K (350 Euro).

Bei weniger stark parallelisierten Anwendungen wie Lightroom schlagen sich die beiden kleineren Ryzen 7 gut - der Vorsprung des 7700K durch seinen hohen Takt fällt nur selten wirklich ins Gewicht. Etwas anders sieht es zumindest bei aktuellen Spielen aus, hier schneiden die beiden AMD-Prozessoren relativ betrachtet schlechter ab. Titel wie Fallout 4 oder Grand Theft Auto 5 sind allerdings technisch veraltet - in Dishonored 2 und in F1 2016 bieten der R7 1700X und der R7 1700 dem 7700K Paroli. Alle Ryzen sind generell sehr schnelle Prozessoren, das dürfte sich in kommenden Spielen besser zeigen.

Uns gefällt hierbei der R7 1700 besonders: Er benötigt unter Volllast deutlich weniger Energie als ein 1700X oder 1800X - rund 30 Watt -, ist aber nicht viel langsamer und auf Wunsch auf etwa 3,9 bis 4,1 GHz übertaktbar. Das liegt aber am jeweiligen Modell. Wer den günstigen AMD-Achtkerner kauft, kann das gesparte Geld in schnellen DDR4-3200-Speicher stecken.

Ob der R7 1700X oder der R7 1700 die bessere Wahl ist, hängt vom Budget ab und ob eine Übertaktung mit eingeplant wird. Wem 350 Euro zu viel sind, der sollte auf den Ryzen 5 1600X warten: Sechs Zen-Kerne mit bis zu 4,1 GHz klingen nach einer tollen Mischung für die meisten Desktop-Anwender.  (ms)


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