Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sensor-mit-dem-kopfpflaster-gefuehle-lesen-1703-126884.html    Veröffentlicht: 23.03.2017 08:33    Kurz-URL: https://glm.io/126884

Sensor

Mit dem Kopfpflaster Gefühle lesen

Ein Roboter ahmt Gefühle nach, die ein Pflaster auf dem Kopf ausliest: Das Patch-Type des japanischen Startups PGV soll Babys oder Senioren helfen, sich mitzuteilen. Eine smarte Kopfbedeckung wäre in Zukunft vorstellbar.

Ein Pflaster der besonderen Art: Auf der Elektronikmesse Cebit 2017 in Hannover ist ein Konzept aus Japan vorgestellt worden, das mit Hilfe eines akkubetriebenen Messgeräts und einer elektrisch leitfähigen Membran verschiedene Daten des Körpers auslesen kann. Das Projekt wird vom Startup Perpetual Gratitude and Voyage (PGV) in Kooperation mit der Mektec Corporation entwickelt.

Der EEG-Sensor Patch-Type klebt wie ein Pflaster an der Stirn des Patienten und kann Gehirnwellen im Mikrovolt-Bereich auslesen. Diese sendet das Gerät an eine Diagnosesoftware. In der Vorführung am Cebit-Stand wurden dadurch beispielsweise Emotionen des Trägers erkannt und an einen Nao-Roboter gesendet. Bei Traurigkeit senkte dieser den Kopf, bei Müdigkeit legte er sich hin. Andere Emotionen seien in der Entwicklung, hieß es.

Alte und junge Menschen besser verstehen

Was auf den ersten Blick wie Spielerei klingt, könnte auf dem Massenmarkt zur Betreuung von Kleinkindern eingesetzt werden. Das Patch-Type-EEG-Pflaster wurde beispielsweise an Dreijährigen erfolgreich getestet, da es mit 24 Gramm im Vergleich zu herkömmlichen EEG-Sensoren sehr leicht gebaut ist. So könnten Mütter mit Hilfe des Pflasters und einem passenden Roboter Emotionen und Bedürfnisse ihres schreienden Babys erkennen.

Auch wenn ältere Menschen sich nur noch schwer mitteilen können, sieht PGV Potenzial seiner EEG-Technik zur intelligenten Auswertung von Hirnströmen. In Zukunft könnte der EEG-Messer auch für smarte Kopfbedeckungen wie Stirnbänder oder Mützen eingesetzt werden. Dazu müsste das Produkt vollständig kabellos betrieben werden können. Dies ist in der Entwicklung: Stromkabel sind nicht nötig, da der Akku zehn Stunden lang hält. Eine kabellose Datenübertragung soll folgen.

Zusätzlich wurde eine elastische und selbstklebende Membran vorgestellt, die etwa an der Hand angebracht werden kann. Das Material ist auch beim starken Bewegen von Handfläche und Fingern wenig spürbar und haftet wie eine zweite Haut am Körper.

Das Material leitet elektrische Energie und ermöglicht die Übertragung von Nervensignalen. Damit sind Anwendungsszenarien wie ein Handsignal nachahmende Roboterprothesen oder einfach nur die Messung von Körperdaten möglich.

Cloud-Software soll weltweit verfügbar werden

Ohne passende Analysesoftware sind beide Produkte jedoch ohne Funktion. Zu diesem Zweck arbeitet PGV mit der Universität Osaka in Japan zusammen. Deren Wissenschaftler haben eine Cloud-basierte Software entwickelt, die Hirnströme analysiert und auswertet, damit Szenarien wie die gezeigte Robotersteuerung möglich sind.

Die Software soll im Laufe des Jahres auch außerhalb Japans verwendet werden können. Sie wird als mietbare Cloud-Anwendung über das Internet erreichbar sein. Das Patch-Type-EEG-Pflaster ist momentan noch in einer frühen Entwicklungsphase. Ende 2017 soll es vorerst in Japan auf den Markt kommen.  (on)


Verwandte Artikel:
Fukushima-Kernschmelze: Die Technik tat genau, was sie sollte   
(09.03.2018, https://glm.io/133234 )
Google: Deep-Learning-System analysiert Augenscans nach Krankheiten   
(20.02.2018, https://glm.io/132869 )
Bilderkennung: Roboter löst Rubik's Cube in 380 Millisekunden   
(08.03.2018, https://glm.io/133228 )
Auto: Die Kopfstütze des Fahrersitzes erkennt Sekundenschlaf   
(16.01.2017, https://glm.io/125596 )
Wintersport: Roboter Curly spielt Curling   
(08.03.2018, https://glm.io/133219 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/