Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/videostreaming-im-zug-maxdome-umwirbt-bahnfahrer-bei-tempo-230-1703-126842.html    Veröffentlicht: 23.03.2017 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/126842

Videostreaming im Zug

Maxdome umwirbt Bahnfahrer bei Tempo 230

Bei Höchstgeschwindigkeit im ICE die Lieblingsserie auf den eigenen Rechner streamen und das auch noch ruckelfrei? Die Bahn will zusammen mit Maxdome eine flexible Unterhaltungslösung anbieten. Das funktioniert ganz gut - vor allem als Köder für Maxdome-Mitgliedschaften.

Mit der Eröffnung der neuen, kostenfreien WLAN-Hotspots in den ICEs der Deutschen Bahn hat der Staatskonzern ein weiteres Angebot eingeführt, das die Kunden während der Reise unterhalten soll: kostenfreies Videostreaming über den Streaminganbieter Maxdome. Das Portal unterhält Reisende zwar gut, ist aber vor allem ein Lockangebot und Werbeträger für Maxdome.

Um ein reibungsloses Streaming zu gewährleisten, werden die Serien und Filme nicht aus dem Internet übertragen, sondern sind auf dem Bordcomputer der Bahn hinterlegt. Der Bahnkunde nutzt ein eigenes Gerät, um die Inhalte anzuschauen.

Der Zugang erfolgt dabei direkt über die Startseite des WLANs nach dem Akzeptieren der Nutzungsbedingungen. Soviel vorab: Wenn das WLAN und das Captive-Portal der Bahn funktionieren, klappt die Wiedergabe der Maxdome-Onboard-Inhalte bei mehreren Stichproben gut.

Ein kleiner Teil des Maxdome-Angebots

Schon auf der Startseite von Maxdome Onboard wird deutlich, dass hier nicht das gesamte Angebot des Streaminganbieters zur Verfügung steht, sondern maximal "1.000 Filme und Serien". Diese bekommen aber nur Nutzer, die entweder bereits Maxdome-Kunden sind oder sich im Zug spontan dazu entscheiden, sich für den Dienst zu registrieren.

Gelockt werden die Reisenden mit einem einmonatigen Gratiszugang, später kostet das Streaming-Produkt 7,99 Euro pro Monat. Mit diesem Zugriff können Nutzer natürlich auch außerhalb des Zuges auf das Maxdome-Angebot zugreifen. Wer sich für den kostenfreien Testmonat entscheidet, sollte allerdings wissen, dass das Maxdome-Abo nicht wie bei Netflix über das Kundenkonto gekündigt werden kann, sondern über einen Anruf bei der Maxdome-Hotline.

Diejenigen, die sich nicht registrieren, erhalten kostenlosen Zugang zu lediglich "50 Filmen und Serien", wobei jede Serienepisode in die Gesamtanzahl mit hineingerechnet wird. Jeden Monat gibt es einen Blockbuster gratis, im März ist dies der letzte Teil der Hobbit-Saga Die Schlacht der Fünf Heere. Wer die ersten beiden Teile nicht kennt, wird damit allerdings nicht viel anfangen können. Im Angebot sind außerdem zahlreiche Serien, unter anderem Two-Broke-Girls, The Big Bang Theory und die Scifi-Serie The 100, enthalten. Die Freude an den Serien dürfte für die meisten Nutzer allerdings nicht lange anhalten ...

Der Serienspaß endet abrupt

Das Serien-Streaming nimmt ein jähes Ende, weil in der kostenfreien Variante immer nur die ersten drei Folgen der ersten Staffel zur Verfügung stehen. Die weiteren Episoden werden erst freigeschaltet, wenn Nutzer sich für das kostenpflichtige Maxdome-Abo entschieden haben.

Was uns hingegen gefällt: Viele der von uns angeschauten Inhalte stehen sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache zur Verfügung. Die Sprache kann durch Klick auf drei Punkte im oberen rechten Bildschirmbereich nahtlos umgestellt werden, was problemlos funktioniert. In der Ansicht erfahren Nutzer außerdem auch, dass die Inhalte in SD-Qualität verteilt werden und nicht in Full-HD.

Wir haben Maxdome Onboard in vier verschiedenen ICE-Zügen auf unterschiedlichen Strecken getestet. In einem der Züge funktionierte zwar der Zugriff auf das Portal der Bahn, nicht aber auf Maxdome. Neben dem Streamingportal war auch der Zugang zum Internet gestört, offenbar funktioniert das Maxdome-Portal also nur, wenn auch die Internetverbindung steht.

Doch kein Video ohne Internet

Maxdome scheint also anhand der Internetverbindung zu prüfen, welche Inhalte die Nutzer anschauen können und welche nicht. Robuster wäre es, wenn der Dienst auch ohne funktionierende Verbindung das Basisangebot ausliefern würde. Maxdome bestätigt das Verhalten auf Anfrage: "Für den Filmabruf ist nur zu Beginn kurzfristig eine Verbindung ins Internet notwendig, danach läuft das Streaming über das lokale Netzwerk. Fällt dieses aus, ist der Filmabruf leider auch betroffen."

Bahnreisende, die nur das Basisangebot nutzen, werden von den Systemen nicht wiedererkannt, und es wird offenbar auch kein Cookie angelegt, das die bislang angeschauten Inhalte speichert. Aus Datenschutzsicht ist dies zu begrüßen; einige Nutzer würden es aber wohl bevorzugen, wenn bereits angesehene Inhalte im Portal kenntlich gemacht würden. Da in diesem Modus aber ohnehin nur die ersten drei Folgen einer Serie verfügbar sind, dürfte es nicht allzu viel Verwirrung geben.

Fazit: Funktioniert, zum mal Reinschauen

Maxdome Onboard ist eine willkommene Abwechslung auf langen Bahnfahrten. Wer häufiger fährt oder eine Serie ernsthaft anschauen will, kommt aber um einen kostenpflichtigen Zugang für Maxdome nicht herum. Und so eignet sich Maxdome Onboard eher, um den Dienst ohne Verpflichtung auszuprobieren, bleibt aber letztlich ein Lockangebot für eine kostenpflichtige Mitgliedschaft.

Technisch ist das Produkt sinnvoll umgesetzt, lediglich an der Nichtverfügbarkeit des Dienstes bei Internetausfällen sollte Maxdome arbeiten. Ganz ohne ihr Angebot an Inhalten müssen übrigens auch Kunden anderer Streamingdienste wie Amazon Prime und Netflix im Zug nicht auskommen. Sie müssen nur vorab planen, welche Serien sie anschauen wollen und diese bei bestehender Internetverbindung herunterladen. Das ist aber jeweils nur bei einem Teil des Angebotes möglich.  (hg)


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