Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hp-elite-slice-im-kurztest-so-muesste-ein-mac-mini-aussehen-1703-126690.html    Veröffentlicht: 28.03.2017 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/126690

HP Elite Slice im Kurztest

So müsste ein Mac Mini aussehen!

Leicht zu warten, schickes Gehäuse, gut austauschbare Komponenten: Das alles schafft HP mit dem Elite Slice und zeigt, wie ein Rechner nachhaltig zu konstruieren ist. Selbst bei den Anschlüssen gibt es kaum Kompromisse und mit der Quad-Core-CPU ist der Minirechner effizienter als der Mac Mini.

Der Markt der Minirechner ist im Geschäftskundensegment einer der wenigen Bereiche, in dem sich immer noch etwas tut. HP versucht mit dem Elite Slice, die Idee der Modularität und Wartbarkeit in Verbindung mit einem schönen Design in diesem Marktsegment zu platzieren. Kein einfaches Unterfangen, denn ein kleiner Rechner, der schick aussehen soll, hat selten Platz für Mechaniken, die sich leicht auseinandernehmen lassen. Bisher galt Apples Mac Mini als Maßstab dafür. Der Elite Slice ändert das, bei einem deutlich kleineren Gehäuse.

Der Elite Slice ist ähnlich groß wie Minirechner, die wir vor zwei Jahren getestet und mit Linux ausprobiert haben. HP setzt damit erstmals auf eine - auf den ersten Blick nicht erweiterbare - Maschine im Geschäftskundenbereich, die aber, teils gekonnt verborgen, Erweiterungsmöglichkeiten bietet - innerlich und äußerlich. Es gibt einen Lautsprecher und ein optisches Laufwerk in Form von Modulen (Slices), mit denen der HP-Rechner aufgerüstet werden kann.

Die Hardwareaussattung ist gut, zumindest in unserem Modell. Ein Core i5-6500T mit vier Kernen (Skylake, 35 Watt) sorgt für genügend Rechenleistung. Zudem haben wir acht GByte RAM und eine 256-GByte-SSD. Diese ist aber nur per SATA-Schnittstelle angeschlossen.

Beim Test liegt unser Fokus auf HPs alten Effizienzschwächen und den Besonderheiten der Konstruktion - und natürlich dem Betrieb unter einem Linux-Derivat. Weniger interessiert uns das Beiwerk, wie etwa die Tastatur- und Maus-Kombi. Hier sei nur angemerkt, dass nicht Bluetooth genutzt wird, sondern ein Dongle, das Signale beider Eingabegeräte aufnimmt. Interessant ist vor allem die kleine Kiste selbst.

Trotz des Designs: Komponenten lassen sich nachhaltig austauschen

Wer an ein gutes äußeres Rechnerdesign denkt, der denkt oft an Apple und die Nachteile, die das mit sich bringt. Anschlüsse und vor allem Nachhaltigkeit und Wartbarkeit werden gern für ein schickes Gehäuse geopfert. Nicht so bei HP. Dem Unternehmen ist es gelungen, all das zu vereinen und dabei erstaunlich wenige Kompromisse einzugehen.

Einer der wenigen Kompromisse ist die Wartbarkeit. Wer sich an unseren Tests diverser Minirechner von Dell, Fujitsu, HP und Lenovo erinnert, weiß, dass diese Geräte in aller Regel sehr schnell zu öffnen sind und sich Komponenten im Handumdrehen austauschen lassen. Für den Unternehmenseinsatz ist das im Schadens- oder Wartungsfall wichtig, wenn Dutzende Geräte bearbeitet werden müssen. Beim Slice ist dies nur minimal komplizierter. Auf der Unterseite müssen vier Schrauben gelöst werden und der Nutzer hat Zugang zu den vier SODIMM-Slots sowie der SATA-Festplatte. Die Schrauben sind lobenswerterweise am Boden gesichert, können also nicht herausfallen.

Dasselbe gilt für die nächsten vier Schrauben, die dann zugänglich sind und die Oberschale freigeben. Hier muss allerdings noch das Kabel zu den Konferenztasten gelöst werden. Danach hat der Anwender Zugang zu dem Kühlsystem und der WLAN-Karte. Dabei stellen wir fest, dass die kupfernen Kühlrippen, die von außen sichtbar sind, nur ein Designelement sind, das der Luftzufuhr dient. Auf der Ifa 2016 war noch behauptet worden, dass die Kühlrippen echt sind.

Sehr leiser Rechner

Das Kühlsystem ist allerdings erstaunlich effizient. Selbst nach zehn Minuten Volllast mit Prime95 ist fast nichts zu hören. Für den Büroeinsatz ist das eine untypische Last auf einer Quad-Core-CPU. Tippende Kollegen sind deutlich lauter als der Elite Slice. Der Rechner ist sogar für das Heimkino geeignet. Die Leistungsaufnahme ist dabei erfreulich gering, gerade im Vergleich zum Elitedesk Mini, bei dem wir HP noch mangelnde Effizienz vorgeworfen haben. Der Slice senkt die Last im Ruhemodus auf etwa 4,2 bis 4,3 Watt und liegt damit sogar unter den Werten des aktuellen Mac Mini. Das ist beeindruckend für ein Quadcore-Desktop-System. In unserem Fall war übrigens noch ein 2,4-Ghz-Dongle angeschlossen, das für Tastatur und Maus mitgeliefert wurde. WLAN und Bluetooth waren ebenfalls aktiv.

Unter Last steigt der Wert auf etwa 38 Watt mit Prime95. Typische Lasten, zum Beispiel beim Surfen, bewegen sich deutlich unter 10 Watt. Wer also einen energiesparenden Rechner sucht, findet derzeit nichts Besseres, und Apple, das seine Mac Minis seit 2014 nicht mehr weiterentwickelt hat, verliert seinen Spitzenplatz.

Anschlussvielfalt und USB-Netzteil-Möglichkeit

Anschlussseitig gibt es beim Slice ebenfalls kaum etwas zu kritisieren. Der Rechner ist fast universell einsetzbar. Wer auf hohem Niveau meckern will, vermisst vielleicht noch den VGA-Anschluss. Ein bisschen ärgern wir uns über den fehlenden SD-Kartenleser. Sonst ist alles da: Gigabit-Ethernet per RJ45, zwei USB-A-Buchsen, HDMI sowie das im Geschäftsumfeld übliche Displayport und selbst zwei USB-C-Buchsen.

Die hintere C-Buchse übernimmt auch die Aufgaben eines Dock-Anschlusses. Ein USB-C-Monitor soll den Rechner mit Energie versorgen (Power Delivery) und Signale im Alternate Mode per Displayport entgegennehmen. Mangels Monitor konnten wir das nicht simulieren. Wir haben testweise ein USB-C-Netzteil angesteckt und sahen zumindest eine Fehlermeldung in Form eines rot blinkenden Einschalters. Es passiert also definitiv eine Energieversorgung, der Rechner bootet aber nicht an einem 35-Watt-Netzteil.

USB-C ist aber kein Muss. Ein Barrel-Anschluss, wie man ihn von alten Elitebooks kennt, übernimmt sonst die Energieversorgung. Das Netzteil wird mitgeliefert. Der USB-C-Anschluss kann dann auch zum Laden von Peripherie genutzt werden. Hier sind es laut Hersteller die für USB Typ C üblichen 15 Watt. Power Delivery gibt es nicht. Das gilt auch für die links angebrachte USB-C-Buchse neben dem Headset-Anschluss. Die Front ist nur mit Klebern belegt.

Drahtloses Laden ist optional

Auch mit drahtlosen Optionen ist der Minirechner gut ausgestattet: Er hat ac-WLAN und Bluetooth und kann um Wireless Charging erweitert werden, was wir leider nicht ausprobieren konnten. Das geschieht mit dem sogenannten Slice. Diese Platten geben dem Rechner ihren Namen und erweitern das Gerät um Funktionen. Mehrere von ihnen können in das modulare Gehäuse gesteckt werden. Der Anschluss dafür befindet sich auf der Unterseite des Geräts.

Uns standen ein optisches Laufwerk und eine Audio-Box zur Verfügung, die sich einfach einklinken ließen. Einen Vesa-Mount gibt es auch noch. Von besonderem Interesse ist für uns das Audio-Slice, das den unbrauchbaren Lautsprecher des Rechners ersetzt.

Das Audio-Slice schafft es, unser erstes Referenzstück (Chairlift - Ch-Ching) gut abzuspielen. Wie zu erwarten, fehlen die unteren Bässe vollständig, alles andere klingt gut.

Bei einigen Bässen gibt es Vibrationen

Beim zweiten Stück (Julianna Barwick - Prizewinning) fehlen die Bässe nicht; leider klingen die unteren Frequenzen aber so, als würde das gesamte Gehäuse mitschwingen. Die Vibrationen werden nicht an die Außenwand und damit auch an Untergrund übertragen; halten wir das System etwa in der Hand, klingt es nicht besser. Für den Konferenzeinsatz kann die Box aber alles, was nötig ist. Sie schafft eine gute Lautstärke und Stimmdarstellung.

Die ganze Konstruktion des Elite Slice - von der Kühlung, über die Effizienz bis zu der Anschlussvielfalt - wirkt insgesamt sehr durchdacht. Es gibt jedoch ein paar nervige Unzuverlässigkeiten, und das nicht nur unter Windows.

Nerviges Audio-Slice und guter Linux-Support

Unter Windows funktionierte eine Komponente des Audio Slice mit schöner Regelmäßigkeit nicht: Bei vier Versuchen kam zunächst nur einmal Ton aus dem System - und das auch nur dann, wenn das CD-Laufwerk zwischengeschaltet war. Zudem hat HP vergessen, Plug and Play in das System einzubauen. Ein Abstecken der Audio-Einheit wird von der Warnung begleitet, dass die Einheit erst nach einem Systemneustart wieder funktioniert. Leider reicht ein Neustart nach unseren Erfahrungen nicht. Die Problematik war nicht zuverlässig reproduzierbar.

Unter Linux ließen sich beide Zusatz-Slices, also Laufwerk und Lautsprecher, fehlerfrei verwenden. Wie unter Windows hatten wir hier aber auch das Problem, dass der Lautsprecher nur funktionierte, wenn das Laufwerk zwischengeschoben war. Ein kleines Problem hatten wir abhängig von der genutzten Anwendung zudem mit dem Routing des Sounds zum korrekten Ausgang. Einfach und vor allem reproduzierbar gelöst werden kann dies aber durch das Abschalten der im Haupt-Slice integrierten Lautsprecher.

Die Lautstärke-Knöpfe funktionieren unter Linux

Die Lautstärkeregelung über die Touch-Knöpfe auf dem Deckel des Slice lässt sich unter Linux unabhängig von der Anwendung nutzen, das Stummschalten des Mikrofons über den entsprechenden Knopf gelang uns dagegen nicht. Davon abgesehen ist die Linux-Unterstützung des Slice wohl aber tadellos.

Das liegt daran, dass es sich bei der Hardware um eine vergleichsweise nicht sehr ausgefallene Intel-Plattform handelt. Die Linux-Unterstützung fällt wie erwartet gut aus. So ist es etwa problemlos möglich, auf dem Slice eine aktuelle Linux-Distribution von einem USB-Stick aus zu starten. Probleme mit dem UEFI oder auch Secure-Boot haben wir - anders als auf den Mini-Rechnern vor zwei Jahren - nicht mehr. Der verbaute WLAN-Chip von Intel ist mit dem richtigen Firmware-Paket ebenfalls einfach nutzbar.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Elite Slice ist bereits verfügbar. Wie bei den meisten Geschäftskundenrechnern sind teils sehr unterschiedliche Konfigurationen möglich. Manche sind dem Projektgeschäft vorbehalten. Der Einstiegspreis mit Festplatte und einem i3-6300T (Dual-Core) liegt bei etwa 580 Euro. Unsere Testkonfiguration kostet etwa 900 Euro.

Fazit

HP hat beim Elite Slice fast alles richtig gemacht und das trotz der offensichtlichen Design-Prämisse: Der Rechner muss schick aussehen. Umso mehr erstaunt uns das Ergebnis. Während der Mac Mini primär auf Design setzt und deswegen keine nachhaltige Anschaffung ist, kann die Lebenszeit des Slice einfach durch den Austausch der SSD oder des RAMs verlängert werden. Das ist zudem innerhalb weniger Minuten möglich. Da kann der Mac-Nutzer nur von träumen.

Auch Anschlussseitig lässt der Rechner fast keine Wünsche offen. Wir vermissen nur einen SD-Kartenleser im Gehäuse. Aber dafür war vermutlich tatsächlich kein Platz mehr in Board-Nähe. Ein bisschen Luft hat das Gehäuse erstaunlicherweise dennoch, was auf Reserven an warmen Tagen schließen lässt. Und dabei bleibt der Rechner trotz eines Vierkernprozessors angenehm leise und ist im typischen Büroalltag vorbildlich stromsparend. An dem Elite Slice zeigt sich zudem, dass HPs Hardware-Design-Team mittlerweile solide Arbeit abliefern kann. Effizienz war früher nicht gerade eine Stärke von HP.

Der einzige Kritikpunkt ist der Preis von 800 bis 900 Euro für die sinnvollen Konfigurationen. Ansonsten gefällt uns der kleine Rechner sowohl unter Windows als auch unter Linux sehr gut.  (ase)


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