Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/airselfie-im-hands-on-quadcopter-statt-deppenzepter-1703-126640.html    Veröffentlicht: 15.03.2017 09:29    Kurz-URL: https://glm.io/126640

Airselfie im Hands on

Quadcopter statt Deppenzepter

Arme sind für Selbstporträts mit dem Smartphone zu kurz und Selfie-Sticks zu umständlich. Was liegt also näher, als stattdessen eine kleine Drohne mit Kamera zu verwenden? Golem.de hat den Quadcopter Airselfie im Hosentaschenformat ausprobiert.

Wer von Selfiesticks mit draufmontierten Smartphones genervt ist, sollte sich besser hinsetzen: Wenn es nach den Machern von Airselfie geht, werden die Teleskopstangen künftig am besten von einer kleinen Kameradrohne abgelöst. Sie ist so groß wie eine flache Hand, hat vier in das stabile Aluminiumgehäuse eingelassene Rotoren, eine eingebaute 5-Megapixel-Kamera und wiegt nur 61 Gramm.

Pünktlich zum Heiligen Abend 2016 konnte das ebenfalls Airselfie genannte Startup seine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abschließen, 2.762 Unterstützern war das Projekt insgesamt 574.504 Euro wert. Die Kameradrohne ist mittlerweile auch über die Webseite des Herstellers bestellbar, Golem.de hat den kleinen Copter vor dem Marktstart ausprobiert.

Airselfie ist im ungenutzten Zustand höchstgradig unauffällig, was an der Unterbringung der Drohne liegt: Sie wird entweder in eine spezielle Smartphone-Hülle oder eine Akkuhülle ohne Smartphone-Einschub gesteckt. In beiden wird der Copter über einen eingebauten Akku geladen, die Akku-Hülle reicht aufgrund höherer Nennladung für mehr Ladungen aus.

Airselfie dank Smartphone-Hülle immer dabei

Der Grundgedanke ist, die Drohne dank der Smartphonehülle immer dabei zu haben, um sie anstelle der Frontkamera für Selbstporträts nutzen zu können. Entsprechend dieser Aufbewahrungsmöglichkeit ist Airselfie so schmal wie ein iPhone 7 und mit 10,6 mm äußerst dünn. Das Gesamtpaket aus Smartphone und Hülle ist aber natürlich entsprechend dick, vergleichbar mit einem iPhone in einer Akkuhülle.

Airselfie ist schnell einsatzbereit: Nachdem sie aus der Hülle gezogen wurde, verbindet sich das Smartphone sich nach erfolgreicher Erstverbindung automatisch mit der Drohne. Der Copter ist so klein, dass er von der Hand aus gestartet werden kann.

Die vier Propeller sind in das Gehäuse eingelassen und nach oben und unten offen. Der Hersteller gibt die maximale Flughöhe mit 20 Metern an, mehr dürfte beim gedachten Einsatzzweck auch wenig sinnvoll sein. Für bodennahes Manövrieren reicht die Kraft der Rotoren aus, durch die geschlossene Konstruktion ist Airselfie aber verhältnismäßig laut. Bei Videoaufnahmen stört der Lärm allerdings nicht, da Ton nicht mit aufgezeichnet wird. Wirklich unauffällig kann ein Selbstporträt aufgrund der Motorengeräusche aber nicht geschossen werden.

5-Megapixel-Kamera für Fotos und Videos

Die eingebaute Kamera hat 5 Megapixel - laut den Machern ist dies die maximale Kameragröße, die sie in ein Gehäuse dieser Größe einbauen konnten. Das reicht für Videoaufnahmen in Full HD. Die Qualität der Fotos und Videos konnten wir während unseres ersten Kurztests nicht abschließend bewerten: Zum einen konnten wir die Aufnahmen nur auf einem kleinen Smartphone-Display anschauen, zum anderen haben wir sie nur in einem eher schlecht ausgeleuchteten Raum machen können. Entsprechend war die Bildqualität eher mau, bei Tageslicht und besserer Ausleuchtung sollte sie aber besser sein.

Gesteuert wird Airselfie über die dazugehörige App. Insgesamt stehen drei Steuerungsmodi zur Verfügung: Eine klassische Copter-Steuerung mit zwei virtuellen Steuersticks, eine vereinfachte Steuerung, die nur Grundkommandos zur Höhen- und Richtungsänderung vorgibt, sowie eine Neigungssteuerung. Diese finden wir besonders intuitiv, vor allem, wenn sich der Nutzer eigentlich auf eine Foto- oder Videoaufnahme konzentrieren möchte.

Dabei hält der Nutzer seinen Daumen einfach auf einen Kreis in der App gedrückt; ab diesem Zeitpunkt bewegt sich Airselfie in die Richtung, in der das Smartphone geneigt wird. Die Höhe verändert der Nutzer, indem er den Daumen auf dem Display nach oben oder unten bewegen. Ist der Copter wie gewünscht ausgerichtet, wird der Daumen vom Display genommen; er schwebt dann recht zuverlässig auf der Stelle. Ein Druck auf das Live-Vorschaubild macht anschließend das Foto oder startet die Videoaufnahmen.

4 GByte fest installierter Speicher

Als Speicher kommt eine fest eingebaute Micro-SD-Karte zum Einsatz. Die mit Airselfie gemachten Fotos und Videos können direkt auf das Smartphone heruntergeladen und geteilt werden, etwa auf sozialen Netzwerken.

Der Copter verfügt zur Stabilitäts- und Positionskontrolle über ein Sonar und eine zweite, kleine Kamera auf der Unterseite. Die Stabilität ist nicht mit einer teureren Drohne vergleichbar, dürfte aber für den gedachten Zweck in niedriger Höhe ausreichen. Wir konnten Airselfie allerdings noch nicht im Freien ausprobieren, zur Stabilität in leichtem Wind können wir entsprechend noch keine Aussage treffen. Bei einem Abbruch der über WLAN etablierten Verbindung bleibt die Drohne übrigens schlicht in der Luft stehen.

Akku reicht für drei Minuten durchgängige Flugzeit

Der eingebaute Akku hat eine Nennladung von 260 mAh und reicht für eine Flugzeit von drei Minuten aus. Die Smartphone-Hülle reicht nach Angaben der Macher aus, um das Gerät zweimal komplett aufzuladen. Eine vollständige Ladung dauert in etwa 30 Minuten - aufgrund des erdachten Bedienungskonzeptes dürfte es den Machern zufolge aber eher selten vorkommen, dass die Drohne so lange geflogen wird, bis der Akku komplett leer ist. Stattdessen soll sie wie eine Kamera herausgenommen, für ein Foto genutzt und wieder in die Hülle gesteckt werden.

Die Hülle ist aktuell nur für die 6er- und 7er-Modelle des iPhones, das Galaxy S7 Edge und das Google Pixel erhältlich. Wer ein anderes mit der App kompatibles iPhone oder Android-Smartphone besitzt, kann Airselfie dennoch nutzen - sie aber nicht in der gleichen Hülle wie das Smartphone unterbringen. Für solche Nutzer dürften sich die 10 Euro Aufpreis für die Powerbank-Hülle anstelle der Smartphone-Hülle lohnen: Diese ermöglicht bis zu 16 Aufladungen, auch hier wird Airselfie einfach eingesteckt.

Fazit

Das Konzept von Airselfie als Selfiedrohne mag nicht jeden ansprechen; wer allerdings gerne von sich und seinen Freunden Fotos und Videos macht und dies möglicherweise dann und wann auch wieder vor spektakulären Hintergründen tut, dem könnte der kleine Copter gefallen.

Die Verarbeitung macht auf uns einen sehr guten Eindruck, auch die Neigungssteuerung funktioniert gut. Wie sich die kleine Drohne allerdings in windigeren Verhältnissen schlägt, können wir noch nicht beurteilen. Auch zur Bildqualität können wir noch kein Urteil abgeben, dies wird einem ausführlicheren Test vorbehalten sein.

Für einen fliegenden Selfiestick ist Airselfie nicht günstig: Die Drohne kostet mit Smartphone-Hülle 260 Euro, wer sie stattdessen lieber mit der Powerbank-Hülle haben möchte, zahlt 270 Euro. Der Copter mit Smartphone- und Powerbankhülle zusammen kostet 340 Euro.  (tk)


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