Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/super-bomberman-r-im-test-lustig-zu-acht-lieblos-allein-1703-126597.html    Veröffentlicht: 10.03.2017 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/126597

Super Bomberman R im Test

Lustig zu acht, lieblos allein

Hudson Softs Bomberman ist für Konsoleros der alten Garde ein Klassiker, der viel zu lange nicht neu aufgesetzt wurde. Wir freuten uns enorm auf das Spiel für Nintendos Switch. Konamis Spiel leidet jedoch unter massiven Steuerungsschwächen.

Lange ist es her, dass Hudson Softs Bomberman in einer vernünftigen Art und Weise auf die Konsolen umgesetzt wurde. Das Spiel begeisterte mit seinem Mehrspielermodus Generationen. Spieler setzen in einem Labyrinth zeitgezündete Bomben und hoffen, dass die Gegner in die Explosion laufen oder durch eine gezielt gesetzte Bombe eingesperrt werden. Super Bomberman R für die Nintendo Switch soll das dank eines Acht-Spieler-Modus fortsetzen und bietet natürlich auch eine Einzelspielerkampagne, die sogar im Koop-Modus zu zweit gespielt werden kann.

Das gab es schon länger nicht mehr. Nennenswert war vor allem Bomberman Generations, das Anfang der Nuller-Jahre auf dem Gamecube kurz nach der Übernahme von Hudson Soft durch Konami erschien und uns bis heute gut gefällt. Auch Bomberman Land bekam 2008 auf der Wii noch gute Bewertungen. Abseits dessen gab es meist nur Veröffentlichungen als Wiiware, Xbox Live Arcade oder PSN-Titel oder verkorkste Ableger. Ein richtiges Vollpreisspiel? Fehlanzeige. Bis jetzt.

Nintendos Switch ist ideal für Acht-Spieler-Titel

Super Bomberman R gehört zu den wenigen Spielen, die sich mit acht Personen vor dem Fernseher spielen lassen. Es ist zwar immer noch nicht so viel, wie damals bei der Sega-Saturn-Version (Zehn Spieler im 4:3-Format), aber es kann, ähnlich wie bei Super Smash Bros auf der Wii U, trotzdem ziemlich voll werden vor der Flimmerkiste. Möglich wird das bei der Switch durch die Aufteilung der Joy-Con-Pärchen bei gleichzeitiger Kopplung von vier dieser Paare. Es ist auch möglich, Pro-Controller in der Gruppe zu verwenden. Dann reduziert sich die maximale Spieleranzahl jeweils um einen. Um die Joy-Cons aufzuteilen, muss das Spiel allerdings in einen Horizontal-Modus gebracht werden. Erst dann sind die Pärchen getrennt nutzbar. Das geht aber mit einem Klick im Spiel.

Der Acht-Spieler-Modus ist sicherlich das Highlight dieses Titels, sofern so viele Spieler erreichbar sind. Wir hatten in Sechs-Spieler-Matches viel kurzweiligen Spaß. Ziemlich schnell kommt die alte Bomberman-Stimmung auf. Die Gamecube-erfahrene Bombengruppe stieß aber schnell auf Schwächen, die wir von Bomberman Generations nicht kannten. Insbesondere die Steuerung wirkt sehr unpräzise. Beim Laufen Bombenteppiche gezielt zu legen, gelang anfangs keinem. Das Timing wurde verändert und die Spieler setzten die Bomben oft zu spät. Zudem ärgerten wir uns über die Steuerung. Nicht selten katapultierte man sich selbst aus dem Spiel, weil das Abbiegen um die Ecke nicht klappte. In den ersten Matches jagte sich im Prinzip jeder selbst in die Luft. Die schlechte Steuerung liegt dabei nicht an den Joy-Cons. Auch mit dem Pro-Controller und dem digitalen Steuerkreuz wurde das nicht besser.

Die Bomberman-Gruppe gewöhnte sich an die Steuerung

Dem ein oder anderen Spieler gelang dann halbwegs die Anpassung an dieses Timing im Laufe der Spiele. Allerdings fesselte der Mehrspielermodus bei weitem nicht so lange wie bei den Vorgängertiteln. Die acht am Anfang zur Verfügung stehenden Karten bieten nicht gerade viel Abwechslung. Das Design ist teilweise einfach langweilig. Die paar Experimente mit Ebenen, Bombenmagneten oder Verstecken reichen nicht. Zumal sich Ebenen und Magnete taktisch nur schlecht ausnutzen lassen und versteckte Bomben durch Überdachungen durchscheinen.

Viel zu stark ist zudem die KI, die kann für schwächere Spieler nicht angepasst werden. Störend ist außerdem die Menüführung beim Kartenwechsel. Starke Schwächen hat auch die nervige Musik und auffallend ist die schwache Grafik. Die ist im Ein-bis-Zwei-Spieler-Modus besser, den man leider spielen muss, um weitere Multiplayer-Karten freizuschalten

Der mit Anime-Szenen gefüllte Story-Modus bietet in einer leicht isometrischen Perspektive einen besseren Eindruck von der Grafik. Hier gibt es beispielsweise Hintergrundgrafiken und es kommen Lichteffekte zur Geltung. Leider besteht der Single-Player-Modus im Prinzip nur aus typischen Bomberman-Karten und die machen leider kaum Spaß. In der ersten Welt müssen Schalter gedrückt oder alle Gegner entfernt werden. Wir hatten Schwierigkeiten, die Motivation zu finden, um überhaupt zum ersten Endgegner hin zu spielen. Durch die Steuerungsschwächen verliert der Spieler anfangs zudem viele Leben. Und spätestens beim Endgegner verliert man die restlichen Leben. Auf der mittleren Schwierigkeitsstufe ist der gegnerische Bomberman viel zu gut. Ein Continue gibt es nur für Münzen. Doch diese Münzen braucht man auch für das Freischalten von Mehrspielerkarten. Ein frustrierender Teufelskreis, gerade für schwächere Spieler und Spieler, die eigentlich nur den Mehrspielermodus spielen wollen. Als wir den ersten Endgegner besiegten und sahen, wie wenig Münzen es dafür gab, hatten wir schlicht keine Lust mehr auf den monotonen Einspielermodus.

Fazit und Verfügbarkeit

Super Bomberman R ist als Starttitel für die Switch bereits verfügbar. Im Handel kostet das Spiel um die 40 Euro, ist allerdings kaum zu bekommen. Der Digital-Download ist mit rund 50 Euro etwas teurer, dafür aber direkt verfügbar. Allerdings ist das Spiel dann an einen Nutzer gebunden und braucht etwa 2,1 GByte Speicherplatz. Die USK hat dem Spiel eine Altersfreigabe ab 6 Jahren erteilt.

Fazit:

Es hätte so schön sein können. Doch Super Bomberman R scheitert in erster Linie an der verkorksten Steuerung. Das schöne präzise Legen von Bombenteppichen an Kreuzungen gelingt einfach nicht mehr und so manches Mal verhakt sich der Spieler an einer Ecke oder biegt falsch ab. Das sorgt für viele Frustmomente und eine erstaunlich lange Gewöhnungsphase.

Ist der Spieler durch diese Phase gekommen, entschädigt immerhin der Acht-Spieler-Modus ein wenig. Hier kommt durch die pure Masse an Spielern Spaß auf. Ein paar Stunden lässt das die Probleme vergessen. Doch irgendwann merkt auch der letzte Spieler, wie lieblos Bomberman für die Nintendo Switch entwickelt wurde. Es gibt zu wenig Abwechslung.

Mehr Abwechslung gibt es nur, wenn der Spieler den Storymodus spielt und so weitere Karten freispielt. Doch der ist so öde, dass selbst hartgesottene Spieler ihre Schwierigkeiten haben, sich zu motivieren. Der Einzelspielermodus von Bomberman Generations (Gamecube) war mit seiner richtigen Oberwelt um Längen besser als die Stage-basierten Minikarten von Bomberman R, die von Gegnern befreit werden müssen.

Kurzweilig unterhalten kann Super Bomberman R durch seinen Mehrspielermodus trotzdem. Der Switch-Spieler hat derzeit leider keine Alternativen. Für einen Vollpreistitel bietet das Spiel aber einfach zu wenig.  (ase)


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