Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/limux-rollback-was-erlauben-muenchen-1703-126454.html    Veröffentlicht: 01.03.2017 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/126454

Limux-Rollback

Was erlauben München?

Jetzt haben wir endlich Antwort auf unsere Frage bekommen, warum München von Limux zu Windows zurückkehren will - und sind so klug als wie zuvor. Die CSU rechtfertigt sich gegen Vorwürfe, die wir nicht gemacht haben, die SPD weicht aus und technisch reden beide Unfug. Was soll das?

Vielleicht hätten die Münchner Stadtratsfraktionen von CSU und SPD unsere Anfragen zu dem geplanten Limux-Rollback besser gar nicht beantworten sollen. Denn wie man's macht, macht man's verkehrt, das zeigt sich an den uns nun vorliegenden Antworten auf Fragen zu dem geplanten Wechsel zurück auf Windows als Betriebssystem für die Rechner in der Münchner Verwaltung. Diese enthalten nicht nur technischen Unsinn, sondern auch immer noch keinerlei fundierte Begründung, warum der Wechsel überhaupt angestrebt wird oder wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist.

Noch vor zwei Wochen waren wir ratlos, weil die Fraktionen von CSU und SPD, die die Mehrheit im Münchner Stadtrat stellen, zu ihrem Antrag ebenso wie zu dem in der Vollversammlung gefassten Beschluss kaum etwas sagen wollten. Dass wir nicht weniger ratlos sind, seit wir endlich Aussagen bekommen haben, liegt wohl auch daran, dass Kristina Frank von der CSU vermutlich eine Standard-E-Mail verschickt hat statt unsere Fragen direkt zu beantworten.

Die CSU antwortet auf nicht gestellte Fragen

So schreibt Frank: "Vielen Dank, dass Sie uns angeschrieben haben und uns Ihre Sichtweise zur städtischen IT mitgeteilt haben". Dass wir der CSU nicht als Bürger unsere Meinung geschrieben, sondern eine Presseanfrage gestellt haben, muss Frank offenbar missverstanden haben - oder hat es in Manier einiger PR-Agenturen schlicht übergangen. Warum? Keine Ahnung.

Und es wird noch schlimmer. Frank ignoriert zwar die von uns gestellten Fragen, reagiert dafür aber auf Vorwürfe, die wir gar nicht gemacht haben. So heißt es in ihrer Antwort: "Sie werfen den Kooperationspartnern im Rathaus vor, durch den von uns gestellten Antrag die städtische IT nicht zukunftsgewandt aufzustellen und uns dem Monopolisten Microsoft zuzuwenden".

Wir haben - wahrscheinlich im Gegensatz zu einigen anderen - diesen Vorwurf gar nicht geäußert. Dass die Mehrheit im Münchner Stadtrat zumindest plant, zu den Produkten des "Monopolisten Microsoft" zurückzukehren, ist allerdings Fakt und schon gar kein Vorwurf von uns. Vermutlich spiegelt diese Aussage schlicht die Überforderung der Beteiligten wider.

Denn die öffentliche Zustimmung zu den Plänen der Stadt hält sich in Grenzen und durch den daraus entstandenen Druck der Öffentlichkeit fühlt sich Frank wohl auch zu folgender Aussage gedrängt: "Für die CSU-Stadtratsfraktion darf ich den immer wieder aufkeimenden Vorwurf des Einknickens vor Microsoft, gerade auch im Bezug auf deren Rückkehr nach München, schärfstens von uns weisen. Es hat im ganzen Prozess kein einziges Gespräch meinerseits mit einem Vertreter von Microsoft gegeben."

Abgesehen von dem überspezifischen Dementi wird hier auch wieder auf einen Vorwurf reagiert, den wir so nie geäußert haben - wohl aber vermutlich viele andere. Es ist sicher legitim, dass sich die CSU von dem Vorwurf der Kooperation mit Microsoft distanziert, dazu wäre eine Pressemitteilung wohl aber besser geeignet als ein Antwortschreiben auf die von uns gestellten Fragen. Denn unsere Fragen zu der Entscheidung werden damit nicht beantwortet. Ob und was sich die CSU hierbei gedacht hat, bleibt wohl ihr Geheimnis.

Die SPD weiß es besser

Immerhin ist die Antwort von Anne Hübner für die SPD weitgehend frei von solch unnötigen Rechtfertigungen und nimmt sogar mehrheitlich direkt Bezug auf die gestellten Fragen. Leider sind die Antworten dennoch wenig hilfreich. Zu der Tatsache, dass sich der Stadtrat mit dem kompletten Wechsel zurück auf Windows etwa über die klare Empfehlung des IT-Gutachters Accenture hinwegsetzt, heißt es lapidar: "Es ist der Politik - auch bei Beschäftigung eines externen Gutachters - unbenommen, zu weitergehenden Schlussfolgerungen zu kommen."

Zwar beruft sich Hübner hierbei auf den von Accenture festgestellten Mehraufwand für einen Parallelbetrieb von Windows- und Linux-Systemen. Anders als von Accenture gefordert, übergeht die SPD dabei aber explizit eine mögliche Prüfung, ob und unter welchen Umständen dieser Mehraufwand eventuell auch künftig gerechtfertigt wäre. Warum die SPD-Stadtratsfraktion diese Prüfung aber nicht für nötig hält und wie diese Schlussfolgerungen zustande gekommen sind, bleibt letztlich vollkommen unklar.

Leider fast schon zu erwarten gewesen ist auch, dass weder SPD noch CSU sich konkret zu Detailfragen etwa nach den möglichen Kosten, nach Plänen für die Umstellung oder dazu, was genau mit "marktübliche Standardprodukte" gemeint ist, äußern. Zudem lassen sie den eigentlich gebotenen technischen Sachverstand vermissen.

Technische Begründung fehlt weiterhin

Insbesondere die Stadtratsmitglieder der CSU haben in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass die Forderung nach einer Rückkehr zu Windows und damit die Abkehr vom Limux-Projekt aus technischer Sicht mit sehr fragwürdigen Argumenten erhoben worden ist. Und auch in der aktuellen Debatte bleibt sich die CSU offenbar treu, denn zusätzlich zu einem Wechsel aller Rechner auf Windows fordert der Stadtrat auch die Verwendung "marktüblicher Standardprodukte" und begründet dies mit technisch wenig haltbaren Argumenten.

Chaos-IT statt funktionierender Software

Wie aus der Antwort von Frank hervorgeht, bezieht sich der Stadtrat mit "marktüblichen Standardprodukten" wohl vor allem auf die sogenannten Fachverfahren beziehungsweise -anwendungen der einzelnen Referate. Frank beschreibt die damit verbundenen Probleme wie folgt: "Gerade bei den unzähligen Fachanwendungen hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass sie einerseits nicht stabil gelaufen sind und andererseits von externen Partnern teuer programmiert werden mussten. Nachdem in mehreren Fällen der Support durch die eher kleinen Anbieter nicht mehr geleistet werden konnte, mussten manche Programme sogar neu aufgesetzt werden. Das ist aus unserer Sicht den Beschäftigten der Landeshauptstadt München, aber auch dem Steuerzahler nicht mehr zumutbar".

Damit liegt Frank zwar vollkommen richtig, nur zieht sie daraus einen nicht nachvollziehbaren Schluss. Tatsächlich entspricht diese Beschreibung den Ergebnissen der Accenture-Studie, die der Stadt München eine teils katastrophale Verwaltung ihrer IT bescheinigt. Die Verantwortlichen sind in der Vergangenheit augenscheinlich nicht in der Lage gewesen, Anbieter zu finden, die eine langfristige Pflege von Software leisten können.

Eines der Argumente für Open-Source-Software ist doch aber eigentlich, dass in solch einem Fall andere Anbieter schlicht die Pflege übernehmen können oder die Angestellten der Stadt dies auch notfalls hätten selbst leisten können. Warum dies aber eben nicht geschehen ist, bleibt offen. Ebenso, was die CSU uns damit eigentlich sagen möchte. Dass die IT der Stadt chaotisch ist, wissen wir doch schon längst.

Standardsoftware, wo es keine Standards gibt

Für Frank ist die Lösung der beschriebenen Probleme darüber hinaus auch sehr einfach: "Letztlich soll in Zukunft bei der Anwendersoftware und den Fachverfahren das Programm genutzt werden, welches am besten geeignet und Marktstandard ist." Völlig außer Acht gelassen wird hierbei jedoch, dass auch marktdominierende Unternehmen Software nicht endlos pflegen, sondern die Entwicklung mitunter ganz oder auch zugunsten neuerer Versionen einstellen. Vor allem diese Abhängigkeit von den Produkten eines Unternehmens, das sogenannte Vendor-Lock-in, sorgt wohl aber für das zuvor beschriebene Problem.

Zudem bedenkt Frank augenscheinlich nicht, dass die sehr spezialisierten Anwendungsfälle der Zigtausenden Fachverfahren in der Verwaltung nicht alle mit "marktüblichen Standardprodukten" abgedeckt werden können, da es in vielen Fällen eben keinerlei fertige Softwareprodukte dafür gibt. Schlimmstenfalls verschweigt Frank auch absichtlich, dass unter Windows Fachverfahren ebenso wie unter Linux je nach Voraussetzung speziell entwickelt und erstellt werden, was wiederum zu den beschriebenen Problemen führen kann.

Warum wird also ausgerechnet hiermit der Wechsel von Linux zurück auf Windows gefordert? Mit Ahnungslosigkeit sollte sich das bei einer der für den Wechselantrag verantwortlichen Person nicht begründen lassen.

Etwas zurückhaltender und damit ganz im Sinne des Ausspruchs "Prüfen heißt prüfen" von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) äußert sich Hübner für die SPD zu der Frage nach dem Marktstandard. Zuversicht für eine erfolgreiche und nach Plan verlaufende Neuorganisation der IT der Stadt München kommt dabei aber nicht auf.

Noch kein Plan, aber trotzdem Verzögerungen

Nachdem der Wechsel von Linux zurück auf Windows fast schon beschlossene Sache schien, hat sich der Stadtrat in einer Vollversammlung explizit darauf verständigt, dass ein Wechsel zu Windows und möglicher anderer Software zunächst nur geprüft und erst danach erneut darüber abgestimmt werden soll. Laut Hübner gilt das auch für die Frage nach der Weiterverwendung von Libreoffice, das derzeit auch auf den Windows-Rechnern der Stadt genutzt wird. Die nach einem möglichen Wechsel auf Windows "zum Einsatz kommende Office-Software ist noch abzustimmen".

Selbstgesteckter Zeitplan schon jetzt nicht mehr haltbar

Letztere ist eine der wenigen deutlichen Aussagen in den Antwortschreiben. Ebenso wie die folgende zur Planung des Umstiegs auf Windows: "Die Entwicklung eines Microsoft-Clients würde nach Aussagen der Verwaltung mindestens drei Jahre Zeit in Anspruch nehmen. Erst danach könnte mit der Umstellung der PCs begonnen werden", schreibt Hübner. Diese Einschätzung bringt den vom Stadtrat selbst gewählten Zeitplan in Gefahr.

Denn laut Beschluss der Vollversammlung soll ein Konzept für einen Wechsel aller Rechner auf Windows bis Ende 2020 erstellt werden. Das heißt, selbst wenn mit der Arbeit an dem neu zu erstellenden Windows-Basis-Client unmittelbar begonnen würde, bliebe der Verwaltung dann wohl nur ein Dreivierteljahr für die eigentliche Migration der rund 25.000 Rechner in der Verwaltung sowie dazugehöriger Infrastruktur.

In dieser Rechnung fehlen völlig mögliche Komplikation, die beim Erstellen des Windows-Basis-Clients entstehen könnten, etwa im Zusammenhang mit der völligen Neuorganisation der IT-Verwaltung, die parallel dazu umgesetzt werden soll. Auch die Prüfung, für die die SPD öffentlichkeitswirksam eintritt, ist in diesem Zeitplan wohl noch nicht vorgesehen. Noch bevor die Arbeiten an einer Migration überhaupt begonnen worden sind, müsste der Stadtrat also ehrlicherweise wohl mindestens zwei oder vielleicht drei Jahre zusätzlich für die Umsetzung einplanen. Aber hätten das die Beteiligten nicht auch schon vorher wissen können? Und wieso wird dann auch noch in einem Stadtratsbeschluss dieser ungewöhnlich enge Zeitrahmen gewählt?

Offene Fragen nicht ansatzweise geklärt

Unsere Schätzung ist vermutlich auch noch sehr zurückhaltend. Schließlich haben eventuelle Vorprüfungen oder Machbarkeitsstudien vor dem Beschluss des Stadtrats offenbar nicht stattgefunden. So machen weder CSU noch SPD Angaben zu den möglicherweise mit der Migration verbundenen Kosten. Zwar gibt es eine nichtöffentliche Schätzung von Accenture, die Golem.de vorliegt, nach der sich allein die Lizenzkosten auf knapp sechs Millionen Euro Ersteinrichtungskosten in den ersten drei Jahren plus eine Million Euro jährlich belaufen. Doch das ist auch schon alles.

Welche Kosten zusätzlich dazu auf die Stadt zukommen könnten und werden, ist noch völlig unklar, da eben auch noch nicht geklärt ist, was denn überhaupt wann wo und wie für die Migration geschehen müsste. Und wie beschrieben können oder wollen sich die Fraktionen der SPD und CSU zu diesen Fragen nicht oder noch nicht äußern. Warum nicht, ist uns schleierhaft.

Es bleibt uns nur festzuhalten, dass das nächste IT-Großprojekt der Stadt München wohl tatsächlich völlig verbastelt wird - wie von uns bereits im November vergangenen Jahres vermutet. Eine Hilfe für die Verwaltung der Stadt München ebenso wie für die Einwohner der Stadt ist das aber keinesfalls.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

Unsere Fragen an die CSU und die Antworten

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben vergangene Woche zu dem aktuellen Änderungsantrag der SPD- und CSU-Fraktionen zu IT der LHM berichtet, der eine Rückkehr von Linux zu Windows vorsieht.
https://www.golem.de/news/spd-und-csu-muenchner-stadtrat-will-limux-rueckabwickeln-1702-126096.html
sowie zu dem Beschluss in der Vollversammlung
https://www.golem.de/news/limux-muenchen-prueft-rueckkehr-zu-windows-1702-126188.html

Da ich auf meine vorherige Anfrage keine Antwort erhalten habe, fordere ich Sie hiermit dazu auf, mir bis Frist Freitag, 24.02, 12.00 Uhr die Antworten schriftlich zukommen zu lassen.

Ich würde gern wissen, ob es hierzu eine gesonderte Stellungnahme des Herrn Bürgermeister Schmid geben wird. Wird der Antrag von der gesamten CSU-Stadtratsfraktion unterstützt oder nur von den im Antrag genannten Vertretern im Verwaltungs- und Personalausschuss?

Was ist mit "marktübliche Standardprodukte" in dem Antrag gemeint? Immerhin hat z. B. Libreoffice Millionen von Nutzern und wird europaweit in vielen öffentlichen Verwaltungen eingesetzt.

Wie erklären sich die CSU-Fraktion und der Bürgermeister, dass mit dem nun eingebrachten Antrag wie bereits in ähnlichen Fällen zuvor sehr weit von den Vorschlägen der von Accenture durchgeführten Studie zur IT der LHM abgewichen wird? Wieso werden diese Studien beauftragt, wenn sich der Stadtrat dann nicht an die Empfehlungen der Experten hält?

Inwiefern ist der Antrag mit der IT@M oder der STRAC abgesprochen gewesen bzw. sind die Mitarbeiter von IT@M und STRAC über den Inhalt des Antrages informiert worden?

Gibt es eine ungefähre Schätzung dafür, wie viel der geforderte Umstieg von Linux auf Microsoft Windows kosten würde? Diese Frage schließt Kosten nach Umschulung/Weiterbildung der Mitarbeiter, Anpassungen an bestehende Softwarelösungen und Infrastruktur sowie Kosten für die Neuanschaffung von Geräten mit ein. Gibt es hierzu eine fundierte Studie oder nur eine grobe Kostenschätzung? Aus welchen Mitteln soll dies finanziert werden?

Inwiefern halten Sie es für realistisch, in nur drei Jahren einen kompletten Wechsel von Limux zu Microsoft Windows umzusetzen, wenn die Arbeiten an einem Windows-Basis-Client überhaupt noch nicht angefangen haben?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Kristina Frank

Sehr geehrter Herr Grüner,

vielen Dank, dass Sie uns angeschrieben haben und uns Ihre Sichtweise zur städtischen IT mitgeteilt haben. Erlauben Sie mir, Ihnen stellvertretend für die CSU-Stadtratsfraktion zu antworten.

Sie werfen den Kooperationspartnern im Rathaus vor, durch den von uns gestellten Antrag die städtische IT nicht zukunftsgewandt aufzustellen und uns dem Monopolisten Microsoft zuzuwenden.

Zu Ihrer Kenntnis leite ich Ihnen unseren Änderungsantrag im Originaltext zu. In Ziffer 6b unseres Änderungsantrages können Sie erkennen, dass hier die Erfahrung aus 13 Jahren des Betriebs mit Limux und Open-Source-Produkten und der Bedienung von Hard- und Software einfließt.

Unserer Meinung nach muss die IT einer kommunalen Verwaltung vor allem eines leisten: Sie muss ein störungsresistentes Hilfsmittel für eine zügige und unkomplizierte, anwenderfreundliche Aufgabenerledigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein. Darüber hinaus muss sie in der Lage sein, die Kommunikation mit 11.084 Gemeinden und 294 Kreisen, Landkreisen und kreisfreien Städten sowie Bundes- und Landesbehörden zu gewährleisten.

Gerade bei den unzähligen Fachanwendungen hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass sie einerseits nicht stabil gelaufen sind und andererseits von externen Partnern teuer programmiert werden mussten.

Nachdem in mehreren Fällen der Support durch die eher kleinen Anbieter nicht mehr geleistet werden konnte, mussten manche Programme sogar neu aufgesetzt werden. Das ist aus unserer Sicht den Beschäftigten der Landeshauptstadt München, aber auch dem Steuerzahler nicht mehr zuzumuten.

Letztlich soll in Zukunft bei der Anwendersoftware und den Fachverfahren das Programm genutzt werden, welches am besten geeignet und Marktstandard ist. Wir haben jahrelang im Bereich der IT nur auf Probleme reagiert und geflickschustert. Dies muss sich ändern! Wir haben die künftigen digitalen Herausforderungen im Blick und wollen diese aktiv gestalten.

Bei der Serverstruktur soll im Übrigen an Linux festgehalten werden.

Vor allem mit der neuen Organisationsstruktur schaffen wir eine ganz neue Chance für die städtische IT. Mit dem IT-Referat und einem IT-Referenten schaffen wir die Voraussetzung, dass die städtische IT als Querschnittsaufgabe sowohl einheitlich geführt wird als auch gegenüber den anderen Referaten fachlich und politisch gleichgestellt ist. Damit greifen wir die wohl größte Kritik des vorliegenden Gutachtens auf.

Gespräche mit Gewerkschaftsvertretern wurden noch vor Verabschiedung des Änderungsantrags geführt.

Für die CSU-Stadtratsfraktion darf ich den immer wieder aufkeimenden Vorwurf des Einknickens vor Microsoft, gerade auch im Bezug auf deren Rückkehr nach München, schärfstens von uns weisen. Es hat im ganzen Prozess kein einziges Gespräch meinerseits mit einem Vertreter von Microsoft gegeben.

Beste Grüße

Unsere Fragen an die SPD und die Antworten

Sehr geehrte Frau Hübner,

wir haben vergangene Woche zu dem aktuellen Änderungsantrag der SPD- und CSU-Fraktionen zu IT der LHM berichtet, der eine Rückkehr von Linux zu Windows vorsieht.
https://www.golem.de/news/spd-und-csu-muenchner-stadtrat-will-limux-rueckabwickeln-1702-126096.html
sowie zu dem Beschluss in der Vollversammlung
https://www.golem.de/news/limux-muenchen-prueft-rueckkehr-zu-windows-1702-126188.html

Da ich auf meine vorherige Anfrage keine Antwort erhalten habe, fordere ich Sie hiermit dazu auf, mir bis Frist Freitag, 24.02, 12.00 Uhr die Antworten schriftlich zukommen zu lassen.

Ich würde gern wissen, ob es hierzu eine Stellungnahme des Herrn OB Reiter geben wird. Insbesondere möchte ich wissen, ob Herr OB Reiter den eingebrachten Änderungsantrag voll unterstützt? Wird der Änderungsantrag von der Dritten Bürgermeisterin Strobl mitgetragen? Wird der Antrag von der gesamten SPD-Stadratsfraktion unterstützt oder nur von den im Antrag genannten Vertretern im Verwaltungs- und Personalausschuss?

Was ist mit "marktübliche Standardprodukte" in dem Antrag gemeint? Immerhin hat z. B. Libreoffice Millionen von Nutzern und wird europaweit in vielen öffentlichen Verwaltungen eingesetzt.

Wie erklären sich die SPD-Fraktion und der Oberbürgermeister, dass mit dem nun eingebrachten Antrag wie bereits in ähnlichen Fällen zuvor sehr weit von den Vorschlägen der von Accenture durchgeführten Studie zu IT der LHM abgewichen wird? Wieso werden diese Studien beauftragt, wenn sich der Stadtrat dann nicht an die Empfehlungen der Experten hält?

Inwiefern ist der Antrag mit der IT@M oder der STRAC abgesprochen gewesen bzw. sind die Mitarbeiter von IT@M und STRAC über den Inhalt des Antrages informiert worden?

Gibt es eine ungefähre Schätzung dafür, wie viel der geforderte Umstieg von Linux auf Microsoft Windows kosten würde? Diese Frage schließt Kosten nach Umschulung/Weiterbildung der Mitarbeiter, Anpassungen an bestehende Softwarelösungen und Infrastruktur sowie Kosten für die Neuanschaffung von Geräten mit ein. Gibt es hierzu eine fundierte Studie oder nur eine grobe Kostenschätzung? Aus welchen Mitteln soll dies finanziert werden?

Inwiefern halten Sie es für realistisch, in nur drei Jahren einen kompletten Wechsel von Limux zu Microsoft Windows umzusetzen, wenn die Arbeiten an einem Windows-Basis-Client überhaupt noch nicht angefangen haben?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Anne Hübner

Sehr geehrter Herr Grüner,

gerne komme ich auf Ihre Anfragen zurück und möchte sie wie folgt beantworten:

Der Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich im Rahmen der Vollversammlung geäußert. Eine Aufzeichnung der Vollversammlung kann auf Muenchen.de eingesehen werden. Eine darüber hinausgehende Stellungnahme ist aktuell nicht geplant.

Die SPD-Fraktion, der auch die Bürgermeisterin angehört, hat in der Vollversammlung geschlossen dem gemeinsamen Änderungsantrag von SPD und CSU zugestimmt, ergänzt um den Auftrag an die Verwaltung, die Folgekosten einer Migration zu Microsoft genau zu beziffern. Der Stadtrat wird über ein dann vorzulegendes Gesamtkonzept erneut abstimmen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist also eine Willensbekundung verbunden mit einem Prüfauftrag und noch keine abschließende Entscheidung erfolgt.

Der Gutachter Accenture kommt zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung eines modernen auf Microsoft basierenden Clients für die LH München unumgänglich ist. Dies liegt insbesondere an einigen Hundert Fachanwendungen, die bis heute - trotz aller Anstrengungen - nicht unter einem Linux-basierten Betriebssystem laufen (können). In diesem Punkt folgen wir also dem Gutachter. Zudem konstatiert Accenture, dass die grundverschiedenen Clients, die aktuell im Einsatz sind, zu einem enormen Mehraufwand führen. In der Konsequenz ist unser Änderungsantrag dann weiter gegangen als das Gutachten und will künftig nur ein System weiterführen bzw. zeitgleich auch die Einführung eines betriebssystemunabhängigen Thin-Clients verfolgen. Es ist der Politik - auch bei Beschäftigung eines externen Gutachters - unbenommen, zu weitergehenden Schlussfolgerungen zu kommen. Im Übrigen wird dieses Vorgehen von der Stadtkämmerei, die einst für den Wechsel zu Linux plädierte, in einer Stellungnahme zum Beschluss ganz ausdrücklich gefordert.

Die Entwicklung eines Microsoft-Clients würde nach Aussagen der Verwaltung mindestens drei Jahre Zeit in Anspruch nehmen. Erst danach könnte mit der Umstellung der PCs begonnen werden. Die dann zum Einsatz kommende Office-Software ist noch abzustimmen. Wir reden also über einen langen Zeitraum und keine Ad-hoc-Umstellung von einem auf ein anderes System. Dem voraus geht noch der oben angesprochene erforderliche weitere Stadtratsbeschluss nach Klärung aller offenen in diesem Zusammenhang zu berücksichtigenden Fragen. Und das sind einige, wie Sie ja aus dem Verlauf der Vollversammlung sicher entnehmen konnten.

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihnen keine Auskunft zu internen Kommunikationsabläufen im Vorfeld der Befassung im Ausschuss und in der Vollversammlung geben werde.

Sollten Sie noch Fragen haben, können Sie sich gerne an mich wenden.

Herzliche Grüße  (sg)


Verwandte Artikel:
Merkels NSA-Vernehmung: Die unerträgliche Uninformiertheit der Kanzlerin   
(17.02.2017, https://glm.io/126251 )
Limux: Die tragische Geschichte eines Leuchtturm-Projekts   
(20.02.2017, https://glm.io/126230 )
Deutsche Glasfaser: Gemeinde erreicht Glasfaser-Quote am letzten Tag   
(22.02.2017, https://glm.io/126327 )
Code.mil: US-Militär sucht nach Lizenz für externe Code-Beiträge   
(27.02.2017, https://glm.io/126428 )
Apple: Planet der affigen Fernsehshows   
(17.02.2017, https://glm.io/126239 )

© 1997–2017 Golem.de, https://www.golem.de/