Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/htc-d4-cog-systems-will-das-sicherste-smartphone-der-welt-zeigen-1702-126439.html    Veröffentlicht: 28.02.2017 12:47    Kurz-URL: https://glm.io/126439

HTC D4

Cog Systems will das sicherste Smartphone der Welt zeigen

Das sicherste Smartphone der Welt? Mit diesem Versprechen geht in Barcelona die Firma Cog Systems an den Start. Bei dem Gerät handelt es sich um ein HTC A9 mit einigen Extras - etwa einem Hypervisor und fest verbautem VPN.

Das australische Unternehmen Cog Systems hat auf dem Mobile World Congress in Barcelona ein Smartphone vorgestellt, das vor allem mit Sicherheitsfunktionen punkten soll. Die Hardware ist identisch mit dem HTC A9, ein wenig aufregendes Mittelklassetelefon.

Das HTC A9 nutzt einen Snapdragon 617 mit 1,5 beziehungsweise 1,2 GHz. Der ebenfalls verbaute Adreno-405-Grafikchip ist auch im Mittelklassebereich angesiedelt und dürfte mit aktuellen Spielen Probleme haben, was die Zielgruppe des HTC D4 aber vermutlich eher nicht stören wird. Das 5 Zoll-Display bietet FullHD-Auflösung, der interne Speicher fasst 32 Gigabyte. Ausgeliefert wird das Gerät mit Android 6.0 und den D4-Security-Erweiterungen von Cog Systems. Ebenfalls mit dabei ist HTCs Sense-Oberfläche, Cog setzt also nicht auf ein Vanilla Android.

Zur Absicherung des Android-Systems verwendet Cog Systems einen Hypervisor, der verschiedene Bereiche wie das Betriebssystem und einige der Schnittstellen in verschiedenen Domänen betreibt. Ebenfalls integriert ist ein fest verbauter und immer aktiver VPN-Dienst, der den ausgehenden Datenverkehr auf Wunsch nach auffälligen Mustern durchsucht, um Nutzer vor Gefahren zu warnen. Auch der Key Store wurde mit einem Hypervisor vom Rest des Systems isoliert.

Hypervisor von Open Kernel Labs

Zur Virtualisierung kommt der Type-1 HypervisorOKL4 Microvisor zum Einsatz. Der Hypervisor wurde von Open Kernel Labs entwickelt und steht unter freier Lizenz. Der Hersteller wurde im Jahr 2012 vom US-Rüstungskonzern General Dynamics übernommen. Cog Systems wurde von mehreren ehemaligen Angestellten von Open Kernel Labs gegründet und führt die Entwicklung der Technologie von Sydney aus fort. Mit der Abschottung der verschiedenen Bereiche will Cog Systems die Sicherheit des Telefons verbessern. Tatsächlich sind die Treiberkomponenten in den monatlichen Android-Updates immer wieder prominent vertreten. Fraglich ist aber, wie oft die Lücken in den Treibern als primärer Angriffsvektor genutzt wird - in vielen Fällen dürfte es einfacher sein, das Betriebssystem etwa durch den Medienserver direkt zu attackieren.

Betriebssystem bleibt unverändert

Am Betriebssystem selbst aber nimmt Cog keine Änderungen vor. Es gibt also, anders als zum Beispiel beim kommerziell wenig erfolgreichen Blackphone oder beim Blackberry DTEK60, kein Versprechen für regelmäßige und zeitnahe Android-Updates. Im Gespräch mit Golem.de sagte Carl Nerup von Cog Systems: "Wenn HTC da eine schlechte Erfahrung bietet, dann ist das so." Der Chef von HTC hatte monatliche Android-Updates als Reaktion auf die Stagefright-Lücken als "unrealistisch" bezeichnet.

Cog bietet außerdem zahlreiche Zertifizierungen der US-Regierung, etwa FIPS-140-2, NIAP VPN PP und FDE PP. Trotzdem ist das Gerät nicht nur für den professionellen Gebrauch gedacht, sondern soll auch an Endkunden vermarktet werden.

Eine standardmäßige Verschlüsselung von Gesprächen bietet das Gerät nicht an. Nur ausgehende Daten werden über den VPN bis zum Übergabepunkt verschlüsselt. Das liegt auch daran, dass das Baseband des Smartphones bislang nicht über einen eigenen Hypervisor verfügt. Nutzer können aber eigene Apps zur verschlüsselten Sprachkommunikation, etwa Signal oder die Dienste von Silent Circle, anwenden.

VPN kann selbst gehostet werden

Anders als bei verschiedenen Anbietern von Sicherheits-Smartphones muss bei dem HTC D4 kein monatliches Abo abgeschlossen werden. Der VPN-Dienst kostet rund 4 US-Dollar pro Monat, Nutzer sollen aber auch in der Lage sein, den Dienst kostenfrei auf einem eigenen Server zu hosten.

Auch beim Preis unterscheidet sich das D4 von der Konkurrenz. "Das Gerät kostet immer so viel, wie das HTC A9 gerade kostet", sagte Carl Nerup im Gespräch mit Golem.de. Eine konkrete Preisankündigung auf der Webseite gibt es derzeit nicht, auch ein deutscher Endkundenpreis ist uns bislang nicht bekannt. Nerup hatte im Gespräch einen Preis von 499 US-Dollar genannt.

Künftig soll die Technologie von Cog Systems auch auf anderen Smartphones zum Einsatz kommen.  (hg)


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