Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/p10-und-p10-plus-im-hands-on-huaweis-neues-p10-kostet-600-euro-1702-126369.html    Veröffentlicht: 26.02.2017 14:30    Kurz-URL: https://glm.io/126369

P10 und P10 Plus im Hands on

Huaweis neues P10 kostet 600 Euro

Das Fehlen eines neuen Samsung-Smartphones nutzt Huawei: Der Hersteller hat das neue P10 und das P10 Plus vorgestellt. Das P10 Plus ist größer und besser ausgestattet, bei beiden Modellen legt Huawei viel Wert auf die Kamera. Die wurde wieder in Zusammenarbeit mit Leica entwickelt.

Huawei hat auf dem Mobile World Congress (MWC) 2017 in Barcelona zwei neue Android-Smartphones vorgestellt. Das P10 ist der Nachfolger des im Frühling 2016 präsentierten P9 und hat wie dieses eine gemeinsam mit Leica entwickelte Dual-Kamera. Das P10 Plus ist eine größere und stellenweise technisch besser ausgestattete Version.

Golem.de hat sich die beiden neuen Huawei-Smartphones in einem ersten Kurztest bereits angeschaut. Dabei wird deutlich, dass der Hersteller einige Komponenten vom Mate 9 übernommen hat. Viel Wert legt Huawei bei seinen neuen Geräten wieder auf die Kamera, die eine neue Porträtfunktion hat.

Zwei verschiedene Display-Größen

Das P10 kommt mit einem 5,1 Zoll großen IPS-Display, das eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln hat. Huawei bleibt hier seinem Credo treu, keinen höher auflösenden Bildschirm zu verbauen. Beim P10 Plus hingegen kommt ein 5,5 Zoll großes Display mit 2.560 x 1.440 Pixeln zum Einsatz. Bei der Bildschirmgröße ist das auch sinnvoll. Beide Smartphones zeigen Inhalte scharf an, die Farben und die Blickwinkelstabilität sind gut.

Die Gehäuse beider Modelle sind aus Metall, Huawei bietet unterschiedliche Oberflächenbehandlungen an. Neben dem gewohnten matten Finish gibt es die beiden Geräte in bestimmten Farben auch mit der neuen Hyper-Cut-Oberfläche: Hier wird das Metall mit winzigen Laser-Schnitten aufgeraut, so dass eine changierende Fläche entsteht. Die Oberfläche ist sehr rutschfest und sieht besonders in Blau sehr gut aus. Beide neuen Modelle sind nicht IP-zertifiziert, also nicht explizit vor Wasser und Staub geschützt.

Kameras wieder mit Leica entwickelt

Auf der Rückseite der beiden Smartphones sind jeweils zwei Kameras verbaut, die wie beim P9 und beim Mate 9 den Leica-Schriftzug tragen. Huawei hat die Linsen wieder zusammen mit dem Wetzlarer Traditionshersteller entworfen, gefertigt werden sie jedoch von Auftragsfertigern. Im P10 kommt die gleiche Kameraausstattung wie im Mate 9 zum Einsatz: Die Summarit-H-Objektive haben eine Anfangsblende von f/2.2, als Sensoren kommen ein monochromer Sensor mit 20 Megapixeln und ein RGB-Sensor mit 12 Megapixeln zum Einsatz.

P10 Plus hat bessere Objektive

Beim P10 Plus ist die Sensorausstattung identisch, mit dem Summilux kommen jedoch neue Objektive zum Einsatz: Die Anfangsblende beträgt dort f/1.8, die Objektive sind also lichtstärker. Die Kameras beider neuen Smartphones haben einen optischen Bildstabilisator.

Wie beim Mate 9 dient das hochauflösende Schwarzweißbild des 20-Megapixel-Sensors als Grundlage des fertigen Bildes, die dann mit den Farben des 12-Megapixel-Bildes quasi koloriert wird. Dank der dualen Kameras können wir auch bei den beiden neuen Smartphones im Nachhinein den Fokus verschieben und einen qualitativ hochwertigen zweifachen Zoom verwenden. Wie beim Mate 9 ermöglicht dieser eine leichte Zoomstufe ohne Qualitätseinbußen, wie ihn digitale Zooms normalerweise haben.

Neue Porträtfunktion mit besserer Ausleuchtung

Eine neue Funktion der Kameras des P10 und des P10 Plus ist das Artistic Portrait: Aktivieren wir diese Funktion in der Kamera-App, berechnen die Smartphones automatisch nicht nur eine künstliche Hintergrundunschärfe, sondern passen mit Hilfe von Software-Algorithmen auch die Ausleuchtung an. Dadurch sollen Effekte simuliert werden, die eigentlich nur mit künstlichen Lichtquellen erreicht werden.

Um die Beleuchtung zu simulieren, erkennen die beiden neuen Smartphones Gesichter nun dreidimensional - stellen also auch fest, in welche Richtung die fotografierte Person schaut. Nur so kann der Algorithmus sinnvolle Standorte für die künstliche Beleuchtung berechnen. Einstellen können wir in diesem Modus nichts, die Optimierung läuft automatisch ab und lässt sich nur aktivieren oder deaktivieren.

Die Bildergebnisse, die wir uns während unseres kurzen Testes anschauen konnten, wirkten tatsächlich gut ausgeleuchtet. Vom künstlerischen Aspekt der Automatisierung konnten wir nicht viel erkennen, allerdings war unsere Testsituation auch keine besonders aufregende: Wir haben uns einfach gegenseitig in einem Raum geknipst. Die damit erzielten Ergebnisse waren aber bereits vielversprechend.

Ausleuchtungsautomatik kann auch zu dunkleren Bereichen führen

Huawei zufolge soll die Beleuchtungsautomatik nicht nur zu dunkle Bereiche aufhellen, sondern Portraits auch dramatisieren - etwa, indem eine dunkle Gesichtshälfte noch dunkler gemacht wird. Offenbar verlässt sich Huawei dabei auf die Fähigkeiten des Algorithmus, eine derartige Situation einzuschätzen; will man als Nutzer eigentlich eine gegenteilige Bearbeitung, lässt sich diese nicht erzwingen.

Die Artistic-Portrait-Funktion ist auch im Monochrom-Modus der Kameras nutzbar. Damit lassen sich also auch Schwarzweißporträts mit unscharfem Hintergrund anfertigen. Neben den Lichteffekten gibt es auch einen verbesserten Beauty-Modus, der Make-up-Effekte beinhaltet.

Frontkamera beim P10 Plus mit Autofokus

Die Frontkamera beider Smartphones hat 8 Megapixel und kommt jetzt auch mit einem Leica-Objektiv. Die Anfangsblende liegt bei f/1.9. Das P10 hat einen Fixfokus, das P10 Plus hingegen einen Autofokus. Die Kameras des P10 und P10 Plus haben insgesamt einen sehr guten Eindruck bei uns hinterlassen, die neue Porträtfunktion macht auf den ersten Blick tatsächlich bessere Personenaufnahmen. Inwieweit diese auch künstlerischen Ansprüchen genügen, konnten wir noch nicht ausreichend überprüfen.

Gleicher Prozessor wie im Mate 9

Im Inneren beider Modelle steckt der Kirin-960-Prozessor, der auch im Mate 9 zum Einsatz kommt. Die maximale Taktrate des Achtkernprozessors beträgt 2,4 GHz. Dank Smart-Memory-Management sollen auch die beiden neuen Modelle wie das Mate 9 nicht so schnell durch ungünstiges Speichermanagement langsamer werden. Dank Maschinenlernalgorithmus sollen die Geräte zudem erkennen, wann der Nutzer welche Apps häufig verwendet und diese entsprechend vorladen.

P10 Plus mit mehr Speicher

Die Speicherausstattung unterscheidet sich zwischen P10 und P10 Plus: Das P10 kommt mit 4 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte Flash-Speicher nach Deutschland, die 32-GByte-Version wird hier nicht angeboten. Das P10 Plus kommt mit 6 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher nach Deutschland; in anderen Teilen der Welt wird das Modell auch mit 4 GByte RAM und 64 oder 256 GByte Flash-Speicher erscheinen. Beide Geräte verfügen über einen Steckplatz für Micro-SD-Karten, aber nur über eine Single-SIM-Option.

Die weiteren Unterschiede zwischen den beiden Modellen betreffen verschiedene Hardwarekomponenten. So unterstützen zwar beide Geräte Cat12-LTE, das P10 Plus hat allerdings vier LTE-Antennen anstelle von nur zwei beim normalen P10. Das P10 Plus hat zudem zwei Lautsprecher auf der Vorderseite. Die WLAN-Ausstattung ist hingegen bei beiden Modellen identisch: Die Geräte beherrschen WLAN nach 802.11ac, die Bluetooth-Version ist bei beiden 4.2. Beide Geräte haben einen IR-Blaster, mit dem elektronische Geräte gesteuert werden können.

Fingerabdrucksensor jetzt auf der Vorderseite

Das P10 und das P10 Plus haben jeweils einen NFC-Chip und einen GPS-Empfänger. Der Fingerabdrucksensor ist nicht wie bei bisherigen Huawei-Smartphones auf der Rückseite, sondern nach vorne gewandert. Er befindet sich jetzt unterhalb des Displays und ist mit einer Vertiefung im Deckglas versehen. Einen drückbaren Homebutton wie Samsungs Smartphones haben die neuen Huawei-Smartphones hingegen nicht. Wir fanden den rückseitigen Sensor immer sehr praktisch, da er leicht zu erreichen ist, wenn das Smartphone aus der Tasche gezogen wird.

Der Nutzer kann sich entscheiden, ob er den Fingerabdrucksensor als Sensorbutton für die Home-Funktion verwenden möchte. Dann lassen sich die Zurück-Funktion und die Übersicht der zuletzt genutzten Apps per Wischgesten nach links und rechts ausführen. Wem das zu umständlich ist, kann weiterhin die Software-Buttons der Android-Navigationsleiste verwenden.

Einen Unterschied gibt es auch bei der Akkuausstattung: Der Akku des P10 hat eine Nennladung von 3.200 mAh, das P10 Plus hat einen Akku mit 3.750 mAh. Die Akkus sollen Laufzeiten von 1,87 Tagen bei normaler Nutzung und 1,3 Tagen bei starker Nutzung bieten. Überprüfen konnten wir das in unserem Test noch nicht. Geladen werden die Akkus mit Huaweis eigenem Schnellladesystem, für das ein extra Ladegerät erforderlich ist. Innerhalb von 90 Minuten sollen die beiden Geräte damit wieder voll aufgeladen sein.

Auslieferung mit Android 7.0

Das P10 und das P10 Plus werden mit Android 7.0 und der aktuellen Version der Huawei-Benutzeroberfläche, Emotion UI 5.1, ausgeliefert. EMUI 5.1 beinhaltet unter anderem die neuen Kamerafunktionen sowie eine neue Galerie-App. Diese wurde in Kooperation mit Gopro entwickelt und bietet dem Nutzer wie Googles Foto-App eine Zusammenfassung von Fotos bestimmter Ereignisse. Aus den Bildern und Videos werden automatisch kleine Videos erstellt, die der Nutzer einfach teilen kann.

Verfügbarkeit und Fazit

Das P10 soll 600 Euro kosten, für das P10 Plus müssen Käufer 750 Euro zahlen. Huaweis Mobile-Chef Richard Yu hatte während der Präsentation auf dem MWC 2017 zwar einen höheren Preis von 650 genannt, die deutsche Huawei-Vertretung hat allerdings den geringeren Preis bestätigt.

Die Geräte sollten im März und April 2017 erscheinen. Die Smartphones kommen in verschiedenen Farb- und Oberflächenvarianten in den Handel: Das matte P10 Plus kommt in Blau, Gold, Grün, Schwarz sowie Silber in den Handel, das matte P10 nur in Schwarz oder Silber. Mit der neuen Hypercut-Oberfläche gibt es beide Modelle in Blau, das P10 Plus zusätzlich noch in Gold.

Fazit

Die beiden neuen Smartphones von Huawei hinterlassen einen guten ersten Eindruck bei uns. Huawei hat versucht, an einigen Stellen, die für Nutzer wichtig sein könnten, Verbesserungen einzubauen. Dies betrifft besonders die Kamera, die unseren ersten Tests zufolge sehr gute Fotos macht.

Die neuen Porträtoptionen führen zu Bildern mit guter, per Software erzeugter Hintergrundunschärfe und ansprechender Beleuchtung. Auch der bereits vom Mate 9 bekannte verbesserte Digitalzoom erzielt gute Ergebnisse. Mit dem Kirin 960 muss sich Huawei von der Prozessorleistung her auch nicht mehr vor den Top-Smartphones anderer Hersteller verstecken.

Etwas schade finden wir, dass der Fingerabdrucksensor vorne eingebaut wird, und nicht mehr hinten. Die alternative Gestenbedienung für die Navigationstasten haben wir schon bei früheren Smartphone-Modellen anderer Hersteller gesehen und waren nie von ihr begeistert.

Bei manchen Hardwaredetails weichen die beiden neuen Modelle nicht vom Mate 9 ab, beispielsweise bei der Sensorausstattung der Kameras sowie dem Prozessor. Insgesamt empfinden wir die technischen Unterschiede zwischen dem Mate 9 und den beiden neuen P10-Modellen trotz teilweise besserer LTE-Antennen nicht als so groß, dass wir die neuen Geräte dem 2016 vorgestellten Modell unbedingt vorziehen würden. Die neuen Porträtfunktionen dürften für viele Nutzer nicht unbedingt kaufentscheidend sein, zumal sie durchaus mit einem Update auch noch auf vorige Modelle kommen könnten.

Wer kein Problem mit einem großen Smartphone hat, kann im Grunde beruhigt zum Mate 9 greifen. Wer hingegen bisher aufgrund der Größe vor dem Mate 9 zurückschreckte, dürfte das P10 durchaus interessant finden. Ein verglichen mit der Konkurrenz ebenbürtiges Smartphone ist das Gerät zweifellos.

Nachtrag vom 26. Februar 2017, 16:22 Uhr

Nach der Pressekonferenz hatte es Verwirrung um den Preis der neuen Geräte gegeben, da Huawei-Mobile-Chef Richard Yu offenbar einen zu hohen Preis genannt hat. Mittlerweile hat Huawei Deutschland uns die niedrigeren Preise als die korrekten bestätigt.

Nachtrag vom 26. Februar 2017, 17:07 Uhr

Wir haben das Hands on um ein Video ergänzt.  (tk)


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