Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nintendo-switch-eingeschaltet-zerstueckelte-konsole-und-gigantisches-handheld-1702-126338.html    Veröffentlicht: 23.02.2017 15:04    Kurz-URL: https://glm.io/126338

Nintendo Switch eingeschaltet

Zerstückelte Konsole und gigantisches Handheld

So behäbig wie die Wii U oder so flott wie ein modernes Tablet? Wir haben unsere Nintendo Switch eingeschaltet und kleinteilige Hardware, Plus-/Minus-Controller, das clever erdachte Dock und das Betriebssystem angeschaut.

Vorbemerkung der Redaktion: Wertungen zur Switch, dem eShop und Onlinefeatures unterliegen einer Sperrfrist von Nintendo. Wir werden am 1. März gegen 15 Uhr ein erstes Fazit und die gewohnten Messungen veröffentlichen.

So richtig weiß es Nintendo vermutlich selbst nicht, ob die neue japanische Hybridkonsole Switch nun 3DS und Wii U beerben soll oder doch nur die Wii U. Fakt ist, dass wir mit der neuen Hardware bereits viel Spaß am Fernseher und unterwegs haben - etwas, das mit Xbox One oder Playstation 4 auf diese Weise nicht möglich ist. Fest steht auch, dass Nintendo seine Entwicklungsbemühungen auf absehbare Zeit auf die Switch fokussieren wird. Wir erwarten neben Bewegungsspielen wie Arms und traditionellen Serien wie Mario und Zelda auch Innovationen mit der Switch. Wie viel Potenzial steckt also in Nintendos Neuer?

Die Nintendo Switch kommt gut und sicher verpackt in einem fast schon niedlich anmutenden Karton. Darin befinden sich die Konsole oder besser gesagt das Tablet, der linke und rechte Joy-Con, das Dock für den Anschluss an den Fernseher, der Joy-Con-Grip, Joy-Con-Handschlaufen, das Netzteil sowie ein HDMI-Kabel.

Spiel rein, Switch an

Das Switch-Tablet lässt sich vollkommen eigenständig bedienen, so haben jedenfalls wir es das erste Mal ohne Gamepads oder Joy-Cons über den Power-Knopf an der Oberseite gestartet. Für Eingaben bei der Ersteinrichtung werden dann die Finger genutzt. Anders als beim Wii-U-Gamepad, das einen resistiven Touchscreen und einen Stylus hatte, setzt Nintendo für die Switch auf einen kapazitiven Multitouch-Touchscreen. Die Inbetriebnahme verläuft ganz traditionell wie von anderen Konsolen gewohnt. Nutzer geben ihr Land an, erstellen ein Profil und geben sich einen Spitznamen. Schon wenig später erwartet die Konsole dann doch, dass wir die Joy-Cons einmal anstecken und wieder abziehen, zu Kalibrierungs- und Erklärungszwecken.

Die Switch ist autark. Möglich wird die Hybridfähigkeit durch die Verpflanzung der zentralen Komponenten wie CPU und GPU in die Displayeinheit.

Der Bildschirm löst mit 1.280 x 720 Pixeln auf und ist mit einer sichtbaren Diagonalen von 15,7 Zentimetern richtig schön groß. Selbst im Vergleich mit einem New 3DS XL wirkt er gigantisch. Die maximale Helligkeit liegt auf dem Niveau des Nintendo 3DS oder der Playstation Vita. Bei strahlendem Sonnenschein unter freiem Himmel wird man mit dem Display nicht ganz zufrieden sein. Mit ein wenig Schatten gibt es aber keine Probleme.

Spiele werden genau wie bei der Playstation Vita etwas friemelig über einen Steckplatz an der Oberseite eingesteckt. Eine Schutzklappe sorgt dafür, dass wenig Staub oder gar Dreck in das Tablet eindringt. Der schnelle Spielwechsel ist dadurch aber nicht so komfortabel wie bei Nintendos klassischen Handhelds.

Weiterhin findet im Tablet eine Micro-SD-Karte Platz. Ein äußerst klappriger ausklappbarer Standfuß dient dabei gleichzeitig als Schutzklappe für den Micro-SD-Slot. Die traditionellen Knöpfe zum Regeln der Lautstärke, ein 3,5-mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer und ein Stromanschluss für das mitgelieferte Netzteil sind ebenfalls direkt am Tablet, genauso wie ein Lüfterschlitz von 7 Millimetern Tiefe und 4 Zentimetern Länge.

Plus- und Minus-Controller

Für die Switch können sich Spieler schon mal daran gewöhnen, zu ihren Joy-Cons Plus- oder Minus-Controller zu sagen. Der Minus-Controller gehört in die linke Hand und bietet den Aufnahmeknopf zum Sichern von Bildschirmfotos. Der Plus-Controller ist der rechte; mit ihm können Nutzer Amiibo über NFC registrieren oder die Infrarotkamera an der Unterseite benutzen. Anstelle des Aufnahmeknopfs hat er den Home-Button.

Die Joy-Cons sind äußerst klein und leicht. Sie verschwinden nahezu in großen Händen. Durch die Handschlaufen gewinnen sie Kunststoffmasse an der Oberseite und werden ergonomischer. Der Knopf zwischen den Schulterknöpfen in der Mitte dient dem Verbindungsaufbau mit der Konsole und zeigt an, ob der Nutzer Spieler 1, 2, 3 oder 4 ist. Beide Controller unterscheiden sich zudem in der Platzierung ihrer Analogsticks. Ein digitales Steuerkreuz haben beide nicht. Alle Knöpfe außer den Schultertasten haben einen hervorragenden Druckpunkt. Besonders mit den Joy-Con-Handschlaufen sind die Schultertasten richtig wabbelig.

Sofern das Tablet eingeschaltet ist, wird das Einrasten der Joy-Cons an der Switch audiovisuell unterstützt. Am Bildschirmrand erscheint eine schicke Animation in Form einer weißen Welle, und das Switch-Klick-Geräusch aus der Werbung ertönt. Bei den ersten Kopplungsversuchen sind wir sehr vorsichtig und die Joy-Cons rasten nicht ganz so fluffig wie in Nintendos Werbespots ein. Mit etwas Übung geht der Vorgang aber dann schnell vonstatten. Zum Lösen des Bewegungscontrollers muss ein Knopf an der Rückseite gedrückt gehalten werden. Sind alle Accessoires ab, dient das Tablet im Tisch-Modus durch den Standfuß als kleiner portabler Bildschirm.

Allein auf dem Tisch und im Dock

Das Tablet wird über den angesprochenen klapprigen Standfuß auf der Rückseite aufgestellt. Besonders vertrauenerweckend stabil steht das Tablet mit dem dünnen Standfuß nicht, außerdem ist der Winkel sehr steil, so dass zum Beispiel im Flugzeug der direkte Blick auf den Bildschirm schwerfallen würde. Für Nutzer, die dennoch den Tisch-Modus nutzen wollen, ist es sinnvoll, die Joy-Cons an dem Joy-Con-Grip - einer simplen Plastikhalterung mit LEDs für den Akkuladestand - einzurasten.

Das gamepadähnliche Konstrukt wird für einige Spieler ergonomischer sein. Wir setzen die Joy-Cons auch gerne losgelöst voneinander jeweils in den Händen ein. Das fühlt sich dann in etwa so an wie bei der Nintendo Wii mit dem Nunchuk-Controller in der einen und der Wii-Fernbedienung in der anderen Hand - nur eben besser: Bei der Switch gibt es nämlich keinerlei nervige Kabel zwischen den Controllern.

Cleveres Kabelmanagement im Dock

Das Dock umschließt das Tablet nicht komplett. Daher ragt die Switch selbst immer ein wenig oben aus dem Dock raus. So richtig stabil sitzt sie übrigens nicht im Dock, sie hat noch deutlich Spiel und wackelt ein wenig hin und her. Damit keine Verwirrung aufkommt, wie herum das Tablet eingesetzt wird, bietet es sich an, das Dock mit der breiten Seite nach vorne hin aufzustellen. Anders als Wii oder Wii U nimmt die Nintendo Switch dadurch aber mehr sichtbaren Platz im Regal ein.

Über eine Klapptür samt Aussparungen an der Unterseite führt das Kabelmanagement Strom-, HDMI- und USB-C-Kabel allerdings auch seitlich aus. Dadurch ist auch das Aufstellen mit der schmalen Seite vorne wieder möglich. Nutzer müssen sich allerdings merken, wie herum das Tablet eingesetzt wird.

Ansonsten hat das hohl wirkende Dock nur noch zwei seitliche USB-Anschlüsse. Weitere Kühlungsmechanismen können wir nicht entdecken. Wenn sich das Tablet im Dock befindet und ein Spiel gestartet wird, dreht der Lüfter im Tablet allerdings lauter auf als im Handheld-Modus. Wenn nur das Home-Menü geöffnet ist, ist der Lüfter ausgeschaltet.

Reaktionsschnelles Betriebssystem und gemischter Ersteindruck

Zwar können wir unsere Switch bereits über die Systemeinstellungen mit dem Internet verbinden, ohne das noch kommende Betriebssystem-Update weiß die Konsole aber noch nicht, was sie mit dem Datenstrom anfangen soll. Was wir schon sehen können, ist, wie das Home-Menü der Switch an sich aufgeteilt ist und funktioniert.

Das Home-Menü ist sehr übersichtlich gestaltet und bietet direkten Zugriff auf das eingelegte Spiel, ein Album aller Bildschirmfotos, die Verwaltung der verbundenen Controller sowie die allgemeinen Systemeinstellungen, außerdem befindet sich dort ein virtueller Power-Knopf. Bis zu vier Joy-Con-Paare lassen sich in der Verwaltung registrieren, was für Spiele wie Bomberman R Mehrspielerpartien für bis zu acht Spieler ermöglicht.

Videostreaming-Apps wie Netflix oder Amazon Prime gibt es vorerst nicht auf der Konsole.

Bezüglich der Geschwindigkeit des Betriebssystems können wir Entwarnung geben. Alles läuft stets flüssig und flott, unabhängig davon, ob die Switch als Handheld oder Konsole genutzt wird. Lange Ladezeiten zwischen den Menüs wie bei der Wii U müssen Spieler also nicht befürchten. Für einige Nutzer könnte es verwirrend sein, mit dem rechten A-Knopf (rechts außen) in den Menüs zu bestätigen. Was in Japan zum Beispiel auch gang und gäbe ist (Kreis anstatt X-Knopf zum Bestätigen), ist in Europa eher unüblich. Es wäre daher schön, wenn Nintendo noch die Möglichkeit einbauen würde, mit dem B-Knopf (unten) in Menüs zu bestätigen.

Datenverwaltung mit Hindernissen

Im Auslieferungszustand sind 25,9 der 32 GByte des internen Speichers frei. Nutzer, die ihre Spiele ausschließlich digital erwerben und herunterladen, werden den Speicher daher schnell mit einer Micro-SD-Karte erweitern müssen. Ein besonderer Problemfall dürften die nur als Einheit verkauften Rollenspiele Dragon Quest Heroes 1 und 2 sein: Sie benötigen exakt 32 GByte.

Wer seine Spiele im Handel in Form von Modulen kauft, hat weniger Sorgen. Eine Installation ist dann nicht nötig. Ob die Speicherstände der Spiele auf den Modulen gesichert werden oder kopiert werden können, ist noch unklar.

Die Nintendo Switch erscheint am 3. März 2017 in zwei Farbvarianten. Einen offiziellen Preis für Deutschland hat der Hersteller nicht genannt, die meisten Händler verlangen um die 330 Euro.

Gemischter Ersteindruck

Die Nintendo Switch ist der Transformer unter den Konsolen. Mit den vielen Einzelteilen wie dem Tablet, zwei Joy-Cons, einem Grip, zwei Handschlaufen und dem Dock ist Nintendos Hybridkonsole sehr wandelbar. Dabei machen fast alle Komponenten für sich einen sehr hochwertigen und stabilen Eindruck. Nur mit den wackeligen Schulterknöpfen der Joy-Cons können wir uns nicht so recht anfreunden und der dünne Standfuß für den Tischbetrieb wirkt nicht sehr vertrauenerweckend. Für Rennspiele vermissen wir außerdem analoge Schultertasten. Durch die Kleinteiligkeit der Komponenten wird es auf dem Couchtisch oder in der Tasche schnell ein wenig unordentlich. Solospieler, die sich auf den Handheld-Modus sowie ein Ladekabel beschränken, dürfte das aber nicht stören.

Erleichtert sind wir darüber, dass das Betriebssystem nicht nur einen aufgeräumten Eindruck macht, sondern auch stets flüssig läuft. Nun sind wir gespannt darauf, wie sich die Switch im Alltag bewähren wird, wie Nintendos Onlinekonzept aussieht und was der eShop alles bieten wird.

 (mw)


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