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Galaxy-A-Serie vs. P8 Lite (2017)

Samsungs und Huaweis Kampf um die Mittelklasse

Mit den neuen Smartphones P8 Lite, Galaxy A3 und A5 versuchen Huawei und Samsung, sich Nutzer abseits des Oberklassesegmentes zu sichern. Die Hardware reicht bei allen Geräten für alltägliche Aufgaben mehr als aus - das Galaxy A5 halten wir sogar für zu gut ausgestattet. Das wirkt sich auch auf den Preis aus.

Die immer günstigeren und in Europa mittlerweile leicht zu bekommenden Top-Smartphones aus China, beispielsweise von Oneplus, Xiaomi oder Meizu, haben auch bei der Mittelklasse Spuren hinterlassen: Mittlerweile sind für stellenweise deutlich unter 300 Euro bereits gut ausgestattete Smartphones erhältlich, die alltägliche Aufgaben problemlos meistern können.

Huawei und Samsung gehören zu den Herstellern, die von diesem Geschäft etwas mitnehmen wollen. Mit der Galaxy-A-Serie hat Samsung nach der Restrukturierung seines Portfolios vor einiger Zeit eine Mittelklassereihe geschaffen, deren Modelle Galaxy A3 und A5 vor kurzem aktualisierte Versionen erhalten haben. Huawei hat seinem P8 Lite - ursprünglich im April 2015 vorgestellt - auch einen Refresh verpasst.

Golem.de hat sich die drei Geräte genau angeschaut und miteinander verglichen. Dabei zeigt sich, dass Samsung beim Galaxy A5 zwar bei einigen Details auf eine bessere Ausstattung als Huawei beim neuen P8 Lite setzt, den Preis dafür mit 370 Euro aber auch deutlich höher ansetzt. Das P8 Lite ist mit 240 Euro das günstigste Gerät in unserem Testfeld - und überzeugt durch Leistung, die selbst das kleinere Galaxy A3 für um die 320 Euro mitunter nicht bietet.

Unterschiede bei der Display-Technologie

Das P8 Lite (2017) und das Galaxy A5 (2017) haben mit Displaydiagonalen von 5,2 Zoll die gleiche Größe, auch die Auflösung ist mit 1.920 x 1.080 Pixeln bei beiden identisch. Samsung setzt allerdings auf ein Amoled-Display, während Huawei sich für einen IPS-Bildschirm entschieden hat. Beide Geräte haben eine Pixeldichte von 423 ppi, was zu einer sehr scharfen Bildschirmdarstellung führt.

Das Galaxy A3 (2017) ist mit einer Diagonale von 4,7 Zoll kleiner und handlicher. Die Auflösung ist mit 1.280 x 720 Pixeln niedriger, die daraus resultierende Pixeldichte ist mit 312 ppi aber immer noch hoch genug, um ein scharfes Bild zu bekommen. Lediglich beim genaueren Hinsehen sind Pixelränder erkennbar.

Was die Farbdarstellung betrifft, sind sich das Galaxy A3 und das Galaxy A5 sehr ähnlich: Die Farben sind vom Ton her neutral und werden anders als beim P8 Lite mit etwas stärkerer Sättigung dargestellt. Das Huawei-Smartphone hat eine merklich wärmere Farbdarstellung, die besonders im direkten Vergleich auffällt. Die Farbwiedergabe lässt sich bei allen drei Smartphones in den Systemeinstellungen bearbeiten. Alle drei Displays sind blickwinkelstabil und machen einen guten Eindruck.

Gehäusedesign ähnelt sich stark

Die Gehäuse aller drei Smartphones sind aus Glas, die Rahmen aus Metall. Die Verarbeitungsqualität der Geräte ist sehr hochwertig, uns fallen keine unnötig großen Spaltmaße oder ähnliche Probleme auf. Bei den beiden Samsung-Geräten ist die Rückseite ähnlich zu den Rändern hin gewölbt wie beim Galaxy S7. Anders als das P8 Lite sind sowohl das Galaxy A3 als auch das Galaxy A5 nach IP68 vor Staub und Wasser geschützt - 30 Minuten sollen die Smartphones demnach in einer Tiefe von maximal einem Meter überstehen.

Huawei verwendet beim P8 Lite als Prozessor den Kirin 655, ein SoC mit acht Kernen, die in eine Vierergruppe mit einer Taktrate von maximal 2,1 GHz und eine Vierergruppe mit maximal 1,7 GHz gruppiert sind. Der gleiche Chip arbeitet auch im Honor 6x. Im Galaxy A5 steckt ein Octa-Core-Prozessor mit 1,9 GHz, der Achtkerner im Galaxy A3 arbeitet mit 1,6 GHz.

Galaxy A5 führt bei den Benchmark-Tests

In den Benchmarks liefert das Galaxy A5 die besten Werte ab: Im Geräte-Benchmark Geekbench 4 liegt das Smartphone mit einem Single-Ergebnis von 776 Punkten knapp vorm P8 Lite mit 769 Zählern. Das Galaxy A3 kommt auf 697 Punkte. Zum Vergleich: Ein aktuelles Top-Smartphone wie das Oneplus 3T kommt auf 1.915 Punkte.

Auch im Grafik-Benchmark GFX Bench liegt das Galaxy A5 mit einem Offscreen-Ergebnis von 5,2 fps im Car-Chase-Test vorne, vor dem P8 Lite mit 2,8 fps und dem Galaxy A3 mit 1,9 fps. Auch hier wieder ein Richtwert: Das Oneplus 3T kommt in diesem Test auf 20 fps.

Entsprechend der Benchmark-Ergebnisse verhalten sich die drei Smartphones, wenn wir ein grafisch anspruchsvolles Spiel auf ihnen spielen. Das Galaxy A5 zeigt zwar bereits merkliche Ruckler, die aber im Vergleich mit dem P8 Lite geringer ausfallen. Am stärksten ruckelt das Galaxy A3.

Keine Probleme bei alltäglichen Aufgaben

Im Alltag beherrschen die drei Geräte die an sie gestellten Aufgaben problemlos: Surfen, chatten, E-Mails abfragen oder auch mal ein Video schauen überfordern die SoCs nicht. Für Nutzer, die keine aufwendigen Spiele spielen, dürfte selbst die schwächste Prozessorausstattung in unserem Testfeld, die des Galaxy A3, noch ausreichen.

Gute Kameraausstattung beim P8 Lite und Galaxy A5

Beim Galaxy A5 hat Samsung eine 16-Megapixel-Kamera auf der Rückseite eingebaut, auch die Frontkamera hat 16 Megapixel. Das Galaxy A3 kommt mit einem 13-Megapixel-Sensor bei der Hauptkamera und einer 8-Megapixel-Frontkamera. Das P8 Lite kommt mit einer 12-Megapixel-Rückkamera und einer 8-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite.

Die Bildergebnisse des P8 Lite und des Galaxy A5 sind auf den ersten Blick sehr ähnlich. Bei den Tageslichtaufnahmen stimmen die Belichtung und der Weißabgleich, der Kontrast ist gut. Unter Vergrößerung ist allerdings erkennbar, dass das Galaxy A5 stärker nachschärft; dadurch sind feine Details zwar deutlicher erkennbar als beim P8 Lite, allerdings kommt es mitunter auch zu Schärferändern. Das Galaxy A3 macht im Vergleich schlechtere Fotos als das P8 Lite; Details sind merklich verwaschener.

P8 Lite macht schönere Innenaufnahmen

In schlechteren Lichtsituationen macht das P8 Lite in unseren Tests zwar minimal verwaschenere Aufnahmen als das Galaxy A5, dafür sind die Bilder weitaus besser ausgeleuchtet. Artefaktbildung können wir bei keinem der beiden Geräte beobachten. Die Kamera des Galaxy A3 unterliegt am Ende des Vergleichs, wenngleich auch dort die Bildqualität insgesamt noch gut ist. Wie beim Galaxy A5 sind die Bilder aber weitaus schlechter ausgeleuchtet als die des P8 Lite.

Die Frontkamera des Galaxy A5 eignet sich mit ihrer hohen Auflösung sehr gut für Selbstporträts. Qualitativ sind diese merklich besser als die Frontaufnahmen des P8 Lite. Wie bei den anderen Vergleichen bildet auch hier das Galaxy A3 wieder das Schlusslicht.

Pro-Modus bei P8 Lite und Galaxy A5

Die Kamera-Apps des P8 Lite und des Galaxy A5 bieten beide einen Pro-Modus, in dem die unterschiedlichen Parameter manuell eingestellt werden können. Das Galaxy A3 hat einen derartigen Modus nicht. Dafür bieten beide Samsung-Smartphones einen verschiebbaren Auslöse-Button, der überall auf dem Bildschirm platziert werden kann und besonders bei Selbstporträts hilfreich ist.

Besonders die Kameraausstattung des Galaxy A5 gefällt uns sehr gut. Die Hauptkamera des P8 ist allerdings fast so gut wie die des Samsung-Smartphones und macht in schummriger Beleuchtung sogar die besser belichteten Bilder. Angesichts des Preisunterschiedes hinterlässt die P8-Light-Kamera insgesamt noch einen besseren Eindruck bei uns. Die Kamera des Galaxy A3 ist okay, für ein 300-Euro-Gerät allerdings auch nichts Besonderes.

Ausstattung bei Samsung teilweise fast schon zu gut

Bei der restlichen Hardware-Ausstattung zeigt sich der Grund für die Preisunterschiede zwischen dem Huawei- und den Samsung-Geräten. Nutzt das P8 Lite beispielsweise WLAN nach 802.11b/g/n auf der Frequenz 2,4 GHz, beherrschen sowohl das Galaxy A5 als auch das Galaxy A3 ac-WLAN auf den Frequenzen 2,4 und 5 GHz.

Alle Geräte unterstützen LTE, GPS und Bluetooth, auch hier gibt es allerdings Unterschiede: Das Huawei-Smartphone kommt mit Bluetooth 4.1, die beiden Samsung mit der Version 4.2. Das Galaxy A3 und das Galaxy A5 haben außerdem noch einen NFC-Chip, den das P8 Lite nicht hat.

Schnell reagierende Fingerabdrucksensoren

Alle drei Smartphones haben einen Fingerabdrucksensor. Beim P8 Lite ist dieser auf der Rückseite, bei den Samsung-Smartphones - wie vom südkoreanischen Hersteller gewohnt - sind sie im Home-Button integriert. Die Sensoren reagieren ohne nennenswerte Verzögerungen und arbeiten zuverlässig. Mit dem Sensor des P8 Lite lassen sich zudem unter anderem noch die Benachrichtigungsleiste ausziehen oder ein Foto auslösen.

Anders als das P8 Lite kommen die beiden Mittelklasse-Smartphones von Samsung noch nicht mit Android 7.0, sondern mit der mittlerweile veralteten Version 6.0.1. Entsprechend können Nutzer noch nicht die neuen Funktionen von Nougat verwenden, wie beispielsweise die neue Darstellung der Benachrichtigungen.

Das Galaxy A3 und das Galaxy A5 kommen mit Samsungs eigener Benutzeroberfläche, die auch bei den teureren Geräten des Herstellers verwendet wird. Unter anderem bieten die beiden Smartphones den abgesicherten Knox-Bereich, eine konfigurierbare Schnelleinstellungsleiste und ein eigenes Design an.

P8 Lite kommt mit Android 7.0

Auf dem P8 Lite läuft Android 7.0 mit der Benutzeroberfläche Emotion UI (EMUI) 5.0, die verglichen mit früheren Versionen an einigen Stellen verbessert wurde. So gibt es die automatische App-Abschaltung, sobald das Smartphone in den Standby-Betrieb versetzt wird, nicht mehr. Bisher mussten Nutzer Anwendungen, die geöffnet bleiben sollten, in eine Whitelist eintragen. Bei manchem kam es zu Problemen mit Messenger-Apps, die keine Benachrichtigungen im Standby-Betrieb durchstellten.

Bei EMUI 5.0 erfolgt die Verwaltung der aktiven Apps durch Android selbst, wie es vorgesehen ist. Benachrichtigungen kommen jetzt immer an, da keine Apps mehr zwangsweise geschlossen werden. Stattdessen gibt es eine Blacklist, in der Apps markiert werden können, die ausgeschaltet werden sollen - für uns die bessere Lösung. Zweite gute Neuerung: Es gibt jetzt auch einen Launcher mit App-Drawer.

Im direkten Vergleich finden wir beide Systeme gleich übersichtlich und hilfreich. Bei den Samsung-Smartphones finden wir kleine Details wie die Kalibrierung des Displays einfacher, einen kaufentscheidenden Unterschied sehen wir allerdings nicht.

Samsung-Smartphones mit besserer Akkulaufzeit

Die Akkus aller drei Smartphones lassen sich nicht ohne Weiteres wechseln. Das Galaxy A3 hat einen 2.350-mAh-Akku, der des Galaxy A5 hat 3.000 mAh. Das Huawei P8 Lite hat ebenfalls einen Akku mit einer Nennladung von 3.000 mAh.

Im Videotest schneiden die beiden Samsung-Geräte besser ab als das Huawei-Smartphone: Schauen wir auf dem P8 Lite einen Full-HD-Film bei voller Helligkeit, beträgt der Akkustand nach sechs Stunden noch 30 Prozent. Sowohl beim Galaxy A3 als auch beim Galaxy A5 ist er zum gleichen Zeitpunkt mit 65 Prozent doppelt so hoch. Auch bei alltäglicher Nutzung halten die beiden Galaxy-Modelle länger durch: Mit dem P8 Lite kommen wir zwar problemlos über einen Tag, die beiden Samsung-Smartphones schaffen jedoch mitunter auch anderthalb Tage.

Verfügbarkeit und Fazit

Alle drei Smartphones sind bei den Herstellern und im Onlinehandel erhältlich. Das P8 Lite (2017) ist dabei das günstigste Gerät: Es kostet aktuell um die 240 Euro. Das Galaxy A3 (2017) kostet bei seriösen Händlern momentan knapp unter 320 Euro, das Galaxy A5 (2017) ist für um die 370 Euro verfügbar.

Fazit

Das neue Galaxy A5 ist von der Ausstattung her das Gerät in unserem Testfeld, das uns am meisten überzeugt. Es bietet ein gutes Display, eine gute Kamera - insbesondere auch die auf der Vorderseite -, und gute Hardware-Komponenten beim Prozessor oder auch bei den Netzwerk-Komponenten. Mit einer Preisempfehlung des Herstellers von 430 Euro und einem Straßenpreis von 370 Euro ist uns das Gerät aber als Mittelklasse-Smartphone zu teuer.

Ein Oneplus 3T kostet mit weitaus besserer Hardware nur 60 Euro mehr - ein Aufpreis, der sich unserer Meinung nach lohnt. Wer die Leistung des Oneplus 3T nicht benötigt und ein Smartphone eher nur zum Telefonieren, Chatten, Browsen und ab und zu Fotografieren braucht, findet günstigere Alternativen zum Galaxy A5.

Beispielsweise die Neuauflage des Huawei P8 Lite: Zwar müssen wir hier Abstriche bei der Hardware machen, etwa bei der WLAN-Ausstattung, dem Bluetooth-Standard und der Größe des Flash-Speichers; von der Prozessorleistung und der Kameraqualität liegt das Smartphone aber nahe am Galaxy A5 - näher, als es der Preisunterschied von 130 Euro glauben lässt. Zudem kommt es noch mit der aktuellen Android-Hauptversion. Damit entspricht es unserer Vorstellung eines klassischen Mittelklasse-Smartphones.

Das neue Galaxy A5 bewegt sich stärker am oberen Rand des Mittelklassesegmentes als das P8 Lite, mitunter bietet es bereits die Ausstattung eines Top-Gerätes - etwa die Zertifizierung nach IP68. Für klassische Nutzer von Mittelklassegeräten halten wir es für technisch zu gut ausgestattet und demzufolge für zu teuer. Auch das Galaxy A3 (2017) ist für unseren Geschmack mit aktuell 320 Euro viel zu teuer, insbesondere angesichts der im Vergleich zum P8 Lite stellenweise ebenbürtigen Hardware. Interessant könnte es möglicherweise für Nutzer sein, die ein besonders kleines Smartphone haben wollen.

Für die Zielgruppe eines Mittelklasse-Smartphones scheinen uns Preis und Ausstattung des neuen P8 Lite passend. Das Galaxy A5 ist zweifelsfrei ein tolles Smartphone, für den anvisierten Mittelklassemarkt halten wir es allerdings für zu teuer.  (tk)


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