Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/iphone-apples-wundersame-welt-der-erwartungen-1702-126190.html    Veröffentlicht: 15.02.2017 10:34    Kurz-URL: https://glm.io/126190

iPhone

Apples wundersame Welt der Erwartungen

Die Prognosen für das nächste iPhone treiben Apples Aktienkurs in fantastische Höhen. Dabei lassen sich aktuelle Gerüchte als Warnung vor überzogenen Erwartungen deuten.

Gleichermaßen ein Segen wie ein Fluch sind die weltweiten Erwartungen an Apple für das Unternehmen selbst. Einerseits hat die Zuversicht von Analysten, dass Apple von der kommenden iPhone-Generation besonders viele Geräte verkaufen wird, den Aktienkurs schon jetzt in die Höhe getrieben. 133,29 Dollar war das Papier am Montag wert und übertraf damit den bisher höchsten Schlusskurs aus dem Februar 2015. Apple erreicht damit einen Börsenwert von knapp 700 Milliarden Dollar (rund 657,6 Milliarden Euro), was in etwa dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz entspricht, oder - weil so ein Vergleich nicht fehlen darf - dem 20fachen des BIPs des Saarlandes.

Jedenfalls bleibt Apple damit mit einigem Abstand das wertvollste Unternehmen der Welt. Google, das sich in den vergangenen Jahren zeitweise auf den ersten Platz geschoben hatte, liegt derzeit bei 573 Milliarden Dollar.

Andererseits erwartet die Fachwelt in diesem Jahr ein besonderes Modell. Weil das aktuelle iPhone 7 vor allem äußerlich nur eine kleine Weiterentwicklung im Vergleich zu den beiden Vorgängergenerationen ist. Weil vor allem Huawei und Samsung mittlerweile die fortschrittlicher erscheinende Technik verbauen und Apple Nachholbedarf hat. Und weil das iPhone jetzt zehn Jahre alt ist, was doch irgendwie ein herausragendes Jubiläumsmodell erfordert. Ob Apple diese Erwartungen - wie realistisch die auch immer sein mögen - erfüllen kann, ist völlig offen.

1.000 Dollar für das Jubiläums-iPhone?

Wie immer gibt es um diese Jahreszeit, rund vier Monate vor Apples Entwicklerkonferenz WWDC, auf der in aller Regel die nächste Version des iPhone-Betriebssystems iOS vorgestellt wird, und sieben Monate, bevor das Gerät selbst präsentiert wird, nur Gerüchte und Spekulationen.

So wird die Tatsache, dass Apple gerade dem Wireless Power Consortium beigetreten ist, als Signal verstanden, dass sich das iPhone 8 (oder wie immer es heißen wird) kabellos aufladen lassen wird. Das wäre wenig überraschend, andere Hersteller setzen die praktische Technik auf Basis des sogenannten Qi-Standards schließlich schon seit Jahren ein. Aber seit einem Jahr wird spekuliert, dass Apple einen Schritt weitergehen und das Aufladen auch aus größerer Entfernung zur Stromquelle ermöglichen will. Die Idee ist, dass es reichen soll, das iPhone irgendwo ins richtige Zimmer zu legen, und schon lädt sich der Akku auf. Der Beitritt zum Konsortium wiederum wird von manchen nun so gedeutet, dass Apple zunächst auf den konventionellen - sprich langweiligeren - Qi-Standard setzen wird. Womit dem nächsten iPhone schon mal ein erhofftes Killerfeature fehlen würde.

Zudem heißt es gerüchteweise, das nötige Zubehör für das kabellose Laden werde nicht im Lieferumfang enthalten sein, sondern müsse, ebenso wie der Lightning-Adapter, mit dem man Kopfhörer mit 3,5-Millimeter-Klinke ans iPhone anschließen kann, gesondert gekauft werden. Überhaupt ist der Preis für das nächste iPhone ein großes Thema. Möglicherweise wird es verschiedene neue iPhones geben, darunter ein Jubiläumssondermodell, das dann mehr als 1.000 Dollar kosten soll. Das berichtet Fast Company.

Banken halten Apple für unterbewertet

Zuzutrauen wäre Apple beides - der hohe Preis für das Gerät an sich und auch der Versuch, die Kunden zum Kauf von Zubehör zu bewegen. Ob so ein Vorgehen das Unternehmen noch wertvoller machen würde, ist wohl Ansichtssache. Dass die vielen treuen Apple-Anhänger vor allem in den reichen westlichen Industrienationen bereit sind, die Grenze des finanziell Zumutbaren immer wieder zu verschieben, ist zumindest wahrscheinlich. Aber Apple ist, ebenso wie alle anderen Smartphone-Hersteller, besonders auf Märkte wie China angewiesen, wo eher günstigere Geräte nachgefragt werden.

Zuletzt hatte Apple seine Kunden um die Erlaubnis gebeten, künftig auch deren iCloud-Daten analysieren zu dürfen, natürlich unter strikter Wahrung der Privatsphäre. Ziel der in der neuen Betaversion von iOS 10.3 angekündigten Datensammlung ist explizit die Verbesserung von Apples virtueller Assistentin Siri ("und anderer ähnlicher oder verwandter Dienste"). Das kann man als Eingeständnis verstehen, dass Apple mit seinem datensparsamen Maschinenlernansatz für Siri nicht mit Amazons Alexa und Googles Assistant mithalten kann. Dann wäre die Frage, wie viel besser Siri bis zum Herbst noch werden kann, wenn das nächste iPhone auf den Markt kommt.

Das iPhone ist Apples mit Abstand wichtigstes Produkt, es bringt rund zwei Drittel der Umsätze ein. Deshalb schwankt der Aktienkurs oft mit den Absatzerwartungen. Morgan Stanley setzt nun ein Zeichen der Zuversicht und die Kursprognose für die Aktie auf 150 Dollar hoch, Citi auf 140 Dollar. Nicht zuletzt, weil Apple auf Bargeldreserven von gut 246 Milliarden Dollar sitzt, betrachten viele Experten das Unternehmen immer noch als grundsätzlich unterbewertet. Allerdings könnte sich die Summe in nicht allzu ferner Zukunft um mindestens 13 Milliarden Dollar verringern. So viel soll Apple nämlich an Steuern an Irland nachzahlen, wenn es nach der EU-Kommission und nun auch dem irischen Finanzministerium geht. Aber das sind Erwartungen, die Apple definitiv nicht erfüllen will.  (zeit-pb)


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