Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/pure-audio-blu-ray-audioformate-kommen-nicht-aus-der-nische-1702-126172.html    Veröffentlicht: 17.02.2017 09:04    Kurz-URL: https://glm.io/126172

Pure Audio

Blu-ray-Audioformate kommen nicht aus der Nische

Das als Blu-ray Pure Audio, Pure Audio Blu-ray oder auch High Fidelity Pure Audio bekannte dedizierte Blu-ray-Audioformat wird kaum öfter verkauft werden als die alte Super Audio CD. Es gibt zu wenig Software und immer noch keine Einigung über das Aussehen der Audio-Blu-rays.

Als wir per Zufall im Juni 2013 auf der Classical Next in Wien die Pure Audio Blu-ray entdeckten und ausprobierten, war das System noch im Aufbau. Verschiedene Musiklabels wollten einen Nachfolger der Super Audio CD (SACD) auf den Markt bringen, der den Vorteil einer breit installierten Hardwarebasis nutzen sollte: Alles, was der Anwender zum Abspielen dieser Discs benötigt, ist ein normaler Blu-ray-Player. Dafür gibt es dann wie bei der SACD Raumklang und eine hohe Auflösung der Musik. Doch die Teilnehmer haben so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Trotz bester Voraussetzungen.


Die Ausgangsbasis für die Einführung eines neuen Blu-ray-Audioformats war denkbar günstig: Die Hardwarebasis für die neuen Discs war in vielen Haushalten bereits vorhanden; anders als SACD-Player sind Blu-ray-Player ziemlich verbreitet. Mit dem Blu-ray-Audio-Format war außerdem die notwendige Software vorhanden. Doch die Probleme gingen schon bei der Benennung des neuen Formats los.

Chaos schon bei der Namensfindung

Die Teilnehmer konnten sich nicht auf einen Begriff für das neue Audiomedium einigen. Die Pure-Audio-Gruppe konkurrierte als PABD oder BDPA gegen die High Fidelity Pure Audio (HFPA) von Universal. Die Verpackungen beider Systeme sind unterschiedlich designt und die Steuerung ist ebenfalls verschieden. Während die PABD auch ohne Fernseher funktioniert, sofern der Blu-ray-Player ein Display hat, war das bei der HFPA nicht der Fall. Zudem funktionierte das Marketing nicht. Die Teilnehmer zeigten praktisch kein Interesse daran, das Format bekanntzumachen.

Das Ergebnis: Selbst Presseansprechpartner von Universal wussten damals nichts über das neue Format, das schon seit Monaten in Frankreich im Handel war und offiziell im September 2013 in Deutschland erschien - allerdings ohne den Versuch, das Format auf der Technikmesse Ifa in Berlin vorzustellen und zu bewerben.

Das Marketing ist bis heute nicht besser geworden. Zwar wurde zwischenzeitlich vermeldet, dass sich Sony für die BAPD entschieden hat, aber dabei blieb es. Mittlerweile ist die Webseite der Interessenvertretung der PABD praktisch stillgelegt. Noch immer werden lediglich 40 Titel als Referenz angegeben. Ähnlich peinlich ist die Präsenz der HFPA. Außer in einer Facebook-Gruppe existiert das Format eigentlich nicht mehr.

Wenige Audio-Blu-rays spielen mit den Surround-Kanälen

Neuveröffentlichungen gibt es dennoch. Im High-Fidelity-Pure-Audio-Packungsdesign wird etwa BTs Electronic Opus verkauft, die witzigerweise in der Pressemitteilung vom September 2016 als Pure Audio Blu-ray vermarktet wird. Doch abseits dieser Disc gibt es kaum neues Material. Die wenigen Veröffentlichungen sind meist in der orchesterbasierten Musiknische zu finden. Moderne Musik ist sehr selten.

Eine der wenigen nennenswerten Veröffentlichungen von bekannter neuer Musik in diesem Bereich ist der schwer verfügbare 5.1-Mix A Head Full of Dreams von Coldplay von Mitte 2016. Diese Blu-ray, die übrigens weder als BDPA noch als PABD oder HFPA vermarktet wird, zeigt gut, was das Format prinzipiell kann. Coldplay verwendet die unterschiedlichen Kanäle für das gezielte Setzen von Musikeffekten. Die Disc ist damit nicht nur etwas für die sehr spezielle Zielgruppe der Audiophilen, sondern auch für die breite Masse geeignet. Allerdings ist die Bedienung im Vergleich zu einer SACD ziemlich hakelig und entspricht eher der typischen HFPA. Aber das ist nicht der Grund für das Versagen der Audio-Blu-ray in einem größeren Markt.

Moderne Audioformate klingen besser dank Surround

Dass sich das Format nicht durchsetzt, hat mehrere Gründe. Zum einen nutzen Musiker nicht dessen Möglichkeiten, etwa mit dem Raumklang zu spielen; in der Regel wird nur mit zwei Kanälen per Stereo experimentiert. Und zum anderen wird die Musik mit hoher Bandbreite gern als audiophile Spinnerei abgetan. Nicht wenige Nutzer sagen, es sei nicht möglich, einen Unterschied zwischen einer SACD und einer normalen CD zu hören. Sie vergessen dabei allerdings, dass die Nachfolgeformate der CD allesamt als Besonderheit Raumklang bieten und es durchaus Musik gibt, die entsprechend codiert ist.

Ein dediziertes Ansprechen eines Surround-Lautsprechers ist selbst für Nutzer mit schlechtem Gehör wahrnehmbar, solange die Ortung von Signalen funktioniert. Auch das direkte Ansprechen eines Subwoofers ist allemal besser, als dies den Verstärker anhand einer Frequenzschwelle übernehmen zu lassen. Diese Vorurteile waren für die Entwicklung der Surround-Audio-Discs nicht gerade hilfreich. Allerdings versäumten es die Hersteller, der breiten Masse genau diesen Vorteil zu erklären.

Technisch ist die Audio-Blu-ray im Unterschied zur SACD allerdings grundsätzlich schlecht umgesetzt. Zwar hat die Pure-Audio-Gruppe die Bedienung ohne Fernseher vorgesehen, das ändert aber nichts daran, dass ein Blu-ray-Player per HDMI-CEC beim Einlegen einer Audio-Blu-ray den Fernseher anschaltet und die Ladezeiten lang sind. Bei einer SACD ist das nicht der Fall. Die Blu-ray Disc Association bietet kein vernünftiges Audioformat.

Durch die Schwierigkeiten bleiben die modernen discbasierten Audioformate wohl eine absolute Nische, die durch Hi-Res-Audio ohnehin in Bedrängnis gebracht wird. Hi-Res-Audio arbeitet von einem bestimmten Datenträger und die Unterstützung hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Im Videobereich wird die 4K-UHD-Blu-ray präsenter

Insgesamt unterscheidet sich damit der Erfolg der neuen Audioformate erheblich von dem moderner Videoformate. Während die CD-Nachfolger nie erfolgreich wurden, haben sich die Video-CD- und Laserdisc-Nachfolger teils enorm verbreitet. Die DVD wird weiterhin gut verkauft und auch der Blu-ray-Disc geht es gut. Selbst die sehr spezielle 4K-UHD-Blu-ray-Disc (Teil 1 und Teil 2 unseres Praxistests) wird im Handel immer präsenter, obwohl für den Genuss dieses Formats teure Anschaffungen im Bereich mehrerer Tausend Euro notwendig sind, die bei der Audio-Blu-ray entfallen. Die Coldplay-Audio-Blu-ray verlangt allenfalls einen 50-Euro-Blu-ray-Player als Aufrüstung für DVD-Nutzer und kostet selbst rund 20 Euro.

Trotz der geringen Kosten hat das discbasierte Audioformat mit hohen Datenraten wohl ausgedient und wird abseits des sehr speziellen Fachhandels keine Bedeutung mehr haben. Selbst die Schallplatte ist heutzutage erfolgreicher und Neuveröffentlichungen sind leichter zu erwerben.  (ase)


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