Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mechanische-tastatur-poker-3-im-test-kauf-dir-endlich-daempfungsringe-1702-126152.html    Veröffentlicht: 15.02.2017 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/126152

Mechanische Tastatur Poker 3 im Test

"Kauf dir endlich Dämpfungsringe!"

Wenn es um 60-Prozent-Tastaturen geht, fällt häufig der Name Vortex Poker 3: Die kleine mechanische Tastatur kommt unter anderem mit mechanischen Cherry-Switches und drei frei programmierbaren Ebenen. Unser Autor hat die Tastatur einem Langzeittest unterzogen - zum Leidwesen seiner Kollegen.

Für jemanden, der den Großteil seines Arbeitstages mit dem Schreiben auf einer Tastatur verbringt, ist die Auswahl des Arbeitsgerätes wichtiger, als möglicherweise angenommen: Jeder, der einmal auf einer guten Tastatur mit mechanischen Switches getippt hat, kann das hoffentlich bestätigen. Das Tippgefühl ist direkter und angenehmer, bei halbwegs anständiger Tipptechnik ist zudem die Präzision hoch.

Wer wie der Autor dieses Textes zudem immer viel auf seinem Schreibtisch liegen hat, zum Beispiel zahlreiche Testgeräte, freut sich zusätzlich noch über eine möglichst kleine Tastatur. Die Extremform ist dabei eine sogenannte 60-Prozent-Tastatur. Der Begriff "60 Prozent" wird üblicherweise von den Herstellern selbst nicht verwendet, sondern hat sich in der Tastatur-Community entwickelt.


Gemeint sind Keyboards, die lediglich 61 beziehungsweise 62 Tasten haben, je nach Layout. Damit sind 60-Prozent-Tastaturen so groß wie der Hauptblock einer Standardtastatur mit 105 Tasten - sie hat also keinen Nummernblock, keine F-Tasten, keinen Sechserblock und keine Pfeiltasten. Dafür sind die Tasten so groß wie die einer großen Tastatur mit komplettem Tastenumfang - Nutzer müssen sich also nicht an kleine Tasten gewöhnen.

Test mit Cherry-MX-Blue-Switches

Zu den bekanntesten Vertretern der 60-Prozent-Tastaturen zählen die Poker-Modelle von Vortex beziehungsweise KBC. Mit der Poker 3, die offizielle Schreibweise lautet Pok3r, ist mittlerweile die dritte Version erschienen, die wir einem knapp zweimonatigen Langzeittest unterzogen haben. Dabei hat sich der Autor nicht nur bisher gewohnte Bewegungen abgewöhnen und neue erlernen müssen, sondern ist auch ein wenig seinen Kollegen auf die Nerven gegangen - gelegentliche Nerf-Angriffe waren die Folge.

Das liegt zum großen Teil weniger an der Poker 3 im Speziellen, sondern an der Switch-Auswahl: Die Tastatur ist vom Hersteller aus wahlweise mit den Cherry-MX-Switches Black, Red, Brown, Clear, Green und Blue erhältlich; wir haben uns für ein schwarzes Modell mit blauen Schaltern entschieden. Diese haben eine Betätigungskraft von 600 mN und sind nicht nur taktil, sondern klicken auch noch - für den Autor des Textes ein Traum, für die Kollegen eher weniger.

Ratatatatatatatata!

Bei Nutzern, die einigermaßen schnell und flüssig tippen können, klingt eine Tastatur mit Cherry MX Blues stellenweise schon fast wie ein kleines Maschinengewehr. Wenn Nutzer dann noch wie der Autor einen etwas härteren Tastaturanschlag haben, kann auch eine kleine 60-Prozent-Tastatur wie die Poker 3 zum Nervfaktor im Büro werden. Generell ist es keine schlechte Idee, bei der Nutzung mechanischer Tastaturen mit weniger Kraft auf die Tasten zu hauen - im Grunde ist dies bei kaum einer heutigen Tastatur mehr nötig. Dann wird es nicht nur leiser im Büro, auch die Vorzüge mechanischer Schalter kommen so besser zur Geltung.


Bei Cherry MX Blues ist das die Kombination aus relativ hoher Betätigungskraft und dem Klick: Das Schreibgefühl ist dadurch äußerst direkt, besonders, wenn der Nutzer sich angewöhnt, nicht wie ein Irrer in die Tasten zu kloppen. Allerdings sind Switches immer auch Geschmackssache: Manche Nutzer lieben klickende Tasten, andere präferieren eher lineare Switches ohne Klick - Vortex lässt Käufern der Poker 3 glücklicherweise die Wahl aus allen Cherry-MX-Switches.

Gehäuse aus Aluminium

Von der Verarbeitung her ist an der Poker 3 nicht viel auszusetzen, die Tastatur ist mit 758 Gramm ein kleiner Koloss mit einem Aluminium-Chassis. Das Chassis selbst wird von oben nach unten flacher, dadurch ist die Tastatur leicht abfallend montiert, was beim Schreiben angenehm ist. Ausklappbare Standfüße hat die Poker 3 nicht - wer es noch steiler haben will, muss sich etwas unter die Tastatur legen.

Die Poker 3 verfügt über kein eingebautes Bluetooth-Modul oder andere drahtlose Verbindungsmöglichkeiten, die Verbindung zum Rechner erfolgt über ein Mini-USB-Kabel. Die mitgelieferten Keycaps sind aus dickem PBT und nicht durchscheinend - unser Modell wird ohne LED-Beleuchtung geliefert. Die Poker 3 gibt es jedoch auch mit Leuchtdioden, dann ist die Tastatur aber natürlich teurer.

Beschriftung der Tastaturkappen enttäuscht

Der Austausch der Tastaturkappen ist unproblematisch: Mit einem Keycap-Puller lassen sie sich einfach abziehen und gegen andere im ANSI-Layout tauschen. Nach zwei Monaten Nutzung halten wir den Tausch mitunter sogar schon für angebracht: Bei häufig genutzten Tasten wird die Schrift bereits undeutlich. Das ist schade, da der verwendete Font und die leichte Beige-Färbung uns gut gefallen.

Bei Tausch der Keycaps sollten Nutzer bedenken, dass alternative Tastaturkappen nicht über die zusätzliche Beschriftung verfügen, welche die mitgelieferten Kappen haben - und die bei der Nutzung der Tastatur mitunter unabdingbar ist. Ein Großteil der Tasten der Poker 3 ist mehrfach belegt, die Zweitfunktionen werden über die Fn-Taste erreicht.

Doppelbelegung der Tasten erfordert Umgewöhnung

Diese Doppelbelegung ist notwendig, um mit einem derart kleinen Keyboard den gleichen Funktionsumfang wie mit einer großen Tastatur zu erreichen. Unter anderem die Pfeiltasten, die Home-, End-, Page-Up-, Page-Down-, Print- und die F-Tasten sind über den Umweg über die Fn-Taste am rechten unteren Rand erreichbar, was zu Beginn eine starke Umstellung erfordert: Gewohnte Bewegungen sind obsolet, besonders Tastenkombinationen haben uns zu Anfang zum ungewollten Innehalten gezwungen.


In der täglichen Arbeit navigiert der Autor dieses Textes häufig mit Hilfe der Cursor in Verbindung mit der Strg-Taste, um zwischen ganzen Wörtern umherzuspringen. Um die Cursor zu verwenden, muss die Fn-Taste gedrückt werden - zusätzlich zur Strg-Taste, um zwischen den Wörtern zu springen. Bis wir unsere rechte Hand so trainiert haben, dass sie nicht nur die zusätzlich mit dem Cursor belegte Taste drückt, sondern ohne zu überlegen mit dem Daumen oder dem kleinen Finger auch die Fn-Taste, hat es gut einen Monat gedauert.

Bei manchen Tastaturkombinationen wird es kompliziert

Auch ungewohnt ist die Kombination aus der Strg- und Entfernen-Taste, um schnell ein dem Cursor folgendes Wort zu löschen. Auf der Poker 3 muss hierfür zusätzlich wieder die Fn-Taste gedrückt werden, da sich Entfernen als zweite Funktion auf der Backspace-Taste befindet. Unser Gehirn zunächst zum Erliegen gebracht hat die wortweise Markierung von Text, normalerweise eine Kombination aus Strg-, Shift- und Pfeiltasten. Für die Pfeiltasten wird auch hier wieder Fn benötigt; die neue Vier-Tasten-Kombination war für uns zu Beginn schwierig auf intuitive Weise umzusetzen.

Im Laufe der Zeit sind uns die neuen Bewegungen aber immer vertrauter vorgekommen, mittlerweile können wir die meisten Tastenkombinationen so schnell wie auf einer herkömmlichen Tastatur ausführen. Geholfen hat hierbei auch eine Zusatzfunktion der Poker 3, die die Fn-Benutzung vereinfacht: Per Dip-Switch lässt sich die Caps-Lock-Taste als zweite Fn-Taste definieren. Da wir Caps Lock im Grunde nie brauchen, nutzen wir diese Möglichkeit gern. Besonders die Pfeiltasten lassen sich auf diese Weise viel intuitiver verwenden, da wir die rechte Hand nur noch für sie verwenden; die Fn-Taste drücken wir in Form der Caps-Lock-Taste mit der linken Hand.

Etwas versteckt ist übrigens die Multimediasteuerung der Poker 3: Die entsprechenden Befehle für Play, Vorwärts, Rückwärts, Lauter, Leiser und Stumm befinden sich als Fn-Belegung auf den Tasten Q, W, E, S, D und F, sind dort allerdings nicht markiert.

Dip-Switches für alternative Tastatur-Layouts

Die Poker 3 hat auf der Unterseite Dip-Switches: Mit insgesamt vier kleinen Schiebeschaltern lässt sich nicht nur die Caps-Lock-Taste zur Fn-Taste machen, sondern auch die Fn- und Pn-Tasten (zu dieser später mehr) tauschen und verschiedene Tastatur-Layouts einstellen. Unser Poker-3-Modell beherrscht mit Qwertz, Qwerty, Dvorak und Colemak (beide in der deutschsprachigen Variante mit Umlauten) vier Tastaturbelegungen, die ohne Softwareanpassungen auf dem Rechner verwendet werden können. Die Layouts sind direkt auf der Tastatur gespeichert. Die Dip-Switches sind so ins Gehäuse eingelassen, dass sie nicht versehentlich verstellt werden können.

Makros programmieren ohne zusätzliche Software

Ebenfalls direkt im Speicher der Poker 3 sind die frei programmierbaren Layer abgespeichert. Die Tastatur verfügt insgesamt über vier Ebenen: Die erste ist die Standardebene, die drei weiteren entsprechen dieser und können nach Vorliebe des Nutzers angepasst werden. Dabei lassen sich auf einer Taste bis zu 32 Zeichen speichern, die Funktion eignet sich also für Makros oder Textbausteine, was besonders für Programmierer praktisch sein kann - oder für Gamer. Auch zeitliche Verzögerungen lassen sich explizit mit eingeben.


Die verschiedenen Layer der Poker 3 werden über die Fn-Taste und die M-, Komma-, Punkt- und Bindestrichtasten erreicht. Anhand einer kleinen LED unter der Leertaste lässt sich erkennen, in welchem Layer man sich befindet. Die LED ist dabei so angebracht, dass wir sie nicht gezwungenermaßen sehen, wenn wir gerade vor der Tastatur sitzen - wer wie wir nicht allzu oft zwischen den Layern umherschaltet, stört sich daran nicht; wer hingegen immer erkennen muss, in welchem Layer er gerade ist, dürfte sich eine etwas prominentere LED wünschen. Abhilfe kann hier eine klare Leertaste schaffen.

Programmierung erfolgt direkt über die Tastatur

Die Programmierung der Tasten ist einfach: Um in den Programmiermodus zu wechseln, müssen wir im gewünschten Layer die Fn- und die rechte Strg-Taste gleichzeitig drücken. Anschließend leuchtet eine zweite LED unter der Leertaste auf. Jetzt drücken wir die zu programmierende Taste, woraufhin die rechte LED anfängt zu blinken; alle Eingaben, die wir von nun an machen, werden auf der Taste gespeichert. Es lassen sich natürlich auch Fn-Tastenkombinationen programmieren. Sind wir fertig, drücken wir die Pn-Taste, was die neue Tastenbelegung abspeichert. Nun können wir weitere Tasten programmieren oder den Programmiermodus durch gleichzeitigen Druck auf Fn und die rechte Strg-Taste verlassen.

Die Pn-Taste dient bei der Poker 3 neben der Programmierung nur zur Steuerung der Beleuchtung, was bei unserem Modell obsolet ist. Als Umschalter zwischen dem Default-Layer und einem anderen Layer wie bei den Vorgängermodellen fungiert die Taste nicht mehr - was mit der Erhöhung der programmierbaren Layer-Anzahl von einem auf drei zu erklären ist.

Makros können im Arbeitsalltag ungemein praktisch sein. So hat sich der Autor dieses Textes bestimmte Tags, die im Redaktionssystem von Golem.de verwendet werden, auf Tasten abgespeichert. So sind diese schneller erreichbar.

Für den Nutzer bedeutet die Speicherung der Programmierung auf der Poker 3 selbst, dass er keinerlei Software installieren muss, um sie zu nutzen. Wechseln wir den Rechner, können wir weiterhin auf unsere programmierten Ebenen zugreifen - und müssen keine Software installieren, um sie abrufen zu können. Das ist verglichen mit vielen anderen Tastaturen, die eine Makro-Programmierung erlauben, ein echter Vorteil.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Poker 3 kostet beim Hersteller Vortex zwischen 120 und 135 US-Dollar - je nach Farbe und Switches. Bei Amazon sind die Tastaturen anders als beim Hersteller auch im QWERTZ-Layout erhältlich. Unser Modell in Schwarz mit Cherry-MX-Blue-Switches kostete 136 Euro bei Amazon. Modelle mit Beleuchtung kosten um die 170 Euro.

Fazit

Eine Tastatur mit nur 61 Tasten ist gewöhnungsbedürftig - gleichzeitig aber auch ein Segen. Wir hatten noch nie so viel Platz auf unserem Schreibtisch wie mit der kleinen Poker 3. Aufgrund der geringen Größe ist die Tastatur auch schnell eingepackt, um sie beispielsweise im Homeoffice oder auch im Hotelzimmer während einer Messe zu nutzen.


Das lohnt sich unserer Meinung nach schon: Zum einen empfinden wir es besonders bei längeren Texten als angenehmer, mit einer mechanischen Tastatur zu tippen. Zum anderen sind wir mit einer derartigen Tastatur auch präziser. Welchen Switch Nutzer letztlich präferieren, ist Geschmackssache - der Autor dieses Tests schwört auf taktile Cherry MX Blue mit Klick.

Diese können in einer Büroumgebung allerdings zur Herausforderung für die Kollegen werden, besonders, wenn hart angeschlagen wird. Grundsätzlich empfiehlt es sich bei mechanischen Tastaturen, einen Gang beim Anschlag zurückzuschalten - die Kollegen werden es einem danken. Die Poker 3 hat zwar kein großes Gehäuse, es reicht allerdings aus, um einen harten Anschlag noch zu verstärken.

Die Programmierfunktionen der Poker 3 sind sehenswert: Ohne Software auf dem Rechner lassen sich die Tasten auf drei der vier Layer programmieren. Diese Konfiguration wird direkt im Speicher der Tastatur gespeichert, was die Poker 3 zu einer portablen Makrowaffe macht. Auch im Büroalltag lassen sich bereits zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten finden. Ebenso löblich sind die vier Dip-Switches, die zusätzliche Tastatur-Layouts ermöglichen - ebenfalls ohne auf dem Rechner Einstellungen vornehmen zu müssen.

Zudem ist die Poker 3 hervorragend konstruiert, das Gehäuse hält eine Menge aus. Die Platine ist sauber verarbeitet und bietet die Möglichkeit, selbst die LED-Beleuchtung nachzurüsten. Lediglich der Dye der Keycaps stellt uns nicht ganz zufrieden: Die Tasten haben zwar einen schönen Font und sind scharf bedruckt, allerdings verdreckt uns die Beschriftung zu schnell.

Alles in allem ist die Vortex Poker 3 aber eine tolle Tastatur, auf der Tippen Spaß macht und die dank der Makrofunktion zu einer Effizienzsteigerung im Arbeitsalltag führen kann - und nicht zu vergessen auch für Gamer interessant ist. Der Preis für den Spaß ist allerdings die Bereitschaft, sich nach jahrelanger Nutzung von anderen Tastaturen an das neue Handling einer kleinen Tastatur mit zahlreichen Doppelbelegungen zu gewöhnen. Wer dies wagt und nicht zu früh aufgibt, erhält mit der Poker 3 ein exzellentes Werkzeug.  (tk)


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