Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/arrivo-die-neuen-alten-hyperlooper-1702-126100.html    Veröffentlicht: 10.02.2017 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/126100

Arrivo

Die neuen alten Hyperlooper

Stehaufmännchen in der Röhre: Vor einigen Monaten schieden vier Mitarbeiter im Streit von Hyperloop One. Jetzt haben sie ihr eigenes Hyperloop-Unternehmen gegründet und sind überzeugt: Ihr Konzept wird es schaffen.

Was machen Hyperlooper, wenn ihr Arbeitgeber Hyperloop One sie rauswirft? Sie hyperloopen selbst. Brogan BamBrogan, Technikchef und einer der Hyperloop-One-Gründer, hat zusammen mit mehreren Mitstreitern ein neues Hyperloop-Unternehmen gegründet. Es heißt Arrivo, The Arrival Company, und die Gründer sind sicher, vor der Konkurrenz anzukommen.

Hyperloop ist laut dem Erfinder Elon Musk die "fünfte Form der Beförderung", nach Schiff, Zug, Auto und Flugzeug. In einer Röhre, in der ein weitgehendes Vakuum herrscht, sollen Kapseln verkehren. Sie schweben auf Magnetfeldern und werden von Linearmotoren angetrieben.

Das Konzept stammt von Elon Musk

Seit Musk das Konzept 2013 vorgestellt und freigegeben hat, beschäftigen sich mehrere Unternehmen mit der Umsetzung. Seit Neuem auch Arrivo. Arrivo - das sind neben BamBrogan Knut Sauer, der bei Hyperloop One den Bereich Geschäftsentwicklung leitete, William Mulholland, ehemals Hyperloop-One-Finanzchef, und David Pendergast, einer der Juristen des Unternehmens.

Bei ihrem Ex-Arbeitgeber heißen sie nur die Viererbande - nach der Gruppe um Mao Zedongs Frau Jiang Qing, die nach dem Tod des Großen Vorsitzenden die Macht in China übernehmen wollte. Und genau das warf ihnen Mitgründer und Unternehmenschef Shervin Pishevar vor: Sie hätten einen Umsturz geplant und versucht, Mitarbeiter für ihr eigenes Projekt abzuwerben.

Der Rechtsstreit wurde beigelegt

Der Abgang war unschön: Die Geschassten warfen Mitgründer Pishevar Missmanagement und Verschwendung von Geld vor, Bambrogan wurde gar bedroht. Das Ganze hatte ein juristisches Nachspiel, das mit einer Einigung im November endete. Viel darf Sauer nicht sagen. Nur so viel: Außer aktiv Leute von Hyperloop One abzuwerben, dürfen die vier alles machen.

"Wir haben unsere eigene Interpretation von Hyperloop", sagt Sauer im Gespräch mit Golem.de. "Mit weniger Aufwand im Marketing, aber dafür echter Technologieentwicklung." Das bedeutet, mit einem realistischen ersten Schritt zu starten, ohne das große Ziel aus den Augen zu verlieren. "Also vielleicht nicht mit 750 Meilen in der Stunde und in einer druckreduzierten Umgebung. Das reduziert die Technik- und Investitionsrisiken und die Sicherheitsanforderungen sind auch andere."

Wie kommt der Reisende zum Hyperloop?

Außerdem will Arrivo ein Konzept für die erste und die letzte Meile entwickeln. "Das ist ja immer die große Kritik an Hyperloop", sagt Sauer. "Wie bilde ich das im dichten urbanen Netz ab? Es kann ja nicht überall ein Hyperloop-Portal geben, sondern ich muss den Kunden irgendwie das letzte oder das erste Stück seiner Reise befördern."

Das sei ein wichtges Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Hyperloopern, die das gern außer Acht ließen, sagt Sauer. "Da haben wir ein paar gute Ideen."

Arrivo bleibt fürs Erste im Windschatten

Nur, wie die aussehen, dürfe er nicht erzählen. Arrivo sei gerade dabei, die Ideen schützen zu lassen. Zudem seien einige Projekte in Planung: im Mittleren Osten, zwei in den USA und eines in Europa. Arrivo solle dafür Machbarkeitstudien erstellen - es gehe um Projekte für Personen- und Güterverkehr. Aber auch hier: keine Details - "da wir da kurz vor dem Abschluss stehen".

Mit Investoren steht Arrivo Sauer zufolge im Gespräch. Zu den Interessenten sollen mehrere Venture-Capital-Unternehmen aus dem Silicon Valley sowie einige namhafte Technologie-Unternehmen gehören. Sauer rechnet damit, eine erste Finanzierungsrunde in wenigen Wochen abzuschließen, eine zweite im Herbst.

Man kennt sich

Kontakte scheinen also vorhanden. "Ich glaube, dass Brogan Bambrogan und ich im Hyperloop-Space in den letzten anderthalb Jahren genug Popularität erreicht haben, dass wir allein durchaus in der Lage sind, genügend Kapital zu finden, um eine Firma auf die Beine zu stellen", sagt Sauer. Das gilt nicht nur für Investoren.

Aus der Viererbande seien inzwischen die "Glorreichen Sieben" geworden, sagt Sauer - die Neuzugänge sind erfahren auf dem Gebiet: Nima Barahmi hat bei Hyperloop One die gesamte Steuerungstechnik entwickelt und den Triebwerkstest im vergangenen Jahr geleitet. Andrew Howard Liu, bisher beim Ingenieur-Unternehmen Aecom, war für den Bau der Hyperloop-Teströhre verantwortlich, in der kürzlich die ersten Kapsel-Prototypen getestet wurden. Jadon Smith schließlich ist ein Luft- und Raumfahrtingenieur, der von SpaceX kommt.

Alle wollen in die Röhre

Am Ende will Arrivo, ebenso wie Hyperloop One, Hyperloop Transportation Technologies oder Transpod, Kapseln mit hoher Geschwindigkeit durch die Vakuumröhre jagen. Sauer sieht für sein neues Unternehmen sogar gute Chancen.

Im Moment kämpften alle Akteure damit, dass es noch keine Hyperloop-Industrie gebe. Es gelte jetzt, den Markt, die Kunden und Investoren davon zu überzeugen, dass es in der Zukunft eine Industrie geben wird, die kommerziell und technisch tragfähig sei, sagt Sauer. "Diese Arbeit machen die anderen für uns. Das ist wie beim Rennradfahren: Man fährt lange im Pulk mit und gewinnt am Schluss das Rennen, weil man die ganze Zeit im Windschatten gefahren ist."  (wp)


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