Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/o2-free-mit-gratis-sky-ticket-im-test-eigentuemliches-streaming-mit-sparpotenzial-1702-126097.html    Veröffentlicht: 10.02.2017 07:00    Kurz-URL: https://glm.io/126097

O2 Free mit gratis Sky Ticket im Test

Eigentümliches Streaming mit Sparpotenzial

Telefónica belohnt Mobilfunk-Neukunden derzeit mit einem Angebot. Wer einen O2-Free-Tarif neu bucht, erhält ein halbes Jahr lang Zugriff auf den Streamingdienst von Sky. Wir haben es ausprobiert und wären begeisterter, wenn Sky nicht so seltsame Eigenheiten hätte.

Einen günstigeren Zeitpunkt wird es kaum geben. Wer derzeit überlegt, zu einem O2-Free-Tarif zu wechseln, kann ein halbes Jahr lang kostenlos das Streamingangebot von Sky nutzen. Das entspricht einer Ersparnis von bis zu 150 Euro. Wir haben uns das Angebot angesehen und waren erfreut, dass Sky nach der Aktivierung ganz unabhängig vom Mobilfunktarif genutzt werden kann. Weniger begeistert waren wir davon, dass Sky bezüglich der Nutzung doch einige sonderliche Eigenheiten hat.

Komplizierte Aktivierung

Die Buchung der gewünschten Sky-Option erfolgt über das betreffende O2-Kundenkonto und ist damit etwas kompliziert. Nachdem die Option auf der O2-Webseite ausgewählt wurde, erhält der Anwender nicht direkt die Anmeldedaten für Sky. Stattdessen werden diese per E-Mail versendet. Mit den darin enthaltenen Kontodaten ist dann eine Anmeldung in der Sky-Ticket-App möglich. Das gewählte Paket gilt dann für die kommenden sechs Monate, ein Wechsel ist in dieser Zeit nicht möglich.

Der Kunde erhält das reguläre Sky-Angebot. Das Streaming ist dann entweder über den O2-Free-Tarif oder über eine beliebige andere Internetanbindung möglich. Kunden mit einem O2-Free-Tarif können auch nach Erreichen der Drosselungsgrenze noch das mobile Internet mit bis zu 1 MBit/s nutzen. In unserem Test von O2 Free konnten wir auch in der Drosselung Videostreaming nutzen - bei entsprechend verringerter Auflösung. Aber für das Betrachten von Videos auf einem Smartphone-Display war es ausreichend.

Der Status Quo im Streaming

Wir haben die Sky-Ticket-App in der aktuellen Version verwendet, mussten aber feststellen, dass sich seit unserem Test der Sky Online TV Box kaum etwas gebessert hat. Damals hieß die App noch Sky Online, wesentliche Verbesserungen kamen aber nicht dazu. Bezüglich des Bedienkomforts ist Sky weiterhin weit abgeschlagen hinter Amazon und Netflix.

Nutzer haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass die Streams in gleichbleibender Qualität abgespielt werden und die Navigation durch die Apps meist ohne störende Wartezeiten vonstatten geht. Auch ist es ganz normal, dass ein Film oder eine Serienepisode ohne Dialogabfragen dort abgespielt werden, wo sie unterbrochen wurden. Und wer eine Serie am Stück schaut, erhält am Ende einer Folge einen Link zur nächsten, um direkt weiterzuschauen.

Außerdem sind es Amazon- und Netflix-Nutzer gewohnt, die gleiche Merkliste auf allen abzuspielenden Geräten zu haben. Auch können beide Dienste auf beliebig vielen Geräten verwendet werden. Und der Nutzer kann ohne Mühe auf die zuletzt angeschauten Inhalte zugreifen. Ferner ist Surroundton selbstverständlich vorhanden. Das klingt alles nicht gerade nach innovativen Funktionen, sie sorgen aber für eine komfortable Nutzung - auf das meiste davon müssen Sky-Kunden weiterhin verzichten.

Weiterhin unzureichende Geräteunterstützung

Für viele Smart-TVs und Streaming-Geräte gibt es weiterhin offiziell keine Sky-Ticket-App. Vor allem die in Deutschland beliebten Fire-TV-Geräte, aber auch Android-TV-Konsolen wie das Shield TV von Nvidia werden nicht unterstützt. Auf den Fire-TV-Geräten und dem Shield TV lässt sich die Sky-Ticket-App per Sideloading zwar aufspielen, aber eine Steuerung mit der Fernbedienung ist nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Wir nutzten die Sky-Ticket-App auf dem aktuellen Apple TV, die offiziell angeboten wird und auch ganz normal mit der Fernbedienung verwendet werden kann. Obwohl das Apple TV einen leistungsstarken Prozessor hat, hinterlässt die Sky-App einen armseligen Eindruck. Immer wieder muss sich der Nutzer auf störende Wartezeiten einrichten, wenn etwa zwischen den Hauptrubriken gewechselt wird. Dabei müssen lediglich die betreffenden Cover-Icons der Inhalte geladen werden.

Bei der Nutzung des Sky-Dienstes störten wir uns an einigen unschöne Besonderheiten.

Keine Synchronisation der Merkliste

Wir richteten das Sky-Konto auf einem Android-Smartphone ein und trugen mehrere Titel in die Merkliste der Sky-Ticket-App. Denn wir gingen davon aus, dass die Merkliste dann auch auf anderen Geräten zur Verfügung steht. Überrascht stellten wir fest, dass die Merkliste in der Apple-TV-App leer war. Die Inhalte der Merkliste werden nämlich nicht synchronisiert und stehen immer nur auf dem Gerät zur Verfügung, auf dem die Inhalte hinzugefügt wurden.

In der Apple-TV-App vermissten wir auch einen Bereich mit den zuletzt gesehenen Inhalten. Den gibt es zwar in der Smartphone-App, nicht aber auf dem Streaming-Gerät. Die App verhält sich also abhängig vom Gerät auch noch unterschiedlich. In den zuletzt gesehenen Inhalten tauchen erfreulicherweise auch alle Filme und Serienepisoden auf, die wir auf dem Apple TV angeschaut haben. Hier wird also synchronisiert, warum das mit der Merkliste nicht möglich ist, bleibt rätselhaft.

Suche ist ein Ärgernis

Das Finden von Sky-Inhalten ist mühselig. Weil die App recht träge reagiert, griffen wir auf die Suchfunktion zurück. Aber die Enttäuschung folgte schnell, denn gleich drei Ärgernisse sorgen hier für Verdruss: Selbst wenn wir den kompletten Titel eines Filmes eingegeben hatten, tauchte der Suchtreffer nicht als erstes Ergebnis auf. Stattdessen mussten wir manchmal sogar eine Bildschirmseite weiter blättern, bis der gesuchte Titel zu sehen war. Darüber befanden sich etliche Einträge, die zumindest vom Titel her nichts mit dem Suchbegriff zu tun hatten.

Als weiteres Ärgernis bietet die Sky-Ticket-App keine Wortvervollständigung. Während es mittlerweile üblich ist, nur den Beginn eines Titels eingeben zu müssen und bereits passende Vorschläge zu erhalten, müssen Sky-Kunden den Titel im Zweifel komplett eintippen - besonders unkomfortabel mit der Fernbedienung auf einer Bildschirmtastatur.

Das dritte Ärgernis ist, dass Sky weiterhin Serien nicht in Staffeln, sondern in einzelnen Folgen organisiert. Das Suchergebnis kann also von einzelnen Serienepisoden überflutet sein.

Serienverwaltung ist maximal umständlich

Dieses Ärgernis setzt sich in der Merkliste fort. Nutzer können zwar eine komplette Staffel einer Serie in der Merkliste ablegen, dann wird aber jede einzelne Episode einer Staffel hinzugefügt. In der Merkliste gibt es dann nicht einen Eintrag, sondern bei entsprechend langen Staffeln mehr als 20. Schon mit zwei Serienstaffeln ist die Übersicht in der Merkliste dahin.

Auch beim Schauen einer ganzen Staffel liegt Sky weit hinter dem zurück, was im Streaming-Bereich üblich ist. So erwarten Kunden, dass am Ende einer Serienfolge eine Einblendung zur nächsten Episode erscheint, um die Serie fortzusetzen. So etwas fehlt bei Sky komplett und wirkt im Zusammenspiel mit der ungenügenden Serienverwaltung besonders ärgerlich.

Ein eher kleines, aber am Ende doch ziemlich nerviges Ärgernis ist das Verhalten von Sky, wenn ein Film oder eine Episode unterbrochen wird. Der Dienst merkt sich zwar immerhin zuverlässig die letzte Wiedergabeposition, fragt aber jedesmal nach, ob der Titel fortgesetzt oder von Anfang beginnen soll.

Besonders ärgerlich wurde es, als wir uns einfach nicht in der Sky-Ticket-App anmelden konnten.

Anmeldeprobleme bleiben sonderbar

Als wenn all das nicht schon ärgerlich genug wäre, mussten wir uns auch noch mit Anmeldeproblemen herumplagen. Innerhalb einiger Wochen kam es immer wieder vor, dass die Sky-App die Zugangsdaten vergessen hatte. Dann mussten wir uns erneut in der App anmelden. Derartige Probleme sind uns bei Amazon und Netflix bei mehrjähriger Nutzung nicht ein einziges Mal passiert. Wir hatten bei Sky sogar einmal den Fall, dass mehrfache Anmeldeversuchen scheiterten und wir nach einer halben Stunde aufgegeben hatten. Wir sind dann vom Apple TV auf einen Chromecast gewechselt und konnten den gewünschten Inhalt ansehen.

Wer sich die Sky-Inhalte bevorzugt in englischer Sprache anschauen möchte, wird sich darüber mokieren, dass sich die App nicht die zuletzt eingestellte Sprache merkt. Wenn also eine Serie geschaut wird, muss für jede Folge erneut die Sprache gewechselt werden, weil standardmäßig die deutsche Tonspur vorausgewählt ist. Noch ärgerlicher ist das komplette Fehlen von Surroundklang. Auf dem Apple TV spuckte die Sky-Ticket-App generell keinen Mehrkanalton aus, es gab nur Stereoton. Im Sky-Support-Forum bestätigte der Anbieter kürzlich, dass Sky-Ticket-Kunden generell kein Dolby Digital erhalten. Auf der Sky-Ticket-Webseite fehlt ein solcher Hinweis ganz.

Nur auf maximal vier Geräten nutzbar

Bei Sky gibt es eine weitere untypische Einschränkung. Der Kunde darf sich nur auf maximal vier Geräten mit seinen Kontaktdaten anmelden. Hierbei geht es keineswegs darum, den Dienst auf vier Geräten zur gleichen Zeit zu nutzen, sondern nur darum, ob der Nutzer sich eben irgendwann einmal auf vier Geräten anmeldet. Sky erlaubt es dabei nicht, mit einem Konto auf mehr als einem Geräte zur gleichen Zeit angemeldet zu sein. Der Nutzer kann also nicht die Apple-TV-App aktiv haben und dabei die Sky-Ticket-App auf dem Smartphone aufrufen. Die Liste dieser vier Geräte kann dann nur alle 60 Tage zurückgesetzt werden.

Probleme mit der Bildqualität

Unzufrieden waren wir auch bezüglich der Bildqualität. Mitten im Film passierte es trotz ausreichend schneller DSL-Leitung immer wieder, dass sich die Bildqualität verschlechterte und für mehrere Sekunden deutlich sichtbar keine HD-Auflösung mehr geliefert wurde. Full-HD-Auflösung gibt es nicht. Vergleichbare Erfahrungen kennen wir weder von Amazon noch von Netflix - und das seit vielen Monaten. Bei der Sky-Ticket-Nutzung geschah dies in wenigen Wochen mehrfach.

Aktuelles Sortiment

Bezüglich der Film- und Serienauswahl gibt es im deutschen Markt weiterhin keinen echten Konkurrenten zu Sky. Der Dienst zeichnet sich durch aktuelle Filme und Serien aus, die bei anderen Streamingabodiensten erst wesentlich später zu sehen sind. Und viele HBO-Serien wie Game of Thrones oder Westworld gibt es nur im Sky im Abo.

Allerdings können sich Sky-Ticket-Kunden auch nicht immer darauf verlassen, dass alle Folgen einer gerade ausgestrahlten Serie verfügbar sind. Während unseres Tests lief beispielsweise gerade die letzte Staffel von The Good Wife, aber der Streaming-Kunde konnte immer nur auf die letzten zwei ausgestrahlten Folgen zurückgreifen. Es war nicht möglich, die Staffel von Anfang an zu sehen. Um solche Unwägbarkeiten im Vorfeld auszuschließen, gibt es praktischerweise die Möglichkeit, sich vor einer erneuten Buchung alle gerade verfügbaren Sky-Inhalte anzuschauen.

Denn die Sky-Ticket-App zeigt auch ohne Anmeldung die gerade im Abo enthaltenen Inhalte. Wer also unbedingt einen bestimmten Film oder eine bestimmte Serie sehen möchte, kann sich vor der Buchung erkundigen, ob der betreffende Inhalt enthalten ist. Im Fall einer Serie sollte darauf geachtet werden, ob nur Teile einer Staffel verfügbar sind.

Verfügbarkeit und Fazit

Telefónica bietet das spezielle Paket noch bis Ende März 2017 an. Wer bis dahin einen beliebigen O2-Free-Tarif neu bucht, kann Sky sechs Monate in Folge kostenlos nutzen. Danach verlängert sich das Abo um jeweils einen Monat, wenn es nicht zuvor gekündigt wird. Das muss mindestens eine Woche vor Ablauf des Monats geschehen.

Prinzipiell gibt es das Paket erst ab dem O2-Free-M-Tarif, das monatlich 35 Euro kostet. Wer allerdings online bucht, erhält die Sky-Aktion auch im kleinsten O2-Free-Tarif für monatlich 25 Euro. Beide Tarife enthalten eine Telefon- und SMS-Flatrate, und nach Verbrauch des ungedrosselten Datenvolumens kann das mobile Internet weiterhin mit bis zu 1 MBit/s genutzt werden.

Bezüglich der Sky-Abos muss sich der Kunde entscheiden, ob er für ein halbes Jahr das Paket Entertainment oder Cinema buchen möchte. In den sechs Monaten ist dann kein Wechsel zwischen den Paketen möglich. Das Entertainment-Paket kostet regulär 9,99 Euro monatlich und das Cinema-Paket gibt es für 14,99 Euro im Monat.

Im Entertainment-Paket gibt es Zugriff auf aktuelle Serien, während das Cinema-Ticket vor allem den Zugriff auf Filme vorsieht. In beiden Paketen ist für O2-Free-Kunden ein Supersport-Tagesticket im Gegenwert von 9,99 Euro dabei. Wer also das Cinema-Paket samt Supersport-Ticket für ein halbes Jahr kostenlos bekommt, spart insgesamt 150 Euro.

Wer bereits O2-Free-Kunde ist, erhält ebenfalls eine kleine Vergünstigung, wenn eines der genannten Sky-Abos gebucht wird. Denn dauerhaft gibt es ein Supersport-Tagesticket kostenlos dazu. Aber auch die Buchung eines Supersport Tagestickets ist günstiger und kostet für O2-Free-Kunden 4,99 Euro. Dieser Preis gilt unabhängig davon, ob eines der Monatsabos gebucht wurde. Die Sky-Dienste werden über die Mobilfunkrechnung abgerechnet.

Fazit

Wer entweder schon immer Sky längere Zeit nutzen wollte oder bereits Kunde ist, kann derzeit bei Buchung eines O2-Free-Tarifs bis zu 150 Euro sparen. Ein halbes Jahr lang erhalten O2-Kunden uneingeschränkten Zugriff auf das Streaming-Sortiment von Sky. Das Paketangebot ist für diese Kundengruppe perfekt. Schade ist allerdings, dass sich Kunden für sechs Monate für eines der beiden Sky-Pakete entscheiden müssen und nicht monatlich wechseln können.

Generell bleibt der Nachteil, dass sich Nutzer an die Sky-Eigenheiten gewöhnen müssen und bei der Bedienung nicht gerade viel Komfort erwarten dürfen. Im Gegenzug gibt es bei Sky viele Filme und Serien, die bei anderen Abodiensten erst viel später ins Sortiment kommen, wenn überhaupt. Kunden können sich also auf aktuelles Material freuen. Allerdings ist auch ein Sky-Abo kein Garant dafür, etwa alle aktuellen Filme der letzten zwei Jahre sehen zu können, es gibt nur eine Auswahl.

Mit der aktuellen Aktion will Telefónica vor allem neue Kunden gewinnen. Bestandskunden erhalten lediglich das Supersport-Tagesticket einmal im Monat zum halben Preis. Außerdem ist ein solches Tagesticket Bestandteil der Sky-Monatspakete. Wer sich allerdings nicht für Sport interessiert, erhält als O2-Free-Bestandskunde keinerlei Preisnachlass und kann die betreffenden Abos auch gleich direkt bei Sky buchen.  (ip)


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