Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/lineageos-im-test-das-neue-cyanogenmod-ist-fast-das-alte-cyanogenmod-1702-126026.html    Veröffentlicht: 07.02.2017 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/126026

LineageOS im Test

Das neue Cyanogenmod ist fast das alte Cyanogenmod

Das Team von LineageOS hat die ersten Nightly Builds seines neuen Android-ROMs herausgebracht. Als Nachfolger von Cyanogenmod wurden diese mit Spannung erwartet. Golem.de hat sich das neue ROM auf einem Nexus 6P angeschaut.

Das Aus von Cyanogenmod (CM) kam irgendwie plötzlich, aber nicht ganz unerwartet: Nach den weitreichenden Umstrukturierungen bei Cyanogen, die Entlassungen von Gründungsmitglied Steve Kondik und weiteren Mitarbeitern beinhalteten, wurde der kostenlosen Android-Distribution schlicht die Unterstützung entzogen. Das Projekt ist damit seit dem 31. Dezember 2016 faktisch tot.

Für viele Android-Nutzer der ersten Stunde fühlt sich das komisch an: Cyanogenmod - das ist ein Begriff, der fest mit dem Flashen von Android-ROMs verbunden und jahrelang eine der Konstanten in der Flasher-Szene gewesen ist. Wer ein ROM für sein Smartphone suchte, wurde spätestens bei Cyanogenmod fündig.

Cyanogenmod mag tot sein, einen Ersatz gibt es aber schon: LineageOS heißt der Nachfolger des Projekts, der den Code ohne Cyanogen-Unterstützung pflegen und weiterentwickeln will. Lineage bedeutet Abstammung; Cyanogenmod wurde das neue ROM nicht genannt, da Markenrechtsstreitigkeiten verhindert werden sollten. Mittlerweile sind die ersten Builds von LineageOS verfügbar - Zeit, sich das ROM genauer anzuschauen.

Problemlose Installation über Custom Recovery

Wir haben uns das aktuelle Nightly Build von LineageOS 14.1, das auf Android 7.1.1 basiert, auf ein Nexus 6P geladen. Die Installation verlief ohne Probleme - nach dem Aufspielen von TWRP als Custom Recovery haben wir das ROM und die Open GApps geflasht, das Smartphone bootete anschließend ohne Probleme.

Allerdings wird uns nach jedem Neustart ein Hinweis angezeigt, dass ein unpassendes Vendor-Image erkannt wurde. Diese Benachrichtigung lässt sich einfach wegdrücken und das Gerät ganz normal nutzen. Das korrekte Vendor-Image lässt sich aus dem Factory Image des Nexus 6P extrahieren (vendor.img) und per Fastboot nachflashen; wir haben im Zuge dieses Tests darauf verzichtet, da die Funktion nicht eingeschränkt ist.

Pixel Launcher als Startbildschirm

Als Startbildschirm verwendet LineageOS den Trebuchet Launcher, nach Installation der GApps lässt sich auch der Pixel-Launcher verwenden - allerdings natürlich ohne Google-Assistenten. Die App-Übersicht öffnen wir dann durch einen Wisch der App-Leiste nach oben. Oben links befindet sich das Google-Fähnchen, über das sich die Suche öffnen lässt, ein Wisch nach rechts bringt die Google-Now-Seite zum Vorschein.

Viel pures Android

Bei der Benachrichtigungsleiste und den Schnelleinstellungen gibt es keine Überraschungen: Ein Wisch nach unten öffnet die Benachrichtigungen und die ersten sechs Schnelleinstellungen, ein weiterer Wisch alle Einstellungssymbole. Alternativ sind die kompletten Schnelleinstellungen wie gewohnt mit einem Zweifinger-Wisch direkt aufrufbar. Die Schnelleinstellungen lassen sich beliebig neu anordnen und bestücken; auch drei Optionen aus dem Entwicklerbereich sind verfügbar: das Einblenden der Layoutgrenzen, das GPU-Rendering und die Anzeige von Nearby-Spots.

LineageOS kommt ohne vorinstallierte Extra-Software - auch die Google-Apps sind standardmäßig nicht inkludiert, wie bei vielen alternativen ROMs üblich. Im Unterschied zu früheren Cyanogenmod-Versionen fehlt auch die Theme-Engine, also die Möglichkeit, die Benutzeroberfläche mit verschiedenen Designs zu verändern. Wir haben die Theme-Engine nie verwendet, weshalb uns dieser Verlust nicht schmerzt, im Gegenteil: Wir verzichten gerne auf unnützen Ballast.

Das Einstellungsmenü zeigt im oberen Bereich Einstellungsvorschläge an, darunter folgen die eigentlichen Menüpunkte. Wir können ein Inaktivitätsdisplay einstellen, das neue Nachrichten auch dann anzeigt, wenn das Nexus 6P im Standby-Modus ist. Zusätzlich kann auch eingestellt werden, dass das Inaktivitätsdisplay angeht, wenn wir das Smartphone anheben. Ein Doppeltipp auf den Bildschirm des Gerätes im Standby-Modus kann es aufwecken - alles Funktionen, die Nutzern eines Pixel-Smartphones beispielsweise auch bekannt sind.

Viele Einstellungsmöglichkeiten von CM übernommen

Die Nachtlicht-Funktion von Android 7.1.1 auf dem Pixel heißt unter LineageOS wie auch bei Cyanogenmod Livedisplay. Die Funktionsweise ist dieselbe: Am Abend wird das Display rot eingefärbt, was für einen besseren Schlaf sorgen soll. Bei LineageOS können wir zudem mit drei Schiebereglern die Farbwiedergabe insgesamt kalibrieren. Außerdem gibt es einen Vollbildmodus.

Neben der Möglichkeit, die Tasten konfigurieren zu können, besteht einer der Hauptunterschiede zwischen LineageOS und herkömmlichem Android in einer weitaus umfangreicheren Rechte- und Nutzerdatenverwaltung - ein Merkmal, das bereits Cyanogenmod auszeichnete. Unter dem Menüpunkt "Datenschutz" können wir Systemzugriffe entweder komplett oder einzeln unterbinden. Neu installierten Apps können wir grundsätzlich erst einmal alle Zugriffe verbieten. Die Datenschutzoption unter LineageOS beinhaltet zudem eine App-Sperre: Hier können wir Anwendungen mit einem Wischmuster sperren.

Der letzte Unterschied zu Android 7.1.1 auf dem Pixel betrifft die Statusleiste: Wie viele Custom ROMs - auch Cyanogenmod - bietet LineageOS die Möglichkeit, die Elemente der Statusleiste stark zu modifizieren. So können wir beispielsweise die Position der Uhr neu festlegen, ebenso, welche Symbole angezeigt werden sollen. Ein weiteres altes Element von Cyanogenmod findet sich unter LineageOS: Die Helligkeit kann wahlweise mit einem Wisch entlang der Statusleiste manuell verändert werden.

Fazit

Insgesamt betrachtet ist LineageOS ein sehr aufgeräumtes ROM ohne viel Schnickschnack. Die Abstammung von Cyanogenmod ist erkennbar, allerdings verzichten die Macher von LineageOS auf CM-Elemente wie die Theme-Engine - für uns ist das eine gute Sache, da wir sie nie gebraucht haben. Wer allerdings seinem Smartphone gerne öfter einmal ein neues Antlitz verpasst hat, wird diese Möglichkeit womöglich vermissen.

Übernommen hat LineageOS die Einstellungsmöglichkeiten von Cyanogenmod - ansonsten fehlt dem ROM ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal, ein besonderes Feature. Zugegebenermaßen war dies aber auch mit CM bereits so: Das ROM zeichnete sich mehr durch seine Zuverlässigkeit, seine breite Verfügbarkeit und die schnelle Verfügbarkeit neuer Android-Versionen aus - das zumindest zu seinen Hochzeiten vor zwei Jahren.

LineageOS läuft bei uns ohne Probleme

In unseren Tests liefen die Nightly Builds völlig problemlos. Zunächst testeten wir die erste Build vom 23. Januar 2016, anschließend die Build vom 6. Februar 2017. Lediglich der Hinweis mit dem Vendor-Image ist bei unserem Gerät etwas nervig - was sich durch Flashen des korrekten Images aber beseitigen lassen würde.

Erfreulich ist, wie schnell das Team von LineageOS die Anzahl an verfügbaren ROMs vergrößert hat: Waren es zum Start nur fünf Smartphones, für die ROMs zum Download bereitstanden, sind es jetzt bereits über 60. Darunter sind zahlreiche Geräte von Google, Samsung, Sony, HTC und LG - auch ältere Geräte, die dennoch die auf Android 7.1.1 basierende Version 14.1 erhalten.

LineageOS hat dadurch bereits jetzt eines der Hauptmerkmale von Cyanogenmod erfüllt: die breite Verfügbarkeit. Denkbar ist, dass sich das Team zunächst darauf konzentriert, möglichst viele Geräte zu unterstützen, und anschließend neue Funktionen einbauen wird. Das würde das ROM dann ein wenig spannender machen.  (tk)


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