Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/standardisierung-ietf-fordert-diversitaet-und-fuerchtet-unternehmensdominanz-1702-125934.html    Veröffentlicht: 01.02.2017 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/125934

IETF

Das Internet bekommt eine Chefin

Der IETF-Vorstand freut sich über eine Frau als neue Vorsitzende sowie eine große Diversität in dem Gremium und fordert andere auf, diesem Beispiel zu folgen. Die Beteiligten äußern allerdings Sorge über die vermeintliche Dominanz eines einzelnen Unternehmens im Vorstand.

Mit der Cisco-Angestellten Alissa Cooper leitet ab März dieses Jahres erstmals eine Frau als Vorsitzende die Internet Engineering Task Force (IETF), das gibt der scheidende Vorsitzende Jari Arkko im Blog des Standardisierungsgremiums bekannt. Darüber hinaus sei Cooper nicht nur die erste Frau in diesem Amt, sondern dem IETF-Leitungsgremium IESG gehören auch in der neuen Zusammensetzung weiter insgesamt fünf Frauen an. Der Frauenanteil im IESG beträgt damit rund ein Drittel.

Dies sei ein gutes Beispiel für andere Tech-Organisationen, diesem Anspruch an Diversität zu folgen, schreibt Arkko. Und wenn auch eigentlich unnötig, betont Arkko dennoch, dass die Wahl für die neuen Mitglieder allein deshalb getroffen worden sei, weil die Personen einfach die besten für diese Positionen seien. Ebenso fordert Arkko andere Standardisierungsgremien etwas scherzhaft dazu auf, die Frauenquote in der IETF-Führung noch zu übertreffen.

Die designierte IETF-Vorsitzende Cooper war bisher Teil der Bereichsleitung (Area Director) für Anwendungen und Echtzeit (ART) innerhalb des IESG. Gemeinsam mit Arkko hat sie die IETF im Gremium (ICG) für die inzwischen abgeschlossene IANA-Transition vertreten. Cooper ist außerdem Hauptautorin des Standard RFC 6973, der für den Datenschutz relevante Überlegungen und Leitlinien zum Erstellen von Internet-Protokollen darlegt. Cooper arbeitete zudem an RFC 7754, der Möglichkeiten zum Filtern und Blockieren des Netzwerkverkehrs auch durch Staaten erörtert. Für Cisco verantwortet Cooper die Datenschutzpolitik für die Echtzeit-Kollaborationsprodukte des Unternehmens.

Vor allem diese Unternehmenszugehörigkeit sieht das für die Nominierung und Ernennung zuständige Gremium (Nomcom) kritisch. Immerhin sind neben Cooper mit Benoit Claise sowie Alvaro Retana zwei weitere Cisco-Angestellte im IESG vertreten. Zwar gebe es keine Berichte, dass dies irgendwelche Probleme in der Vergangenheit verursacht habe, das Team äußert aber auch explizit den Wunsch, dass dies auch für das kommende Jahr gelte. Andere Unternehmen haben über ihre Angestellten jeweils nur einen Sitz im IESG.  (sg)


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