Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/insiderhandel-mitarbeiter-verkaufen-firmengeheimnisse-im-darknet-1702-125924.html    Veröffentlicht: 01.02.2017 11:05    Kurz-URL: https://glm.io/125924

Insiderhandel

Mitarbeiter verkaufen Firmengeheimnisse im Darknet

Auf illegalen Online-Marktplätzen werden derzeit offenbar gezielt Insider angeworben, um mit deren Informationen kriminelle Geschäfte zu ermöglichen. Die Bandbreite reicht von Insiderhandel am Aktienmarkt bis zur Infektion von Banken durch Malware.

Im Darknet werden nicht nur Drogen und Waffen gehandelt, sondern auch Geschäftsgeheimnisse großer Unternehmen, die später beim Insiderhandel an der Börse monetarisiert werden. Eine Analyse der Sicherheitsfirmen Redowl und Intsights zeigt, wie das Geschäft abläuft [PDF].

Die beteiligten Sicherheitsforscher mussten sich mehreren Interviews stellen, bevor sie Zugang zu dem kostenpflichtigen Forum bekamen. Mit 1 Bitcoin ist der Preis für die Mitgliedschaft recht hoch, derzeit etwa 900 Euro.

In den Foren geben Insider aus Unternehmen zum Beispiel aktienkursrelevante Informationen bekannt, die dann genutzt werden können, um rechtzeitig Aktiengeschäfte abzuschließen. Die Insider werden für die Informationen der Untersuchung zufolge mit einer Kommission belohnt, auf Grund der Anonymität haben sie nur wenig Konsequenzen zu befürchten.

In dem untersuchten Kickass-Marketplace wurden demnach Informationen über den generellen Aktienmarkt, über Währungsgeschäfte (Forex-Trading), und Rohstoffhandel ausgetauscht. Das Geschäft läuft offenbar gut - die Bitcoin-Wallet des Marktplatzes hat einen Gegenwert von rund 180.000 US-Dollar.

Kreditkartendaten von Händlern

Auch Insider im Bereich des Handels werden gesucht, um Kreditkartenbetrug zu ermöglichen. In einem Post heißt es: "Wenn du einen (Redigierter Name der Kaufhauskette) Kassenmitarbeiter kennst, der meinem Team (mehreren Mules) ermöglicht, einige iPhone 6 zu kaufen bekommst du 100 britische Pfund pro Gerät". Mules sind Gehilfen der Kreditkartenfälscher, die die erbeuteten Daten in Geschäften und an Geldautmaten zu Geld machen sollen.

In anderen Fällen sollen Anwerber versucht haben, Insider in Banken zu finden, die dann Malware auf den Computern installieren, um ohne Umgehung von Firewalls und anderen Sicherheitsmechanismen aktiv werden zu können. Entsprechende Angriffe zum Beispiel auf die Upstream-Zahlungsgateways von Banken hatte die Sicherheitsfirma Kaspersky im vergangenen Jahr beschrieben.  (hg)


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