Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/office-365-microsofts-cloud-dienste-auf-deutschen-servern-mit-aufpreis-1701-125802.html    Veröffentlicht: 25.01.2017 15:10    Kurz-URL: https://glm.io/125802

Office 365

Microsofts Cloud-Dienste auf deutschen Servern mit Aufpreis

Der Softwarehersteller Microsoft bietet seine Office-365-Produkte nun auch in einer Deutschland-Version an. Dabei verspricht das Unternehmen, dass die Daten ausschließlich in seinen neuen Rechenzentren im Inland gespeichert werden. Diesen Service müssen Kunden aber bezahlen.

Nach dem Rechtsstreit mit der US-Regierung um den Zugriff amerikanischer Behörden auf in Europa gespeicherte E-Mails macht Microsoft nun Ernst. Eine neue Cloud-Lösung, bei der alle Daten ausschließlich in in Deutschland stehenden Rechenzentren gespeichert werden, soll Kunden künftig vor dem Zugriff ausländischer Regierungen schützen.

Das neue Angebot, das unter anderem mit einem Foto des Reichstagsgebäudes beworben wird, wird allerdings 25 Prozent teurer sein als vergleichbare internationale Cloud-Pakete des Unternehmens. Microsoft begründet dies laut Futurezone mit den hohen Kosten für den Aufbau und Betrieb der beiden neuen Rechenzentren in Frankfurt am Main und in der Nähe von Magdeburg. Demnach würden auch der Service und Vertrieb für die neuen Pakete vollständig in Deutschland abgewickelt.

Microsoft will keinen Zugriff mehr

Mit seinem deutschen Cloud-Angebot geht Microsoft noch einen Schritt weiter: Die deutschen Rechenzentren sollen praktisch gar nicht mehr von Microsoft kontrolliert werden. Für den Datenzugriff soll in Zukunft stattdessen die T-Systems International GmbH als Treuhänder zuständig sein. T-Systems ist eine Tochter der Deutschen Telekom AG und bietet Cloud-Lösungen für Geschäftsgroßkunden an.

"Der deutsche Datentreuhänder kontrolliert den gesamten Zugang zu Kundendaten, wozu virtuelle Computer, E-Mails, Anlagen, Bilder, Speicher-Blobs, Datenbankinhalte und weiteres mehr gehören", heißt es bei Microsoft. "Ohne Zustimmung des Datentreuhänders oder des Kunden erhält Microsoft keinen Zugriff. Wird diese Zustimmung durch den Datentreuhänder erteilt, greift Microsoft nur unter dessen Aufsicht zeitlich begrenzt auf die Kundendaten zu." Selbst zukünftige Softwareupdates müssen demnach immer erst durch T-Systems genehmigt werden.

Rechtsstreit könnte vor Supreme Court enden

Grund für die neue Rigorosität ist sehr wahrscheinlich besagter Rechtsstreit mit der US-Regierung, der sich bereits seit 2014 hinzieht. Zwar entschied die erste Instanz in New York zunächst, Microsoft müsse den US-Behörden E-Mails seiner Kunden nach US-Recht zugänglich machen, auch wenn diese in Europa gespeichert sind. Ein Berufungsgericht kippte diese Entscheidung jedoch im Sommer 2016 zugunsten Microsofts und verweigerte erst kürzlich den Antrag des US-Justizministeriums auf eine erneute Anhörung.

Als letzten Schritt bliebe dem Ministerium der Gang vor das US-Verfassungsgericht. Beobachter schließen aber auch nicht aus, dass die neue US-Regierung um Präsident Donald Trump eine Gesetzesverschärfung durchsetzen könnte, um künftig US-Konzerne zur Herausgabe aller Daten unabhängig vom Speicherort zwingen zu können.

Localization als Lösung?

Daher versucht es Microsoft nun mit einer lokalen Lösung, bei der T-Systems als deutsches Unternehmen nicht von der US-Regierung zur Herausgabe von Daten gezwungen werden kann. Microsoft treibt mit seinem neuen Angebot aber auch die "Localization" oder Nationalisierung des Internets voran, die von vielen Experten kritisch bewertet wird.

Ein Workshop des Internet Governance Forum kam bereits 2014 zu dem Schluss, dass freiwillige Maßnahmen, dem Internet lokal technische Kapazitäten hinzuzufügen, zwar grundsätzlich willkommen seien. "Ihr Einfluss auf eine Verminderung von Internetüberwachung ist jedoch nicht belegt." Stattdessen könnten solche Maßnahmen einen Chilling-Effekt auf Nutzer und zukünftige Innovatoren haben.  (jaw)


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