Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/honor-6x-im-test-viel-kamera-fuer-250-euro-1701-125776.html    Veröffentlicht: 25.01.2017 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/125776

Honor 6X im Test

Viel Kamera für 250 Euro

Mit 250 Euro ist das Honor 6X nicht teuer - vor allem angesichts der Tatsache, dass es eine Dual-Kamera, einen Fingerabdrucksensor und ein hochauflösendes 5,5-Zoll-Display hat. Golem.de hat sich das Smartphone der Huawei-Tochter genau angeschaut und überprüft, ob und für wen sich ein Kauf lohnt.

Das Honor 6X ist das jüngste Smartphone von Huaweis Tochterfirma Honor, das auf dem Papier mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis glänzt. Den Nachfolger des Honor 5x, das im Test von Golem.de bereits gut abgeschnitten hat, hatte Huawei bereits in China in den Handel gebracht; auf der Consumer Electronics Show (CES) 2017 kündigte der Hersteller den globalen Start an.

Das Honor 6X kostet in der Grundversion mit 3 GByte RAM und 32 GByte Flash-Speicher 250 Euro. Dafür bekommen Käufer ein Smartphone mit Dual-Kamera, 5,5-Zoll-Display, LTE-Unterstützung und Fingerabdrucksensor. Die Premiumversion, die uns für unseren Test vorliegt, kommt mit 4 GByte RAM und 64 GByte Flash-Speicher. Ob sich das Gerät im Alltag genauso gut schlägt, wie es klingt, hat Golem.de im Test überprüft.

Vom Aussehen her ähnelt das 6X dem 5x: Die Rückseite ist aus Metall, am oberen und unteren Rand sind jeweils nicht bündig abschließende Kunststoffeinlagen verbaut. Hinter diesen befinden sich die Antennen des Smartphones. Beim Mate 9 zeigt Huawei, dass sich derartige Abdeckungen auch schöner einbauen lassen - dieses Gerät kostet aber auch knapp das Dreifache des 6X.

Zwei Kameras statt einer

Auffälligste Änderung des 6X gegenüber dem 5x ist die Kamera auf der Rückseite: Statt eines Objektivs hat das neue Modell gleich zwei. Die obere Kamera hat 12 Megapixel und einen RGB-Sensor, die untere Kamera 2 Megapixel und einen monochromen Sensor. Anders als beim P9, dem Mate 9 und auch dem Honor 8 hat das neue, günstige Modell also einen zweiten Sensor mit geringerer Auflösung. Bei den anderen Geräten kommen auch 12 Megapixel zum Einsatz.

Der zweite Sensor soll auch beim Honor 6X die Schärfe verbessern sowie dem Nutzer die Möglichkeit geben, im Nachhinein den Fokus zu verändern. Das funktioniert zwar über eine Softwareberechnung, mit Hilfe des zweiten Objektivs lassen sich aber Tiefenschärfeinformationen gewinnen, die für die Berechnung hilfreich sind. Schwarz-Weiß-Aufnahmen lassen sich mit dem zweiten Objektiv des Honor 6X nicht anfertigen, was angesichts einer Auflösung von nur 2 Megapixeln aber auch kein Verlust ist.

Dual-Kamera macht gute Bilder

Die allgemeine Bildqualität der Hauptkamera ist besonders bei Tageslicht gut. Im ersten Vergleich zu den Dual-Kameras des Huawei Mate 9 und des Honor 8 scheinen die Bilder auf den ersten Blick gleich gut, erst bei leichter Vergrößerung sind beim Honor 6X mehr Artefakte zu erkennen. Feine Details werden besonders verglichen mit dem Mate 9 etwas unschärfer abgebildet, richtig fällt uns das aber erst bei starker Vergrößerung auf. Die Artefaktbildung ist auch im Vergleich mit dem Honor 8 etwas stärker.


Einen deutlicheren Vergleich zu den anderen Dual-Kamera-Smartphones gibt es bei Innenraumaufnahmen in schlechterer Beleuchtung. Dann sind die mit dem Honor 6X gemachten Bilder besonders in den dunkleren Bildbereichen merklich verrauschter, auch die Details sind nicht mehr so klar; die hellen Bereiche hingegen sehen gut aus. Die Schärfe geht etwas zugunsten einer Artefaktglättung drauf, ist insgesamt aber noch gut. Verglichen etwa mit dem Xiaomi Mi Mix, das deutlich teurer ist, schneidet das neue Honor bei Innenraumaufnahmen besser ab.

Nachträgliche Schärfeänderung dank zweitem Objektiv

Die nachträgliche Schärfeverlagerung funktioniert in der Live-Vorschau nicht so gut wie beim P9 und dem Mate 9, die Qualität der Refokussierung im fertigen Bild unterscheidet sich in unseren Tests aber nicht merklich von der der teureren Geräte. Wir können auch beim Honor 6X zwischen den virtuellen Blenden f/0,95 und f/16 wählen und dadurch den Hintergrund schärfer und unschärfer machen. Bei manchen Strukturen fällt dem Honor 6X die Erkennung schwer - das ist allerdings bei derartigen softwaregestützten Unschärfesystemen normal. Die im Schärfeverlagerungsmodus aufgenommenen Bilder haben maximal 8 Megapixel.

Videos lassen sich mit dem Honor 6X in maximal Full-HD aufnehmen. Zeitlupenaufnahmen sind nur in VGA-Auflösung möglich, also in 640 x 480 Pixeln - das empfinden wir selbst bei einem günstigen Gerät als zu wenig. Die Frontkamera des Honor 6X hat 8 Megapixel und macht entsprechend ansehnliche Selbstporträts.

Insgesamt ist die Bildqualität des Honor 6X besonders unter Berücksichtigung des Preises des Smartphones gut. Bei den Aufnahmen stimmen Belichtung und Schärfe, in den Details und bei den Artefakten gibt es Abstriche. Die Bilder rangieren von der Qualität unterhalb derer des Honor 8 - wenngleich die Unterschiede bei Tageslichtaufnahmen nicht stark sind. Innenraumaufnahmen haben bereits unter leichter Vergrößerung Artefakte; auch hier haben wir jedoch bei manch teureren Smartphones schon schlechtere Ergebnisse gesehen, insbesondere was die Belichtung angeht.

Gutes Full-HD-Display

Das Display des Honor 6X ist 5,5 Zoll groß und hat eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln. Das ergibt eine Pixeldichte von 403 ppi, was für eine scharfe Darstellung sorgt. Die Farbdarstellung des LC-Bildschirms ist neutral, die Farbtemperatur lässt sich kühler oder wärmer einstellen. Die Farben sind blickwinkelstabil, die Helligkeit nimmt im normalen Rahmen etwas ab, wenn wir schräg auf das Display schauen.

Die Helligkeit ist mit durchschnittlich 499 cd/qm für ein Smartphone sehr hoch, insbesondere für eines, das nur 250 Euro kostet. Zudem ist die Ausleuchtung sehr gleichmäßig und weicht zwischen dem oberen, mittleren und unteren Drittel maximal um ein Prozent ab. Das Display gefällt uns insgesamt sehr gut, vor allem angesichts des Preises des Smartphones.

Mittelklasse-SoC mit limitierter Grafikleistung

Als Prozessor kommt ein Kirin 655 zum Einsatz, ein Mittelklasse-SoC von Huaweis Chip-Tochterfirma Hisilicon. Der Chip hat vier Kerne mit einer Taktrate von 2,1 GHz und vier Kerne mit 1,7 GHz. Zusammen mit den 4 GByte Arbeitsspeicher reicht das, um unser Testgerät im Alltag flüssig laufen zu lassen. Browsen, Chatten, Mails abfragen und auch grafisch weniger anspruchsvolle Spiele sind mit dem Honor 6X unproblematisch, ebenso das Öffnen mehrerer Apps.


Bei Anwendungen, die grafisch herausfordernder sind, kommt das Smartphone allerdings ins Stocken - wofür das SoC und insbesondere die Grafikeinheit aus dem Low-End-Bereich, eine Mali T830 MP2, verantwortlich sind. Im Geekbench 4 erreicht das Honor 6X im Single-Test einen Wert von 803 Zählern, was in etwa auf dem Level des Moto Z Play liegt. Zum Vergleich: Das Huawei Mate 9 schafft 1.871 Punkte, das Oneplus 3T 1.915 Zähler.

Keine Rekorde in den Grafiktests

Im Grafiktest GFX Bench kommt das Honor 6X im Car-Chase-Test auf ein Offscreen-Ergebnis von nur 3 fps. Um die Zahl einschätzen zu können, auch hier wieder der Vergleich zur Topklasse: Das Oneplus 3T schafft 20 fps. Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMarks erreicht das 6X 11.845 Punkte, was nur etwas über einem Drittel dessen ist, was das Oneplus 3T schafft.

Ein Gaming-Smartphone ist das Honor 6X damit sicherlich nicht. Für alltägliche Aufgaben ist das Smartphone aber gut geeignet. Diese Eigenschaften teilte bereits der Vorgänger, das Honor 5x: Auch hier reichte die Prozessor- und Grafikleistung nicht für komplexe Spiele, aber für Alltägliches problemlos aus.

Single-Band-WLAN und Fingerabdrucksensor

WLAN beherrscht das Honor 6X nach 802.11b/g/n, also auf der Frequenz 2,4 GHz. Das Smartphone unterstützt LTE, Bluetooth läuft in der Version 4.1, ein GPS-Empfänger ist eingebaut. Nutzer können zwei SIM-Karten mit dem Smartphone verwenden. Bei Nutzung einer zweiten SIM ist es aber nicht mehr möglich, noch eine Speicherkarte in das Gerät zu stecken: Die zweite SIM-Karte und die Micro-SD-Karte teilen sich einen Steckplatz.

Unterhalb der Dual-Kamera ist auf der Rückseite ein Fingerabdrucksensor eingebaut. Über diesen können Nutzer das Smartphone entsperren, eine Druckfunktion wie der Sensor des Honor 8 hat er nicht. Allerdings können wir auch beim Honor 6X mit einem Wisch über den Sensor die Benachrichtigungsleiste öffnen oder durch die Bilder der Galerie blättern.

Auslieferung mit Android 6.0

Das Honor 6X wird noch mit Android 6.0 ausgeliefert, worauf die Benutzeroberfläche Emotion UI 4.1 läuft. Diese ist mittlerweile von zahlreichen anderen Huawei- und Honor-Smartphones bekannt: Die Oberfläche ist relativ stark angepasst und weist unter anderem keinen App-Drawer auf - alle Anwendungen werden demnach auf dem Startbildschirm abgelegt. Wie bei einem iPhone helfen hier Ordner, um die Übersicht zu behalten.

Emotion UI hat bis einschließlich der Version 4.1 eine Energiesparoption, die Apps automatisch beendet, wenn der Nutzer das Smartphone in den Standby-Modus versetzt. Auch das Honor 6X macht das, was bei manchen Messaging-Apps zu Problemen mit dem Nachrichtenempfang führen kann. Nutzer können Apps, die nicht geschlossen werden sollen, in eine Whitelist eintragen.

Der Akku des Honor 6X hat eine Nennladung von 3.340 mAh. Honor zufolge soll das für 11,5 Stunden Videoschauen ausreichen. Wir kommen bei voller Helligkeit auf eine Videolaufzeit von sieben Stunden - angesichts der hohen Lichtstärke des Smartphones ein anständiger, wenn auch nicht überdurchschnittlicher Wert. Auch Nutzer, die ihr Smartphone häufiger verwenden, kommen mit dem Honor 6X bequem über den Tag.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Honor 6X kostet mit 3 GByte Arbeitsspeicher und 32 GByte Flash-Speicher im Honor-Onlineshop sowie im Onlinehandel 250 Euro. Die Premiumversion mit 4 GByte RAM und 64 GByte Flash-Speicher kostet 300 Euro, ist aktuell aber nur bei Onlinehändlern erhältlich und nicht in Honors Onlineshop.

Fazit

Das Honor 6X ist nicht per se wegen seiner Hardware besonders aufsehenerregend, sondern aufgrund des Preises: Die Standardversion kostet 250 Euro, dafür erhalten Käufer ein gut verarbeitetes Smartphone mit ausreichend Leistung für alltägliche Anforderungen, einem guten Display, 3 GByte RAM und einer Dual-Kamera.


Diese macht besonders bei Tageslicht schöne Aufnahmen, die recht nah an die Bildqualität des teureren Honor 8 heranreichen. Zum Mate 9 sind die Unterschiede größer, im direkten Vergleich sind die Fotos des Honor 6X aber immer noch ziemlich gut - besonders angesichts des Preisunterschieds.

Bei schlechterer Beleuchtung machen sich beim Honor 8 und beim Mate 9 die höher auflösenden Monochromsensoren bemerkbar. Dann kann das Honor 6X mit seinem zusätzlichen 2-Megapixel-Sensor nicht mehr mithalten, die Artefakte sind dann merklich stärker als bei den beiden teureren Huawei-Smartphones.

Der Prozessor des Honor 6X eignet sich nicht besonders gut für grafisch anspruchsvolle Spiele, einfachere Games und alltägliche Nutzung bringen aber besonders unser Testgerät mit 4 GByte RAM nicht ins Stocken. Wie sein Vorgänger ist auch das neue 6X eher kein Gaming-Smartphone, wenn es um Spiele mit hohen Grafikanforderungen geht.

Insgesamt stimmt beim Honor 6X das Gesamtpaket aus Preis, Verarbeitung, Prozessorleistung und vor allem der Kameraqualität. Mit einem Preis von 250 Euro dürfte das Smartphone besonders Nutzer ansprechen, die kein teureres Topsmartphone kaufen wollen, dennoch aber nicht auf ein vernünftiges Display und eine gute Kamera verzichten wollen. Für 50 Euro mehr gibt es sogar noch die Version mit mehr Speicher - auch dieser Preis ist für das Gebotene sehr gut.  (tk)


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